Hohlenstein

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Der Hohlenstein (historisch auch Hohler Stein[1]) ist ein Kalksteinmassiv am rechten Talrand des Lonetals, rund 2,5 Kilometer nordwestlich von Asselfingen, etwa in der Mitte zwischen Bocksteinhöhle und Vogelherdhöhle gelegen.[2] Als Hohlenstein wird der gesamte Fels bezeichnet, inklusive der darin befindlichen Karsthöhlen Bärenhöhle, Stadel und Kleine Scheuer. Die Zusammenschreibung Hohlenstein ist bereits aus dem 19. Jahrhundert überliefert[3] und heute die amtliche topographische Bezeichnung.

Hohlenstein-Stadel und Kleine Scheuer

Höhlen im Hohlenstein[Bearbeiten]

Im Hohlenstein gibt es zwei große Höhlen, die Bärenhöhle und den Stadel, außerdem eine kleinere Felsnische dazwischen, die Kleine Scheuer.[4]

Die in der Breite relativ schmalen Höhlen haben folgende Längsausdehnungen:

Schon ab 1860 führte Oscar Fraas vom Naturkundemuseum Stuttgart paläontologische Grabungen in der Bärenhöhle durch, später auch in den beiden anderen Höhlen. Diese Grabung begründete zugleich die wissenschaftliche Erforschung des Paläolithikums in Deutschland, wenngleich in der Bärenhöhle überwiegend natürlich verendete Höhlenbären gefunden wurden. Viele Funde, vor allem Knochen, Steinartefakte und Scherben, verweisen auf eine intensive Besiedlungsgeschichte seit der Zeit des Mittelpaläolithikums. Bei archäologischen Ausgrabungen im Stadel wurden im Jahre 1939 Splitter eines Stoßzahns vom Wollhaarmammut gefunden. Diese wurden erst 30 Jahre später während der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Funde zur Skulptur des Löwenmenschen zusammengesetzt, einem der berühmtesten Kunstwerke aus der altsteinzeitlichen Kultur des Aurignacien. Das Original wird heute im Ulmer Museum ausgestellt.

Die Höhlen sind aus Gründen des Naturschutzes (Fledermäuse) ganzjährig gesperrt.

Bärenhöhle[Bearbeiten]

Bärenhöhle am Hohlenstein

Die Bärenhöhle (nicht zu verwechseln mit der Bärenhöhle im Landkreis Reutlingen) ist die westlich gelegene Höhle im Hohlenstein. Sie liegt nur 2 m über der Talsohle, und ihr nach Norden gerichteter dreieckiger Eingang ist 6 m breit und 4 m hoch. Die Horizontalhöhle erreicht eine Länge von 60 m. Im Innern besteht sie aus einem etwa 30 m langen Gang mit verschiedenen Ausbuchtungen und einer großen Halle am Ende des Ganges.[5]

Stratigraphie

Da die Erdschichten am Eingang am mächtigsten waren, wurde hier ein Profil erstellt.

Fauna

Die tierischen Überreste, die man in der Höhle fand, stammen zu 98 % von Höhlenbären. Die zahlreichen Schädel und Unterkiefer deuten darauf hin, dass es sich um mehrere hundert Individuen gehandelt hat. Des Weiteren konnten Wildpferd, Wollhaarmammut, Bison, Elch, Rothirsch und Rentier in der Bärenhöhle nachgewiesen werden.[5]

Stadel[Bearbeiten]

Hohlenstein-Stadel
Hohlenstein-Stadel, Eingang von innen

Der Stadel – in der Fachliteratur oft als Hohlenstein-Stadel geführt – liegt östlich von der Bärenhöhle und verläuft mit dem langschmalen Höhlenraum parallel zu ihr. Er ist wie die Bärenhöhle eine 50 m lange Horizontalhöhle, aber ohne größere Hallen. Die Wände werden nur durch Nischen und Verengungen gebildet. Der Eingang selbst ist recht groß mit einer Breite von 8 m und einer Höhe von 4 m. Der Stadel hat mit 5 m über der Talsohle ein höheres Niveau als die Bärenhöhle.[5]

Stratigraphie
  • III – Magdalénien
  • IV – Aurignacien (mit dem Fund des Löwenmenschen)
  • V – Mittelpaläolithikum
  • VI – Mittelpaläolithikum
  • VII – Mittelpaläolithikum

Dieses Profil wurde aus der Mitte der Höhle aufgenommen. Es ist zwar vereinfacht, aber von den zahlreichen aufgenommen Profilen am vollständigsten.

Fauna

Die gefundenen Tierreste der Magdalénien-Schicht III ergaben folgendes Bild: Höhlenbär, Hyäne, Fuchs, Wolf, Mammut, Wildpferd, Rentier, Wildrind, Vögel und Nager. In die Aurignacien-Schicht IV gehören: Höhlenbär, Hyäne, Fuchs, Wolf, Mammut, Wollnashorn, Wildpferd, Rentier, Vögel und Nagetiere.

In den mittelpaläolithischen Schichten wurde der Oberschenkelknochen eines Neandertalers gefunden.[6] Die Tierarten der mittelpaläolithischen Schichten lauten wie folgt: Mammut, Wollnashorn, Höhlenbär, Hyäne, Wildpferd, Wildrind, Rentier, Hirsch, Riesenhirsch.[7]

Kleine Scheuer[Bearbeiten]

Die Kleine Scheuer ist ein Abri zwischen Bärenhöhle und Stadel. Die Felsnische hat eine Breite von 10 m und eine Tiefe von 8 m.[8] Zu den bekanntesten Funden gehört ein Kieselstein mit roten Punktreihen, der typisch für die Kleinkunst des jüngeren Magdalénien ist.

Fauna

In der Kleinen Scheuer wurden vor allem zahlreiche Nagetiere gefunden. Die Überreste von Wildpferd, Ren, Eisfuchs, Fuchs und Schneehase zeigen, welche Tiere bevorzugt von den Menschen gejagt wurden.[5]

Literatur[Bearbeiten]

  • Dunja Beck: Das Mittelpaläolithikum des Hohlenstein-Stadel und Bärenhöhle – im Lonetal (Universitätsforschungen zur prähistorischen Archäologie; Bd. 56). Verlag Dr. Rudolf Habelt, Bonn 1999, ISBN 3-7749-2967-X (zugl. Dissertation, Universität Köln 1996).
  • Joachim Hahn, Hansjürgen Müller-Beck, Wolfgang Taute: Eiszeithöhlen im Lonetal. Archäologie einer Landschaft auf der Schwäbischen Alb (Führer zu archäologischen Denkmälern in Baden-Württemberg; Bd. 3). Theiß, Stuttgart 1985.
  • Claus-Joachim Kind: Löwenmensch, Mammut und eine Frau. Die älteste Kunst der Menschheit auf der Schwäbischen Alb und die Nachgrabungen am Hohlenstein im Lonetal. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 40. Jg. 2011, Heft 1, S. 3–8 (online; PDF)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Johann Daniel Georg von Memminger: Beschreibung des Oberamts Ulm. Stuttgart und Tübingen, Cotta’sche Buchhandlung, 1836, S. 17
  2. Beck 1999, S. 7
  3. Oscar Fraas: Vor der Sündfluth! Eine Geschichte der Urwelt. Hoffmann’sche Verlags-Buchhandlung, 1866 (Ortsbezeichnung „Hohlenstein“ siehe zum Beispiel S. 402)
  4. Beck 1999
  5. a b c d J. Hahn, H. Müller-Beck, W. Taute: Eiszeithöhlen im Lonetal, Stuttgart 1985
  6. Kunter, M. & Wahl, J.: Das Femurfragment eines Neandertalers aus der Stadelhöhle des Hohlenstein im Lonetal. Fundberichte aus Baden-Württemberg 17/1, 1992, S. 111–124
  7. Hahn et al. 1985, S. 76
  8. Hahn et al 1985, S. 72
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