Holzkirchen (Oberbayern)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Holzkirchen
Holzkirchen (Oberbayern)
Deutschlandkarte, Position des Marktes Holzkirchen hervorgehoben
47.88333333333311.7691Koordinaten: 47° 53′ N, 11° 42′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Miesbach
Höhe: 691 m ü. NHN
Fläche: 48,33 km²
Einwohner: 15.600 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 323 Einwohner je km²
Postleitzahl: 83607
Vorwahl: 08024
Kfz-Kennzeichen: MB
Gemeindeschlüssel: 09 1 82 120
Marktgliederung: 36 Ortsteile
Adresse der
Marktverwaltung:
Marktplatz 2
83607 Holzkirchen
Webpräsenz: www.holzkirchen.de
Bürgermeister: Olaf von Löwis of Menar (CSU)
Lage des Marktes Holzkirchen im Landkreis Miesbach
Österreich Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen Landkreis Ebersberg Landkreis München Rosenheim Landkreis Rosenheim Bad Wiessee Bayrischzell Fischbachau Gmund am Tegernsee Hausham Holzkirchen (Oberbayern) Irschenberg Kreuth Miesbach Otterfing Rottach-Egern Schliersee (Gemeinde) Tegernsee (Stadt) Valley Waakirchen Warngau WeyarnKarte
Über dieses Bild

Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt

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Holzkirchen ist ein Markt im oberbayerischen Landkreis Miesbach. Die Gemeinde liegt ca. 30 km südlich der Landeshauptstadt München und jeweils ca. 20 km nördlich des Tegernsees sowie der Kurstadt Bad Tölz. Holzkirchen ist die bevölkerungsreichste und wirtschaftlich stärkste Kommune des Landkreises.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die 36 amtlich benannten Ortsteile[3] des Marktes sind:

  • Aberg
  • Asberg
  • Babenberg
  • Baumgarten
  • Buch
  • Erlkam
  • Fellach
  • Fichtholz
  • Föching
  • Forstbauer
  • Grasberg
  • Großhartpenning
  • Haid
  • Heignkam
  • Holzbauer
  • Holzkirchen
  • Inselkam
  • Kleinhartpenning
  • Kögelsberg
  • Kühlechner
  • Kurzenberg
  • Leithen
  • Maitz
  • Marschall
  • Mölgg-Aberg
  • Nehaider
  • Pelletsmühl
  • Reith
  • Ried
  • Roggersdorf
  • Stubenbach
  • Sufferloh
  • Teufelsgraben
  • Thann
  • Thannseidl
  • Winkel

Geschichte[Bearbeiten]

Die Holzkirchner Gegend war schon zur frühen Bronzezeit (1800–150 v. Chr.) besiedelt, wie einige Funde von Kupferringbarren zeigen. Während der Römerzeit kreuzten sich zwei Römerstraßen (AugsburgSalzburg und FreisingAchensee). 1286 wurde Holzkirchen das erste Mal als Markt bezeichnet. 1857 wurde die erste Eisenbahnlinie (München – Holzkirchen – Rosenheim) eröffnet.

Während des Zweiten Weltkriegs erlitt Holzkirchen trotz seiner Bedeutung für den Schienenverkehr nur geringe Schäden. Auch ein Kampf um den Ort gegen die vorrückenden Alliierten 1945 konnte durch umsichtiges Handeln einiger Gemeindebürger verhindert werden. Dagegen fielen kurz nach Kriegsende 16 überwiegend osteuropäische Zwangsarbeiter einer Methanolvergiftung zum Opfer.[4]

Eingemeindungen

Am 1. Mai 1978 wurden im Zuge der Gemeindegebietsreform die bis dahin selbständige Gemeinde Hartpenning und Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Föching eingegliedert.[5]

Politik[Bearbeiten]

Bei den Kommunalwahl am 16. März 2014 erhielt die CSU 9 Sitze, die Freien Wähler 6 Sitze, die SPD 5 und die Grünen 4 Sitze.

Verkehr[Bearbeiten]

Der Verkehrsknotenpunkt Holzkirchen verfügt mit der Bahnstrecke München–Holzkirchen über eine gute Verkehrsanbindung nach München (u. a. S-Bahn-Anschluss (Linie S 3 im 20-Minuten-Takt und einzelne Züge der Linie S 20 und S 27)). Die Bahnstrecke Holzkirchen–Lenggries und Bahnstrecke Holzkirchen–Schliersee wird von der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) im Stundentakt befahren. Es bestehen Direktverbindungen nach Tegernsee (Stadt), Lenggries und Bayrischzell. Mit der DB (ab Dezember 2013 mit dem Meridian von Veolia Verkehr) bestehen stündliche Anschlüsse nach Rosenheim über Bad Aibling (Mangfalltalbahn).

Holzkirchen liegt an der Autobahn 8 (Anschlussstelle Holzkirchen/AS-Nr. 97). Die Bundesstraßen 13 und 318 kreuzen sich in Holzkirchen. Der Markt befindet sich rund 42 km westlich von Rosenheim, jeweils 18 km von Bad Tölz und Miesbach entfernt sowie 30 km südlich der Landeshauptstadt München.

Eine nördliche Umgehungsstraße zwischen B 13 und B 318 wurde am 18. Dezember 2009 für den Verkehr freigegeben.[6] Der westliche Abschnitt dieser neuen Kreisstraße war bereits im Oktober 2007 fertiggestellt worden.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Holzkirchen sind ca. 1.600 Firmen ansässig. Neben zahlreichen mittelständischen Betrieben haben sich auch Sandoz (Hexal), Panasonic Electric Works Europe und Panasonic Electric Works Deutschland sowie der Büroartikelhersteller CCL Label GmbH, eine Tochtergesellschaft von CCL Industries, mit ihren Hauptfirmensitzen hier niedergelassen. Veolia Verkehr hat in der Marktgemeinde ihre süddeutsche Zentrale. Eine bedeutende Niederlassung besitzt auch die Bosch Engineering, die am Standort Holzkirchen den Aufbau eines Entwicklungszentrums mit bis zu 40.000 m² angekündigt hat.[7]

Der Holzkirchner Oberbräu ist die letzte noch verbliebene der einstmals fünf Brauereien Holzkirchens und gehört heute zur König Ludwig GmbH & Co. KG der Schlossbrauerei Kaltenberg.

Zwischen 1958 und 1988 betrieb die Friedrich Deckel AG in Holzkirchen eine Fabrik für Werkzeugmaschinen. Die Werkhallen wurden nach dem Rückzug der Firma abgerissen. An deren Stelle entstand ein Einkaufszentrum mit etwa 7.000 Quadratmetern Verkaufsfläche (Holzkirchner Einkaufsparadies; kurz HEP).

Überregionales Interesse rief eine Entscheidung des Gemeinderats hervor, den Gewerbesteuersatz um ein Drittel zu senken. In einer Pressekonferenz bezeichneten Bürgermeister Höß und der bayerische Ministerpräsident Stoiber Holzkirchen daher als „das Monaco Bayerns“. Der Grund für die Steuersenkung war, den Pharmakonzern Sandoz nach der Fusion mit Hexal dazu zu bewegen, seine neue Zentrale in der Gemeinde anzusiedeln. Die Ansiedelung der Sandoz-Zentrale in Holzkirchen erfolgte allerdings, da dies eine Bedingung der Hexal-Eigentümer, der Brüder Strüngmann, im Verkaufsvertrag an Sandoz war, und nicht aufgrund der Gewerbesteuersenkung.

Überregional bekannt ist auch das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP, das als Institutsteil Holzkirchen firmiert, obwohl es bereits im Gemeindegebiet Valley liegt.[8]

Schulen[Bearbeiten]

Trotz seiner Größe hat Holzkirchen keine lange Tradition als wichtiger Schulstandort. Bis zur Jahrtausendwende gab es lediglich Grund- und Hauptschule sowie die private Wirtschaftsschule Pasold-Weißauer.

Seit der Jahrtausendwende baut der Landkreis und die Marktgemeinde den Standort zu einem regionalen Bildungszentrum aus. Es kamen eine weitere öffentliche Grundschule und eine staatliche Realschule hinzu. Die im Jahre 2005 fertiggestellte und von den Architekten „Rheinpark“ entworfene Grund- und Realschule legt Wert auf Energieeffizienz, die unter anderem durch das Wiesendach erreicht wird. Auf diesem können ab und an sogar Kühe weiden.

Seit dem Schuljahr 2009/10 verfügt der Ort über eine staatliche Berufliche Oberschule mit den Ausbildungsrichtungen Wirtschaft (FOS) und Sozialwesen (FOS), die Ausbildungsrichtung Technik (FOS) wird ab dem Schuljahr 2014/15 unterrichtet. Die Errichtung eines Gymnasiums ist vom Landkreis Miesbach beschlossen und vom Bayerischen Ministerium für Unterricht und Kultus genehmigt. Es wird zum Schuljahr 2014/15 seinen Unterrichtsbetrieb aufnehmen. Ein neuer gemeinsamer Campus für beide weiterführenden Schulen befindet sich bereits im Bau und wird voraussichtlich zum Schuljahr 2014/15 mit Umzug der Beruflichen Oberschule eröffnet.

Außerdem gibt es im Ort eine private Grundschule mit angeschlossenem Gymnasium.

Kirchen[Bearbeiten]

Römisch-Katholisch[Bearbeiten]

Im Pfarrverband Holzkirchen (Holzkirchen - Föching - Hartpenning) befinden sich 4 Kirchen:

  • St. Laurentius (Holzkirchen, Marktplatz)
  • St. Josef (Holzkirchen, St.-Josef-Straße) wurde wegen statischer Mängel der Dachkonstruktion im November 2011 geschlossen. Die Kirche wurde am 24. Juni 2012 profaniert.[9] Für einen geplanten Nachfolgebau wurde ein Architektenwettbewerb durchgeführt. Geplanter Baubeginn ist im Frühjahr 2014, die Fertigstellung ist für Herbst 2015 vorgesehen. Die Kosten für den Neubau belaufen sich auf acht bis zwölf Millionen Euro.[10]
  • St. Johann Baptist (Föching)
  • Mariä Heimsuchung (Hartpenning)

Evangelisch-Lutherisch[Bearbeiten]

Nach bescheidenen Anfängen schon in der Reformationszeit fand 1878 der erste evangelische Gottesdienst auf Holzkirchener Gebiet auf dem Aberghof in Föching statt. Im Dezember 1898 wurde dann der Betsaal an der Haidstraße eingeweiht, die spätere Apostel-Thomas-Kirche. Genau 100 Jahre diente sie der Evang.-Luth. Kirchengemeinde als Gottesdienstraum. Am 20. Dezember 1998 wurde die neue Segenskirche eingeweiht, 2008 dann das aus den ehemaligen Gebäuden Pfarrhaus und Apostel-Thomas-Kirche neu geschaffene Thomashaus. Damit war das Ensemble aus Kirche, Gemeinderäumen und Kindergarten vollständig. Die Evang.-Luth. Kirchengemeinde umfasst außer dem Hauptort und Namensgeber Holzkirchen noch die politischen Gemeinden Otterfing, Sauerlach, Valley, Warngau sowie Teile von Dietramszell und Egling. Sie hat rund 4900 Mitglieder, davon rund 2500 in Holzkirchen. Die Kirchengemeinde hat die Betriebsträgerschaft des evangelischen Integrationskindergartens Hollerbusch.[11]

Pfingstgemeinde[Bearbeiten]

Seit 2007 gibt es in Holzkirchen eine Freikirchliche Pfingstgemeinde des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden. Im Dezember 2009 konnten die Geschäftsräume der früheren Löwen-Apotheke in der Tölzer Straße nach umfangreichen Renovierungsarbeiten in Betrieb genommen werden. Die Pfingstgemeinde bietet neben einem wöchentlichen Gottesdienst auch die Teilnahme an Hauskreisen und Jugendtreffen an.[12]

Geothermie[Bearbeiten]

Geothermie in Holzkirchen

Im Osten der Marktgemeinde (an der B318) soll ab Herbst/Winter 2013 die Bohrung bis in 5000 m Tiefe beginnen. Hier soll dann ab 2015 auch das Kraftwerk errichtet werden.[13]

Medien[Bearbeiten]

Als lokale Tageszeitung erscheint der „Holzkirchner Merkur“ eine Lokalausgabe des Münchner Merkur. Zudem erscheint zweimal wöchentlich das Anzeigenblatt „Das Gelbe Blatt“, welches auch Artikel und Nachrichten beinhaltet.

Die Lokalausgabe „Holzkirchner SZ“ der Süddeutschen Zeitung wurde im Jahr 2004 aus Kostengründen zusammen mit weiteren Lokalausgaben vom Verlag eingestellt.

Der Lokalradio-Sender Radio Alpenwelle, dessen Sendegebiet die Landkreise Miesbach und Tölz umfasst, berichtet ebenfalls umfassend über den Markt Holzkirchen.

Bis Ende 2002 existierte der lokale Fernsehsender „o-tv“ (immer noch „Studio 1 – Holzkirchen“ jetzt bei youtube), der sein Programm mit Nachrichten- und Unterhaltungsinhalten über das Kabelnetz im gesamten bayerischen Oberland verbreitete.

In der Presse ist Holzkirchen u. a. bekannt geworden im Zusammenhang mit der in der Nachbargemeinde Valley gelegenen und inzwischen stillgelegten großen Sendeanlage von Radio Free Europe für Kurzwelle und Mittelwelle.

Bauwerke[Bearbeiten]

Liste der Baudenkmäler in Holzkirchen (Oberbayern)

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[Bearbeiten]

  • Alois Burgstaller (1871–1945), Kammersänger[14]
  • Joseph Marxbauer, ehem. Bürgermeister (Verleihung zum 1. Mai 1916)
  • Oskar von Miller (1855–1934), Bauingenieur und Gründer des Deutschen Museums (Verleihung am 16. November 1919)
  • Eugen Zeheter, Lehrer (Verleihung im Jahre 1927)
  • Geistlicher Rat Dekan Josef Imminger (Verleihung am 24. März 1954)
  • Otto Mair, ehem. Bürgermeister (Verleihung am 30. April 1978)
  • Geistlicher Rat Pfarrer Josef Straßer (Verleihung am 20. September 1984)
  • Ludwig Artmann, Gemeinderatsmitglied (Verleihung am 27. April 2002)

1. Bürgermeister[Bearbeiten]

  • Olaf von Löwis of Menar (seit 2014) CSU
  • Josef Höß (2002-2014) CSU
  • Manfred Glanz (1990-2002) CSU
  • Albert Seiler (1978-1990) SPD
  • Otto Mair (1960-1978) SPD
  • Joseph Marxbauer (1888-1889 und 1906-1916)

Söhne und Töchter der Marktgemeinde[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Volkszählung und Bevölkerungsfortschreibung: Gemeinden, Bevölkerung (Volkszählungen und aktuell) vom 5. Juli 2013 (XLS-Datei; 2,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Münchner Merkur: Ergebnisse der Kommunalwahl in Holzkirchen, abgerufen am 4. April 2014
  3. Bayerische Landesbibliothek online – Ortsdatenbank
  4.  Katrin Hager: Der Tod lauerte im Schnapsglas. In: Holzkirchner Merkur (Lokalteil). Nr. 223/2012, 26. September 2012, S. 1.
  5.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 581.
  6. Nordumfahrung Holzkirchen wurde am 18. Dezember 2009 dem Verkehr übergeben auf holzkirchen.de
  7. http://www.merkur-online.de/lokales/miesbach/holzkirchen/bosch-baut-entwicklungszentrum-holzkirchen-3027256.html
  8. http://www.ibp.fraunhofer.de/de/ueber-uns/versuchseinrichtungen.html
  9. Münchner Merkur vom 25. Juni 2012
  10. Pressemeldung des Erzbistums München und Freising vom 15. Januar 2013
  11. 100 Jahre Apostel-Thomas-Kirche; Einweihung Segenskirche; Hrsg. Evang.-Luth. Kirchengemeinde Holzkirchen; 1998
  12. Hrsg. Freie Christengemeinde Holzkirchen; 2011
  13. Münchner Merkur vom 18. Januar 2013
  14. liedertafel-holzkirchen.de

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Holzkirchen (Upper Bavaria) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien