Hohe Nacht der klaren Sterne

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Hohe Nacht der klaren Sterne ist ein deutsches Weihnachts- oder eigentlich Winterlied aus der Zeit des Nationalsozialismus. Autor ist Hans Baumann (1914–1988), seinerzeit Referent der Reichsjugendführung. Aus seiner Feder stammt auch das Lied Es zittern die morschen Knochen (1932).

Geschichte[Bearbeiten]

Das Lied verzichtet inhaltlich bewusst auf alle christlichen und weihnachtlichen Begriffe und stellt stattdessen in Abkehr dazu die im Nationalsozialismus forcierten Mythen der Nacht (1. Strophe), des Wintersonnenwendfeuers (2. Strophe) und (entsprechend dem nationalsozialistischen Mütterkult) der Mutter (3. Strophe) in den Mittelpunkt.

Erstmals veröffentlicht wurde es 1936 in Baumanns Liedsammlung Wir zünden das Feuer als Bestandteil des Chorwerkes Den Müttern. Bereits zwei Jahre nach dem Erstdruck erschien eine von der Reichsjugendführung herausgegebene Weihnachtsliedersammlung, die sogar den Titel Hohe Nacht der klaren Sterne. Ein Weihnachts- und Wiegenliederbuch trug. Sie enthielt das Lied in einem Satz von Georg Blumensaat.[1] Als Quelle wird Baumanns Liedersammlung Horch auf Kamerad, erschienen im Voggenreiter-Verlag, angeführt. Ein Klaviersatz von Paul Winter erschien 1941 im Voggenreiter-Verlag.[2]

Auf den Heimabenden der Hitlerjugend und des BDM gesungen, erlangte es schnell eine hohe Popularität. Die Zeitschrift Reichsrundfunk (Nr. 19, 1942/43) nannte es das „schönste Weihnachtslied aus unserer Zeit“.

Auch nach 1945 wurde es in der Bundesrepublik in etliche Liederbücher aufgenommen, z. B. 1948 in das Liederbuch für unsere schaffende Jugend des Deutschen Gewerkschaftsbundes oder 1956 in Unser fröhlicher Gesell. Die Einschätzung, dass es in der Deutschen Demokratischen Republik als Kindergartenlied verbreitet gewesen sei, lässt sich nicht verifizieren.[3]

Bis heute ist es auf Schallplatte oder CD (gesungen von Heino) erhältlich, zuletzt auf einer 2013 wiederveröffentlichten CD. In der Gegenwart wird das nationalsozialistische Weihnachtslied entweder aus Unkenntnis oder bewusst in rechtskonservativen Kreisen verbreitet und rezipiert.[3]

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Fischer: Hohe Nacht der klaren Sterne. In: Populäre und traditionelle Lieder. Historisch-kritisches Liederlexikon. online beim Deutschen Volksliedarchiv, 2007.
  • Esther Gajek: „Hohe Nacht der klaren Sterne“ und andere „Stille Nacht“ der Nationalsozialisten“. In: Richard Faber (Hrsg.): Säkularisierung und Resakralisierung. Zur Geschichte des Kirchenliedes und seiner Rezeption. Königshausen und Neumann, Würzburg 2001.
  • Hans Baumann: Wir zünden das Feuer. Eugen Diederichs Verlag, Jena 1936.
  • Hohe Nacht der klaren Sterne. Ein Weihnachts- und Wiegenliederbuch. Zusammengestellt von Katrin Engelmann. Hrsg. von der Reichsjugendführung, Wolfenbüttel und Berlin 1938.
  • Liederbuch für unsere schaffende Jugend. Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Essen 1948.
  • Unser fröhlicher Gesell. Möseler-Verlag, Wolfenbüttel 1956.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hohe Nacht der Klaren Sterne. Ein Weihnachts- und Wiegenliederbuch. Herausgegeben von der Reichsjugendführung, Georg Kallmeyer Verlag, Wolfenbüttel und Berlin 1938.
  2. Hohe Nacht – Vier Weihnachtslieder von Hans Baumann in Sätzen für Gesang und Klavier von Franz Biebl und Paul Winter. Voggenreiter Verlag, Potsdam 1941.
  3. a b Michael Fischer: Hohe Nacht der klaren Sterne. In: Populäre und traditionelle Lieder. Historisch-kritisches Liederlexikon, 2007.

Weblinks[Bearbeiten]