Homosexualität

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Schwules Paar
Lesbisches Paar
Hochzeit von Mathieu Chantelois und Marcelo Gomez in Toronto, eine der ersten gleichgeschlechtlichen Ehen in Kanada
Lesbisches Elternpaar mit seinen Kindern

Homosexualität bezeichnet je nach Verwendung sowohl gleichgeschlechtliches sexuelles Verhalten, erotisches und romantisches Begehren gegenüber Personen des eigenen Geschlechts als auch darauf aufbauende Identitäten – etwa sich selbst als lesbisch oder schwul zu definieren.

Übersicht

Homosexuelles Verhalten, homosexuelles Begehren und die Sexuelle Identität fallen nicht zwingend zusammen und werden deshalb in der Forschung unterschieden. In der Umgangssprache werden diese Aspekte jedoch häufig vermischt oder miteinander gleichgesetzt. Sexuelle Handlungen zwischen Männern und zwischen Frauen wurden in verschiedenen Epochen und Kulturen ganz unterschiedlich behandelt: teils befürwortet und toleriert, teils untersagt und verfolgt. Eine besondere Rolle spielen dabei die drei Abrahamitischen Weltreligionen, deren Schriftgelehrte den sexuellen Verkehr zwischen Männern auf der Basis von Bibel, Tora und Koran in der Regel als Sünde betrachteten, auch wenn liberale Strömungen mit dieser exegetischen Tradition heute zunehmend brechen.

Gleichgeschlechtliche Liebe und Lust sind in allen Gesellschaften und historischen Epochen durch entsprechende Quellen nachweisbar. Dagegen gilt die Entstehung der sexuellen Identität – im Sinne einer klaren Festlegung des Individuums auf eine bestimmte sexuelle Orientierung – heute als das Resultat von Entwicklungen der modernen Gesellschaft. Diese setzten ungefähr im 18. Jahrhundert unserer Zeitrechnung ein und umfassen Aspekte wie das Städtewachstum, die Bürokratisierung und die kapitalistische Versachlichung sozialer Beziehungen.[1] Parallel zur Herausbildung heterosexistischer Normen in der Mehrheitsgesellschaft entstanden nach und nach in fast allen europäischen Metropolen abgegrenzte „schwule“ Subkulturen, deren Angehörige schon bald zum Gegenstand polizeilicher Überwachung, staatlicher Verfolgung, krimineller Erpressung und teilweise auch gewaltsamer Übergriffe wurden.

Der Begriff Homosexualität wurde 1869 durch den österreichisch-ungarischen Schriftsteller Karl Maria Benkert (Pseudonym: Karl Maria Kertbeny) erfunden. Zuvor hatte Karl Heinrich Ulrichs (* 1825) die Begriffe Uranismus (bzw. Urning für männlicher Homosexueller; Urninde für weiblicher Homosexueller) verwendet und bekannt gemacht. Ulrichs forderte 1867 erstmals öffentlich – auf dem deutschen Juristentag in München vor 500 Mitgliedern – die Straflosigkeit homosexueller Handlungen. Es gab tumultartige Szenen, in denen seine Rede unterging.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts prägten Autoren aus dem Umfeld der modernen Sexualwissenschaft unsere heutigen Begriffe für Homo- und Heterosexualität, für die es, genau wie für den Begriff Sexualität selbst, in keiner Sprache bis dahin eine vergleichbare Entsprechung gab. Das internationale Vokabular zu diesem Thema stammt daher fast überall aus Wortneuschöpfungen und Lehnübersetzungen des letzten und vorletzten Jahrhunderts.

Die wissenschaftliche Erkenntnis, dass die damit verbundene Einteilung von Menschen in Homo- und Heterosexuelle den vielfältigen Schattierungen menschlichen Begehrens nicht wirklich gerecht wird, hat man seit 1900 mit der Residualkategorie der Bisexualität aufzufangen versucht. Jedoch ist dieses Konzept seinerseits zur Basis einer selbst gewählten Identität geworden und produziert daher neue begriffliche Unklarheiten, wie etwa die Existenz von Menschen, die sich in Umfragen weder als homo- noch bisexuell einstufen, sich aber trotzdem vom eigenen Geschlecht in unterschiedlichem Grade erotisch angezogen fühlen.

Mit der Konstruktion homosexuellen Begehrens als Abweichung von einer unterstellten „heterosexuellen Norm“ war von Anfang an auch der Versuch einer ätiologischen (medizinischen/psychologischen) Erklärung verknüpft. Nach 150 Jahren Forschung gibt es unter Sexualwissenschaftlern immer noch keinen Konsens, welche Faktoren für die Ausbildung sexueller Präferenzen ursächlich sind. Genannt wurden unter anderem genetische, endokrinologische (hormonelle) und psychoanalytische Erklärungsmodelle, die meist wenig miteinander vereinbar sind und somit in Konkurrenz zueinander stehen. In der Forschung hat sich heute weitgehend eine Deutung durchgesetzt, die auf der gesicherten Beobachtung aufbaut, dass homosexuelles Verhalten eines Teils von Populationen in der höheren Tierwelt sehr weit verbreitet ist. Solchem Verhalten wird demgemäß eine mögliche evolutionäre Funktion für den Abbau von Aggressionen und die soziale Integration bei komplexen, hochentwickelten Wirbeltiergesellschaften beigemessen. Homosexuelles Verhalten von Teilen einer Population hochentwickelter Lebewesen ist demnach ein durch die natürliche Evolution entstandenes, in der belebten Natur weit verbreitetes und sinnvolle Funktionen erfüllendes Phänomen.

Begriff

Etymologie und Verwendung

Erste Nennung des Wortes homosexual (in einem Brief des österreichisch-ungarischen Schriftstellers Karl Maria Kertbeny)

Der Begriff „Homosexualität“ ist eine hybride Wortneubildung aus dem Jahre 1868, geprägt vom Schriftsteller Karl Maria Kertbeny (1824–1882, bürgerlich: Karl Maria Benkert) von griech. ὁμός homόs „gleich“ und lat. sexus „Geschlecht“. Gleichzeitig prägte er als Antonym den Begriff „Heterosexualität“. Richard von Krafft-Ebing sorgte ab 1886 mit seinem Werk Psychopathia sexualis für eine weite Verbreitung der Neubildungen.[2]

Hintergrund für diese und andere Wortbildungen war, dass es in der Neuzeit bis Mitte des 19. Jahrhunderts keinen überlieferten Begriff für gleichgeschlechtliches Empfinden gab. Vier Jahre vor Kertbeny führte Karl Heinrich Ulrichs 1864 die Begriffe „Uranismus“, „Urning“ (männlich) und „Urninde“ (weiblich) ein. Zwei Jahre nach Kertbeny und noch vor dem Erscheinen der Psychopathia sexualis prägte Carl Westphal 1870 den Begriff der „conträren Sexualempfindung“. Alle drei Begriffe wurden je nach Vorliebe verwendet. Magnus Hirschfeld berichtet 1914, dass sich der Begriff „Homosexualität“ durchgesetzt hat.[3]

Als problematisch empfand Hirschfeld dabei, dass unter dem Eindruck der Endung -sexuell das Wort vielfach nicht im Sinne gleichgeschlechtlicher Artung erfasst und gebraucht wird, sondern im Sinne einer sexuellen Handlung. Tatsächlich handelt es sich hierbei um eine bis heute bestehende Polysemie (Mehrdeutigkeit). So wies Ernest Bornemann 1990 auf öffentliche Umfragen hin, nach denen die Mehrzahl der Deutschen den Begriff so versteht, dass Homosexualität weniger eine Orientierung als vielmehr den „Geschlechtsverkehr unter Männern“ bezeichnet.[4]

Karl Maria Kertbeny prägte 1868 den Begriff Homosexualität

Der Umstand, dass homo im Lateinischen „Mann“ (aber auch „Mensch“) und nicht, wie im Griechischen, „gleich“ bedeutet, führt in Verbindung mit der Tatsache, dass der zweite Teil des Wortes aus dem Lateinischen stammt, häufig zu einer irrtümlichen Verengung der Wortbedeutung auf „männliche Homosexualität“. Dies hat bisweilen skurrile Wendungen zur Folge, wie etwa die redundante Formulierung „Homosexuelle und Lesben“.

Die Verengung auf mann-männliche Sexualität trifft vor allem auf das Substantiv „Homosexueller“ zu, dessen weibliches Gegenstück „Homosexuelle“ kaum im Gebrauch ist. Homosexuelle Frauen werden stattdessen als Lesben (nach der griechischen Insel Lesbos, Heimat der Frauen liebenden Dichterin Sappho) oder, veraltet, als Lesbierinnen bezeichnet. Analog existiert für homosexuelle Männer auch das Wort Schwuler (von schwül – „drückend heiß“, in dieser Bedeutung seit dem 18. Jahrhundert, „schwül“ als Parallelbildung zu „kühl“, oder von „Schwulität“ – „Schwierigkeit, Bedrängnis, peinliche Lage“).

Ursprünglich abwertend oder nur im Rahmen der eigenen Subkultur verwendet, wurde die Bezeichnung „schwul“ in den 1970er Jahren von der Homosexuellenbewegung als Kampfbegriff eingesetzt und dadurch so weit gesellschaftsfähig gemacht, dass der Begriff heute sogar im Sprachgebrauch der Gesetzgebung auftaucht. Durch seinen trotzigen Gebrauch als Selbstbezeichnung sollte der abwertende Charakter des Wortes zurückgedrängt und den Homosexuellenfeinden enteignet werden. Dies ist jedoch nur zum Teil gelungen. In der Jugendsprache findet das Wort „schwul“ nach wie vor (oder sogar verstärkt) als Schimpfwort Verwendung und wird dort häufig auch als Synonym für „langweilig“, „weichlich“ beziehungsweise „enervierend“ benutzt. Synonym wird häufig „Tunte“ oder „Schwuchtel“ verwendet.

Um das Missverständnis zu vermeiden, „Homosexualität“ bezöge sich begrifflich nur auf Männer, wurde seit 1900 als Alternative die deutsche Übersetzung Gleichgeschlechtlichkeit ins Spiel gebracht, und zwar vor allem als Adjektiv (gleichgeschlechtlich), weniger als Substantiv oder gar als Personenbezeichnung (Gleichgeschlechtlicher).[2] Der Begriff verhindert eine Verwechslung mit dem Begriff Mann und setzt den semantischen Fokus von der Sexualität weg auf das Geschlecht. Auch in Gesetzesentwürfen und Gesetzen wird er neuerdings wegen der juristischen Klarheit bevorzugt. Häufigen Gebrauch findet er darüber hinaus bei der Beschreibung anderer Kulturen, da das Wort homosexuell gedanklich mit vielen sozialen Eigenheiten und Identitätsbeschreibungen der westlichen industrialisierten Welt verknüpft ist.

Sprachlich überholt ist der Begriff „Homosexualismus“, der ebenfalls von Kertbeny eingeführt, aber seit jeher nur vereinzelt verwendet wurde. In neuerer Zeit wird „Homosexualismus“ in meist abwertender Weise von wertkonservativen, oft gläubigen Menschen gebraucht. Zum Teil wird es dabei als bloßes Synonym für Homosexualität benutzt, zum Teil aber auch, um die Überzeugung auszudrücken, dass über Straffreiheit und körperliche Unversehrtheit hinausgehende Forderungen eine „Ideologie“ darstellten, die den eigenen Anschauungen widerspricht.

Englischsprachige Begriffe

Im englischsprachigen Raum hat die Lesben- und Schwulenbewegung dagegen das Wort gay (im nachträglichen Rückgriff auf seine ursprüngliche Bedeutung »fröhlich« und »bunt«, die zwischenzeitlich vom 17. bis ins 20. Jahrhundert hinein allerdings von der Bedeutung »ausschweifend, unmoralisch« verdrängt worden war[5]) als Selbstbezeichnung durchgesetzt, um sich von dem damals noch abwertend gebrauchten Ausdruck queer (»seltsam, komisch«) zu distanzieren.

Ursprünglich eine geschlechtsneutrale Bezeichnung, hat sich der Begriff – ähnlich wie das deutsche Wort schwul – in den 1970er Jahren auf Männer verengt, während sich gleichgeschlechtlich liebende Frauen im Zuge des lesbisch-feministischen Separatismus zunehmend als lesbians und dykes bezeichneten. Der Begriff gay hat sich auch in anderen Sprachen wie dem Französischen (gai) eingebürgert und findet als Lehnwort auch in Deutschland neuerdings wieder zunehmend Verwendung.

Anfang der 1990er Jahre kam es innerhalb radikalerer politischer Kreise zu einer Wiederaneignung des Wortes queer als Überbegriff für Lesben und Schwule, was dann meist Transgender mit einschließt. Dieser Begriff hat die Wörter gay und lesbian jedoch nicht verdrängt, sondern nur partiell ersetzen können. Durch Queer-Theorie erfuhr er eine ähnliche Internationalisierung wie vorher der Begriff gay.

Chichi man oder Battyman sind stark abwertende Begriffe, die aus dem Jamaika-Kreolischen kommen und für die Battyman-Tunes namensgebend sind.

Chinesischsprachige Begriffe

Junge Männer im erotischen Spiel auf einer Handrolle aus Peking (spätes 19. Jahrhundert)
Hauptartikel: Homosexualität in China

In der Volksrepublik China hat die Sexualmedizin zunächst die Begriffe tongxing'ai („Homoerotik“) und tongxinglian („Homosexualität“) durchsetzen können. Es handelte sich um Lehnübersetzungen aus dem Japanischen, wo das entsprechende Wort dōseiai („gleichgeschlechtliche Liebe“) kurz zuvor in Anlehnung an das Deutsche geprägt worden war. Traditionelle Ausdrücke wie fentao („den Pfirsich teilen“) und duanxiu („den Ärmel abschneiden“), die anekdotisch auf Geschichten gleichgeschlechtlicher Liebe unter den chinesischen Kaisern anspielten, gingen in der Sprache urbaner Regionen verloren. Als Verben hatten sie eine Beziehung oder einen Akt, aber keine Persönlichkeitseigenschaft bezeichnet.

In den 1990er Jahren ersetzten homosexuelle Aktivisten tongxinglian ausgehend von Hongkong und Taiwan zunehmend durch den Terminus tongzhi („Genosse“, „Kamerad“). Nicht nur, weil das Wort die Silbe tong („gleich“) enthielt, sondern auch, weil es als Anspielung auf ein bekanntes Zitat von Sun Yat-sen verstanden werden konnte: „Die Revolution hat noch nicht gesiegt, Genossen, lasst uns zusammen kämpfen“. Tongzhi ist bis heute zugleich die offizielle Anredeform innerhalb der Kommunistischen Partei Chinas, was zu einer Reihe von Konflikten beim Import der neuen Bedeutung auf das Festland führte.

In Taiwan hat sich während der zweiten Hälfte der 1990er Jahre in intellektuellen Kreisen unterdessen auch der Terminus ku'er als lautmalerische Anlehnung an das englische queer verbreiten können. Genau wie in den USA stellt er aber lediglich eine Ergänzung zum dominierenden Begriff – in diesem Fall tongzhi – dar.

Fehlende Begriffe und andere Konzepte

Die wenigsten Kulturen hielten einen Begriff wie den der Homosexualität für notwendig
(Persische Miniatur, Riza-i Abbasi, Two Lovers, Iran 1630)

Da es sich bei der Idee, gleichgeschlechtliche Liebe und Sexualität seien an einen bestimmten Personentypus gekoppelt oder auf diesen beschränkt, um eine moderne, westlich geprägte Vorstellung handelt, fehlen in fast allen Sprachen indigene Ausdrücke für homosexuelle Personen. Dies war früher auch im Westen so. John Henry Mackay veröffentlichte unter seinem Pseudonym Sagitta bereits 1906 die Bücher der „namenlosen Liebe“. Im ersten Band erklärt Mackay, dass es für diese Liebe immer noch keinen adäquaten Namen gibt, so dass er sie die „Namenlose“ nennen muss. Er legt dar, dass diese Liebe weder eine Angelegenheit der Kirche (Begriffe wie Sodomie, Unkeuschheit) noch des Staates noch der Medizin (Homosexualität) sei, sondern allein der Natur, und deshalb auch nur den Gesetzen der Natur unterstehe.

Auch heute noch gibt es beispielsweise im Arabischen keinen feststehenden Begriff für Lesben und Schwule. Der religiöse Begriff luti (‏لوطي‎, DMG lūṭī, abgeleitet von der biblischen Figur Lots) entspricht etwa dem christlichen Terminus Sodomit und bezeichnet jemanden, der die vom Islam verbotene Handlung des Analverkehrs praktiziert. Er wird jedoch nicht im westlichen Sinn als Name für eine identitär fixierte Minderheit gebraucht. In Ägypten werden Beteiligte der in den 1990er Jahren entstandenen Homosexuellenszene von den Medien stattdessen als schaddh (‏شاذ‎ / šāḏḏ, wörtlich „anormal“, „unregelmäßig“ oder „unnatürlich“; auch schaddh dschinsiyyan / ‏شاذ جنسيًا‎ / šāḏḏ ǧinsīyan / ‚sexuell abnorm‘) bezeichnet und diffamiert. Es gibt jedoch auch wertfreie Begriffe, die sich vom arabischen Wort mithl / ‏مثل‎ / miṯl / ‚gleich‘ ableiten – mithli / ‏متلي‎ / miṯlī für Schwule und mithliyya / ‏مثلية‎ / miṯlīya für Lesben –, wobei ‏مثلية‎ auch „Homosexualität“ an sich bedeutet.

In Ungarn setzt sich zurzeit das Schimpfwort buzi als Selbstbenennung von Angehörigen der schwulen Szene durch, obwohl es an sich gar keine Bedeutung hat. Es wird überall dort gebraucht, wo man seinem Ärger darüber Luft machen möchte, dass etwas schiefgelaufen ist. Aufgrund seiner spielerischen Konnotationen wird es analog zum englischen Begriff queer verwandt.

In Simbabwe benutzt die 1990 gegründete Organisation GALZ (Gays and Lesbians of Zimbabwe) englische Termini, da die Differenz zwischen einem afrikanischen Konzept gleichgeschlechtlicher Beziehungen und einer westlichen Identität als Lesbe oder Schwuler von den damaligen Gründern, die mehrheitlich weiß und wenig politisiert waren, nicht verstanden wurde und die einzige Alternative in der Landessprache Shona der beleidigende Ausdruck ngochani gewesen wäre. Der Name blieb jedoch auch später erhalten, da internationale Menschenrechte auf der Basis einer sexuellen Identität leichter einzuklagen schienen.

In der afroamerikanischen Bevölkerung der USA hat sich während der 1990er Jahre in Abgrenzung von einer weißen Gay-Identität der Begriff Down-Low oder DL herausgebildet. Er leitet sich von der Wendung to be on the down low („es nicht an die große Glocke hängen“) ab. Um auch gleichgeschlechtlich liebende Männer ohne schwule Identität durch HIV-Präventionskampagnen zu erreichen, benutzen Aids-Organisationen mittlerweile den neutralen Terminus „Men who have Sex with Men“ (MSM). Diese kultur- und kontextsensitive Strategie hat sich mittlerweile auch auf internationalen Konferenzen durchgesetzt.

Zitat

„Tatsächlich wirft die Bekanntschaft mit der Literatur der Antike ein äußerst verblüffendes Problem für den Geisteswissenschaftler auf, das den meisten Personen, die unvertraut mit den Klassikern sind, nicht in den Sinn käme: ob die Dichotomie, die durch die Termini »homosexuell« und »heterosexuell« unterstellt wird, überhaupt mit irgendeiner Realität korrespondiert. […] Das Bewusstsein über Gründe der Unterscheidung folgt auf das Verlangen zu unterscheiden. Die Frage, wer »schwarz«, »farbig« oder »Mulatte« ist, beunruhigt nur Gesellschaften, die von rassistischen Vorurteilen beeinträchtigt sind […]. In der antiken Welt kümmerten sich so wenige Menschen darum, ihre Zeitgenossen auf der Basis des Geschlechts zu kategorisieren, zu dem sie sich erotisch hingezogen fühlten, dass keine Dichotomie gebräuchlich war, um diese Unterscheidung auszudrücken.“

John Boswell[6]

Verhalten, Orientierung und Identität

Demografische Häufigkeit

Der Schlaf (Gemälde von Gustave Courbet, 1866)

Schätzungen über die Häufigkeit von Homosexualität variieren beträchtlich und werden durch unterschiedliche, voneinander abweichende Definitionen des Gegenstands zusätzlich verkompliziert. Darüber hinaus ist anzunehmen, dass Umfragen durch die soziale Stigmatisierung der Homosexualität und die damit einhergehende Tendenz zum Verschweigen eher nach unten als nach oben verfälscht sind. So schätzten sich etwa in einer repräsentativen Emnid-Umfrage aus dem Jahr 2000 nur 1,3 bzw. 0,6 Prozent der in Deutschland lebenden Befragten als schwul bzw. lesbisch sowie 2,8 bzw. 2,5 Prozent als bisexuell ein. Gleichzeitig gaben aber 9,4 Prozent der Männer und 19,5 Prozent der Frauen an, sich vom eigenen Geschlecht erotisch angezogen zu fühlen.[7] Bei einer im Jahr 2003 in Australien durchgeführten Umfrage bezeichneten sich 1,6 Prozent der Männer als homosexuell und 0,9 Prozent als bisexuell; 0,8 bzw. 1,4 Prozent der befragten Frauen gaben an, lesbisch bzw. bisexuell zu sein.[8] In Kanada stuften sich bei einer 2003 durchgeführten Umfrage unter Männern und Frauen im Alter zwischen 18 und 59 Jahren 1,0 Prozent als homosexuell und 0,7 Prozent als bisexuell ein.[9] In Großbritannien ergab eine Umfrage des Office for National Statistics aus dem Jahr 2011/2012, dass sich 1,1 Prozent aller befragten Personen als schwul oder lesbisch einschätzten, 0,4 Prozent bezeichneten sich als bisexuell, weitere 3,6 Prozent waren sich in Bezug auf ihre Orientierung unsicher.[10] Laut einer repräsentativen Untersuchung des Center for Disease Control and Prevention (CDC) vom März 2011 bezeichnen sich 1,7 Prozent der amerikanischen Männer zwischen 15 und 44 Jahren als homosexuell.[11] Gary J. Gates von der Universität Kalifornien untersuchte elf US-amerikanische und internationale Studien aus den letzten Jahren; danach ist der Anteil der sich als homosexuell und bisexuell identifizierenden Frauen und Männer in den USA 2004-2009 angestiegen. Im Schnitt lag der Anteil 2009 bei den nicht-heterosexuellen Frauen bei 3,3 % (1,1 % homosexuell) und 3,6 % bei den Männern (2,2 % homosexuell). Dies bedeutet in absoluten Zahlen, dass etwa 9 Millionen Amerikaner nicht heterosexuell sind.[12] Laut der US-Studie National Health Interview Survey (NHIS) von 2013 bezeichneten sich 1,6 % der US-Bevölkerung als homosexuell und 0,7 % als bisexuell.[13]

Was das tatsächliche Sexualverhalten angeht, kam der Kinsey-Report 1948 zu dem Ergebnis, dass 37 Prozent der männlichen US-Bevölkerung nach Beginn der Pubertät „zumindest einige physische homosexuelle Erlebnisse bis zum Orgasmus“ haben und weitere 13 Prozent „erotisch auf andere Männer“ reagieren, „ohne tatsächliche homosexuelle Kontakte“ zu unterhalten.[14] Zusammengerechnet seien daher nur 50 Prozent der männlichen erwachsenen Bevölkerung ausschließlich heterosexuell und gar nur vier Prozent ausnahmslos – und über ihr gesamtes Leben hinweg – homosexuell.[15]

Schon bei Kinsey war der Anteil von Homosexualität an der „Gesamt-Triebbefriedung“ nichts Festes, sondern hing in hohem Maße von der jeweiligen Klassenzugehörigkeit ab. So pflegten Angehörige der unteren Schichten in dieser Zeit wesentlich mehr homosexuelle Kontakte als das Bürgertum und die Eliten.[16]

Jüngere Studien zeigen darüber hinaus, wie sehr diese Zahlen dem historischen Wandel unterliegen können. So gaben in einer Studie zur Jugendsexualität, die 1970 vom Hamburger Institut für Sexualforschung durchgeführt wurde, 18 Prozent der befragten 16- und 17-jährigen Jungen an, gleichgeschlechtliche sexuelle Erfahrungen gemacht zu haben. Zwanzig Jahre später waren es nur noch zwei Prozent – ohne dass sich der Anteil von Jungen mit heterosexuellen Kontakten dadurch signifikant erhöht hätte.[17]

Der Sexualwissenschaftler Volkmar Sigusch erklärt diesen Einbruch gleichgeschlechtlicher Jugenderfahrungen u. a. mit der wachsenden öffentlichen Thematisierung von „Homosexualität“ und der damit verbundenen Befürchtung der Jungen, aufgrund solcher Handlungen „womöglich als ‚Schwuler‘ angesehen zu werden“.[18] Allerdings verharrte der Anteil der Mädchen mit homosexuellen Kontakten im selben Zeitraum konstant bei sechs Prozent.[19]

Ähnlich stellte auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in ihrer repräsentativen Wiederholungsbefragung zwischen 1980 und 1996 eine Halbierung des Anteils 14- bis 17-jähriger Jungen fest, die zugaben, „enge körperliche Erlebnisse“ mit dem eigenen Geschlecht gesammelt zu haben (von zehn auf fünf Prozent), während sich umgekehrt der Anteil der Mädchen, die von solchen Erlebnissen berichteten, zwischen 2001 und 2005 von acht auf 13 Prozent erhöhte.[20]

Die tatsächliche Häufigkeit von homosexuellen Erfahrungen hängt also zu einem großen Teil von gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen ab und kann nicht überzeitlich und für alle sozialen Schichten einheitlich bestimmt werden.

Coming-out

Hauptartikel: Coming-out

Bei vielen Menschen, die sich eher zum eigenen Geschlecht hingezogen fühlen, kommt es im Laufe ihres Lebens zum sogenannten Coming-out. Mittlerweile wird dieser Prozess in zwei Phasen beschrieben: Im ersten Schritt steht das „Sich-bewusst-Werden“ oder „Sich-Selbst-Eingestehen“ im Vordergrund, also die Erkenntnis oder aber auch die Entscheidung, dass man für die gleichgeschlechtliche Liebe offen ist. Sie wird auch als inneres Coming-out bezeichnet. Die zweite Phase bezeichnet das „Sich-Erklären“, also den Schritt nach außen, das Coming-out bei Familie, Freunden und/oder Kollegen. Bei manchen geschieht dieser Prozess schon im Alter von 11 Jahren, andere sind sich erst mit 40 oder mehr Jahren über ihre sexuelle Orientierung im Klaren. Die meisten haben ihr Coming-out mittlerweile im Schulalter, also etwa zum Zeitpunkt der Pubertät. In diesem Alter trauen sich viele nicht, Hilfe von anderen zu erbitten, besonders dann, wenn sie bemerken, dass ihre Neigung gesellschaftlich nicht akzeptiert wird. Selbst die eigenen Eltern werden manchmal nicht darüber informiert. Das Coming-out kann manchmal in eine Lebenskrise führen, die sich bis hin zu Selbsttötungsabsichten oder realisierter Selbsttötung steigern kann. Beratungsstellen in den größeren Städten und Info-Seiten im Internet versuchen diesen Menschen zu helfen, ihre Homosexualität anzunehmen. Tatsächlich ist die Selbsttötungsrate bei pubertierenden Homosexuellen deutlich höher als bei gleichaltrigen Heterosexuellen.

Situative Homosexualität

Unter dem soziologischen Begriff situationsbezogene Homosexualität (engl. Situational Homosexuality),[21] die manchmal noch als Pseudohomosexualität[22] bezeichnet wird, versteht man gleichgeschlechtliche Handlungen von Personen, welche nach standardmäßiger Definition keine homosexuelle, ja nicht einmal eine bisexuelle Orientierung haben, also heterosexuelle Sexualkontakte bevorzugen. Grundgedanke ist, dass die Aktivität nie passiert wäre, wenn sich die Menschen nicht in einer ungewöhnlichen Situation befunden hätten. Solche Männer werden auch der Gruppe der heterosexuellen Männer, die Sex mit Männern haben (englisch: Straight Men Who Have Sex with Men, SMSM) zugerechnet.[23]

Situationsbedingte Homosexualität kommt vor allem in Umgebungen vor, in denen über längere Zeit nur Personen des gleichen Geschlechts leben. Als typische Orte gelten Haftanstalten, Erziehungsanstalten, Schiffe auf See, U-Boote, Bohrinseln, Kasernen, Klöster und Konvente, Internate, Sportteams auf Tournee und abgelegene Arbeitslager etwa bei Minen oder Großbauprojekten. Vor allem dort wird sie auch als Not-Homosexualität, Knasthomosexualität und während des Nationalsozialismus als Lagerhomosexualität bezeichnet. In der Wissenschaft spricht man manchmal auch von bisexuellem Sexualverhalten, homosexuellen Ersatzhandlungen oder experimenteller Homosexualität. Unter situativer Homosexualität fällt auch oft mannmännliche Prostitution; diese ist Standardbeispiel für Pseudohomosexualität. Jugendliche gleichgeschlechtliche Handlungen werden nur in getrenntgeschlechtlichen Umgebungen dazugezählt, manchmal werden sie als Entwicklungshomosexualität bezeichnet. Einige Aspekte in dieser sonst eigenen Betrachtung von Jugendlichen sind aber der situativen Homosexualität sehr ähnlich.[24]

Reverend Louis Dwight berichtete 1826 über die Verhältnisse in amerikanischen Gefängnissen. Dies ist der früheste Bericht über amerikanische Strafanstalten. Josiah Flynt beschrieb 1899 situationsbezogenen Sex bei den amerikanischen Hobos, mit denen er reiste. Hans Otto Henel beschrieb 1926 in Eros im Stacheldraht die Situation im Ersten Weltkrieg, was Karl Plättner zu seinem 1929 erschienenen Werk Eros im Zuchthaus inspirierte. Viele erotische Fantasien und Geschichten spielen in Settings mit situativer Homosexualität.

Nachdem viele Gesellschaften homosexuelle Identität und offen homosexuelles Leben ablehnen, ist es oft schwer herauszufinden, was hinter einer individuellen heterosexuellen Identität steckt. Manchmal kann auch sozialer Druck und internalisierte Homophobie zu einer solchen Identität führen. Möglicherweise würden sich mehr Menschen als bisexuell identifizieren, wenn es sowohl von der heterosexuellen wie auch der homosexuellen Gesellschaft stärker akzeptiert würde. Das Konzept der situativen Homosexualität wirft Fragen auf, inwiefern aktives Sexualverhalten interne Wünsche ausdrückt und durch externe Umstände beeinflusst wird.[21] Sexuelle Orientierung ist ein sehr komplexes System mit vielen Zwischenstufen zwischen zwei Extremen oder auf zwei getrennten Skalen und genauer betrachtet sogar gleichzeitig auf mehreren emotionalen Ebenen. Die Entbehrung gegengeschlechtlicher Sexualkontakte wird von unterschiedlichen Personen verschieden bewältigt. Schon im späten 19. Jahrhundert erkannte man, dass manche Individuen niemals gleichgeschlechtliche Aktivität zeigen, egal wie lange und wie intensiv sie heterosexuellen Kontakt entbehren. Ebenso zeigen auch viele homosexuelle Menschen keine heterosexuelle Aktivität, auch wenn Homosexualität repressiv behandelt wird und praktisch nicht durchführbar ist. Grundsätzlich geht man davon aus, dass durch nicht der sexuellen Orientierung entsprechende Handlungen dieselbe nicht beeinflusst wird. Dazu nicht im Widerspruch zeigen kulturübergreifende Vergleiche, dass gleichgeschlechtliches Sexualverhalten in Situationen gegengeschlechtlicher Entbehrungen öfter vorkommt, vor allem bei Männern in ihrer sexuellen Hauptzeit.[25]

In vielen Kulturen ist situationsbezogene Gleichgeschlechtlichkeit toleriert, obwohl dies zu offen gleichgeschlechtliches Leben nach „westlichem“ Identitätsmodell nicht ist. Manche sozialen Analysten gehen davon aus, dass situative Homosexualität verwendet wird, um Homophobie und Biphobie zu bekräftigen, indem jenen, die homosexuelle Sexualkontakte in gleichgeschlechtlichen Umgebungen haben, erlaubt wird, sich weiter als heterosexuell zu definieren. Oft wird in solchen Umgebungen zwischen „echten Homosexuellen“ und jenen, die heterosexuell bleiben, unterschieden. Erstere sind sozial stigmatisiert, während ihr Partner es nicht ist. Durch diese Unterscheidung wird Homophobie bestärkt, obwohl gleichgeschlechtliche Aktivität toleriert wird. Auch wenn sie oft stillschweigend erwartet wird und zu einem gewissen Grad toleriert wird, wird trotzdem erwartet, dass sie versteckt bleibt. Wird sie öffentlich sichtbar, so wird sie bestraft, selbst wenn jeder davon gewusst hat. Der „echte Homosexuelle“ wird dabei oft härter bestraft als sein mutmaßlich heterosexueller Partner, welcher vorgeblich nur aus der Situation heraus handelt.[21] Oft wird die Unterscheidung auch dadurch getroffen, wer beim Sex „aktiver/männlicher“ und wer „passiver/weiblicher“ Partner ist. Diese Anzeichen zeigten sich beispielsweise auch in Südeuropa und vor allem im Orient (Nordafrika bis Pakistan) mit streng getrenntgeschlechtlicher Gesellschaft, wohin viele Europäer vor der hier schon herrschenden starken Ablehnung „flüchteten“ und welcher hierzulande teilweise einen schlechten Ruf hatte. Erst in den 1960ern änderte sich dort die Haltung, manchmal existieren aber noch alte Traditionen weiter oder flammen wieder auf.[26]

Vor allem in Gefängnissen, aber auch in Erziehungsanstalten, ist sexuelle Befriedigung nur ein Teilaspekt, die Ausübung von Macht, Erhalt der eigenen Männlichkeit durch den psychisch heterosexuell und oft nicht einmal als homosexuelle Handlung angesehenen Verkehr – solange man der Aktive bleibt oder unter Gewaltanwendung gezwungen wird – und der Status in der geschlossenen Gesellschaft ist ein Hauptaspekt. Auch ethnische Konflikte spielen dabei eine Rolle. Wünsche des passiven Partners zählen meist nicht und ihm wird die Männlichkeit genommen. Untergeordnet spielt auch die generelle menschliche Sehnsucht nach Zuneigung und Bindung eine Rolle. Paarbeziehungen von einem Beschützer und einem Beschützten basieren auf einer sehr starken Anpassung an das heterosexuelle Modell, das die Gefangenen von der Straße mitbringen; sexueller Stellungswechsel ist selten, und wenn er vorkommt, wird er immer sehr geheim gehalten. Ein weiterer Faktor ist Prostitution als interne Währung sowie als Ausbeutung der Untergeordneten. Mehr als in der Außenwelt muss man eine Dreiteilung machen zwischen freiwilligem Sexualverhalten, gewalttätigen Vergewaltigungen und sexuellen Handlungen „um des Überlebens willen“. Ein großes Druckmittel sind dabei durchgeführte oder angedrohte Gruppenvergewaltigungen. Das Phänomen ist generell sehr wenig wissenschaftlich erforscht, in Hinblick auf das System und nicht aus antihomosexueller Sichtweise, am meisten noch in den USA. Das Durchschnittsalter in den US-amerikanischen Haftanstalten beträgt etwa 28 Jahre, wobei fast drei Viertel der Gefangenen unter 35 Jahre alt sind und damit im sexuell aktivsten und körperlich aggressivsten Alter sind. Sie stammen überwiegend aus den Unterschichten und der Arbeiterklasse und sind zu einem großen Teil Schwarze. Jede sexuelle Aktivität seitens der Gefangenen ist in allen Gefängnissen verboten und wird bei konkretem Anlass wirklich – oft auch gegenüber Vergewaltigungsopfern – durch Disziplinierungsmaßnahmen (bis hin zu Isolationshaft, Verlust von Hafterleichterungen und Ablehnung von Entlassung auf Bewährung) geahndet, im Gegensatz zu den nicht so konsequent durchgesetzten früher bestehenden „Sodomiegesetzen“ der Bundesstaaten. Was nicht offensichtlich ist, wird wegen der erhofften friedensstiftenden Wirkung in der Institution oft geduldet und nicht näher betrachtet. Als Beispiel für eine Größenordnung sei eine Untersuchung aus dem Jahre 1982 genannt, wo 65 % aller in einer Stichprobe befragten Gefangenen angaben, in diesem Gefängnis sexuell aktiv gewesen zu sein. Von den sich selbst als heterosexuell Beschreibenden berichteten 55 % von sexuellen Aktivitäten, wobei sich die Zahl der sexuell aktiven Heterosexuellen auf 35 % der Weißen, 81 % der Schwarzen und 55 % der Hispanics verteilen. Verheiratete Heterosexuelle, die eheliche Besuche erhalten konnten, beteiligten sich häufiger, nicht weniger, am Sex mit anderen Gefangenen. Es bestehen Unterschiede zwischen Strafanstalten, Haftanstalten, Polizeigefängnissen und Jugendgefängnissen. Der Hauptgrund für die Begrenzung der Rate liegt am Mangel an passiven Partnern. Jene, die sich nicht am Sex beteiligen, beteiligen sich dennoch oft am System, indem verbale Bemerkungen gemacht werden und versucht wird, andere in die passive Rolle zu drängen. Im Gegensatz zu sexuellen Phantasien einiger urteilen die Homosexuellen, dass der Sex draußen wesentlich besser sei.[27]

Abgrenzung zu Transgender

Hauptartikel: Transgender

Geht es bei Homosexualität um das Geschlecht des bevorzugten Partners, so geht es bei Transgender, wozu auch Transsexualität gehören kann, um das Empfinden der eigenen Geschlechtsidentität, die unabhängig von der sexuellen Orientierung ist. Beide sind aber Teile der mehrschichtigen sexuellen Identität.

Beziehungen zu Personen gleichen Identitätsgeschlechts werden dabei als homosexuell empfunden, solche zu Personen eines anderen Identitätsgeschlechts als heterosexuell, wobei die Quote der homo- oder bisexuell empfindenden Transgender weit höher liegt als die von Nicht-Transgendern; je nach Schätzung sind dies mindestens ein Drittel. In älterer Fachliteratur findet sich noch der Gebrauch von Homo- bzw. Heterosexualität relativ zum ursprünglich zugewiesenen Geschlecht, also würde beispielsweise eine mit einem Mann verheiratete Transfrau als homosexuell beschrieben, konträr zu ihrem Empfinden, ein schwuler Transmann als heterosexuell. In der neueren Literatur nimmt diese Verwendung kontinuierlich ab, in hauptsächlich sozialwissenschaftlich geprägten Texten ist er nicht mehr zu finden.

Aufgrund der ursprünglichen, als abwertend empfundenen Verwendung und aufgrund der Schwierigkeiten, gleich und verschieden genau zu definieren, bevorzugen viele Transgender anstelle von homo- und heterosexuell schwul, lesbisch, queer etc. als Selbstbezeichnungen. Selten werden die, für den Begehrenden geschlechtsneutralen, Begriffe Gynäkophilie und Androphilie verwendet.

Dass Homosexualität oft mit Transgender, Transsexualität und manchmal auch Intersexualität in Verbindung gebracht wird, hat mehrere Gründe:

  • Früher bestand keine genaue Abgrenzung zwischen Homosexualität – TransvestitismusTravestie – Transsexualität. Hirschfeld verwendete selten, aber in für das breite Publikum verfasste Broschüren und Bücher, den Begriff vom Dritten Geschlecht und sprach allgemein von sexuellen Zwischenstufen. Später trennte er jedoch den Transvestitismus ab und dachte schon an eine Abtrennung der Transsexualität, was durch den Krieg erst in den 1950ern in den USA weitergedacht wurde. Die Idee vom Dritten Geschlecht hat sich, wenn nicht in der Wissenschaft, so doch sozial bis mindestens in die 1970er Jahre gehalten. Heute werden als queer beide Gruppen, beziehungsweise alle Menschen, die dem heteronormativen Muster nicht entsprechen, verstanden.
  • In verschiedenen individuellen Biographien von Transsexuellen und Intersexuellen finden sich immer wieder verschieden lange Zeitabschnitte, in denen vermutet wird, homosexuell oder Transvestit/Transgender zu sein, bis dies wieder verworfen wird und sich die wahre Ursache herauskristallisiert. So beispielsweise bei dem als Pseudohermaphrodit geborenen Skirennläufer Erik Schinegger, der glaubte, lesbisch zu sein; Chaz Bono, der sich 1990 als lesbisch und 2008 als transsexuell outete; und Christian Schenk.
  • Teile der lesbisch-schwulen Subkultur waren oft der einzige Ort, an dem Transgender in ihrem empfundenen Geschlecht sozial akzeptiert wurden. Ebenso konnten dort Transvestiten verkehren und mit der künstlerischen Travestie gibt es ebenfalls ein enges Verhältnis.
  • In Mitteleuropa schon selten, aber bei Zuwanderern aus dem islamischen Kulturkreis und aus den ehemaligen Ostblockländern noch öfter zu beobachten ist die Ichdystone Sexualorientierung, welche von der Transsexualität abzugrenzen ist. Durch gesellschaftlich vorgegebene Skripte („man kann nicht dasselbe Geschlecht lieben“) können Menschen dazu gebracht werden, sich dem anderen Geschlecht zugehörig zu fühlen. Heute ist hierbei vor allem der Iran herausstechend, in dem homosexuelle Handlungen von Männern mit dem Tode bestraft werden, Transsexualität aber als durch Operation behandelbare Krankheit gilt.

Recht

Rechtlicher Status

Hauptartikel: Gesetze zur Homosexualität
Homosexualität legal
  • Gleichgeschlechtliche Ehen
  • (Offizielle) gleichgeschlechtliche Partnerschaften
  • Anerkennung ausländischer gleichgeschlechtlicher Ehen
  • Keine (offiziellen) gleichgeschlechtlichen Partnerschaften
  • Homosexualität illegal
  • Äußerungs- und Versammlungsfreiheit eingeschränkt
  • Kleinere Strafen
  • Höhere Strafen
  • Lebenslängliche Haft
  • Todesstrafe

Weltweit werden derzeit (Stand: Mai 2012) Homosexuelle in 78 der 193 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen strafrechtlich verfolgt, so etwa in Nigeria, Uganda, Tansania, Simbabwe, Angola, Jamaika, Belize und in den meisten islamischen Staaten, wobei in fünf dieser Länder – Iran, Jemen, Sudan, Saudi-Arabien und Mauretanien – sowie in Teilen Nigerias und Somalias die Todesstrafe für gleichgeschlechtlichen Verkehr vorgesehen ist. In Indien und dem Irak ist die rechtliche Lage unklar oder nicht überschaubar.[28]

Aber auch im Osten Europas, zum Beispiel in Russland, Weißrussland, Albanien und sogar in manchen der neuen EU-Länder ist die Lage der Menschenrechte derzeit bedenklich: So werden in Polen und Lettland Demonstrationen für Toleranz gegenüber Schwulen und Lesben von offiziellen Stellen verboten oder teilweise mit massiver Gewalt konfrontiert, die von den Kirchen und rechtsradikalen Nationalisten geschürt wird.[29] In Polen sind in letzter Zeit Forderungen einiger führender Politiker laut geworden, Homosexuelle in Lager zu stecken bzw. aus Polen zu eliminieren. Im Jahr 2007 wurde über ein Gesetz beraten, das selbst die Erwähnung von Homosexualität für Lehrer unter Strafe stellen soll. So wird auch verboten, aufzuklären, wie sich homosexuelle Männer vor Aids schützen können. Lehrer, die dagegen verstoßen, können aus dem Schuldienst entlassen werden.[30] In der UNO versuchen der Vatikan und die islamischen Staaten gemeinsam, allein nur die Diskussion über die Menschenrechtslage für Schwule und Lesben zu verhindern. Für gewisses Aufsehen sorgte die Verhinderung bzw. Störung schwul-lesbischer Demonstrationen, Prides und Petitionsübergaben in Warschau, Riga und in Moskau durch die Polizei in den Jahren 2005, 2006 und 2007, wobei auch der parlamentarische Geschäftsführer und Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen Volker Beck kurzfristig verhaftet wurde.

Unabhängig von der Diskriminierung durch benannte gesellschaftliche Gruppen oder fehlenden Schutz durch staatlichen Eingriff, sind Schwule und Lesben auch häufig homophoben Angriffen ausgesetzt, die durch Menschen mit Angst vor der eigenen, latent vorhandenen Homosexualität ausgeübt werden. So zeigen wissenschaftliche Untersuchungen mit nach eigenem Bekunden heterosexuellen Männern, dass jene, die sich homophob äußerten, deutlich stärker auf gleichgeschlechtliche sexuelle Reize reagierten als solche, die sich nicht homophob geäußert hatten. Andere Untersuchungen legen nahe, dass Männer, die bezüglich dessen, was sie für typisch männliche Eigenschaften halten, dahingehend verunsichert werden, dass sie möglicherweise selbst nicht diesem Bild entsprechen, dies durch ausgeprägten Machismus und Aggression gegen Homosexuelle überkompensieren wollen.

→ Siehe Hauptartikel Homophobie: Abschnitt Angst vor eigenen lesbischen bzw. schwulen Zügen und Abschnitt Wissenschaftliche Untersuchungen

Anerkennung von Partnerschaften

Status von gleichgeschlechtlichen Paaren in Europa

██ Gleichgeschlechtliche Ehe anerkannt

██ Eingetragene Lebenspartnerschaft anerkannt

██ Nicht eingetragene eheähnliche Gemeinschaften anerkannt

██ Nicht anerkannt oder unbekannt

██ Die Verfassung definiert die Ehe als Verbindung zwischen Mann und Frau

Hauptartikel: Gesetze zur Homosexualität, Gleichgeschlechtliche Ehe, Eingetragene Partnerschaft

Die weitgehende rechtliche Gleichstellung von Lesben und Schwulen mit Heterosexuellen wird in der Lesben- und Schwulenbewegung überwiegend begrüßt, auch wenn es immer noch umstritten ist, ob man sich damit gesellschaftlich und beziehungsdynamisch den klassischen Normen der „bürgerlichen Ehe“ annähern möchte, bei denen einige noch meinen, Überbleibsel einer patriarchalen Gesellschaftsordnung zu finden, mit einer strengen Aufteilung von Geschlechtsrollen, die für eine gleichgeschlechtliche Beziehung nicht anwendbar wären.

Gesetzliche Regelungen für gleichgeschlechtliche Partnerschaften gibt es bereits in einer Reihe von Ländern. Mehrere Länder haben die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet: Niederlande (2001), Belgien (2003), Spanien (2005), Kanada (2005), Südafrika (2006), Norwegen (2009), Schweden (2009), Portugal (2010), Island (2010), Argentinien (2010), Dänemark (2012), Neuseeland (2013), Uruguay (2013), Brasilien (2013) und Frankreich (2013). In den US-Bundesstaaten Massachusetts, Connecticut, Iowa, Vermont, New Hampshire, New York, Washington, Maryland, Rhode Island, Maryland, Maine, Kalifornien, Delaware, Minnesota, Illinois, Hawaii und in Washington, D.C. (s. Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften in den Vereinigten Staaten) wurde die Ehe für homosexuelle Paare ebenfalls geöffnet. In Finnland, Luxemburg und Australien ist die Eheöffnung für gleichgeschlechtliche Paare in der Diskussion.

In vielen weiteren Ländern existieren registrierte Partnerschaften, die teilweise dieselben Rechtswirkungen wie die Ehe haben, teilweise jedoch auch geringere Rechte, wie z. B. die Eingetragene Lebenspartnerschaft in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz.

In Deutschland gibt es seit dem 1. August 2001 das Rechtsinstitut der Lebenspartnerschaft. Nach ihrer Verabschiedung durch den Bundestag meldeten einige Politiker Zweifel daran an; die unionsregierten Länder Bayern, Sachsen und Thüringen bemühten sich sogar um eine völlige Aufhebung des Gesetzes vor dem Bundesverfassungsgericht. Dieses stellte jedoch klar, dass einer vollständigen Gleichstellung mit der Ehe nichts im Wege stünde, da die Lebenspartnerschaft mit der Ehe schon allein deshalb nicht konkurriere, weil sie einen anderen Personenkreis betreffe.

Die Lebenspartnerschaft entspricht – was das Bürgerliche Gesetzbuch betrifft – weitestgehend der Ehe. Lediglich die gemeinschaftliche Adoption von nichtleiblichen Kindern ist nicht möglich. Lebenspartner können aber das leibliche Kind ihres Partners adoptieren (sogenannte Stiefkindadoption). Auf diese Weise können zwei Frauen oder zwei Männer rechtlich gemeinschaftliche Eltern von Kindern werden. Ebenso erlaubt wurde im Februar 2013 durch Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes die sukzessive Zweitadoption eines adoptierten Kindes. Auch in der gesetzlichen Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung (unter anderem Witwenrente) sind Lebenspartner mit Ehegatten gleichgestellt. Sie leben – wie Ehegatten – im Güterstand der Zugewinngemeinschaft, wenn sie nichts anderes vereinbaren. Gleichbehandlung erfolgt nach der Trennung auch beim Unterhaltsrecht. Es gelten Befangenheitsvorschriften und Zeugnisverweigerungsrechte wie bei Eheleuten auch. Zudem ist ein Verlöbnis für Lebenspartner entsprechend dem Verlöbnis für Ehegatten rechtswirksam.

Im Bundesbeamtenrecht werden Lebenspartner rückwirkend ab 2001 (Familienzuschlag, Hinterbliebenenpension usw.) gleichbehandelt. Hier erfolgte die Gleichstellung gegen den Widerstand der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag und der unionsregierten Länder im Bundesrat durch Urteil des Bundesverfassungsgerichtes, das parlamentarisch gesetzlich danach umgesetzt wurde. Die Zuständigkeit für das Beamtenrecht ist inzwischen durch die Föderalismusreform auf den Bund für seine Beamten und auf die Bundesländer für die Landesbeamten übergegangen. Als erstes Bundesland hat Bremen seine verpartnerten Beamten und Richter mit seinen verheirateten Beamten und Richtern gleichgestellt; danach folgten Berlin, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Saarland, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Hessen, Baden-Württemberg und Sachsen. Im Zuge der Erbschaftsteuerreform wurden im Januar 2011 die eingetragenen Lebenspartnerschaften der Ehe gleichgestellt. Im Einkommenssteuerrecht (Einkommensteuer) werden seit 2013 Lebenspartner gleichbehandelt. Eine Angleichung bei der Einkommensteuer, im Rahmen des Ehegattensplittings erfolgte im Sommer 2013, nachdem zuvor ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zugunster homosexueller, verpartnerter Paare erging.

Radikalere Teile der Lesben- und Schwulenbewegung lehnen die Lebenspartnerschaft – als Ehe light verpönt – und die damit verbundene notwendige Sondergesetzgebung für Homosexuelle ab. Stattdessen fordern sie die Abschaffung der Ehe und plädieren für sogenannte „Wahlverwandtschaften“ auf Zeit.

In der Schweiz wurde zuerst im Kanton Genf am 1. Mai 2001 eine PACS eingeführt, welche die Eintragung von homosexuellen wie auch heterosexuellen Partnerschaften ermöglichte. Am 22. September 2002 wurde im Kanton Zürich eine eingetragene Partnerschaft vom Stimmvolk mit 62,7 % Ja-Anteil genehmigt. Diese Regelung ging um einiges weiter als die Genfer Lösung und stellte eingetragene Lebenspartnerschaften Ehepaaren gleich, soweit dies in der Kompetenz des Kantons lag. Mit Beschluss des Kantonsparlaments vom 27. Januar 2004 führte auch der Kanton Neuenburg die registrierte Partnerschaft für unverheiratete Paare ein.

Am 5. Juni 2005 stimmte das gesamte Schweizer Stimmvolk über das Partnerschaftsgesetz (PartG) zur eingetragenen Partnerschaft ab. Es war das erste nationale Referendum über diese Frage weltweit. 58 % der teilnehmenden Stimmberechtigten stimmten dem Gesetz zu. Ziemlich homogene Mehrheiten gab es vor allem im Mittelland vom Kanton St. Gallen bis zum Kanton Genf; nicht nur Städte stimmten zu, sondern auch ländlichere Gebiete. Ablehnend verhielten sich vor allem ländlich-bäuerliche, katholische Kantone. Das Gesetz angenommen haben insgesamt 16,5 von 23 Kantonen. Die eingetragene Partnerschaft in der Schweiz schafft eine Gleichstellung mit der Ehe in Steuerfragen, Sozialleistungen, Erbrecht, Besuchsrecht, Zeugnisverweigerungsrecht etc. Es unterbindet aber ausdrücklich den Zugang zur Fortpflanzungsmedizin und die Adoption. Die eingetragene Partnerschaft in der Schweiz hat Auswirkungen auf den Zivilstand. Der Zivilstand ist nicht mehr „ledig“, sondern „in eingetragener Partnerschaft“. Das Gesetz trat am 1. Januar 2007 in Kraft.

Schwules Elternpaar mit Kind

In Österreich trat – nachdem im Herbst 2007 eine Perspektivengruppe der Koalitionspartei ÖVP und ein Teil des Parteivorstandes entschieden hatten, dass es ein Rechtsinstitut geben soll – am 1. Januar 2010 das Eingetragene Partnerschaft-Gesetz in Kraft. Nach einem Meinungsaustausch mit dem Juristen Helmut Graupner waren viele sogar für eine Öffnung der Ehe, was auch einer der Vorschläge an den Parteivorstand war. Laut Bundesparteiobmann und Vizekanzler Wilhelm Molterer diente die Schweiz als Vorbild.

Ein Gegenpol zu den Bestrebungen zur Gleichstellung homosexueller Beziehungen mit der Ehe findet sich in den Vertretern der Lebensformenpolitik.

Das Aufwachsen von Kindern in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften und die sich damit stellenden rechtlichen Fragen werden neuerdings unter dem Begriff „Regenbogenfamilie“ diskutiert. Die Kinder stammen meist aus früheren Beziehungen, andere sind Pflege- oder Adoptionskinder, wurden durch künstliche Befruchtung oder heterologe (Heim)-Insemination mit Samen von persönlich bekannten oder anonymen Spendern gezeugt oder zwei Paare arrangieren eine Co-Elternschaft, Leihmütter kommen schon durch die rechtlichen Gegebenheiten eher selten zum Einsatz.

Arbeitsrecht

Mit der Verabschiedung der europäischen Richtlinien zur Antidiskriminierung im Arbeitsrecht sind Kündigungen und sonstige diskriminierende Maßnahmen aufgrund Bekanntwerdens der homosexuellen Identität von Mitarbeitern in der Privatwirtschaft sowie von Angestellten und Beamten im öffentlichen Dienst in den Mitgliedstaaten der EU unzulässig. Ausnahmen bestehen für weltanschauliche Organisationen und Vereinigungen. Diese können „von den für sie arbeitenden Personen verlangen, dass sie sich loyal und aufrichtig im Sinne des Ethos der Organisation verhalten“.[31] Diese Regelungen haben mit § 8 Abs. 1 und § 9 des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes Eingang in deutsches Recht gefunden.[32]

Entsprechend finden im deutschen Arbeitrecht auch die ethischen Positionen der Kirchen und anderer Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften Anwendung. Für Homosexuelle bedeutet dies, dass sie von Organisationen oder Vereinen, bei denen die Ablehnung von Homosexualität oder homosexuellen Handlungen zum Ethos gehört, entlassen werden können.

In der römisch-katholischen Kirche wird gelebte Homosexualität als nicht mit dem christlichen Glauben vereinbar angesehen.[33] Angestellte der katholischen Kirche, welche sich offen zu ihrer Homosexualität bekennen, werden daher in der Regel entlassen. Ein solcher Widerspruch wird auch gesehen, wenn eine Gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz eingegangen wird. Vergleichbar zu geschiedenen Kollegen, die erneut heiraten, erfolgt daher meist die Entlassung wegen Verletzung der Loyalitätspflichten als Arbeitnehmer.
So wurde im Jahr 2010 beispielsweise einer weiblichen Reinigungskraft eines katholischen Kindergartens des Bistums Essen gekündigt, weil sie eine eingetragene Lebenspartnerschaft mit einer Frau eingegangen war.[34] In einzelnen kirchennahen katholischen Organisationen kann auch bereits ein Chatprofil bei einem Internetportal für Homosexuelle zu einer fristlosen Entlassung führen, wenn es der Organisationsleitung bekannt wird[35] (siehe Kirchen als Tendenzbetrieb). Eine solche Kündigung hatte aber vor dem Arbeitsgericht Frankfurt keinen Bestand.[36]

2005 hat der Heilige Stuhl ferner eine Instruktion veröffentlicht, in der Personen mit „tiefsitzenden homosexuellen Tendenzen“ und „Unterstützer einer homosexuellen Kultur“, als nicht geeignete Kandidaten für Weihämter, wie Priester oder Diakon, angesehen werden. Personen mit weniger „tiefsitzenden homosexuellen Tendenzen [die] Ausdruck eines vorübergehenden Problems wie etwa einer nicht abgeschlossenen Adoleszenz wären, sollten „mindestens drei Jahre vor der Diakonenweihe“ ausgeschlossen sein.[37]

Demgegenüber sind Beschäftigte, auch Pastoren, in den evangelischen Landeskirchen der EKD von einer arbeitsrechtlichen Kündigung oder Disziplinarmaßnahme nicht bedroht, wenn sie mit ihrem Partner oder ihrer Partnerin eine standesamtliche Lebenspartnerschaft eingehen oder ihre homosexuelle Identität in sonstiger Weise bekannt wird.[38] In einigen Landeskirchen der EKD sind sie sogar besoldungsrechtlich zur Ehe gleichgestellt, was auch in der altkatholischen Kirche der Fall ist.

Gleichstellung im Militär

Insgesamt hat die Bundeswehr – nicht zuletzt durch den zunehmenden Anteil von Soldatinnen – ihr Bewusstsein für Sexualität weiterentwickeln müssen. Dies begann erst spät Ende 2000 durch die Änderung der „Führungshilfe für Vorgesetzte“, Bd. 2, A.III.7. Allerdings wird hier schon verlangt, dass militärische Vorgesetzte im Blick auf sexuelle Minderheiten („Toleranz gegenüber anderen nicht strafbewehrten sexuellen Orientierungen“[39] also einschließlich transsexueller Soldaten/innen) aktiv „jeder Diskriminierung energisch entgegentreten“[40] müssen.

Auch mit dem im Rechtsrang höher stehenden Sexualerlass „Umgang mit Sexualität in der Bundeswehr“ zur Zentralen Dienstvorschrift (ZDv) 14/3, Anlage B 173 ist eine Diskriminierung verboten worden. Mit der letzten Änderung im Juli 2004 ist nach jahrzehntelanger Ächtung homosexueller Vorgesetzter, die unter Billigung höchstrichterlicher Rechtsprechung mit Versetzungen und sogar Entlassungen rechnen mussten – wie etwa bei der Kießling-Affäre – ein liberalerer Umgang mit der Sexualität gewählt worden: „Die Intimsphäre von Soldatinnen und Soldaten ist als Teil ihres Persönlichkeitsrechts einer Einflussnahme durch den Dienstherrn grundsätzlich entzogen.“[41] „Daher sind außerdienstlich sowohl heterosexuelle als auch homosexuelle Partnerschaften und Betätigungen unter Soldatinnen und Soldaten disziplinarrechtlich regelmäßig ohne Belang.“[42]

Eine weitere Änderung trat mit dem Soldatinnen- und Soldaten-Gleichbehandlungsgesetz im Jahr 2006 in Kraft, durch das „Benachteiligungen aus Gründen […] der sexuellen Identität“[43] verboten sind, aber zusätzlich von diesem Maßstab der Nichtdiskriminierung auch der berufliche Erfolg abhängt, nämlich bei „Begründung, Ausgestaltung und Beendigung eines Dienstverhältnisses und […] beruflichen Aufstieg“.[44] Die Einfügung der sexuellen Identität in dieses Gesetz wurde in der Großen Koalition kontrovers diskutiert: CDU/CSU lehnte es zunächst ab, gab dann aber im Rahmen eines Kompromisspakets dem Wunsch der SPD nach.

Künftig sind grundsätzlich alle Beziehungsformen in den Privatbereich verwiesen. Homosexuelle Beziehungen können außer Dienst auch innerhalb militärischer Anlagen gepflegt werden, auch spielt der Dienstgrad der Beziehungspartner keine Rolle mehr. Soldatinnen und Soldaten in eingetragener Lebenspartnerschaft haben eine eigene Personenstandsbezeichnung (ELP) und sind berechtigt, Trennungsgeld zu erhalten.

Einer der Vertreter der Belange homosexueller Menschen in der Bundeswehr ist der Arbeitskreis homosexueller Angehöriger der Bundeswehr.[45]

Geschichte

Historische Anthropologie

Unter dem Vorwurf der Sodomie wurden die Templer auf dem Scheiterhaufen verbrannt (Manuskript-Illustration, ca. 1350)

Eine jüngere Generation von lesbisch-schwulen Soziologen, Philosophen und Historikern wie Mary McIntosh (The Homosexual Role, 1968), Michel Foucault (La Volonté de savoir, 1976), Alan Bray (Homosexuality in Renaissance England, 1982) oder gegenwärtig insbesondere David Halperin (How to do the History of Homosexuality, 2002) betrachtet Homosexualität nicht mehr als eine überzeitliche Essenz, sondern als eine Erfindung der europäischen Neuzeit. Damit ist nicht gemeint, dass Frauen und Männer an anderen Orten und zu anderen Zeiten keinen gleichgeschlechtlichen Sex gehabt hätten. Vielmehr beziehen die genannten Autoren die Position, dass unsere heutige Auffassung von Homosexualität als „Seinsweise“, die eine Minderheit von einer Mehrheit unterscheidet, eine verhältnismäßig junge Konstruktion sei.

Sodomitisches Laster

Das theologische Modell der Sodomie, das dem modernen Begriff der Homosexualität vorausging, steht zu diesem in einem deutlichen Gegensatz. Sodomie – als „widernatürlicher“ (Platon) Verkehr zwischen Männern, aber auch zwischen einem Mann und einer Frau – wurde als ein allgemeinmenschliches Laster angesehen und nicht einer bestimmten Kategorie von Personen zugeordnet. Foucault spitzte diesen Unterschied zu, indem er in einer berühmt gewordenen Sentenz behauptete: „Der Sodomit war ein Gestrauchelter, der Homosexuelle ist eine Spezies.“ (siehe auch Sodomiterverfolgung).

Neben dem Diskurs der Sodomie, der sich im Mittelalter vor allem auf den Akt des Analverkehrs bezog, gab es jedoch auch Begriffe, die eine positive Sichtweise ausdrückten, wie etwa den der Freundschaft.

Freundschaft als Lebensweise

Freundschaft“ konnte fast zu allen Zeiten auch eine romantische Beziehung zwischen zwei Personen des gleichen Geschlechts bezeichnen. Küssen, Umarmen und Händchenhalten, das gemeinsame Schlafen in einem Bett (daher der altertümliche Begriff des „Bettgenossen“) ebenso wie leidenschaftliche Liebesbekundungen und Treueschwüre wurden unter Männern bis weit in die frühe Neuzeit und oft sogar noch am Beginn des 20. Jahrhunderts als völlig normal wahrgenommen. Unter Frauen ist das – seit Ende des 19. Jahrhunderts allerdings mit immer größeren Einschränkungen – teilweise auch heute noch der Fall. Die Semantiken (Bedeutungsinhalte) von Freundschaft und Liebe waren deshalb kaum voneinander zu unterscheiden. Das griechische Wort philos (φίλος) etwa kann sowohl ‚Freund‘ als auch ‚Geliebter‘ bedeuten.

Im Christentum wurden solche Beziehungen nur selten mit der „monströsen“ Figur des Sodomiten in Verbindung gebracht, und wenn, dann meist im Rahmen einer politischen Intrige (wie im Fall von Eduard II. oder dem mittelalterlichen Templerorden).

Geschworene Brüder

Die christliche Mystik lud, beeinflusst vom islamischen Sufismus, die Liebe zwischen Freunden sogar mit einer religiösen Bedeutung auf. Ebenso adaptierte das Christentum den sowohl im Gilgamesch-Epos wie in der jüdischen Bibel, aber auch im Satyricon für eine Liebesbeziehung zwischen zwei Männern verwendeten Begriff des „Bruders“ (Schwurbruderschaft). Zu deren Vereinigung hatte die orthodoxe Kirche den Ritus des „Brüdermachens“ (Adelphopoiesis) ausgearbeitet, der den beiden Freunden für ihre Liebe, die bis in den Tod anhalten sollte, zahlreiche Heiligenpaare als Vorbilder nannte. Dies schloss die parallele Eheschließung mit einer Frau jedoch nicht aus. Im lateinischen Westen, wo bis weit in die Neuzeit weder Eheleute noch geschworene Brüder (fratres iurati) der Segnung eines Priesters bedurften, sind zumindest eine Reihe von Grabmälern erhalten, in denen Männer- und später auch Frauenpaare miteinander bestattet wurden. Die Gravuren enthalten oft Symbole unsterblicher Liebe wie beispielsweise die Darstellung eines Kusses oder die Inschrift „Im Leben vereint, im Tode nicht getrennt“.[46] Dass Schwurbruderschaften als von der Kirche akzeptierte gleichgeschlechtlicher Partnerschaften (d.h. inkl. genitaler Handlungen) in der Form der Adelphopoiesis legitimiert wurden, ist jedoch nicht haltbar. Der ursprüngliche Zweck der Adelphopoiesis war, eine geistige Verwandtschaft (wie bei einer Taufpatenschaft) herzustellen.[47] Die Schwurbruderschaft muss aber tatsächlich auch von gleichgeschlechtlich Liebenden in Anspruch genommen worden sein, denn aus diesem Grund wurde dieser Ritus vom oströmischen Recht und von der orthodoxen Kirche später wieder abgeschafft, bzw. verboten.[48]

„Erfindung“ des Homosexuellen

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Von der Institution der geschworenen Bruderschaft (siehe oben) ist heute nur noch der Begriff des warmen Bruders als Synonym für einen „Schwulen“ übrig geblieben. In diesem Begriffswandel offenbart sich der geschichtliche Bruch, der durch das moderne Konzept der Homosexualität verursacht wurde: Gesten der Zuneigung, die früher einfach als Zeichen einer Freundschaft verstanden worden wären, identifiziert man heute als „homosexuell“ und stellt sie damit als Abweichung von der gesellschaftlichen Norm unter Verdacht. Die Konsequenz ist ein vor allem unter männlichen Jugendlichen belegbarer drastischer Rückgang gleichgeschlechtlicher Sexualerfahrungen von 18 auf zwei Prozent allein zwischen 1970 und 1990. Diese Entwicklung geht mit wachsender Homophobie einher, weil viele junge Menschen aus Angst, womöglich als „Schwuler“ beziehungsweise als „Lesbe“ zu gelten, sich von allem Homosexuellen demonstrativ (und teilweise sogar gewaltsam) abgrenzen. Unter jungen Männern ist diese Tendenz zur Abgrenzung im Allgemeinen nochmals deutlich stärker ausgeprägt als unter jungen Frauen. Es ist diese tätige Abwehr, durch die sich das stigmatisierende Etikett der Homosexualität wie von selbst reproduziert.

Globalisierung einer Denkform

Dieser Artikel oder nachfolgende Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (beispielsweise Einzelnachweisen) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst entfernt. Bitte hilf der Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Näheres ist eventuell auf der Diskussionsseite oder in der Versionsgeschichte angegeben. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung.

Die binäre Kategorisierung von Personen als hetero und homo beziehungsweise „normal“ und „andersartig“ ist mittlerweile fast weltweit zu einer scheinbar unumstößlichen Realität geworden. Dieser Prozess, der sich in manchen Metropolen Europas wie London, Paris und Amsterdam bereits um 1700 ereignet hat, erreichte Regionen wie China dagegen erst Anfang beziehungsweise Mitte des 20. Jahrhunderts. Einige postkoloniale Autoren wie der Hongkonger Soziologieprofessor Zhou Huashan kritisieren die Homophobie in ihren Ländern daher als eine Folge des europäischen Imperialismus.[49]

Strafrechtliche Verfolgung

John Atherton und John Childe, 1640 in Dublin wegen „Sodomie“ gehängt.

Bis zum Hochmittelalter galt der Analverkehr im christlichen Bereich als Sünde, aber noch nicht als Verbrechen; folglich drohte höchstens eine Kirchenbuße und ein zeitweiliger Ausschluss von der Eucharistie, aber noch keine weltlichen Maßnahmen. Vom 13. Jahrhundert bis zur Aufklärung wurde Analverkehr zwischen Männern dann in fast ganz Europa unter der Bezeichnung „Sodomie“ durch weltliche Gesetze mit dem Scheiterhaufen bedroht, hier wird noch von der Sodomiterverfolgung gesprochen. Zu größeren Verfolgungen und jeweils Hunderten von Hinrichtungen kam es während des Spätmittelalters in Norditalien und Spanien sowie während des gesamten 18. Jahrhunderts auch in England, Frankreich und den Niederlanden.

Die Ideen der Französischen Revolution führten in zahlreichen Staaten, die sich am französischen Code pénal orientierten, um 1800 herum zur Abschaffung aller Gesetze gegen die „widernatürliche Unzucht“ (so etwa in den Niederlanden, im Rheinland und in Bayern). Preußen wandelte 1794 mit der Einführung des Allgemeinen Landrechts die Todesstrafe in eine Zuchthausstrafe um. 1871 wurde der preußische Paragraph in das Reichsstrafgesetzbuch des Deutschen Reichs aufgenommen und als § 175 in der folgenden Zeit immer häufiger angewandt.

Wandel von der Straftat zur „psychischen Krankheit“

Großen Einfluss hatte zu dieser Zeit der deutsch-österreichische Psychiater und Rechtsmediziner Richard von Krafft-Ebing (siehe hier). Seine durch Kriminalfälle und in der Psychiatrie gewonnenen Forschungen stellten Homosexuelle als erblich belastete Perverse dar, die für ihre angeborene „Umkehrung“ des Sexualtriebes nicht verantwortlich seien und deshalb nicht in die Hände eines Strafrichters, sondern in die von Nervenärzten gehörten. Diesen erschloss er damit ein neues „Patientengut“ für Zwangsbehandlung und Forschungsexperimente.

Beim Christopher Street Day 2012 warb die britische Botschaft mit dem Mathematiker und Computerpionier Alan Turing als Codeknacker im Zweiten Weltkrieg – 60 Jahre zuvor hatte seine staatliche Verfolgung begonnen. Nach einer zwangsweisen „chemischen Kastration[50] mit Hormonen beging er Suizid.

In seinem Buch Psychopathia Sexualis (1886, das Buch wurde zu einem Standardwerk) definierte er die Homosexualität als angeborene neuropsychopathische Störung, also als eine erbliche Nervenkrankheit.[51] Diese Diagnose erlaubte es ihm, sich für eine vollständige Straffreiheit der Homosexualität auszusprechen, da Homosexuelle für ihre „Missbildung“ nicht selbst verantwortlich seien und die Homosexualität nicht ansteckend sei. Allerdings wurde Homosexualität dadurch erst pathologisiert und homosexuelle Menschen für unzurechnungsfähig erklärt. Obwohl Krafft-Ebing zu seiner Zeit als maßgebliche Instanz auf dem Gebiet der Gerichtsmedizin galt, blieb diese Theorie für die Straflosigkeit folgenlos, da vor allem kirchlich-konservative Kreise auf die moralische Ächtung der Homosexuellen nicht verzichten wollten.

Bis zur Reform des § 175 im Jahr 1969 arbeitete die Polizei dabei mit Spitzeln in der schwulen Subkultur und geheimen Rosa Listen, auf denen zahlreiche Namen von homosexuellen Männern verzeichnet waren. Da Homosexualität verfolgt und bis in die 1970er Jahre als psychische Erkrankung diagnostiziert wurde, konnten Homosexuelle auch auf unbestimmte Zeit freiheitsentziehend in einer forensischen Psychiatrie untergebracht werden. Ein Beispiel ist die „Behandlung“ des britischen Mathematikers und Computerpioniers Alan Turing im Jahr 1952, der wenig später starb, wahrscheinlich durch Suizid.

Verfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus

Die Schätzungen hinsichtlich der Zahl der schwulen Männer, die während der Zeit des Nationalsozialismus in Konzentrationslagern ihr Leben lassen mussten, variieren erheblich. Die wohl verlässlichsten Zahlen stammen bis heute von Rüdiger Lautmann. Er schätzte die Zahl der in Konzentrationslager verschleppten homosexuellen Männer auf 10.000 bis 15.000.[52] Von ihnen kamen etwa 53 % ums Leben. Der Grund für z.T. erheblich darüber hinausgehende Schätzungen liegt u.a. darin, dass nicht ermittelt werden kann, wie viele aus anderen Gründen ermordete Menschen homosexuell waren.

Einige Männer wurden trotz ihrer, dem NS-Regime bekannten Homosexualität geduldet. Zu nennen sind etwa Reichswirtschaftsminister Walther Funk, der 1946 wegen seiner Verbrechen zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, und der schwule Bildhauer Arno Breker, der von Adolf Hitler und Joseph Goebbels auf die Gottbegnadeten-Liste der wichtigsten Künstler aus NS-Sicht gesetzt wurde und dort sogar auf die Sonderliste der „Unersetzlichen Künstler“ kam. John C. Fout zeigte für Hamburg, dass 90 Prozent der Homosexuellen, die in Konzentrationslager oder Heilanstalten kamen, Arbeiter waren; nur die übrigen 10 Prozent waren der bürgerlichen Gesellschaftsschicht zuzuordnen.[53][54][55]

Obwohl es in Deutschland, im Gegensatz zu Österreich, kein Gesetz gegen die lesbische Liebe gab, verhaftete die Gestapo auch dort eine unbekannte Zahl von Frauen wegen ihrer Homosexualität oder unter anderem Vorwand.

Rechtslage in der Nachkriegszeit

In der Bundesrepublik Deutschland bestand der § 175 bis 1969 in der von den Nationalsozialisten verschärften Fassung weiter, was vom Bundesverfassungsgericht 1957 als rechtmäßig anerkannt wurde. Erst 1994 fiel er im Zuge der Rechtsangleichung mit der DDR weg. Während jener Zeit verurteilte Schwule wurden in Deutschland am 17. Mai 2002 durch den Bundestag symbolisch rehabilitiert. In der Deutschen Demokratischen Republik wurden einvernehmliche, homosexuelle Handlungen unter Erwachsenen schon seit Ende der 1950er Jahre nicht mehr rechtlich verfolgt.

In Österreich existierte der § 209 ÖStGB mit ähnlichem Wortlaut wie der § 175 StGB in Deutschland bis ins Jahr 2002, als er vom österreichischen Verfassungsgerichtshof aufgehoben wurde,[56] und trat am 14. August 2002 außer Kraft.[57] Dennoch wurde Österreich im Anschluss mehrfach vom EGMR, der ebenfalls ausdrücklich die Menschenrechtswidrigkeit des § 209 feststellte, verurteilt,[58] da man es unterlassen hatte, menschenrechtswidrig Verurteilte zu rehabilitieren.

Homosexuelle Emanzipation

Die Regenbogenfahne, seit 1978 ein internationales schwul-lesbisches Symbol

Hauptartikel: Lesben- und Schwulenbewegung

Erste Forderungen nach der urnischen Ehe wurden von Karl Heinrich Ulrichs 1867 auf dem deutschen Juristentag in München vor 500 Mitgliedern erhoben. Auch wenn sein Vortrag mit Spott und Ablehnung aufgenommen wurde, beginnt an diesem Tag die Geschichte der Homosexuellen-Emanzipation.

Der Beginn der organisierten homosexuellen Emanzipationsbewegung wird im Allgemeinen mit der Gründung des Wissenschaftlich-humanitären Komitees (WhK) durch den Berliner Arzt Magnus Hirschfeld im Jahr 1897 angesetzt. Es handelte sich dabei jedoch um eine Honoratiorenvereinigung, die nur ca. 500 Mitglieder umfasste und nach außen hin nicht als homosexuelle Bewegung in Erscheinung trat. Stattdessen warb sie ausschließlich mit wissenschaftlichen Argumenten für eine Streichung des § 175.

Zahlenmäßig weit bedeutsamer waren die nach 1919 gegründeten Freundschaftsbünde. Ihr Schwerpunkt lag in der Planung von Geselligkeitsveranstaltungen, umfasste jedoch auch politische und publizistische Aktivitäten sowie die Gewährleistung von Rechtsschutz für jene Mitglieder, die vom § 175 betroffen waren. Als Dachgruppen konkurrierten der im August 1920 gegründete Deutsche Freundschafts-Verband (DFB) und der im Mai 1922 entstandene Bund für Menschenrechte (BfM). Letzterer erwies sich in seiner Größenentwicklung als das bei weitem erfolgreichere Modell. Bereits 1924 zählte er über 12.000 Mitglieder; 1929, gegen Ende der Weimarer Republik, waren es sogar mehr als 48.000. Ausländische angegliederte Gruppen soll es laut Angaben des Vereins in der Schweiz, in Österreich, in der Tschechoslowakei, in New York City, Argentinien und Brasilien gegeben haben. Allerdings ist über die meisten dieser Gruppen kaum etwas bekannt. Eine Ausnahme bildet eine Schweizer Gruppe um Karl Meier mit ihrer Zeitschrift Der Kreis, die als einzige in Europa nicht durch die Nationalsozialisten zerschlagen werden konnte. Dadurch wurde sie nach dem Zweiten Weltkrieg Vorbild für viele neu entstehende Gruppen.

Ein neuer Schwerpunkt der Homosexuellenbewegung bildete sich in den Vereinigten Staaten. Im Frühjahr 1951 gründete Harry Hay, Mitglied der CPUSA, zusammen mit Bob Hull, Chuck Rowland, Dale Jennings und Rudi Gernreich die Mattachine Society. 1955 entstand unter Führung von Del Martin und Phyllis Lyon die Lesbenorganisation Daughters of Bilitis. Beide Gruppen bezeichneten sich als homophil, um sich der Reduzierung von Homosexualität auf den Akt des Beischlafs zu entziehen. Unter dem Druck der McCarthy-Ära entpolitisierten sich diese Organisationen und wurden zu Debattierclubs, die in der Öffentlichkeit nicht in Erscheinung traten. Erst Mitte der 1960er Jahre fand mit Dick Leitsch (New York) und Frank Kameny (Washington) eine Neuorientierung an den Protestformen der schwarzen Bürgerrechtsbewegung statt.

Am 28. Juni 1969 kam es anlässlich einer Polizeirazzia in der New Yorker Schwulenbar Stonewall zu einem Aufstand in der Christopher Street, der drei Tage andauerte. Dieses Ereignis führte zu einer Radikalisierung zahlreicher Lesben und Schwuler. In Anlehnung an linke Bewegungen der damaligen Zeit gründeten sich gemischte Gruppen wie die Gay Liberation Front und die Gay Activists Alliance.

Am 1. Mai 1970 machte schließlich die Gruppe Radicalesbians auf sich aufmerksam, indem sie in New York den Zweiten Jahreskongress zur Vereinigung der Frauen mit einem geplanten Happening unterbrach. Das dort verteilte Manifest der frauenidentifizierten Frau begründete das sich für die Frauenbewegung als einflussreich erweisende Konzept des politischen Lesbianismus: Lesbischsein wurde nicht als eine sexuelle Orientierung, sondern als die einzig mögliche Strategie des Widerstands gegen patriarchale Bevormundung und Unterdrückung aufgefasst.

Diese politischen Strategien und Konzepte wurden in den 1970er Jahren ausnahmslos nach Europa getragen.

In der Bundesrepublik Deutschland gründeten sich nach der Liberalisierung des § 175 im Jahre 1969 und nach der Fernsehausstrahlung des Filmes Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt die ersten Schwulengruppen. Die offene und provozierende filmische Darstellung von Schwulen durch den Regisseur Rosa von Praunheim, der sich hierzu eines politischen Textes des Soziologen und Sexualforschers Martin Dannecker bediente, stieß in der Öffentlichkeit, aber auch bei konservativen und angepassten Homosexuellen auf Ablehnung.

Ähnlich wie in den USA trennten sich Lesben in der Bundesrepublik schon sehr früh von den männlich dominierten Schwulengruppen und engagierten sich stattdessen in der Frauenbewegung, wo gleichgeschlechtliche Liebe oft nicht nur anerkannt, sondern sogar präferiert wurde.

In den 1980er und 1990er Jahren kam es zu einer breiten Ausfächerung, aber auch zu einer fortschreitenden Entpolitisierung der homosexuellen Emanzipationsbewegung. Gleichzeitig fand eine Wiederannäherung von Lesben und Schwulen statt. Seit etwa Mitte der 1980er Jahre veranstalten sie gemeinsam in fast sämtlichen europäischen und amerikanischen Metropolen alljährliche Demonstrationen zur Erinnerung an den Stonewall-Aufstand. In den 1990er Jahren wurden daraus gewaltige Umzüge, die unter der Bezeichnung Christopher Street Day bzw. Gay Pride Parade in den Tagen zwischen Juni und Juli weltweit mehrere Millionen Menschen auf die Straße ziehen. Jedoch verbinden die Teilnehmer mit ihrer Anwesenheit nur noch selten eine konkrete politische Aussage. Entsprechende Gegenentwürfe zur Repolitisierung des CSD in Deutschland sind der Transgeniale CSD in Berlin-Kreuzberg und die Queerrr Street Days in Hamburg.

Eine neue Erscheinung bildet der Wunsch nach territorialer Abgrenzung von der Hetero-Welt, der häufig als Gay Nationalism bezeichnet wird. So wurde von einer Gruppe australischer Aktivisten am 14. Juni 2004 eine winzige Koralleninsel namens Cato besetzt und das Gay & Lesbian Kingdom of the Coral Sea Islands ausgerufen. Der neue Staat stellte sich ziemlich rasch als eine Mikronation unter vielen heraus, denn weder der Imperator Dale Parker Anderson noch sonst jemand war bereit, sich auf Cato niederzulassen. Die Unstimmigkeiten innerhalb der Führungsriege führten zur Zersplitterung der Bewegung in mehrere Gruppen.

Gesundheit

AIDS

Hauptartikel: AIDS

Zur Emanzipation der Schwulen trug – neben der Öffentlichkeitsarbeit – auch die HIV-Pandemie zu Beginn der 1980er Jahre in erheblichem Maße bei. Dies klingt zunächst widersprüchlich, da sich AIDS in den westlichen Ländern, vermutlich aufgrund der höheren Promiskuität und der hohen Ansteckungsgefahr insbesondere bei Analverkehr, zunächst stark in schwulen Kreisen verbreitete.

Durch die von den AIDS-Hilfen und der deutschen Bundesregierung angestoßenen Aufklärungskampagnen rückte das Tabuthema Homosexualität aber stärker ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Dadurch wurde nicht nur Aufklärung über das HI-Virus und das dadurch ausgelöste Krankheitsbild AIDS erreicht, sondern auch für sicherere Sexualpraktiken (Safer Sex) als Vorsichtsmaßnahme geworben. Dabei konnten viele Fehlmeinungen und Vorurteile im gesellschaftlichen Bewusstsein über Schwule und Lesben korrigiert werden. Es lässt sich eine stetig steigende Toleranz in der Bevölkerung gegenüber Homosexualität feststellen. Die moralischen Gesellschaftswerte haben sich verschoben, auch wenn manche Menschen Homosexualität verurteilen oder homosexuelle Menschen abwerten.

Viele Menschen bringen schwule Sexualität automatisch mit HIV bzw. AIDS in Verbindung. Schwule sind jedoch nach herrschender medizinischer Ansicht nur dann dieser besonderen Risikogruppe zuzurechnen, wenn sie häufig ungeschützten Analverkehr bzw. Verkehr mit wechselnden Sexualpartnern haben, da die Verletzungs- bzw. Infektionsgefahr bei analer Penetration drastisch höher ist als bei vaginaler Penetration und Promiskuität allgemein dem Risikoverhalten für sexuell übertragbare Krankheiten zuzurechnen ist.

Bisher (Stand: 08/2011) ist es deutschen und österreichischen[59] Männern, die homosexuelle Kontakte mit anderen Männern haben, untersagt, Blut oder Organe zu spenden, da diese generalisiert der „HIV-Risikogruppe“ zugeordnet werden, ungeachtet dessen, dass sich jeder gesunde Mensch, unabhängig von seiner sexuellen Orientierung mit dem HI-Virus infizieren kann.[60][61]

Psychologie

Die psychiatrische Pathologisierung der Homosexualität begann Mitte des 19. Jahrhunderts. Homosexualität wurde in der Regel als Symptom einer inneren Verkehrung des Geschlechtsempfindens („konträre Sexualempfindung“, „Inversion“) aufgefasst. Eine besondere und zugleich ambivalente Rolle spielte dabei – seit ca. 1900 – die Psychoanalyse.

Sigmund Freud bezeichnete Homosexualität „als Abweichung der sexuellen Funktionen, hervorgerufen durch eine gewisse Stockung der sexuellen Entwicklung“[62] Als psychischen „Normalfall“ sah Freud die Bisexualität an; auch die Heterosexualität beruhe „auf einer Einschränkung der Objektwahl“.[63] Mehrfach bezog er öffentlich Stellung gegen Kriminalisierung und Pathologisierung der Homosexualität. 1903 betonte er in der Zeitschrift Die Zeit, dass „Homosexuelle nicht als Kranke behandelt werden sollen“. 1905 stellte er fest: „Die psychoanalytische Forschung widersetzt sich mit aller Entschiedenheit dem Versuch, die Homosexuellen als eine besonders geartete Gruppe von den anderen abzutrennen.“[64] 1921 widerspricht er Ernest Jones, der einen homosexuellen Arzt nicht zur analytischen Ausbildung zulassen wollte.[65] 1930 unterzeichnete er einen Appell an den Nationalrat zur Abschaffung der Strafbarkeit. Und 1935 schrieb er in einem Brief an eine Mutter, dass auch Homosexuelle – durch eine Analyse – zu „Harmonie, Seelenfrieden und volle[r] Leistungsfähigkeit“[62] gelangen können.

Seine Ansichten zum Thema resümiert er in dem Aufsatz „Über die Psychogenese eines Falles von weiblicher Homosexualität“ aus dem Jahr 1920. Darin wendet er sich gegen die Vorstellung, „vollentwickelte“ Homosexualität − mit dem Ziel der Wiederherstellung der „vollen bisexuellen Funktion“ – psychoanalytisch behandeln zu können. Dies sei „nicht viel aussichtsreicher als das umgekehrte“ – die Heilung von „vollentwickelter“ Heterosexualität –, „nur daß man dies letztere aus gut praktischen Gründen niemals versucht“.[66] Entsprechende Therapieanstrengungen scheiterten zudem sehr häufig daran, dass homosexuelle Patienten nicht aus Unzufriedenheit mit ihrer Situation, sondern auf äußeren gesellschaftlichen Druck hin eine Therapie begännen:

„In der Regel vermag der Homosexuelle sein Lustobjekt nicht aufzugeben; es gelingt nicht, ihn zu überzeugen, daß er die Lust, auf die er hier verzichtet, im Falle der Umwandlung am anderen Objekt wiederfinden würde. Wenn er sich überhaupt in Behandlung begibt, so haben ihn zumeist äußere Motive dazu gedrängt, die sozialen Nachteile und Gefahren seiner Objektwahl, und solche Komponenten des Selbsterhaltungstriebes erweisen sich als zu schwach im Kampfe gegen die Sexualstrebungen. Man kann dann bald seinen geheimen Plan aufdecken, sich durch den eklatanten Mißerfolg dieses Versuches die Beruhigung zu schaffen, daß er das Möglichste gegen seine Sonderartung getan habe und sich ihr nun mit gutem Gewissen überlassen könne.“

Sigmund Freud, 1920[67]

Dennoch wurde Homosexualität erst 1973 von der American Psychiatric Association (APA) aus ihrem Krankheitenkatalog (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, kurz: DSM, damalige Auflage DSM-II) gestrichen – nicht zuletzt aufgrund der Forschungsergebnisse von Evelyn Hooker. Zuvor galt Homosexualität als psychische Störung. Allerdings existierte von da an im DSM-II die „sexuelle Orientierungsstörung“, später im DSM-III „ich-dystone Homosexualität“ genannt, mit der ein Zustand anhaltenden Leidens an der eigenen Homosexualität diagnostiziert werden konnte. Im neuen, aktuellen DSM-IV-TR befindet sich eine Diagnosekategorie „nicht näher bezeichnete sexuelle Störung“, die auch ein „andauerndes und ausgeprägtes Leiden an der sexuellen Orientierung“ (302.9) beinhaltet. Die Streichung erfolgte 1973 gegen den Widerstand der American Psychoanalytic Association (APsaA), die dadurch erheblich an Renommée und Einfluss verlor, dann nach einem Generationswechsel neue Position bezog und sich 1991 entschuldigte:

„Die American Psychoanalytic Association lehnt jede öffentliche oder private Diskriminierung gleichgeschlechtlich orientierter Frauen und Männer ab und bedauert sie. Es ist die Position der American Psychoanalytic Association, dass die mit uns verbundenen Ausbildungsinstitute ihre Kandidaten aufgrund ihres Interesses für die Psychoanalyse aussuchen, wegen ihres Talents, ihrer Vorbildung, ihrer Integrität, ihrer Bereitschaft zu Selbstanalyse und Ausbildung, und nicht aufgrund sexueller Orientierung.

American Psychoanalytic Association, Declaration on Homosexuality, adopted 1991, amended May 1992: Übersetzt von Christian Michelides, Fettdruck aus dem Original übernommen

Aus der von der Weltgesundheitsorganisation herausgegebenen International Classification of Diseases (ICD) wurde die Homosexualität erst mit der 1992 veröffentlichten ICD-10 entfernt. Dafür wurde dort das Störungsbild der ich-dystonen Sexualorientierung (F66.1) im Bereich der Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen aufgenommen. In der ICD-8 wurde Homosexualität bereits 1968 als umstrittenes Krankheitsbild dargestellt.

In Psychoanalyse und Psychotherapie gibt es nach wie vor kontroverse Meinungen. Anhänger der Gay Affirmative Psychotherapy, die die internationale Mehrheitsmeinung vertreten, versuchen, den Umgang mit Homosexualität möglichst in das Menschsein zu integrieren. Im deutschen Sprachraum äußerten sich 2000 zwei Standardwerke klar und deutlich: Im Mertens/Waldvogel konstatierte Udo Rauchfleisch, dass Diskriminierung und Pathologisierung wissenschaftlich nicht vereinbar seien.[68] Im Stumm/Pritz verlangte Wolfgang Till von der Psychotherapie „eine nichtpathologisierende, vorurteilsfreie Haltung zur Homosexualität“.[69] Johannes Cremerius nannte (schon 1992) die Pathologisierung der Homosexualität und die Weigerung, Homosexuelle zur analytischen Ausbildung zuzulassen, als einen der wesentlichen Gründe für die Krise der Psychoanalyse.[70]

Dazu entgegengesetzt gibt es eine immer kleiner werdende Minderheit von Medizinern bzw. Psychoanalytikern, die Homosexualität im Gegensatz zum DSM-IV und zur ICD-10 als „krankhafte und behandlungsbedürftige Störung“ sehen (Charles Socarides[71] und Joseph Nicolosi). Der Psychotherapeut Douglas Haldeman, der ehemalige Vorsitzende der American Psychological Association, ist der Meinung, Lesben und Schwule hätten zwar ein Recht auf Veränderung ihrer sexuellen Orientierung, sofern sie mit ihren sexuellen Orientierungen unzufrieden seien. Bisher ist jedoch keine funktionierende „Therapie“ bekannt, mit der langfristig die sexuelle Orientierung verändert werden konnte. Die sogenannte reparative Therapie bezeichnet Haldeman als „Pseudowissenschaft“. Die sexuellen Neigungen als solche bestimmen noch nicht die psychologische Identität eines Menschen, da dazu wesentlich die freie Stellungnahme gehört.[72] Im Sommer 2008 erklärte die deutsche Bundesregierung im Bundestag, dass die reparative Therapie in der Fachwelt weitestgehend abgelehnt werde. Die deutsche Bundesregierung vertritt weder die Auffassung, dass Homosexualität einer Therapie bedarf, noch dass Homosexualität einer Therapie zugänglich ist.[73] Auch Haldeman ist der Meinung, die sogenannte „reparative Therapie“ passe nicht in die moderne „mental health profession“ hinein, und sei „seit Jahren diskreditiert.“[74]

Ursachen der Ausbildung der sexuellen Orientierung

Welche Faktoren beim Einzelnen zur Ausbildung einer bestimmten sexuellen Orientierung führen, ist ungeklärt. Grundsätzlich können bei der Entstehung der sexuellen Orientierung zwei Hauptthesen unterschieden werden:

  • Die sexuelle Orientierung ist schon vor der Geburt festgelegt.
  • Die sexuelle Orientierung wird erst durch gewisse Identifikationsprozesse in der frühen Kindheit oder auch besondere Abläufe in der Pubertätsphase ausgeprägt.

Außerdem werden Theorien vertreten, die eine Kombination dieser beiden Thesen darstellen. Unter biologischen, evolutionären oder psychologischen Aspekten werden deshalb folgende Themen diskutiert:

  • Faktoren, die zu Homosexualität beim Menschen führen
  • Ist Homosexualität durch angeborenen Faktoren bedingt oder beeinflussen diese die Ausbildung der Homosexualität?
  • Ist Homosexualität auch oder teilweise eine Willensentscheidung?

Obwohl sich der weit überwiegende Teil der Wissenschaft darin einig ist, dass Homosexualität keine Krankheit oder Paraphilie ist, wird diese immer noch vereinzelt, häufig von religiös orientierten Gruppierungen, als abnorm oder krankhaft eingestuft und eine „Heilung“ für sinnvoll und möglich gehalten; „Therapien“ werden diskutiert und auch ausprobiert. Zu nennen ist dabei vor allem die hochumstrittene, im Umfeld evangelikaler Christen in den USA entstandene Ex-Gay-Bewegung, die so genannte Konversionstherapien zur „Umpolung“ von Homosexuellen zu Heterosexuellen propagiert und anbietet. Diese Therapien werden von der medizinischen, psychologischen und psychiatrischen Fachwelt praktisch einhellig abgelehnt und als potenziell schädlich für die Betroffenen angesehen (siehe auch unten bei Beratungsstellen).[75][76] Im US-Bundesstaat Kalifornien sind solche Therapien bei Minderjährigen seit September 2012 wegen ihres Schadpotenzials gesetzlich verboten.[77][78]

Der wissenschaftliche Streit über die Ursachen homosexuellen Verhaltens ist sehr alt. Solange jedes homosexuelle Verhalten strafbar war, waren die Argumentationen in diesem Streit oft von dem Bestreben geleitet, entweder die „Unausweichlichkeit“ homosexuellen Verhaltens zu belegen und damit die Forderung nach dessen Straflosigkeit zu begründen oder aber es als freie Entscheidung für „moralischen Verfall“ zu kennzeichnen, dem mit Bestrafung entgegengewirkt werden müsse. Auch heutige Untersuchungen zeigen, dass Menschen, die von einer angeborenen sexuellen Orientierung ausgehen, eine tolerantere Haltung gegenüber Homosexuellen haben als jene, die es als persönliche Entscheidung sehen.[79]

Teile der Lesben- und Schwulenbewegung distanzieren sich von Ursachenforschung. Die Erfahrung der letzten 150 Jahre zeigt, dass Wissenschaftler, Mediziner, Psychologen und andere sich für die Ursachen der Entwicklung sexueller Orientierungen, primär der homosexuellen Orientierung, interessiert haben. Als Teil dieser Studien haben viele versucht, Homosexuelle zu erkennen und sie zu „heilen“, wobei das behauptete Ergebnis nicht zwingend Heterosexualität sein musste. Viele homosexuelle Menschen befürchten deshalb, dass Ursachenforschung letztlich gegen sie eingesetzt werden soll, um Homosexualität als unnatürlich, abnormal oder krankhaft, beziehungsweise als Symptom einer Krankheit anzusehen. Vor allem bei Menschen bzw. Gruppierungen, die Homosexualität aus ideologischen, religiösen oder aus oft nur diffus definierbarer, persönlicher Abneigung nicht tolerieren wollen, können solche Forschungen den Drang wecken, diese einzusetzen, um Homosexualität zu beseitigen oder zumindest Homosexuelle zu erkennen und zu isolieren. Solche Befürchtungen stützen sich u.a. auf Erfahrungen, die homosexelle Männer im Dritten Reich machen mussten, in welchem man Homosexelle mittels psychologischer Experimente erkennen und mit grausamen medizinischen Menschenversuchen „zu heilen“ beabsichtigte. Selbst Menschen, denen Schwule und Lesben sympathisch sind, und aktiv unterstützende Eltern homosexueller Kindern wollen meist heterosexuelle Kinder, und sei es nur aus Angst vor den potentiell negativen Folgen von Heterosexismus und Homophobie in der Gesellschaft. Zu beachten ist auch, dass Untersuchungsergebnisse nicht in der westlichen Welt verbleiben, sondern global verfügbar sind. An einer Universität in Singapur, wo damals gleichgeschlechtliche Akte mit lebenslanger Haft bestraft werden konnten, standen die Psychiater vor der Frage, ob ein präsymptomatischer Test ohne die Möglichkeit einer Behandlung angeboten werden dürfe. Während zu Zeiten Karl Heinrich Ulrichs (1825–1895) eine angeborene biologische Ursache als gegeben hingenommen werden musste, wäre heutzutage sogar ein „homosexuelles Gen“ potentiell per Pränataldiagnostik erkennbar und man könnte darauf mit selektiver Abtreibung oder Gentherapie reagieren.[80][81][82][83] Befürworter eines Rechtes der Eltern auf Selektion sind beispielsweise Aaron S. Greenberg und J. Michael Bailey.[84][85] Kulturell wurde das Thema im 1993 uraufgeführten Stück The Twilight of the Golds / Der letzte Gold von Jonathan Tolins behandelt, welches 1997 mit alternativem Ende verfilmt wurde.

Bisweilen wird kritisiert, dass die Erforschung der sexuellen Orientierung zu stark auf die Erforschung von Homosexualität ausgerichtet sei. Gelegentlich wird auch die Ursachenforschung zur Homosexualität an sich kritisiert. Hierin wird von diesen Kritikern eine Wertung oder Pathologisierung gesehen, die auf einen heteronormativen Blickwinkel zurückzuführen sei, der als soziokulturelles Konstrukt angesehen wird. Eine wertneutrale Forschung in diesem Bereich müsse das gesamte Spektrum der sexuellen Orientierungen im Blick haben. Biologische Ursachenforschung, die sich im Wesentlichen auf die gleichgeschlechtliche sexuelle Orientierung konzentriere, würde einen Rechtfertigungszwang für bestimmte Verhaltensweisen einschließen und Moralvorstellungen von „richtiger“ oder „falscher“ Sexualität transportieren.[86][87][88][89][90]

Eine fundierte Zusammenfassung und Kritik der aktuelleren Ansätze und Untersuchungen zur männlichen Homosexualität lieferte etwa Robert Allen Brookey 2002 mit seinem Band Reinventing the Male Homosexual. The Power and Rhetorics of the Gay Gene.

In einer statistischen Studie aus Schweden von 2008 mit Daten eineiiger Zwillinge, von denen mindestens einer irgendwann einmal einen gleichgeschlechtlichen Sexualpartner hatte (7 % aller Zwillinge), wurde ermittelt, welche Faktoren – unabhängig von der sexuellen Orientierung, über die keine verbindliche Aussage getätigt werden konnte – die Auswahl des Partnergeschlechts beeinflussen. Pauschal errechneten sie einen anteiligen Einfluss von 0–17 % für das gemeinsame Umfeld, 18–39 % für (gemeinsame) genetische Faktoren und 61–66 % für individuelle Lebensumstände. Diese individuellen Lebensumstände beginnen schon während der Schwangerschaft und können durchaus biologische Faktoren beinhalten. Als weitere Faktoren können beispielsweise physische und psychische Traumata, Peergroups und sexuelle Erfahrungen eine Rolle spielen. Aufgesplittet nach Geschlechtern ist bei Männern der genetische Anteil stärker (35 % zu 18 %) und das gemeinsame Umfeld hat so gut wie keine Auswirkung auf das Sexualverhalten (bei Frauen 16 %).[91][92]

Nach einem Schlaganfall kann es zu Persönlichkeitsveränderungen kommen. Neben üblichen, teilweise temporären Veränderungen, die als Defizit wahrgenommen werden, wie beispielsweise Depressionen, Apathie, Ängstlichkeit, Labilität und Impulsivität[93] kann seltener vermeintlich ein fremder Akzent angenommen werden, sich der Kunststil ändern[94] oder überhaupt erst sich ein künstlerisches Talent zeigen.[95] Noch seltener soll es zu einer Veränderung der sexuellen Orientierung kommen können – in beide Richtungen:

  • Ein Mann war sich seit seiner Jugend seiner gleichgeschlechtlichen Anziehung bewusst, hatte gleichgeschlechtliche Erlebnisse und auch längere Zeit einen gleichgeschlechtlichen Partner. Mit 53 Jahren hatte er einen Schlaganfall; sechs Monate danach beklagte er erstmals eine Veränderung seiner Persönlichkeit, Interesse, Stimmungsschwankungen und heterosexuelle Bedürfnisse. Der Patient bezeichnet sich heute als bisexuell. Die Autoren der Fallstudie halten eine Änderung ausschließlich aufgrund des psychologischen Effektes der Erkrankung für unwahrscheinlich, da er im unmittelbaren sozialen Umfeld und der Familie trotz seiner homosexuellen Orientierung akzeptiert gewesen sei, berichten jedoch gleichzeitig von Alkoholproblemen und Depressionen des Patienten.[96]
  • Der ehemalige Bankangestellte und Rugby-Spieler, mit nach der Selbstauskunft und Außenwahrnehmung, durchwegs heterosexueller Orientierung, berichtet von ersten Veränderungen nach einem Schlaganfall. Er habe plötzlich andere Interessen entwickelt und interessiere sich nicht mehr für Rugby. Sein Freundeskreis und Lebensstil änderte sich; seine Arbeit empfand er als langweilig und erlernte den Beruf des Friseurs. Er entdeckte seine gleichgeschlechtlichen Gefühle und interessierte sich nach eigenem Bekunden fortan nicht mehr für Frauen. Sein Problem sei, dass ihm sein Freundes- und Bekanntenkreis nicht abnehmen würden, dass die Veränderungen durch den Schlaganfall verursacht seien.[97][98][99]

Abgesehen von den bisher angeschnittenen Ursachen kann es bei der der Behandlung verschiedener Krankheiten mit Dopaminagonisten bei bestimmten Personen zu Nebenwirkungen wie Hypersexualität und kompulsivem homosexuellem Verhalten kommen. Dabei ist keine homosexuelle Orientierung gegeben. Nach Absetzen des Medikaments verschwinden die Symptome wieder.

Genetik

Der Zwillingsforscher Franz Josef Kallmann befragte in den 1950er Jahren männliche Zwillingspaare. Bei dieser Stichprobe ermittelte er, dass von 40 eineiigen und 45 zweieiigen männlichen Zwillingspaaren, von denen mindestens ein Bruder sich selbst als schwul bezeichnete, bei 100 Prozent der eineiigen Zwillinge der andere Bruder sich ebenfalls als schwul definierte und dass bei den zweieiigen Zwillingen diese in diesem Punkt der allgemeinen männlichen Bevölkerung glichen.[100] Andere wie Willhart S. Schlegel fanden ähnliche genetische Komponenten der sexuellen Orientierung. Spätere Forschungsarbeiten der 1960er Jahre kamen zu verschiedenen Ergebnissen: Einige konnten einen Zusammenhang zur Zygozität finden, während andere keinen Unterschied zwischen eineiigen Zwillingen, zweieiigen Zwillingen und Adoptivgeschwistern feststellten.[101][102]

1993 brachte der US-amerikanische Forscher Dean Hamer einen genetischen Marker auf dem X-Chromosom mit Homosexualität in Verbindung.[103][104] Die Annahme bestätigte sich zunächst, weil eineiige Zwillingsbrüder, die diesen Chromosomenabschnitt trugen, beide schwul waren. Spätere Forschungsarbeiten der gleichen Forschungsgruppe konnte dieser Zusammenhang allerdings nicht bestätigen.[105][106] Gemäß Studie 1991 und 1993 der Forschungsgruppe um Bailey et al. hatte zum Ergebnis, dass eineiige Zwillinge häufiger beide homosexuell sind als zweieiige. Definierte sich ein eineiiger Zwilling als gleichgeschlechtlich orientiert, so stimmte dies zu etwa 50 Prozent mit der Selbstdefinition seines Zwillingsgeschwisters überein; bei zweieiigen Zwillingen waren es nur 20 bis 25 Prozent, deren angegebene sexuelle Orientierung übereinstimmte.[107][108] Diese Arbeiten, wurden, wie auch jene von Kallmann und Schlegel, als methodisch fehlerhaft kritisiert – so wurde die Zygozität der Zwillinge (eineiig oder zweieiig) nicht molekulargenetisch bestimmt, sondern anhand eines Fragebogens nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden im Verhalten. Eine der neuesten und größten Zwillingsstudien ist eine schwedische aus dem Jahr 2010. Dort wurden alle Zwillingspaare, die zwischen 1959 und 1985 geboren wurden, in die Studie einbezogen. Eine Übereinstimmung bezüglich Homosexualität zwischen beiden Geschwistern ergab sich bei männlichen eineiigen Zwillingen in 9,9 Prozent der Fälle (wenn also ein Zwilling homosexuell war, war es in 9,9 Prozent der Fälle auch der zweite). Bei den zweieiigen männlichen Zwillingen traf dies auf 5,7 Prozent zu. Bei den weiblichen Zwillingen ergaben sich die folgenden Werte: bei eineiigen 12,1 Prozent, bei zweieiigen 9,3 Prozent.[109]

Bei allen Untersuchungen ist zu beachten, dass eine homosexuelle Neigung nicht immer sicher festgestellt werden kann. Manche Probanden verschweigen aus Scham eine ihnen bewusste homosexuelle Orientierung, andere sind sich ihrer noch nicht bewusst oder haben sie sich noch nicht eingestanden („inneres Coming-out“). Das führt dazu, dass die Zahl homosexuell empfindender Probanden in den Studien regelmäßig geringer erscheint, als sie tatsächlich ist. Erschwerend kommt hinzu, dass die Anzahl der Probanden in sämtlichen Studien nur gering war.

Es gibt Hinweise dafür, dass eine genetische Veranlagung zur bzw. Empfänglichkeit zumindest für männliche Homosexualität existiert, aber es gibt wohl kein einzelnes Homosexualitäts-Gen. Wie groß der Einfluss der Gene tatsächlich ist, ist zwar noch unbekannt, es kann jedoch ausgeschlossen werden, dass die Gene keine Rolle spielen. Denkbar sind unter anderem eine Kombination von verschiedenen Erbfaktoren, eine Kombination von Erbfaktoren und hormoneller Prägung während der Schwangerschaft oder auch eine Kombination genetischer und sozialer Faktoren.

Nach einer Hypothese von William R. Rice, Urban Friberg und Sergey Gavrilets aus dem Jahr 2012 könnte die Entstehung der menschlichen Homosexualität durch epigenetische Vererbung verursacht sein. So würde bei einigen Individuen die sexuelle Präferenz der Mutter an den Sohn und die Präferenz des Vaters auf die Tochter übertragen. Das passiere dann, wenn die Epi-Marks bei den Genen, die für die sexuelle Ausrichtung verantwortlich sind, bei der Keimzelle erhalten blieben. So bilde dann beispielsweise ein Embryo zwar männliche Geschlechtsorgane aus, die sexuelle Ausrichtung auf das männliche Geschlecht wäre aber dieselbe wie bei der Mutter. Die Homosexualität des Menschen ist nach dieser Hypothese angeboren. Die Hypothese erklärt, weshalb das Vorkommen von Homosexualität beim Menschen über die Zeit statistisch stabil bleibt. Nach dieser Hypothese entsteht die homosexuelle Prägung bei jedem Individualzyklus neu und darum stirbt sie evolutionär nicht aus, obwohl die meisten homosexuellen Menschen keinen eigenen Nachwuchs haben. Die Autoren der Studie geben allerdings an, dass es sich nur um eine Hypothese handele, hingegen derzeit keine empirischen Befunde für einen Zusammenhang von Homosexualität und Epigenetik sprechen würden.[110][111] Eine kritische Analyse der Studie von Rice et al. hat Heinz J. Voss vorgenommen.[112]

Endokrinologie

Eine Theorie, die auf Forschungsarbeiten des deutschen Endokrinologen und Sexualwissenschaftlers Günter Dörner zurückgeht, besagt, dass Stresshormone in der Schwangerschaft für Homosexualität verantwortlich sind. Bei männlichen Föten verhindern sie, dass deren Gehirn, das zunächst keine Unterschiede zu einem weiblichen hat, durch bestimmte Hormone ein männliches Geschlecht bekommt. Diese das Gehirn modifizierenden Hormone „vermännlichen“ das Gehirn des männlichen Babys normalerweise in der Schwangerschaft in drei Phasen, von denen jede durch Stress gestört werden kann. Zur lesbischen Anlage findet sich eine analoge Aussage, nämlich, dass diese das Produkt von sehr „entspannten“ Müttern sind, deren Vermännlichungshormone mangels Stress seltener ausgeblieben sind.

Allerdings wenden Kritiker dieser und ähnlicher Theorien ein, dass es sich bei der Annahme, dass schwule Männer irgendwie „weiblicher“ sein müssten als heterosexuelle, oder lesbische Frauen „männlicher“, lediglich um ein heteronormatives Postulat handelt, welches keinesfalls bewiesen ist. Es erklärt ebenfalls nicht, warum schwule Männer einen anderen „verweiblichten“ Mann gegenüber einer „vermännlichten“ Frau als Partner bevorzugen sollten (siehe auch Straight Acting).

In einer Veröffentlichung der schwedischen Forscher Ivanka Savic und Per Lindström vom Karolinska-Institut in Stockholm in der Zeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ wird von Unterschieden in der Gehirnstruktur von homosexuellen und heterosexuellen Menschen berichtet.[113] Darin wird beschrieben, dass die Gehirne von homosexuellen Frauen und heterosexuellen Männern eine ähnliche Asymmetrie aufweisen, da die rechte Hirnhälfte ein wenig größer ist als die linke. Bei homosexuellen Männern und heterosexuellen Frauen fanden sich keine solchen Größenunterschiede.

Weiterhin wird von unterschiedlich stark ausgeprägten Nervenzellverbindungen in der Amygdala, einem Teil des limbischen Systems, berichtet. Hier zeigten sich die gleichen Zusammenhänge wie bei den unterschiedlichen Gehirngrößen: In den Gehirnen von homosexuellen Frauen und heterosexuellen Männern waren die Amygdala-Verbindungen in der rechten Hirnhälfte stärker ausgeprägt als in der linken. Bei homosexuellen Männern und heterosexuellen Frauen waren die Amygdala-Verbindungen in der linken Hirnhälfte ausgeprägter. Diese lassen sich, so die Forscher, bereits bei Babys unmittelbar nach der Geburt nachweisen.

Genetische Unterschiede, so die Forscher, seien wahrscheinlich nicht für diese Unterschiede verantwortlich, ebenso wenig Wahrnehmung und erlerntes Verhalten. Welche Mechanismen für die unterschiedliche Entwicklung verantwortlich sind und, ob diese pränatal oder erst unmittelbar nach der Geburt eine Rolle spielen, ist nicht bekannt.[114] Wilson/Rahman sprechen sich jedoch gegen die durch diese Studie implizierte Annahme aus, homosexuelle Männer hätten „weibliche“ Gehirne und homosexuelle Frauen „männliche“, was nur gängigen Stereotypen entspräche. Sie postulieren, homosexuelle wie heterosexuelle Menschen besäßen eine mosaikartige Gehirnstruktur, bestehend aus männlichen und weiblichen Anteilen.[115]

1996 veröffentlichten Anthony Bogaert und Ray Blanchard von der Brock University in Kanada eine Untersuchung, wonach statistisch gesehen jüngere Brüder eher homosexuell werden als ältere Brüder.[116] Nach ihren Daten steigt die Wahrscheinlichkeit der Homosexualität bei jedem weiteren männlichen Nachkommen um ein Drittel. In einer Nachfolgeuntersuchung konnte Bogaert zudem belegen, dass dieser Effekt nicht nachträglich durch familiäre Verhältnisse (zum Beispiel Adoption) beeinflusst wird, sondern ein rein biologischer Effekt ist. Bogaert vermutet, dass beim Tragen des ersten männlichen Kindes gewisse unbekannte biochemische Prozesse bei der Mutter ausgelöst werden, die sich bei jedem weiteren männlichen Nachkommen verstärken und zu diesem Effekt führen.

Evolutionstheorie

Unter der Annahme, Homosexualität sei genetisch disponiert oder die Ausbildung sei genetisch mit beeinflusst, wird die Frage nach dem evolutionären Nutzen gestellt, da Eigenschaften, welche die Fortpflanzung einer Art verringern, als schädlich eingestuft werden. Da die als wahrscheinlich anzusehende Häufigkeit von Homosexualität als nicht vernachlässigbare Größe angesehen werden kann, wird in der Wissenschaft die Frage erörtert, ob Homosexualität oder homosexuelles Verhalten, gerade auch in sozial lebenden Arten, einen evolutionären Vorteil haben könnte, oder aber die offensichtlichen Nachteile bezüglich der Vermehrungsraten durch andere Vorteile oder Verhaltensweise kompensiert werden könnten.

Verschiedene Thesen und Untersuchungsergebnisse werden erörtert:

  • Der Verzicht auf eigene Kinder könnte durch Verwandtenselektion der Sippe dienen, da sie dafür sorgt, dass sich eine größere Anzahl von Menschen um die Nachkommen kümmern kann. Dies könnte bewirken, dass der Verzicht auf eigene Kinder auch der Mitversorgung der genetisch nahe verwandten Neffen und Nichten dient, und somit auch den eigenen Genen den Fortbestand erleichtert (siehe auch Das egoistische Gen). Diese Theorie erklärt allerdings nicht den evolutionstheoretischen Nutzen der Homosexualität, da asexuelles Verhalten oder Veranlagung den gleichen Effekt hätten.[117]
  • Weibliche Verwandte homosexueller Männer scheinen fruchtbarer zu sein. Eine Studie der Universität Padua kam zu dem Ergebnis, dass weibliche Verwandte mütterlicherseits mehr Nachkommen haben als der Durchschnitt. Unter der Voraussetzung, dass Gene, welche auch zur Ausbildung der Homosexualität beitragen, mütterlicherseits vererbt werden und auch für die höhere Fruchtbarkeit verantwortlich sind, könnte dies den Nachteil kompensieren oder sogar überkompensieren.[118][119]

Homosexuelles Verhalten bei Tieren

Australische Trauerschwäne
Stockenten

Homosexuelles Verhalten kommt auch bei Tieren vor[120] und kann im Tierreich „als nahezu universelles Phänomen“ bezeichnet werden.[121] Bei ca. 1500 Tierarten wurde gleichgeschlechtliches Verhalten festgestellt, wobei ca. ein Drittel dieser Fälle gut dokumentiert ist.[122] Homosexuelles Verhalten lässt sich beispielsweise bei den Bonobos beobachten, die über eine für Menschenaffen ungewöhnliche matriarchale Organisationsstruktur verfügen. Darüber hinaus kann man Bonobos belegbar als grundsätzlich bisexuelle Tierart betrachten. Mehr als für männliche Homosexualität sind Bonobos vor allem für ihren Lesbianismus bekannt.

Einige Trauerschwäne Australiens bilden sexuell aktive männliche Paare, die entweder Nester stehlen oder zeitweilige Dreierbeziehungen mit Weibchen eingehen, um in den Besitz von Eiern zu gelangen. Sobald die Eier gelegt sind, wird das Weibchen vertrieben. Der von homosexuellen Paaren aufgezogene Nachwuchs erreicht das Erwachsenenalter dabei häufiger als derjenige von gemischtgeschlechtlichen Paaren.

Im Zoo von Bremerhaven lebten um 2006 drei homosexuelle Paare von Pinguinen, die auch nach dem Import mehrerer schwedischer Pinguinweibchen ihre Beziehung fortsetzen.[123] Die Ankündigung des Versuchs erregte vor allem durch die unsensible Wortwahl weltweites Aufsehen und Proteste.[124] 2009 zog eines der Paare auch ein Küken groß.[125]

Unter vielen Delfinarten gibt es zahlreiche Formen homosexuellen Verhaltens. Diese Verhaltensweisen treten unter anderem aus Gründen der Festigung von Beziehungen in einer Delfinschule sowie beim Dominanzkampf zwischen Männchen auf, zeigen sich also in verschiedenen sozialen Situationen.

Die Fachzeitschrift Nature berichtete im Oktober 2006 von der ersten wissenschaftlichen Ausstellung über Homosexualität bei Tieren im Osloer Naturhistorischen Museum. Dort ist z. B. von zwei männlichen Walen (Südkaper) mit erigierten Penissen „bei Sexspielen“ („engaged in sexual games“)[126] und von zwei männlichen Giraffen beim erfolgreichen Versuch einer analen Penetration mit Ejakulation zu lesen. In einer Feldstudie unter männlichen Giraffen wurde sogar beobachtet, dass Homosexualität „94 percent of all observed sexual activity“[127] ausmachte (der Anteil liegt nie unter 30 %); ein Wert, der bei keiner anderen Art beobachtet wurde und trotzdem keineswegs zum Aussterben der Giraffen führt.

Service, Hilfe und Lobbying für homosexuelle Menschen

International
  • ILGA – International Lesbian and Gay Association
Deutschland

Siehe auch Homosexualität in Deutschland#Vereine und Organisationen

Österreich
  • HOSI – Die Homosexuellen Initiativen Österreichs – Wien, Linz, Salzburg, Tirol, Vorarlberg
  • Rosalila PantherInnen Graz [3]/Steiermark
  • identity queer – LesBiSchwule Gruppe an den Wiener Universitäten
  • Wiener Antidiskriminierungsstelle – Informationen der Stadt Wien für Lesben, Schwule und TransGenderpersonen
  • Rechtskomitee Lambda – Lobbygruppe zur Verbesserung der rechtlichen Situation
  • Courage-Beratung – PartnerInnen-, Familien- und Sexualberatung (Wien)
  • HoMed – Homosexuelle im Gesundheitswesen
  • Rosa Lila Villa – Lesben- und Schwulenhaus Wien
  • Jugendgruppe aqueerium [4]/Steiermark
  • Jugendprojekt Liebeist. [5]/Steiermark
Schweiz
  • Pink Cross – Nationaler Dachverband der homosexuellen Männer in der Schweiz
  • LOS – Lesbenorganisation Schweiz
  • ediagonal – Nationaler Dachverband lesbischwuler Jugendorganisationen

Siehe auch: Homosexualität in der Schweiz, Geschichte der Homosexualität in der Schweiz

Luxemburg
  • Rosa Letzebuerg
  • Cigale: Centre d’Information GAy et LEsbien
Italien (Südtirol)
Beratungsstellen

Es gibt in sehr vielen Städten Rosa Telefone, um betroffene Menschen und Angehörige zu beraten. Die Beratung erfolgt anonym. Die meisten haben bundeseinheitlich die Nummer 19446. In einigen Städten gibt es auch sogenannte Überfalltelefone für Opfer antihomosexueller Gewalt. Die meisten haben bundeseinheitlich die Nummer 19228.

Des Weiteren gibt es häufig Coming-out-Gruppen, auch speziell für Jugendliche.

Eine große Bedeutung hat mittlerweile die Onlineberatung. Sie wird von verschiedenen Trägern angeboten.

Beratungsstellen und Organisationen, die entgegen der in der Sexualwissenschaft und Psychologie weithin akzeptierten wissenschaftlichen Meinung an eine Veränderlichkeit der sexuellen Orientierung glauben und diese fördern wollen, sind eher selten. Sie gehören meist der sogenannten Ex-Gay-Bewegung an, die von christlichen Fundamentalisten in den Vereinigten Staaten als Teil eines „Kulturkampfs“ gegen die „Ausbreitung der Homosexualität“ gegründet wurde, inzwischen aber auch in Deutschland unter anderem durch die Laienseelsorgeorganisation Wuestenstrom vertreten ist. Aufgrund ihres „Potentials, Schaden zuzufügen“ (American Psychological Association) warnen viele größere psychologische und medizinische Fachverbände vor einer Teilnahme an solchen Programmen. Einige Teilnehmer solcher Programme sagen öffentlichkeitswirksam von sich, sie hätten Veränderungen in ihrer sexuellen Orientierung erfahren. Diese Veränderungen werden von Kritikern allerdings als unwahrscheinlich angesehen: Jeremy Marks, 14 Jahre lang einer der Wortführer der christlichen Ex-Gay-Bewegung in Großbritannien, hat seine Ansichten über die „Heilbarkeit“ von Homosexualität revidiert. Marks hat geäußert, dass er niemals in der Lage gewesen sei, seine sexuelle Orientierung oder die Orientierung anderer Menschen zu verändern. „Keiner der Menschen, die ich betreut habe, hat seine sexuelle Orientierung geändert, egal wie viel Mühe und Gebete er auch investiert hat“. Der ehrliche Weg bringe einen größeren Nutzen. – Selbst der wohl bekannteste Vertreter der Veränderungstheorie in Deutschland, Markus Hoffmann, Leiter der Laienseelsorgeorganisation Wüstenstrom, räumt ein, dass er auch nach längeren und erheblichen Veränderungsbemühungen immer noch homoerotische Gefühle hat. – Günter Baum, der Vorgänger von Markus Hoffmann als Leiter bei Wüstenstrom, sagt heute: „In all den Jahren bei Wüstenstrom hat sich an meinen schwulen Gefühlen nichts geändert. Ich habe mir wirklich viel Mühe gegeben“. Die Therapien seien wie eine Haartönung: „Man kann sich so viel Blond ins Haar schmieren wie man will – die eigentliche Haarfarbe kommt immer wieder durch“.

In wissenschaftlicher Hinsicht berufen sich viele dieser Gruppen auf eine vielkritisierte Studie von Robert L. Spitzer[128] aus dem Jahr 2001. Spitzer selbst hat im Jahr 2012 die Studie zurückgezogen und die daran geäußerte Kritik weitgehend bestätigt.[129] Der von der Ex-Gay-Bewegung häufig in ihrem Sinn zitierte Professor Gunter Schmidt, Sexualwissenschaftler, Sozialpsychologe und Psychotherapeut aus Hamburg, äußerte sich zur entsprechenden Verwendung eines seiner Aufsätze wie folgt:

„…[aus meinem Aufsatz] abzuleiten, Homosexuelle sollten therapeutisch umgepolt werden, ist ein dreistes oder dummes, in jedem Fall manipulatives Unverständnis meines Aufsatzes. Ich halte solche (im übrigen: aussichtslosen) Versuche, seien sie psychotherapeutisch oder somatisch oder was auch immer, für zutiefst inhuman und entsprechend für unchristlich.[130]

Finanzielle Hilfe für Gruppen und Initiativen

Literatur

Homosexualität und Gesellschaft
  • B. R. Burg (Hrsg.): Gay Warriors: A Documentary History from the Ancient World to the Present. New York 2002, ISBN 0-8147-9886-1.
  • Martin Dannecker, Reimut Reiche: Der gewöhnliche Homosexuelle: eine soziologische Untersuchung über männliche Homosexuelle in der Bundesrepublik. Frankfurt am Main 1974, ISBN 3-10-014801-0.
  • Axel Krämer: Grenzen der Sehnsucht. Eine schwule Heimatkunde. Querverlag 2005, ISBN 3-89656-115-4.
  • Stephen O. Murray: Homosexualities. Chicago/London 2000, ISBN 0-226-55195-4. (Sozioethnologischer Überblick über verschiedene Kulturen)
  • Norbert Zillich: Homosexuelle Männer im Arbeitsleben. Campus-Verlag, Frankfurt am Main 1988, ISBN 3-593-33992-7.
  • Thomas Grossmann: Eine Liebe wie jede andere. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 1981, ISBN 3-499-18451-6.
  • Bettina v. Kleist: Mein Mann liebt einen Mann. Wie Frauen das Coming-out ihres Partners bewältigen. Fallbeispiele. Ch. Links Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-86153-306-5.
  • Rüdiger Lautmann: Seminar Gesellschaft und Homosexualität. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1977, ISBN 978-351-807800-6
  • Rüdiger Lautmann (Hg.): Homosexualität. Handbuch der Theorie- und Forschungsgeschichte. Campus, Frankfurt am Main 1992, ISBN 978-359-334747-9
  • Rüdiger Lautmann: Soziologie der Sexualität: Erotischer Körper, intimes Handeln und Sexualkultur (Grundlagentexte Soziologie). Beltz Juventa 2002, ISBN 978-377-991472-3
Homosexualität und Wirtschaft
Europäische Ethnologie
  • Alan Bray: Homosexuality in Renaissance England. New York 1982, ISBN 0-231-10289-5.
  • Andrew Calimach: Lovers’ Legends. The Gay Greek Myths. Haiduk Press, New Rochelle 2002, ISBN 0-9714686-0-5.
  • Kenneth J. Dover: Homosexualität in der griechischen Antike., Übersetzt von Susan Worcester. C.H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-07374-3 (erstmals engl.: 1978)
  • Lillian Faderman: Surpassing the Love of Men: Romantic Friendship and Love Between Women from the Renaissance to the Present. New York 1998, ISBN 0-688-13330-4.
  • Michel Foucault: Der Wille zum Wissen: Sexualität und Wahrheit. Band 1. Frankfurt am Main 1993, ISBN 3-518-28316-2. Frz. Orig. La Volonté de savoir, 1976
  • John C. Hawley (Hrsg.): Post-colonial, Queer: Theoretical Intersections. Albany (NY) 2001, ISBN 0-7914-5092-9.
  • Jonathan Ned Katz: Love Stories: Sex between Men before Homosexuality. Chicago/ London 2001, ISBN 0-226-42615-7.
  • Mary McIntosh: The Homosexual Role. In: Steven Seidman (Hrsg.): Queer Theory/Sociology. Cambridge (Mass)/ Oxford 1996, ISBN 1-55786-740-2.
  • Michael Rocke: Forbidden Friendships: Homosexuality and Male Culture in Renaissance Florence. New York/ Oxford 1996, ISBN 0-19-512292-5.
Geschichte und Homosexualität
  • Robert Aldrich (Hrsg.): Gleich und anders. Eine globale Geschichte der Homosexualität. Murmann-Verlag, Hamburg 2006, ISBN 3-938017-81-3.
  • John Boswell: Christianity, Social Tolerance, and Homosexuality: Gay People in Western Europe from the Beginning of the Christian Era to the Fourteenth Century. University of Chicago Press, 2005, ISBN 0-226-06711-4. (engl.)
  • Lutz van Dijk: Homosexuelle: Zwischen Todesstrafe und Emanzipation. München 2001, ISBN 3-570-14612-X.
  • Lillian Faderman: Surpassing the Love of Men: Romantic Friendship and Love Between Women from the Renaissance to the Present. Harper Paperbacks, Neuausgabe 1998, ISBN 0-688-13330-4. (engl.)
  • Bernd-Ulrich Hergemöller: Einführung in die Historiographie der Homosexualitäten. edition diskord, Tübingen 1999, ISBN 3-89295-678-2.
  • Burkhard Jellonnek: Homosexuelle unter dem Hakenkreuz. Die Verfolgung von Homosexuellen im Dritten Reich. Verlag F. Schöningh, Paderborn 1990, ISBN 3-506-77482-4.
  • Georg Klauda: Die Vertreibung aus dem Serail. Europa und die Heteronormierung der islamischen Welt. Männerschwarm Verlag, Hamburg 2008, ISBN 978-3-939542-34-6. Rezension
  • Friedrich Koch: Sexuelle Denunziation. Die Sexualität in der politischen Auseinandersetzung. 2. Auflage, Hamburg 1995, ISBN 3-434-46229-5.
  • Martin Lücke: Männlichkeit in Unordnung. Homosexualität und männliche Prostitution in Kaiserreich und Weimarer Republik. (= Geschichte und Geschlechter; Bd. 58) Campus, Frankfurt am Main 2008, ISBN 978-3-593-38751-2 (Rezension)
  • Jan-Henrik Peters: Verfolgt und Vergessen: Homosexuelle in Mecklenburg und Vorpommern im Dritten Reich. Herausgegeben von Falk Koop im Auftrag des Landesverbandes der Lesben und Schwulen Mecklenburg-Vorpommern „Gaymeinsam e. V.“ Ingo Koch Verlag, Rostock 2004, ISBN 3-937179-95-X.
  • Andreas Pretzel, Gabriele Roßbach: Wegen der zu erwartenden hohen Strafe. Homosexuellenverfolgung in Berlin 1933–1945. Herausgegeben vom Kulturring in Berlin e. V., Verlag rosa Winkel, Berlin 2000, ISBN 3-86149-095-1.
  • Christoph Schlatter: "Merkwürdigerweise bekam ich Neigung zu Burschen". Selbstbilder und Fremdbilder homosexueller Männer in Schaffhausen 1867 bis 1970. Zürich 2002, ISBN 3-0340-0524-5.
  • Schwules Museum (Hrsg.), Akademie der Künste (Hrsg.): Goodbye to Berlin? 100 Jahre Schwulenbewegung; eine Ausstellung des Schwulen Museums und der Akademie der Künste, 17. Mai bis 17. August 1997. Berlin 1997, ISBN 3-86149-062-5.
  • Hans-Georg Stümke: Homosexuelle in Deutschland: eine politische Geschichte. München 1989, ISBN 3-406-33130-0.
  • Joachim S. Hohmann: Der heimliche Sexus: Homosexuelle Belletristik in Deutschland von 1900 bis heute. Foerster-Verlag, Berlin 1982, ISBN 3-922257-42-9.
  • Wolfgang Harthauser (Pseudonym für Reimar Lenz): Der Massenmord an Homosexuellen im Dritten Reich. In: Willhart S. Schlegel: Das große Tabu. Zeugnisse und Dokumente zum Problem der Homosexualität. Rütten und Loening Verlag, 1967, DNB 456820981.
Homosexualität und Psychologie
Homosexualität und Biologie
Homosexualität und Literatur
  • Forum Homosexualität und Literatur. Ein Periodikum des Forschungsschwerpunkts Homosexualität und Literatur im Fachbereich Sprach- und Literaturwissenschaften an der Universität – GH Siegen. Hg. von Wolfgang Popp und Gerhard Härle mit Marita-Keilson-Lauritz, Dirck Linck und Wolfram Setz. Bände 1–50. Die Blaue Eule, Essen 1987–2007.
  • Heinrich Detering: Das offene Geheimnis. Zur literarischen Produktivität eines Tabus von Winckelmann bis zu Thomas Mann. Wallstein, Göttingen 1994, ISBN 3-89244-070-0. [Durchgesehene und mit einer Nachbemerkung versehene Studienausgabe ebd. 2002.]
  • Wolfgang Popp: Männerliebe. Homosexualität und Literatur. J. B. Metzler, Stuttgart 1992, ISBN 3-476-00828-2.
  • Axel Schock: Die Bibliothek von Sodom. Das Buch der schwulen Bücher. Eichborn, Frankfurt am Main 1997.
  • Gregory Woods: A history of gay literature. The male tradition. Yale University Press, New Haven and London 1999.
Homosexualität und BDSM
  • Samois: What Color is Your Handkerchief: A Lesbian S/M Sexuality Reader. SAMOIS, Berkeley 1979.
  • Samois: Coming to Power. Writings and Graphics on Lesbian S/M. 3. Auflage, Alyson Publications, Boston 1987, ISBN 0-932870-28-7.
  • Larry Townsend: The Leatherman’s Handbook: Silver Jubilee Edition. Erweiterte Neuauflage, L. T. Publications, 2000, ISBN 1-881684-19-9.
  • Gayle Rubin: Sites, Settlements, and Urban Sex: Archaeology And The Study of Gay Leathermen in San Francisco 1955–1995. In: Robert Schmidt, Barbara Voss (Hrsg.): Archaeologies of Sexuality. Routledge, London 2000, ISBN 0-415-22365-2.
  • Pat Califia: Speaking Sex to Power: The Politics of Queer Sex. Essays. Cleis Press, 2001, ISBN 1-57344-132-5.
  • Gayle Rubin: Studying Sexual Subcultures: the Ethnography of Gay Communities in Urban North America. In: Ellen Lewin, William Leap (Hrsg.): Out in Theory: The Emergence of Lesbian and Gay Anthropology. University of Illinois Press, Urbana 2002, ISBN 0-252-07076-3.
  • Gayle Rubin: Samois. In: Marc Stein (Hrsg.): Encyclopedia of Lesbian, Gay, Bisexual, and Transgender History in America. Charles Scribner’s Sons, 2003. PDF-Download
  • Gayle Rubin: Leather Times. Samois, 2004. Online unter leatherarchives.org (PDF-Datei; 1,3 MB)

Siehe auch

 Portal: Homo- und Bisexualität – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Homo- und Bisexualität

Weblinks

 Wiktionary: Homosexualität – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Homosexualität – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Vgl. David Greenberg: The Construction of Homosexuality. Part II: The Construction of Modern Homosexuality. University of Chicago Press, Chicago 1988, S. 301–454.
  2. a b Jody Daniel Skinner: Bezeichnungen für das Homosexuelle im Deutschen – Band II, Ein Wörterbuch. Die Blaue Eule, Essen 1999, ISBN 3-89206-903-4 (zugleich Dissertation Universität Koblenz-Landau, 1998).
  3. Magnus Hischfeld: Die Homosexualität des Mannes und des Weibes. Verlag Louis Marcus, Berlin 1914, S. 10.
  4. Ernest Bornemann: Ullstein Enzyklopädie der Sexualität, Frankfurt am Main/Berlin 1990.
  5. Siehe Oxford English Dictionary und Oxford Dictionary of English Etymology (ed. by C. T. Onions), je s. v.
  6. John Boswell: Christianity, Social Tolerance, and Homosexuality. Chicago/London 1980, S. 58 f.
  7. Vgl. TNS Emnid: Presseunterlagen Eurogay-Studie „Schwules Leben in Deutschland“. Hamburg 2001.
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatSex in Australia: sexual identity, sexual attraction and sexual experience among a representative sample of adults. NCBI Resources, 2003, abgerufen am 12. April 2011.
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatCanadian Community Health Survey. Statistics Canada, 15. Juni 2004, abgerufen am 12. April 2011.
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatIntegrated household survey April 2011 to March 2012: Experimental Statistics. Office for National Statistics, 28. September 2011, S. 3, abgerufen am 4. Oktober 2012 (PDF; 123 kB, englisch).
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAnjani Chandra u. a.: Sexual Behavior, Sexual Attraction, and Sexual Identity in the United States: Data from the 2006-2008 National Survey of Family Growth. US Department of Health and Human Services, März 2011, abgerufen am 15. März 2011 (PDF; 617 kB).
  12. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatGary J. Gates: How many people are lesbian, gay, bisexual,and transgender? The Williams Institute, UCLA School of Law, April 2011, S. 3, abgerufen am 9. Oktober 2012 (PDF; 683 kB, englisch).
  13. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSexual Orientation and Health Among US Adults. National Health Statistics Reports, 15. Juli 2014, abgerufen am 16. Juli 2014 (PDF, englisch).
  14. Alfred C. Kinsey: Das sexuelle Verhalten des Mannes. S. Fischer, Berlin 1964, S. 600 f.
  15. Alfred C. Kinsey: Das sexuelle Verhalten des Mannes. S. Fischer, Berlin 1964, S. 605.
  16. Alfred C. Kinsey: Das sexuelle Verhalten des Mannes. S. Fischer, Berlin 1964, S. 327.
  17. Gunter Schmidt (Hrsg.), Jugendsexualität: Sozialer Wandel, Gruppenunterschiede, Konfliktfelder. Enke, Stuttgart 1993, S. 35.
  18. Volkmar Sigusch: Jugendsexualität – Veränderungen in den letzten Jahrzehnten. In: Deutsches Ärzteblatt. 95, Heft 20 (15. Mai 1998), S. A-1240. (online auf: bvvp.de)
  19. Schmidt (Hrsg.): Jugendsexualität, S. 35.
  20. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (Hrsg.): Jugendsexualität: Repräsentative Wiederholungsbefragung von 14- bis 17-Jährigen und ihren Eltern: Ergebnisse einer Repräsentativbefragung aus 2005. Köln 2006, S. 84.
  21. a b c Tina Gianoulis: Situational Homosexuality, in: Claude J. Summers (Hrsg.): glbtq: An Encyclopedia of Gay, Lesbian, Bisexual, Transgender, and Queer Culture (3. März 2004).
  22. Brigitte Vetter: Psychiatrie: Ein systematisches Lehrbuch. Schattauer Verlag, 2007, ISBN 978-3-7945-2566-9.
  23. Joe Kort: Straight Men who have Sex with Men (SMSM), 24. April 2008. In: Claude J. Summers (Hrsg.): glbtq: An Encyclopedia of Gay, Lesbian, Bisexual, Transgender, and Queer Culture.
  24. 6.2.2 Das Sexualverhalten Jugendlicher. In: Erwin J. Haeberle: Die Sexualität des Menschen – Handbuch und Atlas. 2., erweiterte Auflage, Walter de Gruyter, Berlin 1985.
  25. Situational Homosexuality. (PDF-Datei; 121 kB) In: Wayne R. Dynes (Hrsg.): The Encyclopedia of Homosexuality (Garland Reference Library of Social Science). Taylor & Francis, 1990, ISBN 0-8240-6544-1.
  26. Globalizing Homophobia auf: gigi.x-berg.de, erstveröffentlicht in Phase 2 Nr. 10, Dezember 2003.</ (Version vom 17. Februar 2007 im Internet Archive)
  27. Stephen Donaldson: A Million Jockers, Punks, and Queens, Stop Prisoner Rape: Sex among American Male Prisoners and its Implications for Concepts of Sexual Orientation. In: Stop Prisoner Rape. 4. Februar 1993. (Jockers, Punks, Queens – Sex unter den männlichen us-amerikanischen Gefangenen und die Konsequenzen für Theorien über sexuelle Orientierung. (PDF-Datei; 209 kB) deutsche Übersetzung bei archivtiger.de)
  28. Lucas Paoli Itaborahy: State-Sponsored Homophobia – A world survey of laws criminalising same-sex sexual acts between consenting adults. Mai 2012, S. 11–13, abgerufen am 10. Januar 2013 (PDF; 0,6 MB, englisch).
  29. Militär und Polizei bei rumänischem Gay Pride (Rik Nr. 274, Jg. 24, Juli 2008, S. 23)
  30. Tagesschau: Polen will „homosexuelle Agitation“ verbieten (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung. 14. März 2007.
  31. EU-Antidiskriminierungsrichtlinie, Art. 4, insbesondere Abs. 2 (online)
  32. Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (PDF)
  33. Vgl. Katechismus der katholischen Kirche, § 2357–2359 (online).
  34. Bistum Essen schweigt zu kritischen Fällen. Lesbisch Putzen als Verstoß gegen den Arbeitsvertrag. auf: derwesten.de, 5. November 2010.
  35. presseportal.de: Völklinger Kreis e. V.: Trotz Antidiskriminierungs-Gesetz: Kolpingwerk entlässt Mitarbeiter, weil er homosexuell ist. 28. November 2006.
  36. Kolpingwerk stellt schwulen Mitarbeiter wieder ein. auf archive.org, 27. April 2007.
  37. Instruktion über Kriterien zur Berufungsklärung von Personen mit homosexuellen Tendenzen. Abgerufen am 31. Oktober 2010.
  38. ekd.de: Theologische, staatskirchenrechtliche und dienstrechtliche Aspekte zum kirchlichen Umgang mit den rechtlichen Folgen der Eintragung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften nach dem Lebenspartnerschaftsgesetz. September 2002.
  39. Kapitel 2 (f) „Toleranz“
  40. Kapitel 3c „Durchsetzen“, 2. Absatz
  41. Kapitel I
  42. Kapitel III, 1., 1. Absatz
  43. SoldGG § 1 I
  44. SoldGG § 2 I 1
  45. AHsAB e. V. Arbeitskreis homosexueller Angehöriger der Bundeswehr
  46. Vgl. Alan Bray: The Friend. University of Chicago Press, Chicago 2006; sowie John Boswell: Same-Sex Unions in Premodern Europe. Villard Books, New York 1994.
  47. Vgl. Treitinger, Otto, Die oströmische Kaiser- und Reichsidee nach ihrer Gestaltung im höfischen Zeremoniell, Jena 1938, 195.
  48. Vgl. Agapius and Nicodemus, The Rudder (Pedalion), All the Sacred and Divine Canons, Chicago 1957, 997.
  49. Caroline Sweetman (Hrsg.): Gender in the 21st Century, Oxfam 2000, ISBN 978-0-85598-427-4, S. 83.
  50. BBC News: Thousands call for Turing apology. Abgerufen am 31. August 2009.
  51. Richard von Krafft-Ebing: Psychopathia Sexualis. 3. Auflage, Verlag von Ferdinand Enke, Stuttgart 1898, S. 216 (Digitalisiertes Buch bei archive.org)
  52. R. Lautmann, W. Grikschat, E. Schmidt (1977): Der rosa Winkel in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern. In: R. Lautmann (Hrsg.): Seminar: Gesellschaft und Homosexualität. Frankfurt am Main, Suhrkamp. S. 325–365.
  53. Jellonnek, B., Lautmann, R. (Hrsg., 2002): Nationalsozialistischer Terror gegen Homosexuelle. Paderborn: Schöningh.
  54. Fout, J. C. (2002): Homosexuelle in der NS-Zeit: Neue Forschungsansätze über Alltagsleben und Verfolgung. In: Jellonnek, B., Lautmann, R. (Hrsg.): Nationalsozialistischer Terror gegen Homosexuelle. Paderborn etc.: Schöningh. S. 163–172, bes. S. 172.
  55. Voß, H.: Biologie und Homosexualität: Theorie und Anwendung im gesellschaftlichen Kontext. Münster, S. 28–31.
  56. § 209 in Österreich: VfGH 21. Juni 2002, G 6/02
  57. Art. I Z. 19b, IX StRÄG 2002, BGBl I 134/2002
  58. Menschenrechtsgerichtshof verurteilt Österreich (PDF-Datei; 29 kB)
  59. roteskreuz.at: Wer darf Blutspenden?
  60. dkms.de: Voraussetzungen für die Organspende
  61. Bundesärztekammer.de (PDF-Datei; 80 kB): Bundesärztekammer, Erläuterungen zum Blutspende-Ausschluss von Männern, die Sexualverkehr mit Männern haben (MSM)
  62. a b Sigmund Freud Briefe 1873–1939, London 1960.
  63. Sigmund Freud: Über die Psychogenese eines Falles von weiblicher Homosexualität. In: Sigmund Freud: Studienausgabe. Band VII: Zwang, Paranoia und Perversion. Fischer TB, Frankfurt am Main 2000; ((online, S. 4) (PDF-Datei; 166 kB)
  64. Sigmund Freud: Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie. 1905.
  65. Reinhard Kreische: Homosexualität: Angst vor Fremdem. In: PP43. März 2005, S. 120.
  66. Sigmund Freud: Über die Psychogenese eines Falles von weiblicher Homosexualität. In: Sigmund Freud: Studienausgabe. Band VII: Zwang, Paranoia und Perversion. Fischer TB, Frankfurt am Main 2000, S. 261 (PDF).
  67. Ebd.
  68. Wolfgang Mertens, Bruno Waldvogel (Hrsg.): Handbuch psychoanalytischer Grundbegriffe. Kohlhammer, 2000, ISBN 3-17-014994-6.
  69. Gerhard Stumm, Alfred Pritz (Hrsg.): Wörterbuch der Psychotherapie Springer, Wien/ New York 2000, ISBN 3-211-83248-3, S. 278.
  70. Johannes Cremerius: Die Zukunft der Psychoanalyse. In: Kuster: Entfernte Wahrheit. Von der Endlichkeit der Psychoanalyse. Tübingen 1992, hier zitiert nach August Ruhs
  71. Charles Socarides: Bedeutung und Inhalt von Abweichungen im Sexualverhalten. In: Psychologie des 20. Jahrhunderts. Band II. Kindler, München 1976, S. 707–737.
  72. D. Haldeman: The Pseudo-science of Sexual Orientation Conversion Therapy. In: Angles, 4 (1), 1–4. Institute for Gay and Lesbian Strategic Studies, Washington, DC. (Online bei Archive.org; PDF-Datei; 73 kB)
  73. Deutscher Bundestag: Antihomosexuelle Seminare und pseudowissenschaftliche Therapieangebote religiöser Fundamentalisten. (PDF-Datei; 108 kB)
  74. http://findarticles.com/p/articles/mi_hb3491/is_/ai_n29218783
  75. BT-Drs. 16/8022 Bundestag: Stellungnahme der Bundesregierung zu Antihomosexuelle Seminare und pseudowissenschaftliche Therapieangebote religiöser Fundamentalisten. (PDF-Datei; 108 kB)
  76. Armin Traute, Bund Deutscher Psychologen und Psychologinnen (bpd): Christliche Sexualberatung durch Wüstenstrom e. V. – Therapie von Homosexualität, 16. Februar 2006. Weitere Auszüge veröffentlicht in:
    Armin Traute: Zur "Therapie von Homosexualität". In: Report Psychologie. ISSN 0344-9602, Nr. 31, 5. Jg., Mai 2006, S. 244–246.
  77. queer.de: Kalifornien: Homo-"Heilung" von Minderjährigen verboten.
  78. Gay ‘Conversion Therapy’ Faces Test in Courts. In: New York Times.
  79. Jane P. Sheldon, Carla A. Pfeffer, Toby Epstein Jayaratne, Merle Feldbaum, Eizabeth M. Petty: Beliefs About the Etiology of Homosexuality and About the Ramifications of Discovering Its Possible Genetic Origin. In: Journal of Homosexuality. Bd. 52, Nr. 3 & 4, 2007, S. 111–150.
  80. Timothy F. Murphy: Abortion and the Ethics of Genetic Sexual Orientation Research. In: Cambridge Quarterly of Healthcare Ethics. Nr. 4, Sommer 1995, S. 340–350.
  81. E. Stein: Choosing the sexual orientation of children. In: Bioethics. 12. Jg., Nr. 1 (Januar 1998), S. 1–24 (Online)
  82. U. Schüklenk, E. Stein, J. Kerin, W. Byne: The ethics of genetic research on sexual orientation. In: The Hastings Center report. 27. Jg., Nr 4, Juli-August 1997, S. 6–13 (Online bei Schüklenk)
  83. Garland E. Allen: The Double-Edged Sword of Genetic Determism. Social and Political Agendas in Genetic Studies of Homosexuality, 1940-1994. In: Vernon A. Rosario (Hrsg.): Science and Homosexualities. Routledge, 1997, S. 242–270 (online, passwortgeschützt)
  84. Aaron S. Greenberg, J. Michael Bailey: Parental Selection of Children's Sexual Orientation. In: Archives of Sexual Behavior. 2001, Bd. 30, Nr. 4, S. 423–437.
  85. Aaron Greenberg, Michael Bailey: Liberty Should Win: We May Choose Our Children's Sexual Orientation. Bioethics Forum. Hastings Center, 27. Juni 2007 (Antwort auf Kritik)
  86. Helmut Schelsky: Systemfunktionaler, anthropologischer und personfunktionaler Ansatz, in: Abhandlungen und Vorträge zur Soziologie von Recht, Institution und Planung, Opladen 1980, ISBN 3-531-11526-X, S. 115.
  87. Alexander Bräunig: Anthropologie des Rechts, München 2008, ISBN 978-3-638-79567-8, S. 23 ff.
  88. Hubert Markl: Biologie und menschliches Verhalten, in: Der Beitrag der Biologie zu Fragen von Recht und Ethik, 1983, ISBN 3-428-05457-1, S. 71 ff. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  89. Hubert Rottleuthner: Die Bedeutung biologischer Determinanten für das Recht, in: Beiträge zur Rechtsanthropologie, ARSP Beiheft Nr. 22, hrsg. von Ernst-Joachim Lampe, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 1985, ISBN 3-515-04452-3, S. 112 ff., 115, insbes. S. 65 ff.
  90. Christian Fläming: Die genetische Manipulation des Menschen, 1985, ISBN 3-7890-1121-5, S. 3 ff.
  91. Niklas Långström, Qazi Rahman, Eva Carlström, Paul Lichtenstein: Genetic and Environmental Effects on Same-sex Sexual Behaviour: A Population Study of Twins in Sweden. In: Archives of Sexual Behaviour. 7. Juni 2008 (Pressemitteilung)
  92. Genetics, Environment Shape Sexual Behavior. In: The Washington Post. 30. Juni 2008.
  93. Emotional and personality changes after stroke (PDF-Datei; 559 kB), Strokefoundation Australien
  94. J. M. Annoni1, G. Devuyst1, A. Carota1, L. Bruggimann, J. Bogousslavsky1: Changes in artistic style after minor posterior stroke. In: Journal of Neurology, Neurosurgery, and Psychiatry. 76. Jg. (2005), Nr. 6, S. 797–803.
  95. Steph: Stroke of Genius: Abilities Borne of Brain Damage. Web Urbanist, 12. Juli 2009.
  96. Altered Sexual Orientation Following Dominant Hemisphere Infract. In: Journal of Neuropsychiatry and Clinical Neurosciences. Bd. 21 (2009), Nr. 3, S. 353–354.
  97. Having a stroke made me gay. In: Daily Mirror. 22. September 2011.
  98. Luke Salkeld: Burly rugby player has a stroke after freak gym accident… wakes up gay and becomes a hairdresser. In: Daily Mail. 9. November 2011.
  99. Lucy Wallis: The stroke had turned me gay. auf: bbc.co.uk, 17. April 2012.
  100. F. Kallmann j.: Twin and sibship study of overt male homosexuality, in: Amer. J. Human Genet 4 (1952) S. 136–146.
  101. Kallmann, F. J. (1952): Twin and sibship study of overt male homosexuality. Am J Hum Genet., 4 (2): 136–146.
  102. Voß, H.-J.: Biologie und Homosexualität: Theorie und Anwendung im gesellschaftlichen Kontext. Münster 2013, S.51ff.
  103. Hamer D. H., Hu S., Magnuson V. L., Hu N., Pattatucci A. M. (1993): A linkage between DNA markers on the X chromosome and male sexual orientation. Science, 261 (5119): 321-7.
  104. Quarks & Co.: Ein Gen für Homosexualität?
  105. Mustanski, B. S., Dupree, M. G., Nievergelt, C. M., Bocklandt, S., Schork, N. J., Hamer, D. H. (2005): A genomewide scan of male sexual orientation. Hum Genet., 116 (4): 272-8.
  106. Voß, H.-J.: Biologie und Homosexualität: Theorie und Anwendung im gesellschaftlichen Kontext. Münster.
  107. Bailey J. M., Pillard R. C. (1991): A genetic study of male sexual orientation. Arch Gen Psychiatry, 48 (12): 1089-96.
  108. Bailey J. M., Pillard R. C., Neale M. C., Agyei Y. (1993): Heritable factors influence sexual orientation in women. Arch Gen Psychiatry, 50 (3): 217-23.
  109. Långström, N., Rahman, Q., Carlström, E., Lichtenstein, P. (2010 [Epub 2008]): Genetic and environmental effects on samesex sexual behavior: a population study of twins in Sweden. Arch Sex Behav., 39 (1): 75-80.
  110. William R. Rice, Urban Friberg, and Sergey Gavrilets: Homosexuality as a Consequence of Epigenetically Canalized Sexual Development. The Quarterly Review of Biology, Bd. 87, Nr. 4, Dezember 2012
  111. Heinz J. Voß: Epigenetik und Homosexualität. http://heinzjuergenvoss.de/Voss_2013_Epigenetik_und_Homosexualitaet__.pdf
  112. Heinz J. Voß: Epigenetik und Homosexualität. http://heinzjuergenvoss.de/Voss_2013_Epigenetik_und_Homosexualitaet__.pdf
  113. I. Savic, P. Lindström: PET and MRI show differences in cerebral asymmetry and functional connectivity between homo- and heterosexual subjects. In: Proc Natl Acad Sci USA. 2008, PMID 18559854; doi:10.1073/pnas.0801566105
  114. Gehirne von Schwulen und Frauen ähneln sich. auf: Spiegel online. 17. Juni 2008.
  115. Glenn Wilson, Quazi Rahman: Born Gay. The Psychobiology of Sex Orientation. London: Peter Owen Publishers 2005
  116. R. Blanchard, A. F. Bogaert: Homosexuality in men and number of older brothers. In: Am J Psychiatry. Band 153 (1), 1996, PMID 8540587, S. 27–31.
  117. Simon LeVay: The Sexual Brain. MIT Press, Cambridge 1993, ISBN 0-262-62093-6, S. 128 f.
  118.  Andrea Camperio-Ciani, Francesca Corna, Claudio Capiluppi: Evidence for maternally inherited factors favouring male homosexuality and promoting female fecundity. In: Proceedings. Biological sciences. 271, Nr. 1554, Royal Society of London, London 7. November 2004, ISSN 1471-2954, S. 2217–2221, doi:10.1098/rspb.2004.2872, PMC 1691850 (freier Volltext) (Abstract und Volltext).
  119. Ilka Lehnen-Beyel (ddp/bdw): Wie sich Homosexualität in der Evolution durchsetzen konnte. In: wissenschaft.de. 13. Oktober 2004, abgerufen am 26. Januar 2013.
  120. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatAlte Mythen, neue Rollen: 'Homosexualität: War „Flipper“ schwul?' In: GEO WISSEN Nr. 09/00 – Mann & Frau. GEO, abgerufen am 17. Mai 2007.
  121. Nathan W. Bailey, Marlene Zuk: Same-sex sexual behavior and evolution. In: Trends in Ecology and Evolution. Band 24, 2009, S. 439–446, doi:10.1016/j.tree.2009.03.014; siehe dazu auch eurekalert.org: „Same-sex behavior seen in nearly all animals, review finds“
  122. Susanna Bloß: Homosexualität im Tierreich. In: Geo. gesehen am 21. März 2007.
  123. LNI: Und ewig lockt der Mann: Pinguine bleiben schwul. auf: welt.de, 9. Februar 2006.
  124. Wolfgang Heumer: Schwule Pinguine erregen weltweit die Gemüter. auf: welt.de, 12. Februar 2005.
  125. Elternglück: Schwule Pinguine adoptieren Küken. auf: Spiegel online.
  126. Alison Abbott: Snapshot: But is it natural? Doors open on exhibition of animal homosexuality. In: Nature. Band 443 vom 26. Oktober 2006, S. 895.
  127. Bruce Bagemihl: Biologoical Exuberance. Animal Homosexuality and Natural Diversity. New York 2000, S. 392.
  128. Robert L. Spitzer: Can Some Gay Men and Lesbians Change Their Sexual Orientation? 200 Participants Reporting a Change from Homosexual to Heterosexual Orientation. Presentation at the American Psychiatric Association Annual Convention. New Orleans, 9. Mai 2001. Später veröffentlicht in: Archives of Sexual Behavior. Band 32(5), Oktober 2003, S. 403–417.
  129. Ted Thornhill: Psychiatrist retracts controversial study that claimed gay men and women can be turned heterosexual by therapy. In: Daily Mail. 12. April 2012.
  130. V. Hinck: „Grotesk“ – Ex-Gay-Literatur und die Wissenschaftler, auf die sie sich beruft, auf: zwischenraum.net, Juni 2005.
Dies ist ein als lesenswert ausgezeichneter Artikel.
Dieser Artikel wurde am 1. Juli 2005 in dieser Version in die Liste der lesenswerten Artikel aufgenommen.