Hoher Hagen (Dransfeld)

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Hoher Hagen
Blick von Mielenhausen nordostwärts entlang der B 3über Häuser von Scheden hinweg zum Hohen Hagen

Blick von Mielenhausen nordostwärts entlang der B 3
über Häuser von Scheden hinweg zum Hohen Hagen

Höhe 492,5 m ü. NHN [1]
Lage Landkreis Göttingen, Niedersachsen (Deutschland)
Gebirge Dransfelder Stadtwald
Koordinaten 51° 28′ 31″ N, 9° 45′ 52″ O51.4752222222229.7645555555556492.5Koordinaten: 51° 28′ 31″ N, 9° 45′ 52″ O
Hoher Hagen (Dransfeld) (Niedersachsen)
Hoher Hagen (Dransfeld)
Typ Vulkan
Gestein Basaltdurchbruch
Besonderheiten Aussichtsturm Gaußturm
Blick vom Hohen Hagen nach Nordosten über Göttingen zum Harz

Blick vom Hohen Hagen nach Nordosten über Göttingen zum Harz

Blick nach Jühnde vom Gaußturm auf dem Hohen Hagen

Blick nach Jühnde vom Gaußturm auf dem Hohen Hagenbdep2

Blick in den Basaltbruch (Januar 2007)

Der Hohe Hagen ist ein etwa 492,5 m ü. NHN[1] hoher Berg vulkanischen Ursprungs im nahe Dransfeld gelegenen Dransfelder Stadtwald, einem Mittelgebirgszug im südniedersächsischen Landkreis Göttingen. Er ist die höchste Erhebung der Dransfelder Gegend.

Geographie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Der Hohe Hagen erhebt sich etwa auf halber Strecke (Luftlinie) zwischen Göttingen im Nordosten und Hann. Münden im Südwesten im Naturpark Münden – in den Gebieten der Stadt Dransfeld (etwa Nordwest- und Nordteile), wo sich auch sein Gipfel befindet, der Gemeinde Jühnde (Ostflanke) und der Gemeinde Scheden (Südflanke). Der Gipfel des am Ostrand vom Dransfelder Stadtwald befindlichen Berges liegt etwa 3 km südlich des Dransfelder Kernorts. Etwas nordwestlich des Hohen Hagens liegt zwischen den Erhebungen Brunsberg (463 m) im Osten und Hengelsberg (480,2 m) im Westen die Quelle der Auschnippe. Auf der Nordostflanke entspringt der Dramme-Zufluss Häger Graben.

Naturräumliche Zuordnung[Bearbeiten]

Der Hohe Hagen gehört in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Weser-Leine-Bergland (Nr. 37), in der Haupteinheit Sollingvorland (371) und in der Untereinheit Südliches Sollingvorland (371.1) zum Naturraum Dransfelder Hochflächen (371.15).

Berghöhe[Bearbeiten]

Der Hohen Hagen ist laut der obersten Höhenlinie, die auf topographischen Karten im Bereich nordnordwestlich des Gaußturms am Haus Hoher Hagen ersichtlich ist, etwa 492,5 m[1] hoch. Seine Höhe wird gelegentlich mit 508 m ü. NN angegeben; diese Zahl taucht teils noch in neueren Kartenwerken auf.[2] Allerdings wurde der ursprünglich diese Höhe erreichende Gipfel im Zuge des Basaltabbaus im 19. und 20. Jahrhundert – vermutlich nach dem am 14. November 1963[3] erfolgten Einsturz des auf etwa 506 m Höhe errichteten Alten Gaußturmes – abgetragen. Manchmal werden rund 480 m als Berghöhe genannt. Die südlich des Gaußturms gelegene Spitzkurve der Hoher-Hagen-Straße (siehe Verkehr und Wandern) liegt auf 478,3 m[4] Höhe, und südlich des Basaltsteinbruchs befindet sich auf einem Waldwegabzeig eine 482,9 m[1] hohe Stelle.

Nach dem Haferberg (580,4 m), den beiden gleich hohen Steinbergen (Großer und Kleiner Steinberg; 541,8 m und 541,9 m hoch) und anderen Bergen im niedersächsischen Teil des Kaufunger Waldes bzw. im Naturpark Münden zählt der Hohe Hagen zu den höchsten Bergen im Südzipfel des Bundeslandes Niedersachsen.

Geologie[Bearbeiten]

Der Hohe Hagen ist einer der nördlichsten Vulkane in Deutschland. Er barg abbauwürdige Mengen vulkanischen Gesteines, das seinen Ursprung in der Tertiärzeit hat. Der Abbau von Basaltgestein am Hohen Hagen ist ab 1825/26 belegt. Bereits 1856 wurde der Steinbruch erweitert, in den 1920er Jahren setze die bedeutendste Zeit des Basaltabbaus ein. Das Basaltbruchgebiet betrug damals über 11 Hektar. Die Basaltvorkommen am Hohen Hagen waren aber nicht unerschöpflich, der Abbau wurde 1971 eingestellt.

Die Geschichte des Basaltbruchs ist seit Herbst 2004 durch einen Geologie- und Bergbaupfad erlebbar.

Schutzgebiete[Bearbeiten]

Auf dem Großteil des Hohen Hagens liegen Teile des Landschaftsschutzgebiets (LSG) Weserbergland-Kaufunger Wald (CDDA-Nr. 325317; 1989; 285,018 km²). Auf seiner Süd- und Westflanke befinden sich solche des LSG Buchenwälder und Kalkmagerrasen zwischen Dransfeld und Hedemünden (CDDA-Nr. 555547221; 2011; 16 km²) und des Fauna-Flora-Habitat-Gebiets Buchenwälder und Kalkmagerrasen zwischen Dransfeld und Hedemünden (FFH-Nr. 4524-302; 14,96 km²).[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Im Rahmen der von Carl Friedrich Gauß zwischen 1818 und 1826 per Triangulation durchgeführten Landesvermessung des Königreichs Hannover (Gaußsche Landesaufnahme) nutzte Gauß den Hohen Hagen als einen Dreieckspunkt für sein „großes Dreieck“ Hoher Hagen–BrockenGroßer Inselsberg. Dieses Dreieck mit den Seitenlängen 68 km (Hoher Hagen–Brocken), 84 km (Hoher Hagen–Großer Inselberg) und 106 km (Brocken–Großer Inselberg) war Basis zur Verknüpfung zahlreicher regionaler Vermessungsdaten.

Da Gauß schon damals eine nichteuklidische Geometrie für möglich hielt und er wusste, dass das Parallelenaxiom entbehrlich war, entwickelte sich zur Vermessung des großen Dreiecks die Legende, Gauß habe bei der Gelegenheit der hannoverschen Landesvermessung empirisch nach einer Abweichung der Winkelsumme besonders großer Dreiecke vom euklidischen Wert von 180° gesucht, wie etwa bei diesem Dreieck, das vom Hohen Hagen, dem Brocken und dem Inselberg gebildet wird. Die Vermessung durch Gauß ist belegt, die oben erwähnte Vermutung zur Motivation ist dagegen unsicher.[5] Max Jammer schrieb über das Ergebnis dieser gaußschen Messung: „Es braucht kaum eigens gesagt zu werden, daß er innerhalb der Fehlergrenze keine Abweichung von 180° entdeckte und daraus den Schluß zog, die Struktur des wirklichen Raumes sei, soweit die Erfahrung darüber eine Aussage erlaubt, Euklidisch.“[6]

Bauwerke[Bearbeiten]

Gaußturm[Bearbeiten]

Auf dem Hohen Hagen wurde 1909 bis 1911 der 32,3 m hohe Aussichtsturm Gaußturm (→ Alter Gaußturm) aus Basaltgestein erbaut. 1963 stürzte er aufgrund von durch Sprengungen im benachbarten Steinbruch verursachter Lockerung des Bodens ein. Der Turm wurde nicht wieder aufgebaut.

1964 wurde an benachbarter Stelle der 51 m hohe Neue Gaußturm aus Stahlbeton errichtet, ein 51 m hoher Sende- und Aussichtsturm mit Panoramarestaurant. Von seiner Aussichtsplattform auf 528 m Höhe fällt der Rundumblick nicht nur über den Dransfelder Stadtwald sondern unter anderem auch zum Solling, nach Göttingen mit dem Göttinger Wald und dahinter liegendem Harz sowie zum Hohen Meißner, Kaufunger Wald, Habichtswälder Bergland und Bramwald mit jenseits davon befindlichem Reinhardswald.

Haus Hoher Hagen[Bearbeiten]

Haus Hoher Hagen

Auf der (heutigen) Gipfelregion des Hohen Hagens steht etwa 180 m nordnordwestlich vom Gaußturm mitten im Wald das Haus Hoher Hagen, ein 1914 erbauter ehemaliger Berggasthof, der seit 1982 als Schullandheim und Bildungsstätte genutzt wird. Träger sind der Förderverein der Georg-Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule Göttingen, das Otto-Hahn-Gymnasium Göttingen sowie der Verein für außerschulische Bildung e. V. Das Selbstversorgerhaus verfügt über 40 Betten und wird an Gruppen vermietet.

Freizeit und Sport[Bearbeiten]

Anstieg zum Hohen Hagen

Hasenmelkerlauf[Bearbeiten]

Jeweils am 1. Mai findet seit 1998 der Dransfelder Hasenmelkerlauf, ein 10.900 m langer Volksberglauf statt, der von Dransfeld über den Hohen Hagen führt.

Radsport[Bearbeiten]

Seit 2004 verläuft auf der über den Hohen Hagen führenden Straße (siehe Verkehr und Wandern) ein Streckenabschnitt mit Bergwertung der Dritten Kategorie der Internationalen Niedersachsen-Rundfahrt für Radprofis und seit 2005 auch das Jedermannrennen mit Start und Ziel in Göttingen. Der Hohe Hagen ist der Hausberg des Radsportclubs RSC Hoher-Hagen, der sich um den Breitensport für Mountainbiker und Rennradfahren rund um den Hohen Hagen engagiert.

Verkehr und Wandern[Bearbeiten]

Auf den Hohen Hagen führt – vorbei an seiner Gipfelregion und am Gaußturm – eine schmale Straße, die zumindest auf Dransfelder Gebiet Hoher-Hagen-Straße und auch Zum Hohen Hagen genannt wird und auf dem Nordanstieg abschnittsweise über 10 % Steigung aufweist. Sie zweigt in Dransfeld von der Bundesstraße 3 ab und führt in Richtung Süden auf den Berg, um dann nordostwärts zur Landesstraße 559 (Dransfeld–Jühnde) zu verlaufen. Über den Berg verläuft der Europäische Fernwanderweg E6, der sich hier in die Normalroute und eine nach Hann. Münden führende Variante aufteilt. Neben lokalen Spazier- und Wanderstrecken (Geologiepfad), die hinüber führen, ist der Berg auch Station des Studentenpfads zwischen den Orten Rosdorf und Scheden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rehkop, Friedel: Stadt Dransfeld. Ein geschichtlicher Rückblick vom 19. Jahrhundert bis zur Frühzeit. Band 1. Horb am Neckar: Geiger-Verlag, 1999. S. 196–200, 352–360, 387–397. ISBN 3-89570-561-6

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Topographische Karte vom Hohen Hagen (LGLN, DTK 25; siehe teils starke Kartenvergrößerung), auf natur-erleben.niedersachsen.de
    siehe hierzu auch:
    Artikel Hoher Hagen im Wiki Göttingen der Göttinger Tageblatt GmbH & Co. KG, in dem die Berghöhe mit 493,5 m Höhe (abgerufen am 3. September 2013) angegeben ist und der Berg als „viert-höchste“ Erhebung Südniedersachsens bezeichnet wird.
  2. Diercke Weltatlas, Westermann, 5. Aufl. 2002. ISBN 978-3-14-100600-1
  3. Hoher Hagen – Gaußturm, abgerufen am 6. September 2013, auf stadt-dransfeld.de
  4. a b Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  5. Erhard Scholz hält es für durchaus möglich, dass Gauß daran dachte. Erhard Scholz: Gauß’ Präzisionsmessungen terrestrischer Dreiecke und seine Überlegungen zur empirischen Fundierung der Geometrie in den 1820er Jahren. In der WWW-Präsenz des arXiv.org der Cornell University Library. Eingereicht am 29. September 2004. Eventuelle noch erscheinende aktualisierte Version hier. Gauß selbst äußert sich in einem Brief an Olbers vom 1. März 1827, zitiert bei Walter Kaufmann-Bühler: Gauß – eine biographische Studie, Springer-Verlag, 1987, S. 97, dahingehend, dass die Messfehler für ein solches Feststellen von Abweichungen zu groß seien.
  6. Max Jammer: Das Problem des Raumes, Darmstadt 1960, S. 164

Weblinks[Bearbeiten]