Holländerwindmühle Straupitz

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Holländerwindmühle Straupitz
Straupitz Windmühle.JPG
Lage und Geschichte
Holländerwindmühle Straupitz (Brandenburg)
Holländerwindmühle Straupitz
Koordinaten 51° 54′ 57,1″ N, 14° 7′ 37,1″ O51.9158714.12696Koordinaten: 51° 54′ 57,1″ N, 14° 7′ 37,1″ O
Standort DeutschlandDeutschland Deutschland
Erbaut 1850
Technik
Nutzung museal
Mahlwerk Windmahlsystem
Flügelart Jalousieflügel
Website Offizielle Homepage

Die Holländerwindmühle Straupitz ist ein Technisches Denkmal am Nordrand des (Ober)Spreewalds in Straupitz. Sie entstand 1850 anstelle einer 1640 errichteten Bockwindmühle.

Geschichte[Bearbeiten]

Eine Windmühle im holländischen Baustil entsteht[Bearbeiten]

Ab etwa 1640 stand an dieser Stelle eine hölzerne Bockwindmühle. 1850 brannte diese ab und wurde im gleichen Jahr durch eine gemauerte Holländerwindmühle ersetzt: „Dem Mühlenmeister Gottfried Nitschke zu Straupitz im Lübbener Kreis wird hiermit die landespolizeiliche Erlaubnis erteilt, […] eine holländische Windmühle mit der Bedingung bauen zu dürfen, daß die Mühle mit einem 5 Fuß hohen Bretter- oder dichten Gitterzaun umgeben wird. Frankfurt/Oder 13. Juli 1850, Königliche Regierung Abteilung des Innern“.

Im Jahr 1885 erfolgte ein Anbau, so dass die Mühle nun auch als windbetriebene Sägemühle arbeitete, welche ab 1904 durch eine Lokomobile unterstützt und windunabhängig wurde. 1910 kam noch eine kleine Ölmühle hinzu. Diese dreifache Kombination mit noch vollständig erhaltener und wieder produzierender Originaleinrichtung ist heute wohl einmalig in Europa.

Modernisierungen und späterer Verfall[Bearbeiten]

Aufgrund wiederholter Brände wurde die Holländerwindmühle Straupitz beim Wiederaufbau immer wieder modernisiert. Nach dem Brand von 1912 wurde die frühere Bootskappe mit Stert und Segelgatterflügeln durch eine selbsttätig vordrehende Zwiebelkappe (nach Plänen der Firma Wetzig, Wittenberg) mit Windrose und Jalousieflügeln ersetzt. Nach dem Brand 1923 mit Verlust der Flügel erfolgte die Umstellung der gesamten Mühlenanlage auf Elektroantrieb. 1964 wurde die morsche Zwiebelkappe entfernt und durch ein Flachdach ersetzt. Die heutige weitestgehend dem Original entsprechende Kappe samt neuer Flügel und Windrose wurde 2002 von der Firma Vaags Molenwerken in Aalten/Niederlande gebaut.

Zustand der Mühle im August 1972

In der Zeit der DDR wurde schrittweise ab 1964 der Mahl- und Ölbetrieb eingestellt, die Mühle verfiel; das Sägewerk arbeitete als VEB bis zur Wende weiter. Der Wert des Mühlenkomplexes wurde (nachträglich) zu dieser Zeit mit einem Schrottwert von 35.000 DM geschätzt.

1988 wurde die Mühle aus über 200 Jahre altem Privatbesitz verkauft und wurde für kurze Zeit Volkseigentum, was sich jedoch nur auf das mit der Mühle bebaute Grundstück, den alten Pferdeschuppen und die Fläche vom ehemaligen Rundholzlagerplatz bezog. Die Mühlwiese verblieb bis 2002 in Nowaks Eigentum. Willy Nowak war der letzte Müller der Familie.

Wiederinbetriebnahme ab 1990[Bearbeiten]

Infolge des kurzen VEB-Intermezzos mit Überführung in eine GmbH (1990) und rechtsunwirksamem Kaufvertrag zwischen dieser und der Gemeinde Straupitz entstand bis 1998 eine ungeklärte Eigentumsfrage an der Mühle. Diese ist jedoch inzwischen geklärt und die Gemeinde Straupitz der eingetragene Besitzer. Die Mühle ist an den Mühlenverein Holländermühle e.V., Straupitz langfristig verpachtet, der die Anlage mit mehreren hauptberuflich Beschäftigten ganzjährig und ohne öffentliche Zuschüsse als produzierendes technisches Denkmal betreibt.

Klaus Rudolph an der Schlagnasenmühle

In der Zeit von 1994 bis 1996 wurden mit Hilfe einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme unter der Leitung von Klaus Rudolph (* 1943)[1] erste Arbeiten zur Wiederherstellung der Mühle unternommen: sowohl die Ölmühle (Baujahr 1910) als auch das Sägewerk (Baujahr 1885) konnten wieder in Gang gesetzt werden. Für den gewerblichen Betrieb der Mühle gründete Rudolph 1997 die Firma Spreewald-Souvenir, 1998 den gemeinnützigen Mühlenverein Holländermühle e.V., Straupitz und als dessen Tochtergesellschaften die Windmühle Straupitz GmbH (gegründet 2003) und die HM Park GmbH (gegründet 2009). Von 1997 bis 2010 war Rudolph in diesen Firmen Geschäftsführer in Personalunion. Am 1. August 2010 (seinem 67. Geburtstag) ging er offiziell in den Ruhestand, ist jedoch weiterhin Vorsitzender des Mühlenvereins und somit des Betreiberkonsortiums der Straupitzer Windmühle. Derzeitiger Geschäftsführer ist Gerd Nowak (Stand 2011).

Der backsteinerne Mühlenturm (Kornmühle) war in der Bausubstanz stark geschädigt, so dass er von 1995 bis 2002 wegen möglicher Einsturzgefahr „zum Betreten behördlich gesperrt“ war.

Zwischen 2001 und 2003 erfolgte eine umfangreiche Rekonstruktion und Sanierung der Mühle. Die hierfür aufgewendeten 1,2 Millionen Euro kamen zu 90 Prozent von der Europäischen Union und dem Land Brandenburg. Der erforderliche zehnprozentige Eigenanteil wurde durch privaten Sponsoren (Deutsche Stiftung Denkmalschutz), Ostdeutsche Sparkassenstiftung, die ehemalige Sparkasse Dahme-Spreewald (heute zur Mittelbrandenburgischen Sparkasse Potsdam gehörend) und den Straupitzer Mühlenverein aufgebracht.

Ansicht von der Seite

Die in Betrieb befindliche Mühle und deren Schauproduktion kann ganzjährig gegen ein geringes Eintrittsgeld besichtigt werden. Die Sägemühle, in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt, trennt mit der Kraft des Windes Baumstämme bis zu einem Durchmesser von einem Meter mit einem seltenen Horizontalgatter. Ein Vollgatter für Stammdurchmesser bis 45 Zentimeter ist ebenfalls in Aktion zu sehen.[2] Als Hauptprodukt des Schaubetriebes zur Bewahrung und Demonstration von ausgestorbenem Handwerk wird das „Spreewald-Gold“ Leinöl gepresst, welches auf Grund der geringen Produktionsmenge ausschließlich in der Mühle selbst beziehungsweise „ab Hof“ verkauft wird. Kornmühle und Sägemühle sind wegen absoluter Unwirtschaftlichkeit und kostenintensiver Reparaturanfälligkeit nur noch für den Eigenbedarf und zu gelegentlichen Demonstrationszwecken in Betrieb.

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Rudolph und Edeltraut Wiegand (Redaktion); Mühlenverein Holländermühle e.V., Straupitz (Hrsg.): Straupitzer Mühlenkaleidoskop. Allerlei Ergötzliches über Mühlen, Müller, Mehl, Leinöl und Brotbacken. Ein technisches Denkmal erstrahlt in neuem Glanz. Straupitz/Spreewald. Regia-Verlag, Cottbus 2003, ISBN 3-936092-82-6

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Windmühle Straupitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Becker: Klaus Rudolph, Straupitz. Januar 2009, auch als: Als das Straupitzer Leinöl noch als Firnis verkauft wurde. In: Lausitzer Rundschau. 28. Februar 2009
  2. Faltblatt Holländerwindmühle Straupitz & einzige Dreifachwindmühle Europas. 2014