Holzwegeffekt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Holzwegeffekt (engl. garden path effect) bezeichnet das Phänomen, wenn ein Sprecher aus einem sprachlichen Ausdruck mit mehreren Lesarten beim inkrementellen Verstehen zunächst die falsche Lesart wählt und sich im weiteren Verlauf korrigiert, da er den Fehler aus dem folgenden Kontext erkennt. Ludwig Reiners spricht in seinem Buch „Stilkunst“ von falschem Zwischensinn.

Falsches Setzen von Leerzeichen innerhalb zusammengesetzter Hauptwörter kann diesen Effekt provozieren.

Holzwegeffekte werden in der psycholinguistischen Forschung vor allem verwendet, um zu untersuchen,

  • ob Hörer oder Leser beim Sprachverstehen nur eine oder mehrere Interpretationen berechnen und
  • ob phonetische oder prosodische Hinweise genutzt werden, um die folgende syntaktische Struktur vorauszusagen.

Beispiele[Bearbeiten]

  • Bei „Maria legte zu ihren Spargeldern, was sie bei der Spargelernte verdient hatte.“ ist die übliche Leseart Spar-gelernte, während Spargel-ernte richtig ist.
  • „Bei meinem Haus am Stausee müssen die Staubecken gesäubert werden, am besten mit einem Staubtuch.“
  • „Welche Politikerin hat die Minister getroffen?“ Hier ist es möglich, dass das Subjekt (Welche Politikerin) zunächst als Akkusativobjekt gelesen wird.[1]
  • Das klassische Beispiel aus dem englischen Sprachraum ist: „The horse raced past the barn fell.“ Dieser Satz kann im Allgemeinen erst nach mehreren Lesedurchgängen richtig verstanden werden. Dies liegt hier am reduzierten Relativsatz. Nicht reduziert lautet der Satz (und dadurch wird er leicht verständlich): „The horse that was raced past the barn fell.“ („Das Pferd, das an der Scheune vorbeigeritten wurde, stürzte.“)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Michael Meng, Markus Bader: Mode of Disambiguation and Garden-Path Strength: An Investigation of Subject-Object Ambiguities in German. In: Language and Speech. 43, Nr. 1, 2000, S. 43–74, doi:10.1177/00238309000430010201.

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Glück (Hrsg.): Metzler-Lexikon Sprache. 2000
  • Field, J. (2004). Psycholinguistics: The Key Concepts. Routledge, London / New York.