Holzboot

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Holzschiff ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zum Roman von Hans Henny Jahnn siehe Das Holzschiff.

Ein Holzboot oder Holzschiff ist ein Boot oder Schiff, dessen Schiffskörper, Rumpf und Decksaufbauten ausschließlich aus Holz gefertigt sind. Dabei können außer Holz auch Nägel, Schrauben und Klebstoffe Verwendung finden.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Ökologie, ein Teilgebiet der Biologie, das sich mit den Beziehungen der Lebewesen zur umgebenden Außenwelt befasst, geht von zwei grundsätzlichen Behauptungen aus. Primitive Völker, vor dieselbe Aufgabe gestellt, hier das Überqueren, Befahren von Wasser, und mit denselben Mitteln ausgestattet, nämlich hier dem Vorhandensein von Holz, einem Material, dessen Auftrieb durch die geringere Dichte des Materials gegenüber dem Wasser entsteht, reagieren auf ein und dieselbe Weise. Ändern sich die Mittel nicht, ändern sich auch nicht die Methoden zur Bewältigung der Aufgaben. Daraus lässt sich schließen, dass unsere Vorfahren auf sehr ähnliche Weise ihre hölzernen Boote bauten und nutzten wie die wenigen heutigen Naturvölker.[1]

Entwicklungsformen des Holzbootes[Bearbeiten]

Der Einbaum[Bearbeiten]

Einbaum

Das erste Hilfsmittel zum Bewegen auf einem Gewässer war vor ca. 8000 Jahren der Einbaum, ein kompletter Baumstamm. Über die genaue zeitliche Einordnung sind sich Archäologen nicht einig. Die ersten Bäume wurden schon vor Jahrtausenden vom Mensch ausgehöhlt, um das Befahren von Gewässern zu ermöglichen, zuerst, indem man den Baumstamm ausbrannte und später durch spanabhebende Bearbeitungsverfahren.

Es ist anzunehmen, dass der Weg weg vom Einbaum zum Boot über den Umweg des Fell- und Korbbootes stattfand[2], da der Mensch die Fähigkeit Weide und Schilf zu flechten, Leder zu gerben und zu vernähen erlangte, lange bevor er dazu in der Lage war, Bohlen und Bretter aus Bäumen zu gewinnen. Die Existenz der Pirogen deutet aber auch an, dass es auch den Einbaum (mit aufgesetzter Seitenbeplankung zur Freiborderhöhung gegeben hat. Einbäume wurden bis zu 20 Meter lang gefertigt.

Das Kanu[Bearbeiten]

Kanu aus Tierhaut

Es ist leichter und schneller, die Form des ausgehöhlten Einbaumes mit Weiden, Knochen oder Schilfrohr nachzubilden und dieses Gerüst mit Leder oder Haut zu bespannen. Das Heck und der Bug dieses Bootes erhielt eine strömungsgünstigere Form. Ein solches Kanu konnte nicht beliebig groß gebaut werden, da es im Betrieb zu zerbrechen/zerreißen droht. Größere Kanus mussten durch stabileres Material wie Bohlen und Bretter aus Holz verstärkt werden. Damit wuchs das Holzkanu in Größe, Seetüchtigkeit und Zuladung.

Die klassische Bootsform[Bearbeiten]

Spanten

Zwei Formen der klassischen Erstellung von Holzbooten sind bekannt. Man konnte erst die Außenhülle aus Planken erstellen und dann zur Versteifung mit Spanten versehen, oder erst die Spantenkonstruktion herstellen und dann beplanken. Der Weg, erst das Gerüst der Spanten auf einen Kiel zu setzen und dann per Beplankung mit einer Außenhaut zu versehen, erlaubte den Wasserfahrzeugen deutlich zu wachsen und an Stabilität zu gewinnen..

Materialmixturen[Bearbeiten]

Komposit[Bearbeiten]

Erst der nächste Schritt, die Kompositbauweise erlaubte größere Schiffe. Bei der Kompositbauweise werden verschiedene Materialien miteinander kombiniert. Üblich wurde es, das Gerüst des Schiffes, die Spanten und den Kiel aus Eisen zu fertigen, und diesen dann mit Holz zu beplanken. Berühmtestes noch existierendes Beispiel für diese Bauweise ist die "Cutty Sark".

Sandwichbauweise[Bearbeiten]

Auch wenn der Begriff der "Sandwichbauweise" erst später geprägt wurde, mehrere Lagen festen und unterschiedlichen Materials miteinander zu verbinden, fand mit der "Erfindung" des Nagels seinen Eingang in die Schifffahrt, als man begann, die Unterwasserschiffe der Holzboote und -schiffe flächendeckend mit Kupferstreifen zu beplanken, um den in wärmeren Gefilden sehr verbreiteten Holzbohrwurm (der eigentlich eine Muschel ist) den Weg vom Wasser zum Holz zu verwehren. Dazu benutzte man Kupfernägel, da Eisen in Kontakt mit Kupfer nicht hält. (Siehe auch Elektrolyse und elektrolytische Oxidation.)

Berühmtestes noch existierendes Schiff dieser Bauweise ist die "Cutty Sark".

Eisen[Bearbeiten]

Der nächste Schritt war, das eiserne Gerüst eines Schiffes auch mit Eisen zu beplanken. Man konnte aber am Anfang des achtzehnten Jahrhunderts lediglich gießen und schmieden. Erst im Zuge der industriellen Entwicklung wurden im Verlauf des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts Bearbeitungsvorgänge wie das Walzen entwickelt, die es ermöglichten, große Platten aus dem Metall zu fertigen. Erst durch das Nieten war es möglich, diese auch mit den Eisenspanten zu verbinden.

Das Ende des Holzbootbaus[Bearbeiten]

Zu Beginn der 1960er wurden die ersten Schiffe aus Kunststoff gefertigt. Anfänglich in der echten Sandwichbauweise, indem man den Kunststoff auf beide Seite von Bootsbausperrholzplatten aufbrachte und auch in Kompositbauweise, indem man die Sandwichaußenhaut auf Holzspanten brachte. Mit dem technischen Fortschritt bei Kunststoffen, der "Erfindung" von Verbundkunststoffen, wie GFK und ähnlichem, wurde das Holz mehr und mehr verdrängt. Nur im Innenausbau konnte Holz sich halten. Und das auch nur in der nicht gewerblichen Schifffahrt.

Mitte/Ende der 1990er gab es sogar Boote zu kaufen, die aussahen, rochen und sich anfühlten, als wären sie aus Holz gefertigt, ohne dass auch nur ein Stück Holz seinen Weg in den Produktionsprozess gefunden hätte.

Die Wiedergeburt der Holzboote[Bearbeiten]

Moderne Holzboote besitzen Antriebe, die ebenfalls nicht hölzern sind. Klassische Yachten und moderne Holzsegelboote verfügen über nicht hölzerne Masten und Takelage. Wasserfahrzeuge, deren Rumpf- und Aufbaukonstruktion überwiegend aus Holz gefertigt ist, aber auch andere Materialien beinhaltet, nennt man trotzdem Holzfloß/-boot/-schiff. Mit dem Einsatz von immer mehr Kunststoffen an Bord, wurden die Boote auch immer schwieriger zu reparieren. Das stört vor allem den Besitzer eines Bootes, der gerne alles selber macht. Auch zeigte es sich, dass Kunststoffboote eben nicht so langlebig sind, wie man glaubte. Und ob ein Kunststoffboot wirklich alt werden kann, hängt von so vielen Faktoren ab, die schon im Bau beeinflusst werden und die sich der Kontrolle und Überprüfung durch den Käufer völlig entziehen, dass genug Bootseigner zurück zu Holz wollten.

Dazu kam das ökologische Bewusstsein der Gesellschaft, das spätestens ab Mitte der 1980er Holz als nachwachsenden Rohstoff positiv betrachtet, während die meisten Kunststoffe auf Rohstoffe, wie Erdöl zurückzuführen sind. Neue Fertigungsmethoden haben ein übriges dazu getan, Holzboote haltbarer und robuster zu machen. Seit Ende der 1980er haben Holzboote daher wieder einen deutlichen Marktanteilzuwachs erfahren.

Galten Werften, die sich auf die Fertigung von Holzbooten spezialisiert hatten, fast als ausgestorben, gibt es alleine in Europa wieder Hunderte davon. Im Jahr 2005 ist die Tendenz weiter steigend.

Renaissance klassischer Yachten[Bearbeiten]

klassische Yacht

In den 90er Jahren wuchs das Interesse an der Erhaltung von klassische Yachten und Regatten mit diesen eleganten Holzbooten. Die Regattaveranstaltungen Regates Royales in Cannes und die Nioulargue in St. Tropez wurden Treffpunkte für Eigner und Liebhaber dieser immer seltener werdenden Zeugnisse vergangener Bootsbaukunst.[3] [4] Die Tradition der Holzboote pflegt in Deutschland neben vielen Klassenverbänden besonders der Freundeskreis klassischer Yachten.

Der Beginn des "Klassischen Yachtzeitalters" lag in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als die ersten Yachten ausschließlich für Rennzwecke gebaut wurden. Die Verbesserung der Formen, Baumethoden und Materialien führte zum Bau von hoch entwickelten Rennyachten. Ein Höhepunkt für das Streben nach Schönheit, Tauglichkeit und Geschwindigkeit wurde die 1907 vom IYRC in London verabschiedete Meterformel, die Konstrukteure wie William Fife, Henry Rasmussen und Nathanael Herreshoff zu ästhetischen und handwerklichen Höchstleistungen anspornte. "Holz ist so wundervoll, lebendig, ästhetisch. Es lässt sich schön und ebenmäßig von Punkt zu Punkt biegen. Es leitet weder Temperatur noch Geräusche besonders gut, daher ist ein Holzboot innen wohltemperiert und relativ leise." Mit dieser Liebeserklärung begründet Bootsbaulegende Olin Stephens, der Schöpfer des Klassikers Dorade, seine lebenslange Leidenschaft zu dem natürlichen und faszinierenden Werkstoff Holz.

Das Ende der "klassischen" Periode - bis zu ihrer Renaissance - wurde mit dem Technologiesprung zur Massenfertigung von GFK-Booten, in den 60er Jahren eingeleitet.

Der Einfluss des Holzschiff-/-bootbaus auf die Umwelt[Bearbeiten]

Der Holzschiffbau hatte infolge des hohen Holzverbrauchs je nach Region z.T. einen erheblichen Einfluss auf die Bewaldung bzw. das Fehlen dergleichen. Bereits in der Antike wurden bestimmte Gegenden völlig entwaldet und durch den Holzverbrauch Wälder zurückgedrängt. Bekannt sind z.B. die ökologischen Effekte durch die Abholzung weiter Teile Nordafrikas, mit der Folge der Ausbreitung von Wüsten. Eine weitere Hochphase erlebte der Schiffsbau im 17. und 18. Jahrhundert durch die großen Flotten europäischer Kolonialmächte. Ein Beispiel ist die durch Abholzung der Lorbeerwälder der Insel Madeira völlig veränderte Vegetationszusammensetzung. Das kostbare Lorbeerbaumholz wurde vor allem für den Schiffbau gebraucht.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Thomas Larsson: Holzboote - Renovieren und Instandhalten. 2. Auflage. Delius Klasing, 2005, ISBN 978-3768816779.
  •  Adolf Brix: Bootsbau - Praktischer Schiffbau. 7. Auflage. Delius Klasing, 1929, ISBN 978-3892253822.
  •  Gilles Martin-Raget: Traumyachten - Die Klassiker. Heyne, ISBN 978-3453159556.
  •  Duncan Haws: Schiffe und Meer. Chronik der Seefahrt. Weltbild, ISBN 978-3768812252.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Holzboote – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Duncan Haws in Schiffe und Meer. Chronik der Seefahrt Seite 9
  2. Arnold Kludas, Guido Canestari: WAS IST WAS 25 Schiffe, TESSLOFF Verlag, 1984, ISBN 3788602651, Seite 4/5
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatYacht Club de Cannes. Abgerufen am 30. Dezember 2008.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatRang und Namen - Gigantisches Aufgebot an modernen und klassischen Traumyachten bei der Nioulargue. 30. September 2006, abgerufen am 30. Dezember 2008.