Holzbau

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Brücke bei Essing in Holzbauweise
Historisches Kehlbalkendach mit liegendem Stuhl; der eigentliche Dachstuhl im engeren Sinne ist blau dargestellt

Als Holzbau wird der Bereich des Bauwesens, der den Baustoff Holz nutzt, bzw. auch das in Holzbauweise errichtete Bauwerk selbst, bezeichnet. Neben Vollholz werden auch Holzwerkstoffe eingesetzt.

Der Holzbau ist dabei ein altes und eigenständiges Fachgebiet, das sich mit seinen spezifischen Techniken und Werkstoffen von anderen Bereichen des Bauwesens, wie beispielsweise dem Mauerwerksbau, dem Stahlbetonbau oder dem Stahlbau, abgrenzt. Unterschieden wird zwischen dem über Jahrhunderte überlieferten zimmermannsmäßigen Holzbau und dem seit Ende des 19. Jahrhunderts entwickelten Ingenieurholzbau.

Der Holzbau wird häufig in Kombination mit anderen Bautechniken angewendet. Es gibt beispielsweise Holzbalkendecken im Mauerwerksbau, Holzdachstühle auf Bauten aus Mauerwerk oder Beton, Dachbinder aus Holzfachwerken oder Holzleimbinder für Hallen und viele andere Anwendungsgebiete.

In den letzten Jahren wurden viele Holzfertighäuser gebaut. Diese Art von Holzhäusern ist oft sehr energieeffizient und beim Bau kostengünstiger. Die häufigste Bauweise, die im Holzfertigbau angewendet wird ist die Holztafelbauweise.

Verschiedene Studiengänge im Bereich Holzbau und im überschneidenden Bereich Holztechnik werden angeboten.[1]

Holzbauweisen[Bearbeiten]

Das größte selbsttragende Holzdach der Welt steht auf der Messe in Hannover und wurde zur EXPO 2000 gebaut

Verschiedene Konstruktionen wie Wohnhäuser, Brücken, Hallen und anderes können aus Holz als hauptsächlicher Baustoff errichtet werden.

Holzdach[Bearbeiten]

Hauptartikel: Dachkonstruktion
Skizze eines Dachtragwerkes aus Fachwerkträgern (Dreieckförmiger Binder)
Skizzen verschiedener weitgespannter Dachtragwerke: 49–51 Satteldachbinder
54–56 Polonceaubinder
62 Fachwerkrahmen

Das Hallendach ist ein weitgespanntes Dachtragwerk zum Überbrücken großer Spannweiten (bis zu 60 m). Weitgespannte Dachtragwerke werden zum Beispiel für Reithallen, Sporthallen, Lagerhallen und Industriebauten eingesetzt.

Holzhaus[Bearbeiten]

(siehe auch Artikel Holzhaus)
Fachwerkhaus in Eschwege
Modernes, mehrstöckiges Holzhaus in Berlin
Dem Sonnenlauf folgendes Holz-Drehhaus in Hessen

Seit Jahrtausenden wird Holz als Baustoff für die Errichtung von Häusern verwendet. Bereits in der Steinzeit wurden Pfahlbauten errichtet. Unter den traditionellen Holz-Bauweisen sind vor allem folgende zu erwähnen:

Innerhalb des modernen Holzhausbaus haben sich unterschiedliche Bauweisen entwickelt:[2]

Holzkuppel[Bearbeiten]

Baumturm mit einer Plattform in 44 m Höhe. Der spiralförmige Aufgang ist etwa 500 m lang.
  • Im Nationalpark Bayerischer Wald bei Neuschönau gibt es einen 1300 m langen Baumwipfelpfad. Der Aufstieg auf Wipfelhöhe erfolgt zu Fuß in einem kuppelförmigen Holzbau (44 m hoch, Gesamtlänge Rampe: 520 m, 500 m³ Holz verbaut, Durchmesser unten: 30,5 m, Durchmesser breiteste Stelle: 35,5 m, Durchmesser Aussichtsplattform: 10 m).[4]

Turm einer Windkraftanlage[Bearbeiten]

Geschlossene Türme aus Holz könnten (Stand 2010) vorteilhafter als Tragwerke aus Beton sein.[5][6][7] Möglicherweise sind sie langlebiger als Stahltürme, da Holz keine Materialermüdung infolge von Lastwechseln zeige.

Ein erster Prototyp wurde im Oktober 2012 in Hannover-Marienwerder errichtet und im Dezember 2012 in Betrieb genommen. Eine 1,5-MW-Anlage des Herstellers Vensys (Gewicht etwa 100 t) wurde auf einem 100 m hohen Holzturm der „Timbertower GmbH“ montiert. Der Holzturm besteht aus 28 Stockwerken und besitzt eine stabile achteckige Außenwand von etwa 30 cm Wandstärke aus Sperrholz. Es wurden etwa 1000 Bäume gefällt, um diesen Turm zu produzieren (ca. 400 m³ Holz = ca. 200 t). Etwa siebzig Blitzableiter ragen aus der Turmwand hervor. Eine UV-stabile PVC-Folie ist die schützende Außenhaut des Turmes.[8][9]

Holzachterbahnen[Bearbeiten]

Wodan

Es gibt weltweit über 170 Holzachterbahnen (Achterbahnen mit hölzernen Stützgerüsten), zum Beispiel

  • Colossos im Heide-Park, 80 km südlich von Hamburg. Sie gilt als die schnellste Holzachterbahn der Welt mit Geschwindigkeiten von bis zu 120 km/h.

Siehe auch: Liste von Holzachterbahnen

Studiengänge[Bearbeiten]

An zahlreichen Hochschulen werden Diplom- und Vertiefungsstudiengänge zum Holzbau oder zur Holztechnik im Bereich des Bauingenieurwesens angeboten. Unter anderem an folgenden Einrichtungen:

In Deutschland:[1]

In der Schweiz:

In Österreich:

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Holzbau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b www.studienwahl.de: Holzwirtschaft, Holztechnik, Holzbau, Ausbau, Informationssystem der Bundesländer und der Bundesagentur für Arbeit, abgerufen am 21. Februar 2010
  2. oekologisch-bauen.info: Holzbau, abgerufen am 21. Februar 2010
  3. badische-zeitung.de, 15. Mai 2012: Europas größte Holzkuppel (8. August 2012)
  4. www.baumwipfelpfad.by, Der Baumturm
  5. timbertower.de (2010): Windenergietürme aus Holz mit Details zur Verbindungstechnik.
  6. Windkraftanlagen aus Holz. Abgerufen am 1. März 2012.
  7. Nachwachsende Türme aus Holz. In: TAZ, 8. Januar 2012. Abgerufen am 6. April 2012.
  8. Erste Multimegawatt-Anlage mit 100-m-Holzturm steht. In: Sonne Wind & Wärme, 15. Oktober 2012. Abgerufen am 18. Oktober 2012.
  9. Riese mit Holzbein. Heise, 22. November 2012, abgerufen am 22. November 2012.