Home (Film)

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Dieser Artikel behandelt den Spielfilm um eine Familie, der droht, ihr Heim zu verlieren. Für den französischen Dokumentarfilm über die Bedrohungen unseres Heimatplaneten Erde, siehe Home (Dokumentarfilm).

Home ist ein Film der Schweizer Filmregisseurin Ursula Meier aus dem Jahr 2008.

Handlung[Bearbeiten]

Eine fünfköpfige Familie lebt seit Jahren in einem einzelnen Haus direkt neben einer halbfertigen Autobahn. Die schon seit zehn Jahren nicht weitergebaute Fahrbahn nutzt sie ganz selbstverständlich als Lebensraum und Spielfläche, das Leben ist fröhlich und unbeschwert.

Eines Tages wird die Strecke jedoch überraschend fertiggestellt und für den Verkehr freigegeben. Damit ist die seltsame Idylle abrupt zu Ende.

Zunächst versuchen die Familienmitglieder, deren Weg in die Stadt nun von der Autobahn versperrt ist, sich auf unterschiedlichen Wegen mit der neuen Situation zu arrangieren, die sie zunächst noch amüsant finden, doch nach und nach werden sie von den Begleiterscheinungen des Verkehrs zur Verzweiflung getrieben. Die Mutter findet fast keinen Schlaf mehr. Die wissenschaftlich denkende Marion stellt eine hohe Bleibelastung der selbst angebauten Lebensmittel fest. Die erwachsene Judith, bis dahin ziemlich gleichgültig wirkend, verschwindet eines Tages.

Als der Vater den spontanen Entschluss fasst, das Haus sofort zu verlassen, weigert sich seine Frau: das sei ihr Zuhause, sie könne nirgends neu anfangen. Sie bleiben. Wie von Marion als Folge der Bleibelastung vorhergesagt, werden die Personen immer aggressiver gegeneinander. Selbst dem zehnjährigen Julien, den eigentlich alle mögen, gelingt es nicht mehr, zwischen den sehr unterschiedlichen Charakteren zu vermitteln.

Schließlich vermauert der Vater Fenster und Türen und dämmt alle Außenwände mit Glaswolle, worauf es zwar still wird, aber in die so entstandene Festung, in der die Familie nun ohne Kontakt zur Außenwelt lebt, können weder frische Luft noch Licht gelangen. Als Folge davon werden die Personen immer träger und neigen zunehmend zu vollkommen unvernünftigem Verhalten. Wohnung und Bewohner verwahrlosen, der soziale Umgang sinkt auf ein Minimum.

Als Judith eines Tages zurückkehrt, aber keinen Weg ins Haus findet und wieder abreist, erwacht die Mutter aus einem langen Schlaf. Mit letzter Kraft reißt sie die Vermauerung der Haustür ein, worauf die Familienmitglieder wie unverhofft befreite Gefangene das Haus in ihrer Schlafkleidung verlassen, ohne noch irgendetwas mitzunehmen.

Produktion[Bearbeiten]

Ursula Meier hat fast ein Jahr lang nach einem geeigneten Ort für die Dreharbeiten gesucht. Sogar in Kanada wurde nach einer verlassenen Autobahn gesucht. In Bulgarien wurde Meier fündig. Das Haus, in und an welchem fast alle Szenen des Films gedreht wurden, wurde an der breiten Straße neu errichtet. Auch wurde die Straße neu asphaltiert, was auch Bestandteil einiger Filmszenen ist. Die bis zu 300 Fahrer, welche für die rasanten Vorbeifahrten bis zu 120 km/h benötigt wurden, waren Bewohner eines nahen Ortes. "Die Fahrer waren sehr glücklich. Sie kannten vorher kein Kino", so die Regisseurin. An den drehfreien Tagen kamen die Bulgaren mit ihren ganzen Familien vorbei und besichtigten den Drehort.

Die Uraufführung fand in Frankreich am 18. Mai 2008 auf dem Cannes Film Festival statt. In den Kinos lief der Film in der Schweiz am 15. Oktober 2008, in Frankreich am 29. Oktober 2008, in Belgien am 12. November 2008 und in Deutschland am 25. Juni 2009 an.

Kritiken[Bearbeiten]

„Die Originalität dieser Fabel hätte Jacques Tati fasziniert...“

Le Monde

„Immer beklemmender wird die Atmosphäre, die der Film mit gnadenloser Konsequenz zum Höhepunkt führt. Die Befreiung haut das Heim in Stücke. Willkommen in der Wirklichkeit.“

Tagesspiegel[1]

„»Home« ist eine bizarre Mischung aus grotesker Komödie und Drama, aus Thriller, Öko-, Katastrophen-, Horror- und Science-Fiction-Film. Vor allem aber ist es ein Film über die Instanz der Familie – als widerständige Zelle gegen die Außenwelt, aber ebenso als destruktiver Apparat, der sich gegen sich selbst richtet, implodiert.“

jungle-world[2]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

César 2009
Schweizer Filmpreis 2009
  • Bestes schauspielerisches Nachwuchstalent: Kacey Mottet Klein
  • Bester Spielfilm: Ursula Meier
  • Bestes Drehbuch: Ursula Meier, Antoine Jaccoud
Festival Internacional de Cine de Mar del Plata 2008
  • Beste Schauspielerin: Isabelle Huppert
  • Beste Kamera: Agnès Godard
Prix Lumière 2009
  • Beste Kamera: Agnès Godard

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tagesspiegel.de
  2. jungle-world