Hofpfisterei

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Ludwig Stocker Hofpfisterei GmbH
Hofpfisterei-Logo
Rechtsform GmbH
Gründung 1970
Sitz München
Leitung Siegfried und Margaretha Stocker, Strategische Geschäftsführung;
Nicole Stocker, Geschäftsleitung[1]
Mitarbeiter 910 (2010)[2]
Umsatz 62,976 Mio. €[2]
Branche Nahrungsmittel, Bäckerei
Website Hofpfisterei.de

Die Ludwig Stocker Hofpfisterei GmbH, kurz Hofpfisterei, ist eine in München ansässige Filialbäckerei, deren Absatzgebiet sich hauptsächlich auf Süddeutschland erstreckt.

Die Hofpfisterei hat sich auf die Herstellung von Backwaren mit ökologisch erzeugten Zutaten spezialisiert. Das Unternehmen beschäftigt etwa 900 Mitarbeiter und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2010 Umsatzerlöse von 63,0 Millionen Euro[2], als Konzern nebst Tochterunternehmen 70,6 Mio. Euro bei fast 1000 Mitarbeitern.[3] In Bayern und Baden-Württemberg werden 151 Filialen betrieben, davon allein 96 in München; fünf Filialen befinden sich in Berlin.[1] Die Produkte werden in beiden Bundesländern auch über andere Einzelhändler abgesetzt, in anderen Regionen wird per Versand vertrieben. Ab Februar 2009 wurden drei Verkaufsstellen in Berlin eröffnet, mittlerweile ist dort die Zahl der Filialen auf neun angewachsen.

Der Stammsitz des Unternehmens liegt in der Kreittmayrstraße 5 im Münchner Stadtteil Maxvorstadt.

Geschichte[Bearbeiten]

„Königliche Hofpfisterey“, 1897

Der Ursprung des Unternehmens reicht bis in das Jahr 1331 zurück.[4] Für diese Zeit ist in München die Torats-Mühle (Mühle an der Stadtmauer, von lat.: Tarras - Wall, Mauer) nahe der alten Burg urkundlich nachgewiesen. In der wahrscheinlich bereits seit 1294 als Hofpfistermühle bestehenden Mühle wurde die herzogliche Pfisterei (lat.: pistrina - Bäckerei bzw. pistor - Bäcker) eingerichtet und ein Pfistermeister bestellt.

Die Hofpfisterei versorgte den herzoglichen Hof der Wittelsbacher mit Brot und Mehl. Im 17. Jahrhundert wurde die Hofpfisterei dem Pfistermeister „in Bestand gegeben“. Das bedeutete, dass der Pfistermeister ab diesem Zeitpunkt Pächter und selbstständiger Unternehmer war.

Im Rahmen der streng organisierten Zünfte genoss der Hofpfister das Privileg, die üblicherweise streng getrennten Handwerke des Müllers, des Mehlhändlers (Melber) und des Bäckers in seinem Betrieb vereinen zu dürfen. Zu seinen Aufgaben zählte auch die vom Hof verordnete Speisung Bedürftiger, sowie regelmäßige Brotgaben an Studenten, Klöster und Heime.

Anfang des 18. Jahrhunderts erhielten die Pfister eine eigene Zunft, ab 1825 waren sie in Innungen organisiert. Die Münchner Hofpfisterei wurde 1917 von Ludwig Stocker gepachtet. Bei einem Bombenangriff wurde die Betriebsstätte der Hofpfisterei 1945 zerstört. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ab 1948 wieder produziert. Die Pfistermühle in der Münchner Altstadt (Pfisterstraße, nahe dem Hofbräuhaus am Platzl) wurde 1958 von der Staatlichen Schlösserverwaltung verkauft, der Unternehmenssitz wurde 1964 in die Kreittmayrstraße verlagert.

Im Jahr 1970 übernahm Siegfried Stocker das Unternehmen von seinem Vater. Er verfolgte eine Differenzierungsstrategie, indem er naturnahe (ökologische) Fertigung in den Vordergrund stellte. Eine ganzseitige Zeitungsannonce, mit der Stocker um Unterstützung seiner Strategie durch die bayerischen Landwirte warb, fand 1981 wenig Resonanz. Ungeachtet dessen produzierte der Betrieb ab 1984 ausschließlich ökologisch.

Filiale im Stachus-Untergeschoss

Mit dem wachsenden Umweltbewusstsein der Bevölkerung in den 1980er Jahren konnte die Hofpfisterei ihre Marktposition festigen. Mit dem Öko-Landwirtschaftsverband Naturland arbeitet die Hofpfisterei seit 1989 zusammen. Im Jahr 1988 wurde die Meyermühle in Landshut übernommen, 1990 Stocker's Backstube in Lauf. 1992 gründete die Hofpfisterei zusammen mit Naturland die Öko-Fleischerei Die Landfrau, die sie 1998 vollständig übernahm.

Kritik[Bearbeiten]

2010 beanstandete die Verbraucherschutzorganisation foodwatch, dass die Hofpfisterei ihre Produkte mit der Bezeichnung bewusster Verzicht auf Zusätze bewerbe, obwohl sehr wohl Backhilfsmittel eingesetzt würden. Diese verwendeten Zusatzstoffe seien allerdings, so foodwatch, in der Ökoproduktion legal. Das Unternehmen reagierte auf die Kritik mit der Ankündigung, Werbung und Produkthinweise zu korrigieren sowie sämtliche Zutaten aller Produkte offenzulegen.[5]

Das Verhalten der Hofpfisterei bezüglich des Themas Markenschutz wurde im Oktober 2013 in der Sendung quer des Bayerischen Rundfunks kritisiert. So berichtete quer, dass die Münchner Hofpfisterei um ihre erfolgreichste Marke, die Pfister-Öko-Sonne, fürchtet und jeden Bäcker, der den Begriff „Sonne“ für eines seiner Produkte nutzt, abmahnt. Bis zu 18.000 Euro Strafe mussten Kleinbäcker schon zahlen.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Unternehmensprofil auf der Website des Unternehmens. Abgerufen am 6. Juli 2012.
  2. a b c Jahresabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Januar 2010 bis zum 31. Dezember 2010. Veröffentlicht am 1. Februar 2012. Abgerufen am 6. Juli 2012 mittels Unternehmensregister.
  3. Konzernabschluss zum Geschäftsjahr vom 1. Januar 2010 bis zum 31. Dezember 2010. Veröffentlicht am 1. Februar 2012. Abgerufen am 6. Juli 2012 mittels Unternehmensregister.
  4. www.hofpfisterei.de 700 Jahre Hofpfisterei: Eine Bayerische Brotgeschichte. Aufgerufen am 3. September 2011.
  5. Silvia Liebrich: Im Visier des Verbraucherschutz. In: Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010. Abgerufen am 25. Oktober 2013.
  6. Sonnenschutz: Hofpfisterei mahnt Bäckereien ab. blog.br.de, 23. Oktober 2013.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pfistermühle – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien