Hohenfels (bei Stockach)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Hohenfels
Hohenfels (bei Stockach)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Hohenfels hervorgehoben
47.8855555555569.1094444444444654Koordinaten: 47° 53′ N, 9° 7′ O
Basisdaten
Bundesland: Baden-Württemberg
Regierungsbezirk: Freiburg
Landkreis: Konstanz
Höhe: 654 m ü. NHN
Fläche: 30,5 km²
Einwohner: 1978 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 65 Einwohner je km²
Postleitzahl: 78355
Vorwahlen: 07557, 07775, 07771
Kfz-Kennzeichen: KN
Gemeindeschlüssel: 08 3 35 096
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Hauptstraße 30
78355 Hohenfels
Webpräsenz: www.hohenfels.de
Bürgermeister: Andreas Funk
Lage der Gemeinde Hohenfels im Landkreis Konstanz
Bodensee Bodenseekreis Landkreis Waldshut Schwarzwald-Baar-Kreis Landkreis Tuttlingen Landkreis Sigmaringen Aach (Hegau) Allensbach Bodman-Ludwigshafen Büsingen am Hochrhein Stockach Eigeltingen Engen Gaienhofen Gailingen am Hochrhein Gottmadingen Hilzingen Hohenfels (bei Stockach) Konstanz Mainau Moos (am Bodensee) Mühlhausen-Ehingen Mühlingen Öhningen Orsingen-Nenzingen Radolfzell am Bodensee Reichenau (Landkreis Konstanz) Reichenau (Landkreis Konstanz) Reichenau (Landkreis Konstanz) Reichenau (Landkreis Konstanz) Rielasingen-Worblingen Singen (Hohentwiel) Steißlingen Stockach Tengen Volkertshausen SchweizKarte
Über dieses Bild

Hohenfels ist eine Gemeinde im Landkreis Konstanz in Baden-Württemberg.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Hohenfels liegt nördlich des Bodensees am Ostrand des Hegaus. Die Hohenfelser Ortsteile Liggersdorf, Mindersdorf, Deutwang und Kalkofen sind Teil des historischen Hegaus. Der Ortsteil Selgetsweiler (315 Hektar) gehört zum Linzgau.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Die Gemeinde grenzt im Norden an Sauldorf und Wald und im Osten an Herdwangen-Schönach, alle drei im Landkreis Sigmaringen, im Süden an die Stadt Stockach und im Westen an Mühlingen.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen Liggersdorf, dem Mittelpunkt und Verwaltungssitz der Gemeinde Hohenfels, Mindersdorf, Selgetsweiler, Kalkofen und Deutwang mit insgesamt 24 Dörfern, Weilern und Höfen. Die Ortsteile sind räumlich identisch mit den früher selbstständigen Gemeinden gleichen Namens. Die Ortsteile bilden zugleich Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung. Die zunächst vorhandenen Ortschaftsverfassungen sind inzwischen alle aufgelöst worden.[2]

Zum Ortsteil Deutwang gehören das Dorf Deutwang und die Höfe Hahnenmühle, Hippenhof und Steighöfe. Zum Ortsteil Kalkofen gehören das Dorf Kalkofen und die Höfe Hagendorn, Hohenfels, Knollenkratten, Loghöfe, Neumühle, Rappenhof, Schernegg, Vogelsang und Weiherhöfe. Zum Ortsteil Liggersdorf gehören das Dorf Liggersdorf, die Hofgruppe Sattelöse und die Höfe Gründe und Reisch. Zum Ortsteil Mindersdorf gehören das Dorf Mindersdorf und die Höfe Eckartsmühle und Ratzenweiler und in Selgetsweiler liegen das Dorf Selgetsweiler und das Gehöft Geyerhof. Der Weiler Mühlhausen, ursprünglich eine Selgetsweiler Exklave, gehört heute zu Herdwangen-Schönach. Im Ortsteil Deutwang liegen die Wüstungen Annweiler und Langenberg. Im Ortsteil Liggendorf liegen die Wüstungen Butzenweiler und Sattelöse (namensgleich zur heutigen Hofgruppe). Im Ortsteil Selgetsweiler liegt die Wüstung Annenweiler.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Neuzeit[Bearbeiten]

Das Gebiet der heutigen Gemeinde gehörte über Jahrhunderte zur Herrschaft Hohenfels, die seit 1506 dem Deutschen Orden gehörte. Der Orden hatte die kleine Herrschaft von der überlebenden Schwester der Herren von Jungingen gekauft. Die Herrschaft Hohenfels gehörte zur Kommende Altshausen und diese zur Ballei Schwaben-Elsass-Burgund. Beide hatten ihren Sitz in Altshausen.

Durch die Mediatisierung aufgrund der Rheinbundakte kam Hohenfels dann 1806 an das Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen und 1849 mit diesem als Hohenzollernsche Lande an Preußen.

Ab 1806 gehörte das heutige Gemeindegebiet also zunächst zu einem hohenzollerischen Oberamt, dem Obervogteiamt Hohenfels, das 1822 im Oberamt Wald aufging. Das Oberamt Wald existierte auch noch von 1850 bis 1862 unter preußischer Herrschaft, bis zur Kreisreform in Baden-Württemberg 1973 gehörte die Gemeinde dann zum Oberamt Sigmaringen, aus dem 1925 der Landkreis Sigmaringen hervorging.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Flugzeugabsturz in Mindersdorf[Bearbeiten]

Eine Heinkel He 111 des „Kampfgeschwaders 1“ (Kennung = V4) im Juni 1940

Am 30. Dezember 1940, also noch während die Luftschlacht um England andauerte, stürzte gegen 22:00 Uhr auf dem Gemeindegebiet von Mindersdorf (damals noch im Landkreis Sigmaringen) ein deutscher, zweimotoriger Heinkel He-111-Bomber[4] von Westen her kommend mit Kurs ungefähr 84° im sehr flachem Winkel ab. Die extrem tief fliegende Maschine streifte einige Baumwipfel des Waldes westlich von Mindersdorf[5], hatte ersten Bodenkontakt nördlich der heutigen Kreisstraße K6105 (Tannenbergstraße) an der Stelle des heutigen Wasserhochspeichers, verlor dabei einen Propeller und Motor, schwebte den Hang hinunter, streifte noch einen Baum und blieb nahe dem Bach kurz vor der (heutigen) Straße Rosenwiesen liegen. Die Maschine brach nicht auseinander, brannte nicht und es gab auch keine Explosion. Die von dem Lärm sofort alarmierte örtliche Landwacht vermutete einen Feindbomber und riegelte das Absturzgebiet 150 m südlich vom Hof Josef Schuler ab. Überlebende wurden keine gefunden: die maximal fünfköpfige Besatzung hatte augenscheinlich das Flugzeug schon vorher per Fallschirm verlassen[5]. Einige Landwirte im Dorf wurden in den folgenden Wochen zur Demontage, Bergung und Abtransport der Teile mit ihren Pferdeschlitten zum nächsten Bahnhof dienstverpflichtet[5]. Der Absturz und die Begleitumstände wurden vertuscht, da die Sache aus Sicht der Propaganda nicht förderlich war. In der offiziellen Quellen der Gemeinde Hohenfels konnte bisher noch kein Eintrag gefunden werden[6]. Jahrzehnte später konnte der Ablauf rekonstruiert werden: Die Maschine vom Typ He-111P2, Werks-Nr. 2102, gehörte zu der II. Gruppe des Kampfgeschwaders 1[7], die zur damaligen Zeit unter Major Benno Koch in Münster-Handorf gehorstet[8] war. Bei diesem Flug traten südlich von Paris über Orlean-Bricy so massive Probleme auf, dass die gesamte Besatzung die Maschine im Flug aufgab und am Fallschirm absprang. Die Heinkel flog jedoch weiter, nur mit eingeschaltetem Autopilot (Kurssteuerung) Richtung Osten, über die Vogesen, den Rhein und den Schwarzwald, um dann wegen Spritmangel, langsam an Höhe verlierend, in Mindersdorf nach 540 km relativ weich aufzuschlagen.

Radarstellung LORI in Kalkofen[Bearbeiten]

Einer der letzten von rund 1500 produzierten FuMG 65 Würzburg-Riesen mit 7,5-m-Radarspiegel (auf einen einfachem Betonsockel) heute im Museum Berlin/Gatow

Kurz nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde von der Luftnachrichtentruppe (LN) (Eine Einheit der Luftwaffe) eine „Auge-Ohr“-Beobachtungsstelle im Wald vom Josenberg (östlich von Kalkofen) aufgebaut. Die erhöhte Lage erwies sich dabei als ideal. Mit zunehmendem Fortschritt in der Funknachrichtentechnik und der veränderten Kriegslage wurde diese mit einer auf der Gemarkung Hagedorn (an der Grenze von Kalkofen zu Deutwang) neu gebaute Funkmessstellung erweitert. Es war eine Stellung 2. Ordnung mit Funkrufname „Lori“ der 3. mittlere Flugmelde-Leitkompanie des 215. Regiments unter Oberst Walter Dumke. Sie unterstand der 7. Jagddivision der Luftnachrichtentruppe der Luftwaffe. Die recht umfangreich ausgebaute Stellung mit vielen Gebäuden, Wohnbaracken, Küche und eigener Kläranlage meldete aktuell die Luftlage an die Leitstelle „Minotaurus“ 7. Nachtjagddivision in Oberschleißheim. Es war eine damals hochmodern ausgebaute „Funkmessstellung“ (heute: Radarstellung) mit zwei zweidimensional messenden Freya-Rundumsuchgeräten mit einer typischen Reichweite von rund 120 km (im Radius) ergänzt um zwei dreidimensional messenden Würzburg-Feuerleitradargeräten (typische Reichweite: ca. 60–90 km), einem Seeburg-Luftlagetisch, einem großen Suchscheinwerfer, eigener Stromversorgung durch Dieselaggregate und einem recht umfangreichem Personalbestand[9]. Die Aufgabe dieser Stellung wurde vor der Bevölkerung verschleiert: Sie war ein südlicher Teil der später unter dem Namen „Kammhuber-Linie“ bekanntgewordenen Luftabwehrsystemes unter General Josef Kammhuber. Die Geräte dienten zum Erfassen anfangs aus westlicher, später auch aus südlicher Richtung einfliegenden Bomberformationen, vornehmlich in der Nachtjagd. Zwei Jägerleitoffiziere am Seeburg-Luftlagetisch (rot = Gegner, grün = eigene Maschine) führte im Funksprechverfahren deutsche Abfangjäger und Nachtjäger an die alliierten Bomber mit dem Ziel des Abschusses heran. Die in der Stellung aufgebauten leichten Flakgeschütze dienten nur der Selbstverteidigung und brachten der Anlage den eigentlich falschen Namen „Flakstellung“. Der elektronische Teil der Radargeräte in der Stellung wurden am Morgen des 22. April 1945 gegen 4:20 Uhr vor den aus Stockach unter Colonel Lehr[10] anrückenden französischen Truppen gesprengt. Die jeweils ca. 70 Tonnen schwere Betonfundamente (Typ: V229) der beiden Würzburg-Riesen (Typ: FuMG-65) blieben unversehrt noch einige Jahrzehnte erhalten. Zwei Kradmelder wurden zur Überwachung der Selbstvernichtungsaktion von Stuttgart aus geschickt. Sie gerieten dabei am späten Morgen nahe Ruhestetten in das Feuer der anrückenden französischen Truppen und wurden vor Ort neben der Straße beerdigt.[11] Die vielen, zum Teil sehr jungen Frauen zwischen 15-18 Jahren in der Stellung („Blitzmädchen“) wurden in den umliegenden Gehöften mit Zivilkleidung versorgt und aus Angst vor Vergewaltigungen vor den anrückenden Truppen als „Mägde und Personal“ versteckt[12]. Die Stellung „LORI“ wurde trotz vieler Bemühungen offenbar nie exakt lokalisiert. Da die Anlage aber auch für die „Helle Nachtjagd“ mit einem starken Scheinwerfer ausgestattet war, war sie bei einem Nachtangriff der RAF auf Friedrichshafen von der Luft aus wohl gut erkennbar: ein Bomber warf eine schwere Luftmine in Richtung auf „Lori“ ab. Diese traf jedoch nicht, explodierte aber nördlich der Anlage am Haselberg mit so starker Druckwelle, dass bei weit entfernten Gebäuden Schäden an den Dächern entstand.[5] Ein vielleicht verirrter Bordwaffenangriff im Tiefflug auf das danebenliegende, aber kriegsunbedeutende Liggersdorf am 3. Oktober 1943 könnte aber tatsächlich dieser Stellung gegolten haben[13].

Bundesrepublik[Bearbeiten]

Im Zuge der baden-württembergischen Verwaltungsreform schlossen sich die bis dahin selbständigen Gemeinden Liggersdorf, Mindersdorf und Selgetsweiler zum 1. Januar 1973 zur neuen Gemeinde Hohenfels zusammen. Die heutige Gemeinde wurde am 1. Januar 1975 durch Vereinigung dieser Gemeinde mit den Gemeinden Deutwang und Kalkofen gebildet. Die Gemeinde wechselte im Rahmen der Kreisreform in den Landkreis Konstanz.

Ortsteile[Bearbeiten]

Deutwang

Deutwang Das Dorf Deutwang mit einer Gemarkungsfläche von 336 Hektar auf 640 Meter Höhe gelegen wurde 1245 erstmals erwähnt, als die Herren von Bittelschieß den Ort an das Hochstift Konstanz abtraten. Im 15. Jahrhundert kam es dann zur Herrschaft Hohenfels. Deutwang wird durch die Scherneggerstraße von Ost nach West durchzogen und gehört somit zur Siedlungsform des Straßendorfs.
Kalkofen
Kalkofen Das Dorf Kalkofen mit einer Gemarkungsfläche von 830 Hektar auf 630 Meter Höhe gelegen wurde 1186 erstmals erwähnt. Der Name weist möglicherweise auf eine dort befindliche Kalkbrennerei hin. Südwestlich von Kalkofen (circa 250 Meter vom Ortskern) liegen am Abhang zu Mahlspüren Muschelkalkvorkommen[14]. Diese könnten früher zu Kalk gebrannt worden sein, da die Brennöfen meist nicht weit von den Abbaustellen waren. Eindeutige Quellen zur Namensgebung der Ortschaft liegen aber nicht vor. Der Name könnte auch aus Kahl Kofen (etwa: „karger Ort“) hergeleitet werden. Seit dem 14. Jahrhundert gehörte der Ort zur Herrschaft Hohenfels.
Liggersdorf
Liggersdorf Das Dorf Liggersdorf ist mit einer Gemarkungsfläche von 713 Hektar auf 654 Meter Höhe gelegen. Liggersdorf wurde erstmals 970 als ‘‘Liutherestoref‘‘ urkundlich erwähnt. Es kam schon bald zur Herrschaft Hohenfels.
Mindersdorf
Mindersdorf Das Dorf Mindersdorf mit ist einer Gemarkungsfläche von 876 Hektar auf 630 Meter Höhe gelegen. Mindersdorf wurde erstmals 883 in einer Urkunde Kaiser Karls des Dicken erwähnt. Es gehörte damals zum Besitz des Klosters Reichenau. Seit 1339 gehörte der Ort den Grafen von Nellenburg, später kam es zur Herrschaft Hohenfels.
Selgetsweiler
Selgetsweiler Das Dorf Selgetsweiler ist mit einer Gemarkungsfläche von 315 Hektar auf 685 Meter Höhe gelegen. Erst 1324 wurde Selgetsweiler erstmals erwähnt. Seit 1441 gehört es zur Herrschaft Hohenfels.

Politik[Bearbeiten]

Die Gemeinde gehört der Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft der Stadt Stockach an. Zu den Aufgaben der Verwaltungsgemeinschaft gehört die Bauleitplanung (Flächennutzungsplan) sowie die Erfüllung der Aufgaben der Baurechtsbehörde und des Amts für öffentliche Ordnung.

Gemeinderat[Bearbeiten]

Die Kommunalwahlen in Baden-Württemberg 2009 vom 7. Juni 2009 führte bei einer Wahlbeteiligung von 61,7 % (−0,8) zu folgendem Ergebnis:[15]

Partei / Liste Stimmenanteil +/- Sitze +/-
Bürgerliste Hohenfels 53,3 % −0,5 8 + 1
Freie Unabhängige Wählervereinigung 46,7 % + 0,5 7 + 1

Bürgermeister[Bearbeiten]

Am 13. März 1988 wurde Hans Veit mit 64 Prozent der gültigen Stimmen erstmals zum Bürgermeister von Hohenfels gewählt.[16] Amtseinsetzung war der 1. April 1988.[17] Bei der letzten Wiederwahl am 14. Januar 2004 wurde er mit 95 Prozent der Wählerstimmen für die dritte Amtsperiode bestätigt.[18] Bürgermeisterstellvertreter sind die Gemeinderatsmitglieder Walter Benkler und Friedrich Bezikofer. Bei der Bürgermeisterwahl am 29. Januar 2012 stellt er sich nach 24 Jahren nicht mehr zur Wahl.[19]

  • 1975–1988: Franz Moser
  • 1. April 1988–31. März 2012: Hans Veit
  • seit 1. April 2012: Andreas Funk
Ehemalige Bürgermeister von Kalkofen
  • Richard Haidlauf (CDU)
Ehemalige Bürgermeister von Liggersdorf
  • Josef Haidlauf jg. (Hohenz. Zentrumspartei)

Wappen[Bearbeiten]

Wappen Hohenfels.png

Das Wappen von Hohenfels zeigt in Silber ein geradarmiges schwarzes Tatzenkreuz, belegt mit einem grünen Herzschild, darin eine silberne Schere.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Die Gemeinde liegt zwölf Kilometer östlich der Bundesautobahn 98 (Ausfahrt Stockach-Ost). Eine wichtige Verbindung stellt die Landesstraße 194 dar, die von Stockach über Hohenfels nach Pfullendorf, Ostrach, Saulgau und Biberach an der Riß führt.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

War es früher die Landwirtschaft, die in dieser Gemeinde im Vordergrund stand, so sind es heute Betriebe des Handwerks, des Handels und der Dienstleistungen. Bedeutsame Unternehmen bzw. Arbeitgeber mit größerer Mitarbeiterzahl sind die Firmen Uniblech GmbH (Blechverarbeitung), Gäng-Case (Spezialkofferbau), FGS GmbH (Fahrzeugaufbauten), Paul Saum (Garten- und Landschaftsbau), Otto Moser (Landmaschinen) und auch die Schule Burg Hohenfels als Teil der Schule Schloss Salem.

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten]

Hohenfels verfügt mit der Korbinian-Brodmann-Schule über eine eigene Grundschule. Außerdem befindet sich auf der Burg Hohenfels die Unterstufe der Schule Schloss Salem. Das Bildungsangebot wird von einem gemeindlichen Kindergarten mit drei Regelgruppen und einer Krippengruppe ergänzt.

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

Im Jahr 2005[20] wurde das damals sanierungsbedürfte, 30 Jahre alte Freibad im Ortsteil Kalkofen durch einen Verein, der aus der Bürgerbewegung „Hohenfels hat Zukunft“ hervorging, von der Gemeinde übernommen. Das Bürger-Bad wurde in 7000 freiwilligen Arbeitsstunden komplett zu einem Naturbad umgebaut. Die Ölheizung wurde durch Sonnenkollektoren und die Chlorung des Badewassers durch eine mechanisch-biologische Reinigung ersetzt. Rund um das große Becken erfolgte eine Grünbepflanzung. Das Naturbad zeichnet sich durch eine kontrollierte gute Wasserqualität und offener Wasserrutsche aus.[21]

Bodenseewasserversorgung[Bearbeiten]

Von 1968 bis 1970 wurde für die Bodensee-Wasserversorgung eine unterirdische Wasserpipeline von Sipplingen aus Richtung Stuttgart auch durch die Gemarkung der Gemeinde Hohenfels gelegt. Sie verläuft westlich von Kalkofen in nördlicher Richtung. Diese Leitung wurde 1993/1994 um eine Parallelleitung von Stockach (Mahlspüren im Tal) über Hohenfels bis Sigmaringen (Laiz) ergänzt. Diese Leitungen versorgen heute Millionen von Menschen im mittleren Neckarraum mit hochwertigem Trinkwasser aus dem Bodensee. Auf und einige Meter neben der Trasse gilt Bauverbot.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Burgen und Schlösser[Bearbeiten]

Die barocke Burg Hohenfels kann nur von außen besichtigt werden. Die Anlage wird heute von der Schule Schloss Salem genutzt.

Kirchen[Bearbeiten]

In der Gemeinde Hohenfels befinden drei Kirchenbauten die vom Deutschordensbaumeistern Johann Caspar Bagnato im barocken Stil durch die Deutschordenskommende Altshausen errichtet wurden:

Eulogiuskapelle[Bearbeiten]
Eulogius-Kapelle in Kalkofen von Westen (2007)

Im Ortsteil Kalkofen findet man die 1696 erbaute Eulogius-Kapelle. Der Legende nach wurde die Kapelle als Dank für das erfolgreiche Stoppen eines Hangrutsches am Josenberg[22] (702 m ü. NN) gebaut. Der Hang, eine Moräne eines Gletschers der Würmeiszeit, war instabil, konnte aber durch Aufforstung mit Mischwald (Nadelbäume und Buchen) erfolgreich befestigt werden[22]. Der instabile Untergrund mit seinen Schiebungen ist ein ständiges Problem der Ortschaft (600-635 m ü. NN). Kalkofen liegt direkt an der Kante des Tales der Mahlspürer Aach bei Mahlspüren im Tal (rund 515 m ü. NN). Die Kapelle selbst ist in gutem Zustand. Bis in die 1970er Jahre wurde die Glocke noch drei mal täglich von Hand geläutet[22]. Seit Anfang der 1980er Jahre übernahm das ein elektrisches Läutwerk. Eulogius soll einer weiteren Legende nach einem verunglückten Pferd durch eine Art Wunderheilung am Fuß geholfen haben. Diese Szene ist Teil des Altarbildes in der Kapelle. Auf diesen Vorfall beruft sich auch das Schutzpatrozinium für Pferde und Reiter. Da Eulogius deswegen auch der Schutzpatron der Hufschmiede ist, war es für den Dorfschmied Paul Maier bis zu seinem Tod 1965 Ehrensache, ohne Entgelt zu mesmern und die Kapelle zu pflegen. Bis in die 1950er Jahre war die Eulogius-Kapelle Sammelpunkt der Kalkofer Blutreiter-Gruppen. Von dort aus wurde gemeinsam zum Blutritt nach Weingarten geritten[22]. Heute, im Zeitalter der Pferdeanhänger, hat sich dieser Brauch, auch auf Grund der Entfernung, ausgelebt.

St. Gallus-Kirche[Bearbeiten]

Die 1718 eingeweihte St. Gallus-Kirche in Deutwang wurde 2009 saniert und erhielt einen Orgelneubau der Überlinger Orgelbaufirma Peter Mönch. Das Instrument besteht aus sieben klingenden Registern und einer Pedaltransmission mit 367 Pfeifen aus Zinn-Legierung und Nadelholz. Davon stammen 218 Pfeifen aus der Vorgängerorgel von 1932.

Kirche Cosmas und Damian[Bearbeiten]
Katholische Cosmas-und-Damian-Kirche in Liggersdorf von Westen (2007)

Eine Besonderheit stellt auch die St. Oswald-Kirche in Mindersdorf dar, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihre Ausgestaltung mit neugotischen und Jugendstilelementen erhielt.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Der Musikverein Liggersdorf und der Sportverein Liggersdorf veranstalten im jährlichen Wechsel ein großes Maifest, das alle vier Jahre um eine Gewerbeausstellung ergänzt wird. Die Bauernkapelle Mindersdorf richtete 2010 zum 46. und vorerst letzten Mal ein Oktoberfest aus[23], bei dem häufig bekannte Größen der Volksmusikszene Teil des Programms waren. Alle zwei Jahre finden Hohenfelser Kulturtage mit Konzerten, Ausstellungen und Lesungen statt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

  • Korbinian Brodmann (1868–1918), geboren in Liggersdorf, deutscher Neurologe und Psychiater
  • Konrad von Jungingen (ca. 1355/1360–1407), geboren vermutlich auf Burg Hohenfels, Hochmeister des Deutschen Ordens
  • Karl Lehmann (* 1936) ehemals Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz, besuchte von 1942 bis 1945 die Grundschule in Liggersdorf.
  • Josef Schreiber (* 1919 in Mindersdorf), Oberfeldwebel, Träger des EK I mit Eichenlaub, Träger des Ritterkreuzes, vermisst seit dem 1. Februar 1945 bei Posen. Am 27. Mai 1967 wurde die Bundeswehr-Kaserne in Immendingen in „Oberfeldwebel-Schreiber-Kaserne“ umbenannt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Christian H. Freitag/ Richard Haidlauf/ Hermann Strohmaier: Kalkofen und Hohenfels. Daten - Bilder - Karten. Eine ortsgeschichtliche Sammlung. Hohenfels 2000
  • Christian H. Freitag/ Richard Haidlauf/ Hermann Strohmaier u.a.: Liggersdorf und Selgetsweiler. Daten - Bilder - Karten. Eine ortsgeschichtliche Sammlung. Hohenfels 2003
  • Walther Genzmer (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler Hohenzollerns, Bd. 2, Stuttgart: W. Speemann 1948

Quellen[Bearbeiten]

  1. Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Hauptsatzung der Gemeinde Hohenfels vom 18. Februar 2009 (PDF; 18 kB)
  3. Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 789–793
  4. Hans Willbold „Der Luftkrieg zwischen Donau und Bodensee“, Seite 192, ISBN 3-925171-54-1, Federseeverlag 2002
  5. a b c d Interview mit Anlieger und Zeitzeuge Josef Schuler, 6. April 2013
  6. Interview am 6. April 2013 mit Herrmann Strohmaier, Mitautor des Heimatbuches „Hohenfels-Kalkofen“
  7. Dank an: Luftfahrthistoriker Horn aus Dresden: Einheit, Ausführung und SN# der Heinkel He-111
  8. Kampfgeschwader 1 „Hindenburg". In: The Luftwaffe, 1933–45. Abgerufen am 24. Juni 2013.
  9. Karl Otto Hoffmann „LN Geschichte der LUFTNACHRICHTENTRUPPE“ Band II, 1.Teil, Kurt Vowinkel Verlag, 1968
  10. Georg Metzler: Geheime Kommandosache - Raketenrüstung in Oberschwaben. Das Außenlager Saulgau und die V2 (1943-45). ISBN 3-89089-053-9
  11. Sandra Häusler (sah): Minuten, die alles entscheiden. In: Südkurier vom 8. Mai 2010
  12. Nach Schilderung von Augen- und Zeitzeugen vor Ort
  13. Hans Willbold „Der Luftkrieg zwischen Donau und Bodensee“, Seite 250, ISBN 3-925171-54-1, Federseeverlag 2002
  14. selbst gegraben und gesehen: versteinerte Muscheln etc. (R. Dietz)
  15. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
  16. Zur Person. In: Südkurier vom 26. Februar 2009
  17. Matthias Biehler (bie): Bürgermeister: Es kann nur eine Liste geben. In: Südkurier vom 10. Mai 2010
  18. Hans Veit. In: Südkurier vom 21. November 2007
  19. Georg Exner: Veit-Nachfolger gesucht. In: Südkurier vom 16. Juli 2011
  20. (ub): Naturbad öffnet bald. Öko-Oase in Hohenfels. In: Südkurier vom 8. Mai 2009
  21. Jörg Braun (jöb): Bürger baden die Finanzmisere aus. In: Südkurier vom 21. Juni 2010
  22. a b c d Alfred Dietz aus Kalkofen
  23. (ex): Hohenfels. Bauerkapelle streicht Oktoberfest. In: Südkurier vom 22. März 2011

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hohenfels (bei Stockach) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien