Hoesch AG

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Hoesch AG
Logo der Hoesch AG 1957
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1871
Auflösung 1991
Sitz Dortmund

Die Hoesch AG war ein bedeutendes Stahl- und Montanunternehmen mit Standorten im Ruhrgebiet und im Siegerland. Es wurde 1871 von Leopold Hoesch in Dortmund als Eisen- und Stahlwerk Hoesch AG gegründet und 1991 vom damaligen Krupp-Konzern (heute ThyssenKrupp) übernommen.

Geschichte[Bearbeiten]

Eingangsbereich der ehemaligen Hoesch-Zentrale in Dortmund
Industrieruine des ehemaligen Hoesch-Konzerns

Die Familie Hoesch war lange vor der Gründung des Dortmunder Unternehmens mit verschiedenen metallverarbeitenden Betrieben in der Eifel ansässig und betrieb Werke in Monschau, Lendersdorf bei Düren (seit 1819) und Eschweiler (seit 1847).[1]

1871 gründete Leopold Hoesch zusammen mit seinen Söhnen Wilhelm (1845–1923) und Albert Hoesch (1847–1898) sowie seinen Vettern Viktor (1824–1888) und Eberhard Hoesch (1827–1907) in Dortmund in der damaligen Provinz Westfalen ein neues Eisen- und Stahlwerk, um die Standortvorteile des aufstrebenden Ruhrgebiets (reiche Kohlevorkommen, Eisenbahn für den Erztransport) auszunutzen.

Das neue Unternehmen überstand die Gründerkrise und übernahm 1899 die Zeche Westfalia mit der zugehörigen Kokerei Kaiserstuhl. In der Weimarer Republik war die Hoesch AG eines der wenigen Schwerindustrie-Unternehmen, die nicht in die Vereinigten Stahlwerke integriert wurden. 1930 fusionierte Hoesch mit dem Köln-Neu–Essener Bergwerksverein, 1966 mit der Dortmund-Hörder Hüttenunion.

1965 erwirtschaftete der Hoesch-Konzern einen Umsatz von 2,358 Milliarden DM und beschäftigte 48.600 Mitarbeiter. Zu dieser Zeit arbeitete ein Fünftel der in Lohn und Brot stehenden Dortmunder Bevölkerung bei „Karl Hoesch“. Dieser Begriff war unter Hoeschianern eine liebevoll gemeinte Respekterklärung und steht als Idiom besonders für alles, was mit dem Stahlunternehmen Hoesch AG zu tun hat.

Auf dem Höhepunkt der Stahlkrise fusionierte Hoesch 1972 mit den niederländischen Koninklijke Hoogovens zum Estel-Konzern. Die Zusammenarbeit wurde jedoch 1982 auf Betreiben des damaligen Hoesch-Vorstandsvorsitzenden Detlev Karsten Rohwedder wieder beendet, der davon überzeugt war, dass die Unternehmenskulturen nicht zusammenpassten und die niederländischen Stahlmanager die Interessen der Dortmunder Betriebsteile benachteiligten. Für die erfolgreiche Sanierung des Hoesch-Konzerns wurde Rohwedder 1983 als „Manager des Jahres“ ausgezeichnet.

1991 wurde die Hoesch AG im Zuge einer feindlichen Übernahme vom damaligen Krupp-Konzern aufgekauft.

Die Arbeiterschaft des Hoesch-Konzerns galt als gut organisiert und streikbereit. Gut dokumentiert sind folgende Arbeitskämpfe:

  • Streik der Hoesch Spundwand und Profil 1999

Unternehmensbestandteile[Bearbeiten]

Stillgelegtes Werkstor an der Hörder Burg

Zum Hoesch-Konzern gehörten die Dortmunder Westfalenhütte, die Hüttenwerke Phönix AG für Bergbau und Hüttenbetrieb und die Hermannshütte in Dortmund-Hörde, das Hüttenwerk Union im Westen der Dortmunder Stadtmitte, die Hüttenwerke Siegerland AG / Hoesch Siegerlandwerke AG mit Werken in Kreuztal-Ferndorf, Kreuztal-Eichen und Wissen, sowie eine Vielzahl von Maschinenbau-Unternehmen, wie die Pohlig Heckel Bleichert (Weserhütte), die Softwarefirma mbp, die frühere Gruppe Orenstein & Koppel und viele andere. Die räumliche Verteilung bzw. Distanz zwischen dem Hochofengelände in Dortmund-Hörde und dem Stahlwerk und Walzwerk machte aufwendige Transporte erforderlich und war ein zentraler Kostenfaktor des Unternehmens.

Heutige Situation[Bearbeiten]

Gasometer auf Phönix-West mit Hoesch-Schriftzug
die Hörder Burg nach der Sanierung 2011

Nach der feindlichen Übernahme durch Krupp und dessen späterer Fusion mit Thyssen gehören die früheren Hoesch-Konzernunternehmen heute größtenteils zur ThyssenKrupp AG.

Die Flüssigphase, die Herstellung von Rohstahleisen und Stahl, wurde 2001 geschlossen. Heute sind auf dem Gelände der Westfalenhütte noch über 1000 Menschen beschäftigt. Aus den Duisburger Hüttenwerken stammendes Warmband wird hier kaltgewalzt, geglüht und elektrolytisch verzinkt oder feuerverzinkt.

Die Produkte gehen hauptsächlich in die Autoindustrie. Die modernste Feuerverzinkungsanlage des ThyssenKrupp-Konzerns wird in Dortmund betrieben. Weiterhin befindet sich auf dem Gelände das Dortmunder OberflächenCentrum, eines der weltweit führenden Forschungs- und Entwicklungszentren für die Oberflächenveredelung von Flachstahl.

Einige Betriebsteile des Thyssen-Konzerns tragen noch heute den Namen des Hoesch-Konzerns:

Nach über 150 Jahren verschwand zum 1. Oktober 2012 der Name der Betriebskrankenkasse Hoesch durch die Fusion mit der BKK vor Ort

Die ehemalige betriebseigene Wohnungsgesellschaft Hoesch-Wohnungsgesellschaft firmiert heute unter der Bezeichnung Wohnbau Westfalen, einer 100%igen RAG Tochter, und besitzt noch heute einen großen Bestand ehemaliger Werkswohnungen in der Dortmunder Nordstadt, im Ruhrgebiet und im Siegerland. Im Herbst 2007 ging die Wohnbau Westfalen im Unternehmensverbund der Evonik auf.

Nähert man sich der Stadt Dortmund aus südlicher Richtung, so fällt sofort der Hoesch Gasometer auf dem Betriebsgelände Phoenix-West mit dem denkmalgeschützten Schriftzug Hoesch ins Auge. Der Gasometer ist eines der wenigen Bauwerke, die noch auf dem Hoeschgelände verblieben sind.

Seit der Schließung der Stahlproduktion auf Phoenix-Ost wurden große Teile der Fertigungsanlagen durch ein chinesisches Unternehmen demontiert und nach China verbracht, um dort wieder aufgebaut zu werden und zu produzieren. Ebenfalls wurde auf dem Gelände der Westfalenhütte die modernste Kokerei der Welt, die Kokerei Kaiserstuhl, demontiert und in China wieder in Betrieb genommen.

Auf dem Gelände Phoenix-Ost, wurde ein Wohn- und Naherholungsgebiet mit dem zentralen Phoenix-See errichtet.

An die Firmengeschichte des Hoesch-Konzerns in Dortmund erinnert das Hoesch-Museum im historischen Portierhaus der Westfalenhütte. Das Museum wurde am 23. Oktober 2005 eröffnet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Horst Mönnich: Aufbruch ins Revier. Aufbruch nach Europa. Hoesch 1871-1971. München: Verlag F. Bruckmann, 1971, ISBN 3-7654-1441-7 (Jubiläumsband der Hoesch Aktiengesellschaft, Dortmund)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Karl Meurer: Auszüge aus: 'Die Eisenbahn-Geschichte der Stadt Eschweiler in Daten'. In: Schriftenreihe des Eschweiler Geschichtsvereins. Nr. 12, 1991, ISSN 0724-7745.