Zeitgenössische Kenntnis vom Holocaust

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Die zeitgenössische Kenntnis vom Holocaust wurde ab den 1990er Jahren ein besonderes Forschungsthema: Damals begannen Historiker, das Wissen der Deutschen und der Alliierten von den NS-Verbrechen in der NS-Zeit und ihre Haltung dazu zu untersuchen. Der damalige Bekanntheitsgrad dieser Verbrechen gilt als eins der letzten „Tabus der Zeitgeschichte“.

Deutschland[Bearbeiten]

Vorkriegszeit[Bearbeiten]

Sämtliche staatliche Maßnahmen (Gesetze, Verordnungen) gegen die Juden wurden bis 1939 vom NS-Regime selbst veröffentlicht. Einige wie der Judenboykott vom 1. April 1933 wurden vom Regime gezielt auch dazu in die Wege geleitet, um die Reaktionen der Bevölkerung darauf zu testen.[1]

In den ab 1933 für Regimegegner und andere unerwünschte Personenkreise eingerichteten Konzentrationslagern wurden die Juden bereits deutlich schlechter behandelt als die meisten anderen KZ-Insassen.[2] Erfahrungsberichte entlassener Häftlinge, die dies bestätigen, waren während des Regimes (und noch lange danach) nicht allgemein zugänglich. Viele der vor und im Krieg eingerichteten Lager lagen jedoch nahe bei deutschen Ortschaften, so dass die dortigen Vorgänge vielen Einwohnern vor Ort bekannt waren oder werden konnten. So gab es anfangs im Konzentrationslager Dachau einen „Tag der offenen Tür“ für die Bevölkerung, und die Staatsanwaltschaft Weimar nahm sogar einige einschlägige Strafanzeigen an, bis dies unterbunden wurde. Zudem waren einige Deutsche zeitweise in den KZs und Lagern beschäftigt oder leisteten Hilfsdienste, etwa als Warenlieferanten, die sie zu Augenzeugen machten.

Die Enteignung („Arisierung“) jüdischen Besitzes machte viele Deutsche zu direkten oder indirekten Nutznießern eines wichtigen Teilschrittes auf dem Weg zum Holocaust. Die Frage, was mit den enteigneten und nun vielfach nicht mehr ausreisefähigen Juden geschehen sollte, drängte sich besonders seit den Novemberpogromen 1938 allgemein auf. Darauf reagierten die NS-Zeitungen mit verstärkter antisemitischer Propaganda, die weitere Schritte wie die Errichtung von Ghettos und Lagern im Osten vorbereiteten.

Kriegszeit[Bearbeiten]

Täterwissen[Bearbeiten]

Für hochrangige NSDAP-Funktionäre und Mitarbeiter der NS-Behörden wurde die Absicht zur Judenvernichtung ab Herbst 1941 fast unverhüllt ausgesprochen. Spätestens seit der Wannseekonferenz im Januar 1942 waren die oberen Ebenen der Ministerien und NS-Behörden in die Planungen zur Deportation von Millionen Juden in Arbeits- und Vernichtungslager eingeweiht. Dass „Endlösung“ Vernichtung bedeutete, war den Konferenzteilnehmern bewusst, wie der Konferenzplaner und Protokollant, „Judenreferent“ Adolf Eichmann 1961 in seinem Prozess in Israel aussagte. In der zweiten seiner „Posener Reden“ sagte Heinrich Himmler zu den versammelten Gau- und Reichsleitern am 6. Oktober 1943:

„Der Satz ‚Die Juden müssen ausgerottet werden‘ mit seinen wenigen Worten, meine Herren, ist leicht ausgesprochen. Für den, der durchführen muss, was er fordert, ist es das Allerhärteste und Schwerste, was es gibt. […] Sie wissen nun Bescheid, und Sie behalten es für sich. Man wird vielleicht in ganz später Zeit sich einmal überlegen können, ob man dem deutschen Volke etwas mehr darüber sagt. Ich glaube, es ist besser, wir – wir insgesamt – haben das für unser Volk getragen, haben die Verantwortung auf uns genommen (die Verantwortung für eine Tat, nicht nur für eine Idee) und nehmen dann das Geheimnis mit in unser Grab.“[3]

Der Judenreferent im Auswärtigen Amt, Franz Rademacher, schrieb der Personalabteilung in seiner Dienstreisenabrechnung: „Art des Dienstgeschäfts: Liquidation von Juden in Belgrad“. Aufgrund derartiger Belege urteilte die Unabhängige Historikerkommission – Auswärtiges Amt 2010, das Auswärtige Amt sei Wegbereiter der „Endlösung“ sowie aktiver Unterstützer der Judendeportation und sogar der Judenvernichtung gewesen: „Die Mitwisser im Amt waren auch Mittäter.“[4]

Beobachterwissen[Bearbeiten]

Mitteilungen über die Massenmorde hinter der Ostfront und in den Arbeits- und Vernichtungslagern waren den Beteiligten strengstens untersagt. Jedoch gab es außer den Tätern relativ viele nicht direkt beteiligte Tatzeugen aus den dort stationierten Militärverbänden. Einige an der Ostfront stationierte Soldaten machten mit privaten Fotoapparaten Aufnahmen von Misshandlungen und Hinrichtungen einzelner Juden, die in manchen privaten Fotoalben auftauchten. Auf dem Weg in den Heimaturlaub fuhren viele Züge von der Ostfront auf Strecken neben den Vernichtungslagern; Lokführer von Deportationszügen und andere Bahnbedienstete kamen in ihre unmittelbare Nähe.[5]

Das Erfurter Unternehmen Topf und Söhne, ursprünglich Ofenbauer, war an der Konstruktion, Inbetriebnahme und Wartung von Verbrennungsöfen sowie der Entlüftungsanlage von Gaskammern in Birkenau beteiligt. Mehrere namentlich bekannte Firmenmitarbeiter hatten sich nachweislich tagelang in Auschwitz aufgehalten, dabei die Baupläne gesehen und die Entlüftungsanlage sowie die Krematoriumsöfen montiert.[6]

Durch die Auswertung von abgehörten Gesprächen unter Häftlingen der Alliierten weiß man seit 2011, dass der Holocaust in all seinen Formen unter den meisten Wehrmachtssoldaten bekannt war. Beobachter erzählten ihren Kameraden in allen Details von Massenerschießungen, von den Problemen der Schützen mit „Überanstrengung“ beim Morden, besonders von Kleinkindern, von Gaswagen, von Leichenverbrennungen bei der Aktion 1005. Vielfach wurden Soldaten wie auch Anwohner von SS-Offizieren zum Zuschauen eingeladen, so dass es zu einem „Exekutionstourismus“ kam.[7]

Informationspolitik[Bearbeiten]

Gleichzeitig erzeugte die NS-Informationspolitik mit allgemeinen Andeutungen in Zeitungs- und Wochenschauberichten, die auf organisierte Judenvernichtung schließen ließen, bewusst eine Art Mitwisserschaft der Deutschen. So sprach Adolf Hitler in reichsweit ausgestrahlten Reden offen von der „Vernichtung“ der Juden, die er schon am 30. Januar 1939 für den Fall eines neuen Weltkriegs „prophezeit“ hatte. Darauf kam er bis 1943 öfter – 1942 allein fünfmal – in wortgleicher Formulierung zurück: Von den Juden, die ihn für seine „Prophezeiung“ früher verlacht hätten, lachten inzwischen viele nicht mehr; bald würde keiner mehr von ihnen lachen. Auch die deutsche Presse erwähnte diese Reden oft. Dass Hitler damit die laufende Vernichtung der Juden meinte, verstanden laut Saul Friedländer viele Zuhörer, deren Tagebucheinträge die Reden vermerkten: darunter der Osnabrücker Bischof Hermann Wilhelm Berning, dem der Vollzug von Hitlers Vernichtungsabsicht im Februar 1942 klar war.[8]

Mündliche Berichte[Bearbeiten]

Seit der auf den Polenfeldzug folgenden ersten Urlaubswelle für Wehrmachtssoldaten im Winter 1939/40 sickerten immer mehr Einzelheiten über die Vorgänge in den von der Wehrmacht besetzten Gebieten durch. An Massenerschießungen beteiligte Deutsche berichteten ihren Verwandten in Briefen oder beim Heimaturlaub davon. In Verbindung mit den Pressemeldungen ergab die „Flüsterpropaganda“ dann allmählich immer genauere Vorstellungen davon, was mit Juden „im Osten“ geschah. Die im Oktober 1941 begonnenen Deportationen aus den deutschen Großstädten vollzogen sich öffentlich auf Versammlungsplätzen und Bahnhöfen und waren vielfach von großen Mengen Schaulustiger begleitet.[9] Auch die Einrichtung von Ghettos und großen Lagern wurde in Deutschland öffentlich bekannt gegeben. Ihr Zweck wurde jedoch für die meisten Deutschen mit der typischen NS-Tarnsprache bemäntelt und verschleiert. Die Transporte dorthin wurden als „Umsiedelung“ oder „Evakuierung“ ausgegeben und waren von einer intensiven Hetzpropaganda begleitet. Deutsche Juden wurden dabei als „Volksfeinde“, Verbrecher oder Verbündete der Kriegsgegner beschrieben, die entsprechend keine „Vorzugsbehandlung“ verdient hätten. Dass mit Begriffen wie „Umsiedlung“ Massenexekutionen gemeint waren, war etwa in der westfälischen Stadt Minden vielen Einwohnern seit Ende 1941 bekannt. So schrieb Ruth Andreas-Friedrich am 2. Dezember 1942 in ihr Tagebuch:

„In Scharen tauchen die Juden unter. Furchtbare Gerüchte gehen um über das Schicksal der Evakuierten. Von Massenerschießungen und Hungertod, von Folterungen und Vergasungen.“[10]

Der Informationsfluss über das Morden der Einsatzgruppen und die Verbrechen der Wehrmacht nahm 1942 ein solches Ausmaß an, dass die Staatsführung mit den Mitteln des politischen Strafrechts dagegen vorging. Dabei stützte sie sich auf das Heimtückegesetz von 1934 und die Kriegssonderstrafrechtsverordnung von 1938. Auch Weitergabe von zutreffenden Informationen wurde als heimtückische Verbreitung von „Greuellügen“ mit Gefängnis oder Schutzhaft bedroht. Viele Verfahren wurden aber auch nicht eingeleitet, um das Geheimnis zu wahren, mit dem das NS-Regime das massenhafte Töten im Osten umgab. Ein Staatsanwalt beim Sondergericht Stuttgart stellte zum Beispiel ein Verfahren gegen einen Bürger mit Kenntnissen über Massaker in Polen mit der Begründung ein: „Das über die Behandlung der Juden Gesagte dürfte zur öffentlichen Erörterung ungeeignet sein.“[11]

Stimmungsberichte[Bearbeiten]

Seit der Niederlage in der Schlacht von Stalingrad und den alliierten Luftangriffen auf deutsche Städte trat die offene antisemitische Propaganda etwas zurück, da diese nun vermehrt auf Unverständnis und Unmut in Teilen der Bevölkerung stieß, den die Gestapo registrierte. Besonders der Versuch, das Massaker von Katyn als Vernichtungsabsicht der Sowjetunion gegenüber allen Deutschen auszugeben, scheiterte: Den Meldungen aus dem Reich zufolge, in denen die Gestapo die Überwachungs- und Stimmungsberichte zusammenfasste, bezeichnete „ein großer Teil der Bevölkerung“ die Aufregung um Katyn als „heuchlerisch, weil deutscherseits in viel größerem Umfang Polen und Juden beseitigt worden“ seien.[12] Der Kenntnisstand einzelner Personen wird durch Justiz- und Polizeiakten, Tagebücher und Briefe deutlich. Eine zahlenmäßige Aussage, wie viele Leute sichere Kenntnis oder Detailwissen besaßen, lässt sich hieraus nicht ableiten.

Wissen aus ausländischen Medien[Bearbeiten]

Ab Juli 1942 sendeten die Auslandsabteilungen etwa der BBC regelmäßig auch in deutscher Sprache Details zur Judenvernichtung. Eine frühe Reportage nannte erste Zahlen, noch ohne daraus auf eine Ausrottungsabsicht zu schließen: „Eine internationale Kommission gibt folgende Ziffern. In Deutschland sind von den etwa 200.000 Juden, die es 1939 dort gab, mindestens 160.000 verschleppt worden oder zugrunde gegangen. In Österreich leben von 75.000 Juden höchstens noch 15.000, in Böhmen und Mähren, wo es auch 80.000 Juden gab, gibt es nunmehr an die 10.000.“ Thomas Mann sprach über den britischen Sender im September 1942 von „Massentötungen durch Giftgas“.[13] Unter den millionenfach über deutschem Gebiet abgeworfenen Flugblättern der Alliierten war ein Text der Weißen Rose, der von dem Mord an 300.000 polnischen Juden berichtet, dem fürchterlichsten Verbrechen, „dem sich kein ähnliches in der ganzen Menschheitsgeschichte an die Seite stellen kann“.[14]

Das Abhören ausländischer Radiosender galt als Rundfunkverbrechen, war in Deutschland streng verboten und konnte sogar mit der Todesstrafe geahndet werden, war aber dennoch weit verbreitet. Meist bezog sich die Neugier der Hörer, vor allem nach 1943, dabei freilich auf die Frontverläufe. Da solche Meldungen oft mit Propaganda gegen die deutsche Kriegführung vermischt waren, war ihre Glaubwürdigkeit für die Deutschen nicht immer erkennbar.

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

In den letzten beiden Kriegsjahren gaben NS-Zeitschriften auch für die nicht direkt beteiligten Partei- und Regimemitglieder immer deutlicher Details zum Holocaust bekannt. Die bisherige Geheimhaltungspolitik seitens der Wehrmacht wurde immer mehr gelockert, und es kam 1943 zu einem regelrechten „Hinrichtungstourismus“ (Ernst Klee) von Täterangehörigen, die bei einer Massenerschießung zuschauen wollten.[15] Die Vernichtungslager waren jedoch weiterhin abgeschirmt. In einem Artikel des Danziger Vorposten vom 13. Mai 1944 hieß es, das Judentum habe „weitere schwere Einbußen … zu verzeichnen,“ es seien fünf Millionen Juden „neutralisiert“ und „ausgeschaltet“ worden.[16]

Zeitzeugenaussagen[Bearbeiten]

Das seit 1938 geführte Tagebuch des Celler Ingenieurs Karl Dürkefälden zeigt, dass man sich damals als Privatperson Informationen über den Judenmord verschaffen konnte.[17] Er war oppositionell eingestellt und schrieb persönliche Eindrücke auf, befragte gezielt Kollegen, Bekannte und Verwandte; er misstraute den offiziellen Nachrichten und ging Risiken ein, indem er Feindsender abhörte.[18]

Im Februar 1942 hörte Dürkefelden auf einer Bahnfahrt einen deutschen Soldaten von Massenvernichtungen im Osten reden. Kurz darauf las er in der Niedersächsischen Tageszeitung, dass Hitler die Ausrottung der Juden angekündigt habe. Diese beiden Bruchstücke führten ihn zu dem eigenen Schluss: Die Juden werden systematisch vernichtet. Im Juni 1942 bestätigten persönliche Berichte seines Schwagers und seines Arbeitgebers von Massenexekutionen bei Kiew und Białystok ihn darin. Weitere Berichte von Soldaten auf Heimaturlaub kamen im Sommer dazu. Im Herbst 1942 hörte Dürkefälden eine deutschsprachige BBC-Sendung mit Zahlenangaben über Massenmorde an Juden. So drängte sich ihm in diesem Jahr die Erkenntnis, dass die Deportationen der Juden aus Deutschland auf deren Vernichtung zielten, unabweisbar auf, ohne dass er selbst je an der Front oder in der Nähe von NS-Lagern war. Von einem in Wilna stationierten Soldaten, der zuvor Angestellter seiner Firma gewesen war, erfuhr er zudem im Januar 1943, dass „die Juden aus Frankreich und anderen besetzten Ländern nach Polen geholt und dort teils erschossen, teils vergast“ würden. Daraus kombinierte er ein relativ genaues Bild von der Dimension des Judenmordes, auch ohne etwas über die Todesfabriken selbst zu erfahren.[19]

1943 schrieb Helmuth James Graf von Moltke, der durch die Judenverfolgung zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus gebracht wurde:

„Mindestens neun Zehntel der Bevölkerung weiß nicht, dass wir Hunderttausende von Juden umgebracht haben … Sie haben immer noch die Vorstellung, dass die Juden nur ausgegrenzt worden sind und nun im Osten in ähnlicher Weise wie vorher in Deutschland weiterlebten.“[20]

Dagegen schrieb Landesbischof Theophil Wurm am 21. September 1944 an einen Pastor der Deutschen Christen:

„Jedermann weiß oder kann wissen, wie das Dritte Reich mit den Juden verfahren ist, besonders seit der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 und im Kriege bis zur völligen Vernichtung draußen in Polen und Russland. Auch dürfte das nicht unbekannt sein, dass in den besetzten Gebieten über die Wiedereinführung des in barbarischen Zeiten üblichen Geiselsystems an völlig unschuldigen Personen schweres Unrecht verübt worden ist. Dann erinnere ich an den systematischen Mord der Geisteskranken und an das ganze System der Gestapo und der Konzentrationslager, an die Tatsache, dass es eine unabhängige Rechtsprechung nicht mehr gibt … Ich frage nur: Kann ein Christ Segen erhoffen für ein Volk, das dies alles hat geschehen lassen … ?“[21]

Kenntnis von systematischer Vergasung[Bearbeiten]

Die systematische Judenvernichtung mittels industrieller Methoden blieb den meisten Deutschen verborgen und war auch für diejenigen, die über Auslandssender oder Erfahrungsberichte von Soldaten davon gehört hatten, meist unvorstellbar. Ein damaliges Gesamtwissen über Ausmaß und Durchführung des Holocaust nehmen Historiker daher nicht an.

Doch auch dieses Defizit wird weniger auf Verbote, Restriktionen und Mängel zugänglicher Informationen, sondern eher auf psychologische Mechanismen zurückgeführt. Das eigentliche Rätsel blieb, warum trotz vieler Andeutungen von so vielen so effektiv „weggehört“ wurde.

Untersuchungen von Bernward Dörner aus dem Jahr 2007 deuten darauf hin, dass trotz mangelnder Detailkenntnisse über den genauen organisatorischen und technischen Ablauf spätestens im Sommer 1943 die große Mehrheit der Deutschen damit gerechnet hat, dass alle im NS-Herrschaftsbereich lebenden Juden umgebracht werden sollten.[22]

Ebenfalls ist darauf hingewiesen worden, dass die NS-Verbrechen ohne ein großes Heer von deutschen und nichtdeutschen Helfern aus den Bevölkerungen von Deutschland besetzter Staaten undurchführbar gewesen wären. Das NS-Regime konnte vielfach auf Kollaborateure zurückgreifen, die etwa im Baltikum von sich aus aktiv wurden, um Juden aufzuspüren, auszuliefern oder selbst zu ermorden.

Nachkriegszeit[Bearbeiten]

Passanten vor einem Schaufenster, in dem das US-Militär Fotos aus Konzentrationslagern aushängte (Linz, Mai 1945)

Besonders die Besatzungsvertreter der USA konfrontierten die Deutschen in der Zeit nach 1945 mit den Folgen ihrer teils aktiven, teils passiven Zustimmung zum NS-Regime. Sie zwangen zum Beispiel Einwohner Weimars, das am 11. April 1945 befreite KZ Buchenwald, das nahe der Stadt lag, fünf Tage darauf zu besuchen, um Lebensmittelkarten zu erhalten. Margaret Bourke-White, Korrespondentin der Illustrierten Life im Nachkriegsdeutschland, beobachtete die Szene:

„Frauen fielen in Ohnmacht oder weinten. Männer bedeckten ihr Gesicht und drehten die Köpfe weg. Als die Zivilisten immer wieder riefen: ›Wir haben nichts gewußt! Wir haben nichts gewußt!‹, gerieten die Ex-Häftlinge außer sich vor Wut. ›Ihr habt es gewußt‹, schrien sie. ›Wir haben neben euch in den Fabriken gearbeitet. Wir haben es euch gesagt und dabei unser Leben riskiert. Aber ihr habt nichts getan.‹“[23]

Dies veranschaulichte nach ihrer Aussage beispielhaft, was sich so oder ähnlich in vielen Orten des besiegten Deutschlands abspielte:

„Wir alle bekamen diese Worte so häufig und monoton zu hören, daß sie uns wie eine deutsche National-Hymne vorkamen.“

Volker Ullrich beschrieb die Reaktionen der meisten Deutschen angesichts des Grauens in der ZEIT am 21. April 1995 wie folgt:

„Nur wenige Deutsche waren bereit, sich den grauenvollen Bildern aus den befreiten Konzentrationslagern auszusetzen und eigene Schuld zu bekennen. Die meisten reagierten mit einer erschreckenden Gefühlsstarre und jenem eingeübten Wegseh-Reflex, den Stephan Hermlin während der Vorführung von Dokumentarfilmen über Buchenwald und Dachau beobachtete: ‚Im halben Licht des Projektionsapparats sah ich, wie die meisten nach Beginn des Films das Gesicht abwandten und so bis zum Ende der Vorstellung verharrten.‘
Die Neigung, die eigene Beteiligung zu leugnen und sich aus der Verantwortung zu stehlen, reichte hinauf bis in die Spitzen des gestürzten Regimes. Wenn einer Schuld an den Verbrechen hatte, dann war es Hitler, dann waren es Himmler und die SS-Clique – man selbst hatte damit nichts zu tun gehabt und wollte damit auch nicht mehr behelligt werden. ‚Niemand ist ein Nazi. Niemand ist je einer gewesen‘, bemerkte die amerikanische Journalistin Martha Gellhorn im April 1945. ‚Ein ganzes Volk, das sich vor der Verantwortung drückt, ist kein erbaulicher Anblick.‘“

Manche Zeitzeugen unter den Deutschen wiesen die Behauptung, nichts gewusst zu haben, bereits bei ihrem Aufkommen als Zwecklüge zurück. Kurt Scharf, Mitglied der Bekennenden Kirche und später Landesbischof von Berlin-Brandenburg, schrieb dazu in einem Interview:

„Wer behauptet, er habe damals von alledem nichts gewusst, der hat nichts wissen wollen! Der hat aus Angst weggehört oder sich Augen und Ohren zugehalten. Man sah ja doch die Juden mit dem Stern. […]
Wer in seiner Gemeinde eine jüdische Familie hatte, der wusste, was an den Juden geschah. Und er erlebte mit, dass sie abtransportiert wurden. In Berlin erlebte man das in großem Ausmaß. Schon 1932 gab es Hakenkreuzschmierereien auf dem Kurfürstendamm, 1938 dann die brennenden Synagogen, das Zertrümmern der jüdischen Geschäfte – die sogenannte Kristallnacht: Das hat ganz Deutschland gewusst. Das haben Goebbels und Streicher im Rundfunk verkündet, und das wurde in den Wochenschauen der Filmtheater gezeigt. […]
Wir haben die Sammellager in der Oranienburger Straße in Berlin erlebt, wo die Juden zusammengetrieben wurden. […] Die Theorie von der Herrenrasse wurde in jeder Zeitung verbreitet. […] Was in unserer Gemeinde dann wirklich die letzten Zweifel an der menschenverachtenden Brutalität des Nationalsozialismus beseitigt hat, das war von 1941 an die Ankunft der Transporte mit russischen Kriegsgefangenen. […] Nacht für Nacht kamen Transporte an auf unserem kleinen Sachsenhausener Bahnhof, Viehwagentransporte, in denen die russischen Kriegsgefangenen zusammengepfercht waren, in den Viehwagen stehend, wochenlang unterwegs, oft kaum mit Nahrung versorgt. Sie kamen nachts an, und unter grellen Scheinwerfern nahmen SS-Leute mit Peitschen und Hunden die Transporte in Empfang. Die Gefangenen stolperten heraus und fielen auf den Bahnsteig, soweit sie sich noch bewegen konnten. Ein Teil von ihnen waren Leichen: auf dem Transport Gestorbene hatten noch zwischen den anderen gestanden. Diejenigen, die sich noch bewegen konnten, wurden von den Hunden gehetzt und unter Peitschenschlägen vom Bahnhof in das KZ getrieben. Auf diesem Weg verendeten dann auch wieder soundsoviele. Dies alles hörten wir mit…
Wenn jemand behauptet, er habe von all dem nichts gewusst, ist meine Kontrollfrage immer: Hättest du dich denn damals gern in ein Konzentrationslager einliefern lassen? Da hätte jeder gesagt: Um Gottes willen!“[24]

Nach Gründung der Bundesrepublik 1949 erklärten Politiker wie Theodor Heuss, Richard von Weizsäcker oder Helmut Schmidt,[25] vom Holocaust keine Kenntnis gehabt zu haben. Schmidt äußerte verschiedentlich, er habe weder von der „Reichskristallnacht“ etwas mitbekommen noch je einen Judenstern gesehen. In einem Interview der FAZ vom 9. April 2005[26] antwortete er auf die Frage, wann er zum ersten Mal eine Idee davon gehabt habe, dass die Nationalsozialisten Verbrecher seien:

„Nach dem Krieg […] Ich habe von dem Genozid an den Juden nichts gewusst, wie viele Menschen damals.“

Auf die Rückfrage, man habe doch gewusst, dass es Konzentrationslager gab, entgegnete Schmidt:

„Ich habe davon nichts gewusst, mein Vater auch nicht.“

Auf den Hinweis auf die bei Hamburg gelegenen Konzentrationslager KZ Neuengamme und KZ Bergen-Belsen sagte Schmidt:

„Mein Vater und auch meine Schwiegereltern, die Juden versteckten – nicht auf Dauer, nur für eine Nacht auf dem Boden und eine Nacht im Keller, und ein paar Tage später kam jemand anders für eine Nacht –, wir haben davon nichts gewusst.“

Demgegenüber schrieb Franz Josef Strauß in seinen Lebenserinnerungen, er sei als Wehrmachtssoldat mehrfach Zeuge von Massenerschießungen von Juden im Osten gewesen.[27]

Albert Speer beteuerte im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher wie alle übrigen angeklagten NS-Täter ein Nichtwissen vom Holocaust und versuchte dies bis zu seinem Tod glaubhaft zu machen. Er wurde durch neue Dokumentenfunde nachträglich belastet: Er trieb selbst die Enteignung von Juden voran, profitierte persönlich davon und genehmigte Lieferungen von Baumaterial für das KZ Auschwitz-Birkenau. Er bestritt jedoch stets, bei Himmlers Posener Reden anwesend gewesen zu sein, obwohl Himmler ihn laut redigiertem Redemanuskript einmal direkt ansprach. Da Speer in engem Kontakt mit Hörern der Rede stand, die ihn danach aufsuchten, gilt es als „schlicht unmöglich“, dass er nichts davon erfahren hat.[28]

Historische Forschung[Bearbeiten]

Nachkriegsstudien[Bearbeiten]

Hannah Arendt, vom nationalsozialistischen Regime 1937 ausgebürgert, publizierte seit 1943 vor allem über den Holocaust. Sie schrieb Ende 1944 in ihrem amerikanischen Exil den Artikel Organisierte Schuld:

„Während die Verbrechen, die seit Beginn des Regimes in den Konzentrationslagern zur täglichen Routine gehören, früher ein eifersüchtig gehütetes Monopol der SS und der Gestapo waren, werden zu den Massenmorden heute beliebige Wehrmachtangehörige abkommandiert. Die Berichte über diese Verbrechen, welche am Anfang möglichst geheim gehalten wurden […], wurden erst auf dem Weg der von den Nazis selbst inszenierten Flüsterpropaganda verbreitet, und sie werden heute von ihnen völlig offen als Liquidationsmaßnahmen zugestanden, um diejenigen ‚Volksgenossen‘, welche man aus organisatorischen Gründen nicht hat in die ‚Volksgemeinschaft‘ des Verbrechens aufnehmen können, wenigstens in die Rolle der Mitwisser und Komplizen zu drängen.“[29]

Diese Mitwisserschaft und das behauptete Nichtwissen der Deutschen vom Holocaust wurden bereits in der Nachkriegszeit von verschiedenen Wissenschaftlern analysiert. In ihrem zunächst nur in den USA erschienenen Essay Besuch in Deutschland. Die Nachwirkungen des Naziregimes[30] (1950) beschrieb Hannah Arendt die Teilnahmslosigkeit der deutschen Nachkriegsgesellschaft. Während in Europa wegen der deutschen Konzentrations- und Vernichtungslager tiefe Trauer herrsche, werde nirgends weniger über die Verbrechen des Nationalsozialismus gesprochen als in Deutschland:

„Die Gleichgültigkeit, mit der sich die Deutschen durch die Trümmer bewegen, findet ihre genaue Entsprechung darin, dass niemand um die Toten trauert.“

Stattdessen hörte sie von zahlreichen Geschichten über die Leiden der Deutschen, die gegen die Leiden der anderen aufgerechnet würden, wobei die „Leidensbilanz“ in Deutschland stillschweigend als ausgeglichen gelte:

„Der Durchschnittsdeutsche sucht die Ursachen des letzten Krieges nicht in den Taten des Naziregimes, sondern in den Ereignissen, die zur Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies geführt haben.“

Diese Verdrängung erklärten Margarete und Alexander Mitscherlich in ihrer sozialpsychologischen Studie der Nachkriegsgesellschaft „Die Unfähigkeit zu trauern“ 1967 anhand ihrer Therapiearbeit mit Zeitzeugen aus einer unbewussten Abwehr heraus. Diese diene ihnen dazu, sich der Konfrontation mit den NS-Verbrechen und ihrer passiven oder aktiven Beteiligung daran zu entziehen. Die Folgen seien „eine eingeschränkte Realitätswahrnehmung und die Verbreitung stereotyper Vorurteile“.[31]

Die Überzeugung, die Zeitgenossen hätten von den Morden nichts wissen können, war aber auch in der Linken weit verbreitet. So schrieb zum Beispiel Ulrike Meinhof 1972, die Anerkennung dieser Tatsache, das heißt „daß wir das deutsche Volk vom Faschismus freisprechen“, sei Voraussetzung für eine breite Unterstützung der RAF, „denn die Leute haben ja wirklich nicht gewusst, was in den Konzentrationslagern vorging.“[32]

Neuere Forschung[Bearbeiten]

Jahrzehntelang war die Forschung zur Kenntnis der Deutschen von den NS-Verbrechen durch systematische Aktenvernichtung des NS-Regimes, fortwirkende psychologische Abwehrmechanismen[33], den wachsenden Zeitabstand und die Abnahme authentischer Zeugen erschwert. Ihre Eigenwahrnehmung betrachten Historiker zudem meist nicht als mit schriftlichen und sonstigen Dokumenten gleichrangige Quelle.

Bei Befragungen der Alliierten ab 1945 hatten viele Deutsche stereotyp geantwortet, sie hätten von den NS-Massenmorden nichts gewusst. Das galt damaligen Beobachtern als Schutzbehauptung, die eine befürchtete Bestrafung abwehren sollte, oder als Verdrängung. US-Nachrichtendienste und Psychologen sammelten ihre Erfahrungen mit verhörten Deutschen in den letzten Kriegsmonaten. Die Verhörprotokolle der alliierten Armeen wurden jedoch erst Jahrzehnte später veröffentlicht. Sie und die ebenfalls spät veröffentlichten Geheimberichte von NS-Behörden bildeten den Ausgangspunkt für die neuere Forschung.

1995 wertete der israelische Historiker David Bankier die Verhöre der US-Armee erstmals systematisch aus. Er bezeichnete ihr eindeutiges Ergebnis als „Geheimnis, das keines geblieben ist“: Fast jeder Deutsche habe gegen Kriegsende irgendeine Kenntnis von den NS-Verbrechen gehabt. Auch die Methode der Vergasung sei in „weiten Kreisen“ Gesprächsthema gewesen. Viele Befragte hätten sich erleichtert gezeigt, erstmals frei darüber sprechen zu können. Die Vernehmer beobachteten, dass „ein merkwürdiges Schuldgefühl bezüglich der Juden im Vordergrund gestanden“ habe, „eine unbehagliche Stimmung und häufig ein offenes Eingeständnis“ von einem „großen Unrecht“.[34]

Bankiers Urteil folgten 2006 mit Peter Longerich, Frank Bajohr und Dieter Pohl auch einige deutsche Historiker. Longerich versuchte, die Verbreitung und Inhalte des Wissens der Deutschen vom Holocaust genauer zu erfassen. Er untersuchte dazu alle verfügbaren Quellen unter der Fragestellung, welche Informationen über NS-Verbrechen welchen Kreisen damals zugänglich waren und sich in der deutschen Bevölkerung herumsprechen konnten:

  • geheime Lage- und Stimmungsberichte der Gestapo und Sicherheitsdienste
  • Protokolle der täglichen Konferenzen des Goebbels-Ministeriums aus den Jahren 1941/42
  • regionale und überregionale Presseberichte
  • Tagebücher und Briefe von Zeitgenossen, darunter Feldpost von Frontsoldaten
  • neu zugängliche, bisher unberücksichtigte Akten auch aus der Sowjetunion, darunter noch unveröffentlichte Protokolle der alle zwei Wochen im Reichspropagandaministerium stattfindenden „Ministerkonferenz“, die das Staatliche Militärarchiv in Moskau verwahrt.

Seit den letzten Jahren konzentriert sich die Holocaustforschung auf konkrete lokale und regionale Abläufe bei den Deportationen von Juden aus deutschen Städten: zum einen, um Einzelschicksale der Opfer so weit wie möglich aufzuklären, zum anderen, um damalige Reaktionen und Beteiligung der Nichtjuden genauer zu ermitteln. Auch das Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin widmet sich seit einigen Jahren verstärkt der Aufhellung der Bevölkerungshaltung: So leitet Bernward Dörner ein Forschungsprojekt zum Thema Der Mord an den europäischen Juden und die deutsche Gesellschaft. Wissen und Haltung der Deutschen 1941 bis 1945.

In regelmäßigen Umfragen des Allensbacher Meinungsforschungsinstituts aus den 1950er und 1960er Jahren erklärten zwischen 25 und 40 Prozent der befragten Deutschen, sie hätten sehr wohl von den Massenmorden an Juden in den eroberten Gebieten Osteuropas gewusst. Daraus folgerte Karl-Heinz Reuband auf ein Holocaustwissen bei hochgerechnet bis zu 35 Millionen der Gesamtbevölkerung.[35] Eric A. Johnson schätzt den Prozentsatz auf der Grundlage derselben Quellen sogar auf 50 % (hochgerechnet 40 Millionen).[36] Frank Bajohr warnte jedoch vor der „trügerischen statistischen Scheingenauigkeit“ solcher Angaben, die nichts über die Beschaffenheit dieses Wissens, seine Bewertung und seine Einordnung aussage.[37]

Die späte Erforschung des Themas wird wie die relativ abstrakte, von Opferschicksalen losgelöste Gedenkkultur aus weiterwirkender Verdrängung (Karola Fings) oder aus der Forschungslogik erklärt (Dieter Pohl): Erst nachdem die Ursachen und Verläufe der NS-Verbrechen weitgehend aufgeklärt waren, hätten Historiker die Frage nach der Haltung der Zivilbevölkerung sinnvoll stellen können.

Entwicklung und Funktion der Bevölkerungshaltung[Bearbeiten]

Die neueren historischen Studien untersuchen die gegenseitige Beeinflussung von Regime und Bevölkerung und die verschiedenen längerfristigen und kurzfristigen Interessenlagen der Deutschen, die ihre Haltung zur Judenverfolgung erklären. Nach Auffassung der für den Regionalbereich Köln mit solchen Forschungen befassten Historikerin Karola Fings ist die historische Hauptfrage dabei nicht, was die Deutschen von den NS-Verbrechen wussten, sondern was sie wissen konnten, wenn sie es hätten wissen wollen.[38]

Longerich hat zunächst die Entwicklung der antisemitischen Propaganda und die Bevölkerungsreaktionen darauf für jede Phase der NS-Herrschaft untersucht. Er kam mit dieser wissenschaftlichen Methodik zu dem dreifachen Ergebnis:

  • Das NS-Regime habe die Bevölkerung durch eine Mischung aus Schweigen und Vernichtungsankündigung in Mithaftung für die Verbrechen nehmen wollen und dabei flexibel auf die sich verändernde Bevölkerungsstimmung reagiert, um diese zu lenken.
  • Informationen über die Judenvernichtung seien unter den Deutschen viel weiter verbreitet gewesen als bisher angenommen: Nicht die Mehrheit, aber doch ein erheblicher Anteil der Bevölkerung und nicht etwa nur eine kleine, auf eine bestimmte Region, Berufssparte oder auf ein soziales Milieu beschränkte Minderheit habe trotz der Geheimhaltung der genauen Details vom Holocaust gewusst und dessen Ausmaß und Formen realistisch einschätzen können.
  • Die meisten Deutschen hätten dieses Wissen nicht in Handlungen für die Juden und gegen deren Verfolgung umgesetzt; zwar habe man die NS-Verbrechen nicht gewollt, sich aber der staatlichen Propaganda gefügt.[39]

Antisemitische Kampagnen des Regimes seien im Kriegsverlauf zunehmend auf Skepsis, Unverständnis und Kritik gestoßen, ohne jedoch auch nur Ansätze einer öffentlichen Opposition zur Judenverfolgung auszulösen. Die vorherrschende Gleichgültigkeit und Passivität hätten dazu gedient, sich jeder Eigenverantwortung für Krieg, Kriegsverbrechen und Kriegsfolgen durch ostentative Ahnungslosigkeit zu entziehen. Dies habe dann in der verbreiteten Distanzierung vom eigenen Wissen gegenüber den Siegern resultiert.

Anders als Longerich vermutet Armin Pfahl-Traughber in der mangelnden aktiven Beteiligung vieler Deutscher an antisemitischen NS-Kampagnen keine Distanz zum Antisemitismus, sondern nur eine Abneigung gegen das gewalttätige Vorgehen der Nationalsozialisten.[40]

Die Frage nach der Kenntnis vom Holocaust verband sich mit der Debatte um eine mögliche deutsche Kollektivschuld. Diese wurde jedoch auch von einigen Vertretern der Kriegsgegner Deutschlands zurückgewiesen. Diese bemühten sich in den Nürnberger Prozessen intensiv darum, erstmals nach einem Weltkrieg nicht nur direkt Ausführende, sondern vor allem die Initiatoren und Planer des Völkermords haftbar zu machen. Die innerdeutsche Kollektivschulddebatte wurde daher zum Teil ebenfalls als Ablenkung von eigener, individuell zurechenbarer Verantwortung gedeutet.

Alliierte[Bearbeiten]

„The Mass Extermination of Jews in German Occupied Poland“. An die League of Nations gerichtete Note der Exilregierung (Republic of P., 1942)

Wissen der Regierungen[Bearbeiten]

Der britische Geheimdienst entschlüsselte die Kodierung von Funkmeldungen der deutschen Polizei – nicht von SS und SD – im September 1939. Im Folgejahr entschlüsselten britische und französische Abhörspezialisten fast alle aufgefangenen Funksprüche der deutschen Polizeibataillone in den besetzten Gebieten Polens, auch nachdem deren Code geändert wurde. Dadurch erfuhren sie frühzeitig von Zwangsumsiedelungen und Exekutionen im Generalgouvernement.

Im August 1941 änderten die Deutschen den Code der Polizeimeldungen in den besetzten sowjetischen Gebieten erneut. Dennoch konnten die Briten bis dahin etwa die Hälfte, danach ein Viertel aller polizeilichen Funksprüche auffangen und entschlüsseln. Sie erkannten, dass Tarnbegriffe wie „Sonderaufgabe“ Massenmord bedeuteten. So erfuhren sie von tausenden Massenhinrichtungen durch die Ordnungspolizei und die Waffen-SS hinter der Ostfront, die an die Höheren SS- und Polizeiführer gemeldet werden mussten.

Premierminister Winston Churchill erhielt täglich Kurzberichte von dechiffrierten deutschen Polizeimeldungen und wöchentliche Zusammenfassungen daraus. In seiner Rundfunkrede vom 24. August 1941 gab er erstmals Teile dieses Wissens bekannt:

„Hunderttausende – wirklich Hunderttausende – von Exekutionen werden durchgeführt; deutsche Polizeitruppen ermorden kaltblütig russische Patrioten, die ihr Vaterland verteidigen. […] Wir werden Zeugen eines namenlosen Verbrechens.“

Er nannte also nur eine Tätergruppe, nicht aber die Juden als Hauptopfergruppe und deutete die Morde als Reaktion auf sowjetische Kriegserfolge im Rahmen von Kampfhandlungen. Dies spiegelte die deutsche Gleichsetzung von Juden mit Bolschewiken und Partisanen.[41]

Durch den deutschen Doppelagenten Paul Thümmel, der auch für den tschechoslowakischen Nachrichtendienst arbeitete, erfuhren die Briten Ende Juli 1941 von Massenerschießungen an männlichen Juden in der Ukraine durch Wehrmachtssoldaten. Seit dem 28. August 1941 enthielten auch die Geheimdienstberichte an Churchill eindeutige Hinweise auf Juden als Opfer und Zahlen der Ermordeten mit steigender Häufigkeit und Tendenz. Am 12. September folgerte der zusammenfassende Bericht an ihn:

„… die Zahlen bieten […] aufschlußreiche Hinweise auf eine Politik der grausamen Einschüchterung, wenn nicht der völligen Vernichtung.“[42]

Danach stellte der britische Geheimdienst gesonderte Mordberichte an Churchill ein. Am 13. September verbot Kurt Daluege den Höheren SS- und Polizeiführern, Exekutionszahlen zu funken. Beides reagierte vermutlich auf Churchills Augustrede: Die Kriegsgegner wollten einander nichts mehr über ihr Wissen über die Massenmorde an Juden verraten. Zudem waren die Briten nun vorwiegend an Informationen über den Kriegsverlauf interessiert. Dennoch erfuhren sie weiterhin von nun als „Aktion nach Kriegsgebrauch“ getarnten Exekutionen und von der Zusammenarbeit zwischen SS, Polizei und Wehrmachtsteilen dabei.[43]

Ein Geheimbericht des Informationsministeriums vom 22. Januar 1942 stellte anhand regelmäßig ausgewerteter Pressemeldungen und zensierter Privatpost aus ganz Europa klar:

„Die Deutschen verfolgen eindeutig eine Politik zur Ausrottung der Juden.“[44]

Nun wurde der begonnene Holocaust den Alliierten in immer mehr Details bekannt. Dieses allmählich aus vielen Einzelteilen zusammengesetzte Wissen wurde in den Regierungen anfangs kaum ernst genommen und dann nur zögernd der Öffentlichkeit weitergegeben.[45]

Wissen der Bevölkerung[Bearbeiten]

Seit Oktober 1941 erfuhren britische Zeitungsleser von einzelnen deutschen Massenmorden an Juden Osteuropas, etwa von 45.000 deportierten Juden von Schitomir, Pogromen an Tausenden Juden in der Ukraine sowie etwa 6.000 ermordeten Juden von Czyżew in Ostpolen. Diese Berichte gelangten vor allem über die Jewish Telegraphic Agency (JTA), die polnische Exilregierung und einzelne osteuropäische Korrespondenten in die britische Öffentlichkeit.

Ende Oktober erschien zuerst in Schweden, dann in der Londoner Times und im deutschsprachigen Exilantenblatt Die Zeitung ein Bericht über Deportationen deutscher und österreichischer Juden in die besetzten Gebiete. Dort würden sie auf die eine oder andere Weise umgebracht; dies solle alle deutschsprachigen Juden treffen. Es gebe ein umfassendes Programm für Massenmorde.

Im November 1941 berichtete Richard Lichtheim, Vertreter der Jewish Agency for Palestine in Genf, an Chaim Weizmann, den Präsidenten der Jewish Agency: Ganze Züge mit deutschen, österreichischen und böhmisch-mährischen Juden gingen nach Łódź und von da aus an unbekannte Orte weiter östlich, vermutlich bis nach Minsk. Er drängte Weizmann, dies weltweit bekannt zu machen. Auf Drängen von Gerhart M. Riegner, einem 1933 in die Schweiz geflohenen deutschjüdischen Rechtsanwalt, sandte der Jüdische Weltkongress im Februar 1942 einen Bericht an das britische Außenministerium, der die Judenverfolgung in NS-Deutschland von Februar 1933 bis November 1941 auf 160 Seiten präzise dokumentierte.

Während des Krieges in den USA vorgenommene Umfragen zeigen, dass der Holocaust selbst für die von freien Medien informierte US-Bevölkerung bis Ende 1944 vielfach nicht geglaubt wurde: Das Ausmaß des Holocaust erleichterte seine Tarnung....[46]

Betroffene[Bearbeiten]

Holocaustüberlebende berichteten, dass die unmittelbar betroffenen Opfer ihr bevorstehendes Schicksal nicht ahnten oder trotz Gerüchten von den Vernichtungslagern nicht wahrhaben wollten:

„Der mit bürokratischer Gründlichkeit geplante, fabrikmäßig betriebene millionenfache Mord – diese nie erlebte Dimension des Verbrechens überforderte die Vorstellungskraft selbst derer, die den Nazis alle nur möglichen Schandtaten zutrauten. Das Undenkbare zu denken, Auschwitz für wirklich zu halten – dagegen sträubte sich ein psychischer Selbstschutzreflex. Das galt auch für die designierten Opfer, vor allem für die Juden Westeuropas. Bis zuletzt hielten sie die Deutschen eines solchen Verbrechens nicht für fähig…“[47]

Konrad Löw schrieb dazu in der FAZ am 1. März 2007:

„Das Urteil über den wahren Sachverhalt fällt noch schwerer, wenn man sich vergegenwärtigt, dass selbst zahlreiche jüdische Opfer ganz entschieden ihr Nichtwissen beteuern. Der Auschwitz-Flüchtling Friedemann Bedürftig glaubte zu wissen: „Die in Auschwitz Ankommenden hatten samt und sonders nicht nur keine Ahnung, wo sie waren, sondern auch nicht die geringste davon, was ihnen zugedacht war. Sie ließen sich nicht etwa wegen ihrer ‚rassischen Minderwertigkeit‘, wie die Nazis gerne behaupteten, fast widerstandslos zur Schlachtbank führen, sondern weil sie gar nicht wussten, dass sie sich auf die Reise dahin begaben.“[20]

Löw warf Historikern wie Peter Longerich, Saul Friedländer, Ian Kershaw u. a. vor, solche Aussagen jüdischer Quellen in ihren Untersuchungen zum Thema zu übergehen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Wissen von nichtjüdischen Deutschen

  • Frank Bajohr, Dieter Pohl: Der Holocaust als offenes Geheimnis. Die Deutschen, die NS-Führung und die Alliierten. Beck, München 2006, ISBN 3-406-54978-0.
  • Eckart Conze, Norbert Frei, Peter Hayes, Moshe Zimmermann: Das Amt und die Vergangenheit. Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik. Karl Blessing, München 2010, ISBN 978-3-89667-430-2.
  • Bernward Dörner: Die Deutschen und der Holocaust. Was niemand wissen wollte, aber jeder wissen konnte. Propyläen, Berlin 2007, ISBN 978-3-549-07315-5.
  • David Bankier: Die öffentliche Meinung im Hitler-Staat. Die 'Endlösung' und die Deutschen. 1. Auflage, Berliner-Wissenschaft, 1995, ISBN 3-87061-478-1.
  • David Bankier: Warum “Die Endlösung” ein öffentliches Geheimnis war. In: Ludmila Nesládková (Hrsg.): Nisko 1939–1994.
  • Walter Kempowski: Haben Sie davon gewußt? Deutsche Antworten. 1. Auflage. Knaus, Hamburg 1979, ISBN 3-8135-0983-4. (Btb Berliner Taschenbuchverlag, Berlin 1999, ISBN 3-442-72541-0)
  • Otto D. Kulka, Eberhard Jäckel: Die Juden in den geheimen NS-Stimmungsberichten 1933–1945. Droste, 2004, ISBN 3-7700-1616-5.
  • Peter Longerich: „Davon haben wir nichts gewusst!“ Die Deutschen und die Judenverfolgung 1933–1945. Siedler, München 2006, ISBN 3-88680-843-2.
  • Ahlrich Meyer: Das Wissen um Auschwitz. Täter und Opfer der ‚Endlösung’ in Westeuropa. Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2010, ISBN 978-3-506-77023-3.
  • Hans Mommsen: Was haben die Deutschen vom Völkermord an den Juden gewusst? In: Walter H. Pehle (Hrsg.): Der Judenpogrom 1938. Von der „Reichskristallnacht“ zum Völkermord. 7. Auflage. 1999, ISBN 3-596-24386-6.
  • Saul K. Padover: Lügendetektor. Vernehmungen im besiegten Deutschland 1944/45. Econ Tb, 2001, ISBN 3-548-75006-0.
  • Karl-Heinz Reuband: Gerüchte und Kenntnisse vom Holocaust in der deutschen Gesellschaft vor Ende des Krieges. Eine Bestandsaufnahme auf der Basis von Bevölkerungsumfragen. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Jahrbuch für Antisemitismusforschung. Band 9, Campus, Frankfurt 2000, S. 196–233.
  • Karl-Heinz Reuband: Zwischen Ignoranz, Wissen und Nicht-Glauben-Wollen: Gerüchte über den Holocaust und ihre Diffusionsbedingungen in der Bevölkerung. In: B. Kosmala, C. Schoppmann (Hrsg.): Überleben im Untergrund. Hilfe für Juden in Deutschland 1941–1945. Metropol, Berlin 2002, S. 33–62.
  • Jochanan Shelliem (Hrsg.): Weinen Sie nicht, die gehen nur baden! Der Audio Verlag, Dav 2005, ISBN 3-89813-409-1.
  • Jörg Wollenberg (Hrsg.): „Niemand war dabei und keiner hat’s gewußt.“ Die deutsche Öffentlichkeit und die Judenverfolgung 1933–1945. 2. Auflage. Piper, München 1989, ISBN 3-492-11066-5.

Individuelle Erfahrungsberichte

  • Petra Bopp: Fremde im Visier – Fotoalben aus dem Zweiten Weltkrieg. Christof Kerber Verlag, 2009, ISBN 978-3-86678-294-5.[48]
  • Herbert, Sibylle Obenaus (Hrsg.): „Schreiben, wie es wirklich war …“ Aufzeichnungen Karl Dürkefäldens aus den Jahren 1933–1945. Fackelträger, Hannover 1985, ISBN 3-7716-2311-1.
  • Harald Welzer, Sabine Moller, Karoline Tschuggnall: Opa war kein Nazi. Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis. Fischer, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-596-15515-0.
  • Sabine Würich, Karola Fings, Rolf Sachsse, Martin Stankowski: Das Gedächtnis der Orte. Emons, 2004, ISBN 3-89705-349-7.

Wissen von Juden

  • Andreas Kruse, Eric Schmitt: Wir haben uns als Deutsche gefühlt. Lebensrückblick und Lebenssituation jüdischer Emigranten und Lagerhäftlinge. Steinkopff, Darmstadt 2000, ISBN 3-7985-1035-0.

Wissen der Alliierten

  • Richard Breitman: Staatsgeheimnisse. Verbrechen der Nazis – von den Alliierten toleriert. Blessing, 1999, ISBN 3-89667-056-5.
  • Walter Laqueur: The Terrible Secret. Suppression of the Truth about Hitler's „Final Solution“. Boston 1980. (Nachdruck Henry Holt, 1998, ISBN 0-8050-5984-9) (englisch)
    • deutsch: Was niemand wissen wollte. Die Unterdrückung der Nachrichten über Hitlers Endlösung. Ullstein, 1981. (TB 1984)
  • Michaela Hoenicke Moore: Know Your Enemy. The American Debate on Nazism, 1933–1945. Cambridge UP, 2010, ISBN 978-0-521-82969-4 (Inhaltsverz. (PDF; 89 kB); englisch)

Allgemein

  •  Das schreckliche Geheimnis. In: Der Spiegel. Nr. 35, 24, S. 124 (24. August 1981, online).
  • Wilfried Köppen: Amtshilfe – Bis Celle ohne Juden war. In: Werner Holtfort, Norbert Kandel, Wilfried Köppen, Ulrich Vultejus: Hinter den Fassaden. Geschichten aus einer Deutschen Stadt. Steidl, Göttingen 1982, ISBN 3-88243-014-1, S. 97–102. (online auf: celle-im-nationalsozialismus.de)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelbelege[Bearbeiten]

  1. Werner T. Angress, Ursula Büttner: Die Deutschen und die Judenverfolgung im Dritten Reich. Die Zeit des Nationalsozialismus. Fischer, 2003, ISBN 3-596-15896-6, S. 93
  2. Jane Caplan, Nikolaus Wachsmann (Hrsg.): Concentration Camps in Nazi Germany: The New Histories. Routledge, 2010, S. 25
  3. Bradley F. Smith, Agnes F. Petersen (Hrsg.): Heinrich Himmler. Geheimreden 1933–1945. Propyläen, Frankfurt 1974, ISBN 3-549-07305-4, S. 169ff.
  4. Eckart Conze, Norbert Frei, Peter Hayes, Moshe Zimmermann: Das Amt und die Vergangenheit. Deutsche Diplomaten im Dritten Reich und in der Bundesrepublik. Karl Blessing, München 2010, S. 15 f.
  5. Beispiel: Der Bericht des Wehrmacht-Unteroffiziers Wilhelm Cornides vom 31. August /1. September 1942 (nach Peter Longerich: Die Ermordung der europäischen Juden, München 1989, S. 212f)
  6. Annegret Schüle: Technik ohne Moral, Geschäft ohne Verantwortung. In: Irmtrud Wojak und Susanne Meinl (Hrsg.): Im Labyrinth der Schuld. Frankfurt 2003, ISBN 3-593-37373-4, S. 199–229.
  7. Sönke Neitzel, Harald Welzer: Soldaten: Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben. S. Fischer, 2011, ISBN 978-3-10-089434-2; rezensiert von Jan Fleischhauer (Der Spiegel, 4. April 2011): Zeitgeschichte: Frauen, Kinder, alles
  8. Christian Semler, Stefan Reinicke (taz, 10. November 2006): Die Juden waren der ideale Feind. Interview mit Saul Friedländer
  9. Generaldirektion der staatlichen Archive Bayerns (Hrsg.): Wege in die Vernichtung. Die Deportation der Juden aus Mainfranken 1941–1943. München 2003, ISBN 3-921635-77-2, S. 106ff. und Fotos
  10. Ruth Andreas-Friedrich: Der Schattenmann. Schauplatz Berlin. Tagebuchaufzeichnungen 1938–1948. Frankfurt am Main 2000, S. 98.
  11. Frank Bajohr und Dieter Pohl: Der Holocaust als offenes Geheimnis. Die Deutschen, die NS-Führung und die Alliierten. Beck, München 2006, S. 63.
  12. Heinz Boberach: Überwachungs- und Stimmungsberichte als Quellen für die Einstellung der deutschen Bevölkerung zur Judenverfolgung. In: Ursula Büttner: Die Deutschen und die Judenverfolgung im Dritten Reich. Überarbeitete Neuauflage, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-596-15896-6, S. 51.
  13. Peter Longerich: Davon haben wir nichts gewusst.... S. 229 und Fn. 115 auf S. 410.
  14. Guido Knopp: „Holocaust“, S. 333 / 2. Flugblatt
  15. Ernst Klee: 'Schöne Zeiten'. Judenmord aus der Sicht der Täter und Gaffer. Fischer, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-10-039304-X, S. 7f.
  16. Frank Bajohr, Dieter Pohl: Der Holocaust als offenes Geheimnis, München 2006, S. 58.
  17. Herbert u. Sibylle Obenaus (Hrsg.): Schreiben, wie es wirklich war … Aufzeichnungen Karl Dürkefäldens aus den Jahren 1933–1945. Hannover 1985.
  18. Peter Longerich: Davon haben wir nichts gewusst... S. 231f.
  19. Frank Bajohr, Dieter Pohl: Der Holocaust als offenes Geheimnis. München 2006, S. 60f.
  20. a b Professor Dr. Konrad Löw in der F.A.Z., 1. März 2007, Nr. 51 / Seite 7
  21. Günter Brakelmann, Evangelische Kirche und Judenverfolgung S. 74.
  22. Bernward Dörner: Die Deutschen und der Holocaust. Berlin 2007, S. 608.
  23. zitiert nach Volker Ullrich: Das offene Geheimnis – Peter Longerich untersucht ein heikles Kapitel unserer jüngeren Geschichte: Was wussten die Deutschen vom Holocaust? (DIE ZEIT 20. April 2006)
  24. Heinrich W. Grosse: Bewährung und Versagen. Die Bekennende Kirche im Kirchenkampf. Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V., 1991, ISBN 3-89246-024-8, S. 31f.
  25. Bryan Mark Rigg, in: Hitlers jüdische Soldaten. Kap. 9
  26. zitiert nach “Die Deutschen bleiben ein gefährliches Volk – Warum man nach dem Zusammenbruch des ‘Dritten Reiches’ in die Politik ging und was heute fehlt: Helmut Schmidt erinnert sich”, FAZ 9. April 2005, S. 36.
  27. Peter Lieb: Verbrechen der Wehrmacht – Was konnten Wehrmachtsoldaten von den NS-Verbrechen hinter der Front wissen? Tagebuch eines Täters gazette.de
  28. Gitta Sereny: Albert Speer: Sein Ringen mit der Wahrheit. München 2001, ISBN 3-442-15141-4, S. 484; Stefan Krebs / Werner Tschacher: Speer und Er. Und Wir? Deutsche Geschichte in gebrochener Erinnerung. In: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht, H. 3, 58 (2007), S. 163–173.
  29. Hannah Arendt: Die verborgene Tradition. Acht Essays. Frankfurt a. M. 1976, S. 33. In der Zeitschrift Jewish Frontier im Januar 1945 erstmals veröffentlicht.
  30. In: Zur Zeit. Politische Essays. Hamburg 1999, S. 43–70.
  31. Margarete und Alexander Mitscherlich, Die Unfähigkeit zu trauern – Grundlagen kollektiven Verhaltens. 1967, Zitat aus der Rezension von CI Leipzig (19. März 2007)
  32. zitiert nach Veit Medick (tageszeitung, 6./7. Oktober 2007): Radikal antijüdisch
  33. Bernward Dörner: Rezension von P. Longerich: Davon haben wir nichts gewusst! für HSozkult, 14. Juni 2006
  34.  Ort des Unfassbaren. In: Der Spiegel. Nr. 4, 2005 (24. Januar 2005, online).
  35. Karl-Heinz Reuband: Gerüchte und Kenntnisse vom Holocaust in der deutschen Gesellschaft vor Ende des Krieges. Eine Bestandsaufnahme auf der Basis von Bevölkerungsumfragen. In: Jahrbuch für Antisemitismusforschung 9 (2000), S. 196–233.
  36. Eric A. Johnson und Karl-Heinz Reuband: What We Knew. Terror, Mass Murder, and Everyday Life in Nazi Germany. An Oral History. Basic Books, New York 2005.
  37. Frank Bajohr, Dieter Pohl: Der Holocaust als offenes Geheimnis, München 2006, S. 64 und 141.
  38. Funkhausgespräche vom 9. November 2006 um 20.05 Uhr auf WDR 5 (Version vom 30. September 2007 im Internet Archive)
  39. Rezensionsnotiz – Süddeutsche Zeitung, 27. Dezember 2006
  40. Armin Pfahl-Traughber: Rezension von Davon haben wir nichts gewusst! für „Blick nach Rechts“ (Version vom 30. September 2007 im Internet Archive)
  41. Richard Breitman: Staatsgeheimnisse. Goldmann, München 2001, S. 126.
  42. Richard Breitman: Staatsgeheimnisse. München 2001, S. 130.
  43. Richard Breitman: Staatsgeheimnisse. München 2001, S. 132ff.
  44. Richard Breitman: Staatsgeheimnisse. München 2001, S. 137.
  45. Armin Pfahl-Traughber, Besprechung von Der Holocaust als offenes Geheimnis in DÖW Mitteilungen 179, Dezember 2006, S. 8. (Online (pdf; 147 kB))
  46. Guido Knopp: Holokaust. S. 334.
  47. Zitiert bei Volker Ullrich: Fünf Schüsse auf Bismarck. Historische Reportagen 1789–1945. Beck, München 2002, ISBN 3-406-49400-5, S. 199 (online)
  48. Rezension: Ausstellung Wehrmachtsfotografien 2009/2010 gezeigt in Oldenburg, München, Frankfurt am Main und Jena. Die Zeit Nr. 2010/19.