Hohlspitzgeschoss

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Hohlspitzgeschoss und Patrone im Kaliber .40 S&W
Deformationsbeispiele Bleihohlspitzgeschosse abgefeuert mit Patronen .22 lfB-Unterschallmunition (Subsonic)

Ein Hohlspitzgeschoss (englisch Hollow Point, kurz HP) ist eine für Lang- und Kurzwaffen verwendete Geschossart, deren Merkmal eine Aushöhlung an der Geschossspitze ist. Diese Aushöhlung bewirkt, dass sich das Geschoss beim Aufprall pilzförmig deformiert (Aufpilzen) und so bei weichen Zielen einen höheren Schaden bzw. stärkere Verletzungen im Ziel hervorruft. Dadurch haben Hohlspitzgeschosse eine höhere Mannstoppwirkung, aber auch eine niedrigere Durchschlagskraft.

In fast allen Fällen ist die Innenseite dieser Aushöhlung nicht mehr vom Geschossmantel bedeckt, sondern der Bleikern liegt an der Innenseite frei. Es existieren aber auch Varianten, bei denen dieser Hohlraum mit einem Kunststoffkeil gefüllt ist. Durch die Aushöhlung wird eine wesentlich schnellere und meistens weniger starke Deformation als bei Teilmantelgeschossen bewirkt, sodass das Geschoss schon bei geringerer Eindringtiefe eine gute Wirkung erzielt (z. B. bei kleinen Tieren), aber auch nur eine geringe Penetrationswirkung hat. In einigen Anwendungsgebieten ist diese Wirkung gewünscht.

Ein weiterer Vorteil der Hohlspitzform ist, dass sich der Schwerpunkt des Geschosses zum Geschossboden hin verlagert, was die ballistischen Eigenschaften verbessert. Aus diesem Grund, und weil die schnelle Deformation das Risiko von Querschlägern und Durchschüssen minimiert, ist Hohlspitzmunition sehr populär bei Sportschützen und Jägern.

Um einen Kompromiss zwischen Penetrations- und Mannstoppwirkung zu erreichen, wurde für die US-Polizei die sogenannte Hydra-Shok-Munition entwickelt, bei der sich innerhalb der Aushöhlung ein Bleidorn befindet, sodass das Geschoss nach dem „Aufpilzen“ immer noch eine Spitze hat. Eine andere Spezialform sind Hohlspitzgeschosse, bei denen der Geschossmantel auch die Innenseite der Hohlspitze bedeckt, was zu einer nur sehr geringen Deformation im Ziel führt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Beat Kneubuehl: Geschosse. Band 1: Ballistik, Treffsicherheit, Wirkungsweise. 2. Auflage. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1998, ISBN 3-7276-7119-X.
  • Beat Kneubuehl: Geschosse. Band 2: Ballistik, Wirksamkeit, Messtechnik. Motorbuch Verlag u. a., Stuttgart u. a. 2004, ISBN 3-613-30501-1.
  • Beat Kneubuehl (Hrsg.), Robin Coupland, Markus Rothschild, Michael Thali: Wundballistik. Grundlagen und Anwendungen. 3. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Springer Medizin Verlag, Heidelberg, 2008, ISBN 978-3-540-79008-2.
  • Manfred R. Rosenberger: Waffen und Einsatzmunition der Polizei. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-613-02246-X.
  • David Harding (Hrsg.): Waffen-Enzyklopädie. Vom Faustkeil bis zum Cruise Missile. 2. Auflage. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1995, ISBN 3-613-01488-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hohlspitzgeschosse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien