Hohenkirchen (Thüringen)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Hohenkirchen
Hohenkirchen (Thüringen)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Hohenkirchen hervorgehoben
50.84861111111110.701111111111350Koordinaten: 50° 51′ N, 10° 42′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Gotha
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Apfelstädtaue
Höhe: 350 m ü. NHN
Fläche: 6,8 km²
Einwohner: 730 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 107 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99887
Vorwahl: 036253
Kfz-Kennzeichen: GTH
Gemeindeschlüssel: 16 0 67 039
Adresse der Verbandsverwaltung: Tambacher Str. 2
99887 Georgenthal
Webpräsenz: www.hk.apfelstaedtaue.de
Bürgermeister: Jürgen Beese (CDU)
Lage der Gemeinde Hohenkirchen im Landkreis Gotha
Ballstädt Bienstädt Brüheim Bufleben Crawinkel Dachwig Döllstädt Drei Gleichen Emleben Waltershausen Eschenbergen Friedrichroda Friedrichswerth Friemar Georgenthal Gierstädt Goldbach Gotha Gräfenhain Großfahner Günthersleben-Wechmar Haina Herrenhof Hochheim Hohenkirchen Hörsel (Gemeinde) Leinatal Luisenthal Molschleben Nesse-Apfelstädt Nottleben Ohrdruf Petriroda Pferdingsleben Remstädt Schwabhausen Sonneborn Tabarz Tambach-Dietharz Tonna Tröchtelborn Tüttleben Waltershausen Wangenheim Warza Westhausen Wölfis Zimmernsupra Thüringen Erfurt Ilm-Kreis Landkreis Schmalkalden-Meiningen Wartburgkreis Eisenach Unstrut-Hainich-Kreis Landkreis SömmerdaKarte
Über dieses Bild

Hohenkirchen ist eine Gemeinde in der Verwaltungsgemeinschaft Apfelstädtaue im thüringischen Landkreis Gotha.

Geografie[Bearbeiten]

Hohenkirchen liegt am Nordrand des Thüringer Waldes in Nachbarschaft zu Herrenhof und Georgenthal (1,5 bzw. 4 km Entfernung), Ohrdruf (3,6 km) und Petriroda (2,3 km). Durch die nahegelegene Bundesstraße 247 ist der Ort verkehrstechnisch sowohl mit Gotha und der Bundesautobahn 4 wie auch mit den größeren Wirtschaftsregionen im nahen Thüringer Wald verbunden.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Dorf Hohenkirchen wurde am 14. Juni 1168 erstmals urkundlich erwähnt.[2]

Die Lage des Ortes Hohenkirchen am Nordrand des Thüringer Waldes, mit schnell fließenden Bächen und in der Nähe ausgedehnter, im Vollbesitz des Klosters Georgenthal befindlichen Wäldern mag im späten 15. Jahrhundert ein Hauptgrund für die Wahl dieses Ortes zum Aufbau einer der ersten Saigerhütten in Thüringen durch die Fugger gewesen sein. Aufgabe der Saigerhütten war die bestmögliche Trennung von Kupfer und Silber, bei dem Verfahren wurde auch Blei benötigt, das die Fugger aus dem Goslaer Bergbaurevier beziehen konnten. Ein geeigneter, noch näher an den Harz gelegener Hüttenstandort wurde nicht gefunden, auch mag man die Nähe zum konkurrierenden Mansfelder Kupferbergbaugebiet vermieden haben. Im Zeitraum von 1510 bis 1513 wurde in Hohenkirchen 000000000024489.000000000024.489 Zentner Rohkupfer gesaigert, dabei wurden 000000000024191.000000000024.191 Zentner Garkupfer erzeugt. Die dafür erforderlichen Mengen an Holzkohle waren beträchtlich. Die der Holzkohleverknappung ausgesetzten Handwerker der angrenzenden Städte Gotha, Erfurt, Saalfeld und Arnstadt beschwerten sich über die rapide steigenden Kosten für Holzkohle. Gewinne erzielten offenbar nur die Hüttenbetreiber, welche das meiste Rohkupfer aus eigenen Kupferhütten in der damals zum Königreich Ungarn gehörenden Bergbauregion Banska Bystrica auf dem Landweg nach Thüringen antransportieren ließen. Die zunächst von Nürnberger und Augsburger Patrizierfamilien aufgebauten Saigerhüttenunternehmen wurden bald in angrenzenden thüringer Regionen mit finanzieller Beteiligung der Landesfürsten nachgeahmt. Jedoch war der dort erzielte Gewinn bereits deutlich geringer, da der Silberanteil im thüringischen Rohkupfer geringer war.[3][4]

Nach der Auflösung des Kosters Georgenthal gehörte der Ort ab 1531 zum Amt Georgenthal, welches seit 1640 zum Herzogtum Sachsen-Gotha gehörte. Hohenkirchen war 1669-1699 von Hexenverfolgung betroffen. Sechs Frauen und ein Mann gerieten in Hexenprozesse, vier Frauen wurden verbrannt, eine mit Landesverweis bestraft, eine starb in der Haft.[5]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember):

  • 1994 – 760
  • 1995 – 778
  • 1996 – 786
  • 1997 – 828
  • 1998 – 825
  • 1999 – 821
  • 2000 – 799
  • 2001 – 768
  • 2002 – 776
  • 2003 – 792
  • 2004 – 784
  • 2005 – 761
  • 2007 − 740
  • 2008 − 740
  • 2009 − 734
  • 2010 − 729

Wappen[Bearbeiten]

Wappen von Hohenkirchen (Thüringen)
Blasonierung:

„In Rot mit einem schwarz gegitterten linken silbernen Obereck ein goldener Ritter auf einem nach rechts schreitenden golden gezäumten silbernen Ross mit silbernem Schild mit schwarzem Leistenkreuz, in der Rechten eine schwarze Lanze mit silberner Spitze haltend.“

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

lili rere
St.-Gangolf-Kirche
Inschrift-Tafel am Kirchturm

Die Kirche St. Gangolf wurde 1510/1511 als Saalkirche mit eingezogenem Chor errichtet. Dieses Baudatum und die Finanzierung des Kirchenbaus steht offenbar im direkten Zusammenhang mit der am Ortsrand errichteten Saigerhütte. Nach der Einführung der Reformation im Jahre 1532 wurde noch der Kirchturm aus Abbruchsteinen des Klosters Georgenthal in den Jahren 1576 bis 1579 angebaut. Der Turmbau und der Bau einer Mädchenschule wurden vom damaligen Pfarrer des Kirchspiels Hohenkirchen/Herrenhof/Petriroda Theodor Evander initiiert. Auch die 1609 gekaufte Orgel verdankte die Gemeinde der finanziellen Unterstützung des Pfarrers. Die heutige Orgel stammt aus der Knauf-Werkstatt von 1819, an der Rudolf Böhm aus Gotha um 1960 die letzten Veränderungen vorgenommen hat.

Im 17. und 18. Jahrhundert entstanden bei Umbauten die barocke Turmhaube und der barocke Kanzelaltar mit reichem plastischen Dekor von 1776 und die zweigeschossige Empore. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Turmhaube und die Turmuhr von 1844 zerstört. Anlässlich der 500-Jahr-Feier der Kirche wurde am 28. August 2011 ein neu beschafftes Uhrwerk in Gang gesetzt.[6]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]

  • Georg Böhm (1661–1733), Organist und Komponist des Barock

weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Lange: Saigerhütten in Thüringen. Darin: Saigerhütte Hohenkirchen In: Kupfer Silber Stahl - Beiträge zur Geschichte der Metallurgie. Herausgegeben von den Museen der Stadt Olbernhau, Olbernhau 1988, S. 26–28

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Wolfgang Kahl. Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 126
  3.  W. Fischer: Bergbau und Hüttenwesen Thüringens am Vorabend der frühbürgerlichen Revolution. In: Mühlhäuser Museen (Hrsg.): Mühlhäuser Beiträge. Nr. 9, Mühlhausen/Thüringen 1986, S. 32–42.
  4.  Gerald Patzelt: Einige Gedanken und Ergänzungen zu einer Arbeit über Bergbau und Hüttenwesen Thüringens am Vorabend der frühbürgerlichen Revolution. In: Mühlhäuser Museen (Hrsg.): Mühlhäuser Beiträge. Nr. 11, Mühlhausen/Thüringen 1988, S. 18–25.
  5. Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 236f.
  6. Thüringer Allgemeine (Lokalseite Gotha) vom 25. Mai 2011

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hohenkirchen (Thüringen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien