Hokkaidō

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Hokkaido)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Hokkaido (Begriffsklärung) aufgeführt.
Hokkaidō
北海道
Südkorea Nordkorea Russland China Präfektur Okinawa Präfektur Kagoshima Präfektur Kumamoto Präfektur Miyazaki Kurilen (de-facto Russland - beansprucht von Japan als Teil der Region Hokkaido) Präfektur Kagoshima Präfektur Miyazaki Präfektur Kumamoto Präfektur Saga Präfektur Nagasaki Präfektur Fukuoka Präfektur Ōita Präfektur Yamaguchi Präfektur Hiroshima Präfektur Shimane Präfektur Tottori Präfektur Okayama Präfektur Hyōgo Präfektur Ōsaka Präfektur Kyōto Präfektur Shiga Präfektur Nara Präfektur Wakayama Präfektur Mie Präfektur Aichi Präfektur Fukui Präfektur Gifu Präfektur Ishikawa Präfektur Toyama Präfektur Nagano Präfektur Shizuoka Präfektur Yamanashi Präfektur Kanagawa Präfektur Tokio Präfektur Saitama Präfektur Chiba Präfektur Ibaraki Präfektur Gunma Präfektur Tochigi Präfektur Niigata Präfektur Fukushima Präfektur Yamagata Präfektur Miyagi Präfektur Akita Präfektur Iwate Präfektur Aomori Hokkaidō Präfektur Kagawa Präfektur Ehime Präfektur Kōchi Präfektur TokushimaLage der Präfektur Hokkaidō in Japan
Über dieses Bild
Basisdaten
Verwaltungssitz: Sapporo
Region: Hokkaidō
Insel: Hokkaidō
Fläche: 83.456,87 km²
Wasseranteil: 6,4 %
Einwohner: 5.437.988
(30. September 2014)
Bevölkerungsdichte: 65 Einw. pro km²
Landkreise: 69
Gemeinden: 173
ISO 3166-2: JP-01
Gouverneur: Harumi Takahashi
Website: www.pref.hokkaido.lg.jp
Symbole
Präfekturflagge:
Flagge der Präfektur Hokkaidō
Präfekturbaum: Picea jezoensis
Präfekturblume: Kartoffel-Rose
Präfekturvogel: Mandschurenkranich
Präfekturlied: Hokkaidō-min no uta
(‚Lied der Bürger von Hokkaidō‘)
Gymnastik: Dosanko taisō

Hokkaidō (Zum Anhören bitte klicken! [hokːaidoː]a a, jap. 北海道 ‚Nordmeerbezirk‘ bzw. entsprechend einer englischen Richtlinie des Vermessungsamtes[1] als Hokkai[-]dō ‚Präfektur Hokkai‘/‚Nordmeerpräfektur‘) ist die mit Abstand flächengrößte Präfektur Japans, die hauptsächlich aus der gleichnamigen Insel besteht, nach Honshū die zweitgrößte Insel Japans. Deckungsgleich mit der Präfektur bezeichnet Hokkaidō auch eine Region in Japan. Die größte Stadt und zugleich Sitz der Präfekturverwaltung ist Sapporo.

Hokkaidō zählte Ende 2005 etwa 5,7 Millionen Einwohner, darunter etwa 25.000 der indigenen Minderheit der Ainu. Bei den Ainu heißt die Insel Aynu Mosir (アィヌ・モシㇼ ‚Land der Ainu/Menschen‘). Die in Hokkaidō geborenen Japaner nennen sich Dosanko (道産子, dt. etwa In Hokkaidō geborenes Kind).

Geschichte[Bearbeiten]

Hokkaidō ist die Heimat des Volks der Ainu, aus deren Sprache viele geografische Bezeichnungen auf der Insel, zum Beispiel auch der Name der Hauptstadt Sapporo, resultieren.

Erste japanische Siedlungen entstanden im 15. Jahrhundert im Süden der Insel als Handelsposten. Da die in Japan üblichen Formen der Landwirtschaft aber auf der Insel wegen des kühlen Klimas unbrauchbar waren, wurde der größte Teil der Insel erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts von Japanern besiedelt. Zu dieser Zeit ermöglichten westliche Neuerungen die Landwirtschaft auch hier, zugleich entstand zunehmend ein Bedarf für Verteidigungsstellungen gegen Russland. Die Insel erhielt erst in dieser Zeit ihren heutigen Namen. Die Hauptstadt Sapporo entstand in den 1860er Jahren; in den 1870ern vervierfachte sich die Einwohnerzahl der Insel von 58.000 auf 240.000.

Kurz nach dem Boshin-Krieg 1868 beanspruchte eine Gruppe von Tokugawa-Loyalisten, angeführt von Enomoto Takeaki, die Insel als Republik Ezo. Dieser Aufstand wurde im Mai 1869 niedergeschlagen.

Sitz der Hokkaidō-Behörde

Am 8. Juli 1869 wurde die Entwicklungsbehörde (開拓使 kaitakushi) eingerichtet und am 15. August Hokkaidō in elf Provinzen untergliedert: Chishima, Hidaka, Iburi, Ishikari, Kitami, Kushiro, Oshima, Shiribeshi, Teshio und Tokachi. Am 8. Februar 1882 erfolgte die Auflösung der Entwicklungsbehörde und die Einteilung in die drei Präfekturen Hakodate, Nemuro und Sapporo. Die Präfekturen wurden am 1. Januar 1886 aufgelöst zugunsten der neu gegründeten, direkt dem Innenministerium unterstellten Hokkaidō-Behörde (北海道庁 Hokkaidō-chō) mit Sitz in Sapporo und Außenstellen (支庁 shichō) in Hakodate und Nemuro. Am 2. November 1897 wurden die heutigen 14 Außenstellen und die Außenstelle Shana eingerichtet. Im Dezember 1903 wird Shana Nemuro zugeschlagen. Am 3. Mai 1947 wurde die Hokkaidō-Behörde aufgelöst und die Präfektur Hokkaidō eingerichtet.

Erst 1901 erhielt Hokkaidō wie andere Präfekturen (-fu/-ken) ein gewähltes Parlament (analog zu anderen Präfekturen damals Hokkaidōkai, seit 1947 -dōgikai), wenn auch mit noch eingeschränkteren Befugnissen als andere Präfekturparlamente.[2] Der Gouverneur blieb als Hokkaidō-chō chōkan (also etwa „Behördenleiter“) Teil der Reichsregierung – grundsätzlich waren aber auch die Gouverneure anderer Präfekturen ([fu/ken-]chiji) eng an das Innenministerium gebunden. Erst nach dem Pazifikkrieg wurde Hokkaidō anderen Präfekturen voll gleichgestellt und die Selbstverwaltung mit der Nachkriegsverfassung und dem Selbstverwaltungsgesetz 1947 ausgeweitet. Der Gouverneur heißt nun wie in anderen Präfekturen [dō-]chiji und wird vom Volk gewählt.

Am 28. Juni 2008 beschloss das Präfekturparlament die Ersetzung der 14 Außenstellen durch neun Sōgō Shinkō-kyoku (総合振興局 ‚Samtförderamt‘) und fünf nachgeordnete Shinkō-kyoku (振興局 ‚Förderamt‘), was zum 1. April 2010 dann erfolgte.

Name[Bearbeiten]

Bis zur Meiji-Restauration wurden die Ainu auch als Ezo (in deutsch veraltet: Jezo, Jesso[3] oder Iesso[4]) bezeichnet. Hokkaidō wurde damals folglich Ezochi (蝦夷地 ‚Ezo-Land‘), was jedoch auch Sachalin und die Kurilen mit einbezog, oder Ezo-ga-shima (蝦夷ヶ島 ‚Insel der Ezo‘) genannt.

Mit der Einrichtung der Entwicklungsbehörde wollte die Meiji-Regierung den Namen ändern. Der Forscher Matsuura Takeshirō machte diese sechs Namensvorschläge: Kitakaidō (北加伊道 ‚Nord-Kai-Bezirk‘), Kaihokudō (海北道 ‚Meeresnordbezirk‘), Kaitōdō (海東道 ‚Meeresostbezirk‘), Hitakamidō (日高見道), Tōhokudō (東北道 ‚Nordostbezirk‘) und Chishimadō (千島道 ‚1000-Inseln-Bezirk‘). Schließlich wurde als Kompromiss zwischen Kitakaidō und Kaihokudō sowie in Anlehnung an die historischen Regionen des Gokishichidō Tōkaidō (‚Ostmeerbezirk‘) Nankaidō (‚Südmeerbezirk‘) und Saikaidō (‚Westmeerbezirk‘) der Name Hokkaidō gewählt. Matsuura schlug Kitakaidō vor, weil die Ainu die Region Kai nannten. Auch historisch wurden die Ainu und ihre Inseln als Kuyi, Kuye, Qoy usw. bezeichnet, welche mit dem frühmodernen Kai in Verbindung stehen könnten. Kai ähnelt außerdem stark der sinojapanischen Lesung der Zeichen 蝦夷 /ka.i/ – üblichere Kun-Lesung /emisi/ – die über tausend Jahre lang in China und Japan zur Bezeichnung der Ainu und verwandter Völker verwendet wurden. Es ist möglich, dass Matsuuras Kai eine durch diese sino-japanische Lesung beeinflusste Variante des Niwchisch-Exonyms Qoy für die Ainu war.

Geographie[Bearbeiten]

Die Präfektur bestand neben der Hauptinsel mit 77.984,39 km²[5] aus vielen vorgelagerten Inseln in den angrenzenden Meeren, dem Japanischen Meer, dem Pazifischen Ozean und dem Ochotskischen Meer. Die direkt nordöstlich anschließenden Kurilen werden seit Kriegsende von Russland verwaltet; Japan sieht die Südkurilen jedoch als Teil Hokkaidōs und verlangt bis heute vergeblich die Rückgabe. Die höchste Erhebung bildet der Asahi mit 2291 Meter über Normalnull. Im Süden grenzt Hokkaidō an die Tsugaru-Straße, die die Insel von der japanischen Hauptinsel Honshū trennt. Insgesamt gehören zur Region Hokkaidō außer der Hauptinsel noch 508 weitere Inseln mit einer Gesamtfläche von 5473 km².[6]

Hokkaido befindet sich in einer gemäßigten Monsunzone, jedoch mit recht kalten Wintern. Auf der Insel gibt es aktive Vulkane.

Von Hakodate und Tomakomai besteht eine Fährverbindung nach Honshū. Außerdem werden beide Inseln durch den zweitlängsten Tunnel der Welt verbunden, den 54 Kilometer langen Seikan-Eisenbahn-Tunnel unter dem Meer. Häfen an der Nordseite sind Wakkanai und Abashiri, an der Ostküste Kushiro und Akkeshi.

Politik[Bearbeiten]

Fraktionsstärken im Präfekturparlament
(Stand: 22. Juli 2014; 5 Vakanzen)[7]
      
Von 99 Sitzen entfallen auf:

Gouverneurin von Hokkaidō ist in dritter Amtszeit Harumi Takahashi. Sie beendete 2003 eine seit 1983 anhaltende Siegesserie sozialistischer und mitte-links-gestützter Gouverneurskandidaten. Das Parlament mit 104 Mitgliedern aus 48 Wahlkreisen wurde wie auch die Gouverneurin zuletzt bei den einheitlichen Regionalwahlen im April 2011 gewählt.

Hokkaidō ist zwar überwiegend ländlich geprägt und in einigen Gegenden ist die LDP dominant, allerdings war besonders Sapporo in der Nachkriegszeit eine Hochburg der Sozialistischen Partei Japans (SPJ) und die Präfektur galt insgesamt als kakushin ōkoku (‚progressives Königreich‘), also als Hochburg der linken Opposition zur LDP. Nach der Neuformierung der Parteienlandschaft in den 1990er Jahren konnte die DPJ bei nationalen Wahlen in Hokkaidō oft gut abschneiden; sie war dort bereits 1996 stärker als die LDP und die NFP, die damals landesweit zweitstärkste Partei war. Im Shūgiin, dem Unterhaus des nationalen Parlaments, gewannen Liberaldemokraten 2012 elf der zwölf Shūgiin-Wahlkreise, der zwölfte ging an die verbündete Kōmeitō. Die Demokratische Partei verlor alle ihre Mandate. Für die Verhältniswahl zum Shūgiin ist Hokkaidō neben Tokio die einzige Präfektur, die alleine einen Block bildet. Dort werden acht Abgeordnete gewählt; 2012 wurde die LDP mit 26,4 % der Stimmen erstmals stärkste Partei und gewann drei Verhältniswahlsitze. Im Oberhaus, dem Sangiin, wurde die Sitzzahl Hokkaidōs in den 1990er Jahren von acht auf vier halbiert, die Präfektur wählt nun also zwei Abgeordnete pro Wahl und verteilt diese wie die meisten Zweimandatswahlkreise auf beide große Parteien.

Die flächenmäßig größte Präfektur Hokkaidō gehört trotz ihrer vergleichsweise großen Bevölkerungszahl zu den finanzschwächeren Präfekturen des Landes. Viele ländliche Gebiete sind zusätzlich zur landesweit ohnehin abnehmenden Bevölkerung stark von Abwanderung in die Städte betroffen; mit der ehemaligen Bergbaustadt Yūbari liegt in Hokkaidō heute die einzige insolvente Stadt Japans.

Erdbeben[Bearbeiten]

Am 25. September 2003 wurde der Südwesten der Insel von einer Erdbebenserie – 54 Erdstöße bis zum 18. Oktober über Stärke 4,5 Mw – betroffen. Das Hauptbeben (Tokachi-oki Jishin ‚Tokachi-Seebeben‘) am 25. September 19:50 Uhr UTC hatte eine Stärke von 8,3 Mw. Es war bis dahin das stärkste Beben in Japan seit Anfang 2001 und das insgesamt drittstärkste in dieser erdbebenreichen Region.

Verwaltungsgliederung[Bearbeiten]

Lage der einzelnen Unterpräfekturen (Shichō) auf Hokkaidō

Die Präfektur Hokkaidō ist in 9 Sōgō Shinkō-kyoku (総合振興局, dt. wörtlich Samtförderamt, englisch General Subprefectural Bureau) und fünf nachgeordnete Shinkō-kyoku (振興局, dt. wörtlich Förderamt, engl. Subprefectural Bureau) aufgeteilt. Diese wurden zum 1. April 2010 eingerichtet, gehen aber direkt auf die vorherigen 14 Shichō (支庁 engl. Subprefecture) zurück. Als Verwaltungsebene ähneln sie den bundesdeutschen Regierungsbezirken und ermöglichen eine effektive Verwaltung, auch in den für japanische Verhältnisse sehr weitläufigen und im Winter unzugänglichen Teilen der Präfektur.

Shichō
(1903–2010)
Sitz Sōgō Shinkō-kyoku und Shinkō-kyoku
(ab 2010)
Name Kanji Name Kanji
Sorachi 空知支庁 Iwamizawa Sorachi1 空知総合振興局
Ishikari 石狩支庁 Chūō-ku, Sapporo └ Ishikari 石狩振興局
Shiribeshi 後志支庁 Kutchan Shiribeshi 後志総合振興局
Iburi 胆振支庁 Muroran Iburi 胆振総合振興局
Hidaka 日高支庁 Urakawa └ Hidaka 日高振興局
Oshima 渡島支庁 Hakodate Oshima 渡島総合振興局
Hiyama 檜山支庁 Esashi └ Hiyama 檜山振興局
Kamikawa 上川支庁 Asahikawa Kamikawa 上川総合振興局
Rumoi 留萌支庁 Rumoi └ Rumoi2 留萌振興局
Sōya 宗谷支庁 Wakkanai Sōya 宗谷総合振興局
Abashiri 網走支庁 Abashiri Ochotsk オホーツク総合振興局
Tokachi 十勝支庁 Obihiro Tokachi 十勝総合振興局
Kushiro 釧路支庁 Kushiro Kushiro 釧路総合振興局
Nemuro 根室支庁 Nemuro └ Nemuro 根室振興局
1 Horokanai zum Kamikawa Sōgō Shinkō-kyoku
2 Horonobe zum Sōya Sōgō Shinkō-kyoku

Größte Orte[Bearbeiten]

Sapporo
Hakodate
Kitami
Otaru
Gemeinde Einwohner
1. Oktober 2000
Einwohner
1. Oktober 2005
Einwohner
1. Oktober 2006
Sapporo 1.822.368 1.880.875 1.888.953
Asahikawa 359.536 354.988 353.540
Hakodate 305.311 294.212 290.927
Kushiro 201.566 190.477 188.653
Tomakomai 172.086 172.755 173.013
Obihiro 173.030 170.586 170.064
Otaru 150.687 142.165 140.089
Kitami 132.125 129.365 128.630
Ebetsu 123.877 125.589 125.497
Muroran 103.278 98.373 97.322
Iwamizawa 96.302 93.677 93.155
Chitose 88.897 91.439 92.124
Eniwa 65.239 67.614 67.955

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Rolf-Harald Wippich: Japan als Kolonie? Max von Brandts Hokkaido-Projekt 1865/67. Abera Meyer, Hamburg 1997, ISBN 3-931567-53-2.
  1. Toponymic Guidelines for Map Editors and other Editors, JAPAN (Third Edition 2007)
  2. Präfekturparlament: 道議会のあゆみ
  3. Jesso. In: Brockhaus Konversations-Lexikon 1894–1896, 9. Band, S. 905.
  4. Japanisches Meer. In: Brockhaus Konversations-Lexikon 1894–1896, 9. Band, S. 872.
  5. 島面積. Kokudo Chiriin, 1. Oktober 2011, abgerufen am 8. November 2012 (PDF; 32 kB, japanisch).
  6. Japan Statistical Yearbook 2012, Tabelle 1-1: Islands, Area and Length of Coastline of National Land, Online (MS Excel; 22 kB)
  7. Präfekturparlament Hokkaidō: Abgeordnete nach Wahlkreis und Fraktion (PDF; 15 kB)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Präfektur Hokkaidō – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

43.283333333333143.08333333333Koordinaten: 43° N, 143° O