Homosexualität in Australien

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Geografische Lage von Australien

Homosexualität ist in Australien gesellschaftlich weitgehend akzeptiert. Homosexuelle Handlungen unter Männern und Frauen stehen nicht unter Strafe. Durch den bundesweit geltenden Human Rights (Sexual Conduct) Act 1994 – Section 4 wurden homosexuelle Handlungen auch in Tasmanien legalisiert, dem einzigen Bundesstaat, der gleichgeschlechtlichen Verkehr bis dato noch nicht entkriminalisiert hatte.[1]

Antidiskriminierungsgesetze[Bearbeiten]

Antidiskriminierungsgesetze für Lesben und Schwule existieren in den Bundesstaaten New South Wales, Queensland, South Australia, Tasmanien und Victoria.

Schutzalter[Bearbeiten]

Das Schutzalter ist in Australien je nach Bundesstaat unterschiedlich angesetzt und variiert zwischen 16 und 21 Jahren. 1997 veranlassten die Regierung Australiens und der UN-Menschenrechtsausschuss eine Angleichung des Schutzalters bei homosexuellen Handlungen an das bei heterosexuellen.

Ehen und Lebenspartnerschaften[Bearbeiten]

Gesetzliche Lage zur Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften in Australien
  • Gleichgeschlechtliche Ehe
  • Eingetragene Lebenspartnerschaft
  • Unregistrierte Lebenspartnerschaften
  • Faktische Lebenspartnerschaften

Lebenspartnerschaften sind in einigen australischen Bundesstaaten und Territorien, beispielsweise in den Bundesstaaten Tasmanien,[2] South Australia[3] oder im Australian Capital Territory[4] erlaubt. Nach Ankündigung durch den sozialdemokratischen Politiker Steve Bracks hat der Bundesstaat Victoria die Einführung von Lebenspartnerschaften im Dezember 2008 umgesetzt.[5][6][7] Seit Juli 2010 sind Lebenspartnerschaften im australischen Bundesstaat New South Wales erlaubt.[8] Anfang Dezember 2011 wurden im Bundesstaat Queensland Lebenspartnerschaften parlamentarisch ermöglicht.[9] Auf Bundesebene werden dagegen keine gleichgeschlechtlichen Partnerschaften anerkannt und die gleichgeschlechtliche Ehe ist seit 2004 durch den Marriage Act verboten. Die gemeinschaftliche Adoption für gleichgeschlechtliche, verpartnerte Paare ist in den Bundesstaaten Australian Capital Territory, Western Australia und New South Wales erlaubt. Im Bundesstaat Tasmanien ist die Stiefkindadoption möglich.

Die Australian Labor Party befürwortet auf ihrem Parteitag im Dezember 2011 die landesweite Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare in Australien.[10] Der Gesetzentwurf zu bundesweiten Eheöffnung scheiterte im September 2012.[11] Im Herbst 2013 starteten mehrere Gesetzesinitiativen zur Eheschließung in den Bundesstaaten New South Wales, Victoria, South Australia und Australian Capital Territory.[12]

Im Oktober 2013 wurde im Gebiet des Australian Capital Territory die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare gesetzlich geöffnet.[13] Am 7. Dezember 2013 heirateten die ersten gleichgeschlechtlichen Paare in der Hauptstadt.[14]

Geschichte der Lesben- und Schwulenbewegung[Bearbeiten]

Die australische Organisation Daughters of Bilitis wurden 1969, inspiriert von der entsprechenden Bewegung in den Vereinigten Staaten, in Melbourne gegründet, und war die erste australische Organisation die sich für die Rechte von Lesben in Australien einsetzte. Da die Mitglieder sich einige Monate darauf von der zunehmenden Radikalisierung der amerikanischen Gruppe distanzierten, nannte sich die Organisation um in Australian Lesbian Movement.

Die Society Five wurde im Januar 1971 in Melbourne gegründet. Die Organisation war ein regionaler Ableger des bundesweit tätigen Campaign Against Moral Persecution-Netzwerks und gilt als Gründer der australischen Schwulenbewegung. Der Name der Organisation (Gesellschaft Fünf) bezieht sich auf den angenommenen Prozentsatz an Schwulen und Lesben in der Bevölkerung. 1981 löste sie sich aufgrund interner Konflikte auf.

In den späten 1970er Jahren wurden die Gay Teachers Group (Gruppe homosexueller Lehrer) und die Homosexual Law Reform Coalitionals weitere Organisationen gegründet die sich für die Gleichberechtigung Homosexueller engagierten.

Seit 1978 wird jährlich in Sydney der Mardi Gras begangen. Es ist die australische Entsprechung zum Christopher Street Day. Im Zentrum steht ein großes Straßenfest von Schwulen, Lesben, Transgendern und deren Freunden mit Parade, das im Februar/März (Sommer auf der südlichen Welthalbkugel) stattfindet. Um den Termin herum gibt es viele weitere kulturelle Veranstaltungen und Festivitäten. Inzwischen besuchen rund 450.000 Besucher die Veranstaltungen und nach einer Wirtschaftlichkeitsanalyse profitiert der Bundesstaat New South Wales mit mehr als 46 Millionen Dollar von ihnen.[15]

Erst 1997 wurde das Gesetz in Tasmanien aufgehoben, nachdem die Bundesgesetzgebung mit dem "Human Richts (Sexual Conduct) Act 1994 - Section 4" festgelegt hat, dass einvernehmlicher Verkehr zwischen Erwachsene über 18 Jahre im privaten Raum nicht bestraft werden darf.[1]

Ereignisse[Bearbeiten]

Als bei einem Fußballspiel zwischen dem Sydney FC und einem Verein aus dem Umland Anfang 2007 homophobe Parolen skandiert wurden, haben die Sydney-Fans laut Aussage von Damien Eames, dem Marketingmanager des Mardi Gras, zurückposaunt: „We are Queer! We are here! We drink a lot of beer!“ (dt.: „Wir sind andersrum! Wir sind hier! Wir trinken jede Menge Bier!“),[15] was in der Fußballszene sehr ungewöhnlich ist. (siehe auch Homophobie im Profifußball)

1994 wurde der erfolgreiche Film Priscilla – Königin der Wüste über drei Drag-Queens, die auf ihrer Fahrt quer durch Australien in einer Kleinstadt stranden, gedreht. Im Jahre 2006 wurde dieser Film als erster australischer Film für die Bühne Musical adaptiert in Sydney aufgeführt.[16] Eine US-amerikanische Filmversion dieses Stoffes wurde 1995 unter dem Titel To Wong Foo gedreht.

Im Dezember 2007 gewinnt die Labor Party unter Kevin Rudd die Parlamentswahlen; erstmals wird mit Penny Wong eine offen lesbische Frau in Australien zur Ministerin ernannt.

Der Oberste Gerichtshof Australiens hat ein Gesetz zur Homo-Ehe einkassiert. Die Richter brachten eine Regelung zu Fall, die gleichgeschlechtlichen Paaren in der Region um die Hauptstadt Canberra das Jawort erlaubte.[17]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Stefanie Heun: Gleichgeschlechtliche Ehen in rechtsvergleichender Sicht. Unter besonderer Berücksichtigung der Rechtslage in den USA, in Kanada und in Australien (Schriften zum internationalen Recht; Bd. 110). Verlag Duncker & Humblot, Berlin 1999. ISBN 3-42-809617-7 (zugl. Dissertation, Universität Frankfurt/M. 1998).
  • Raberger, Ursula: New Queer Oz. Feministische Filmtheorie und weibliche Homosexualität in zwei Filmen von Samantha Lang. VDM Verlag Dr. Müller, Saarbrücken 2009, 128 S. ISBN 978-3-639-22278-4.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Homosexualität in Australien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Human Rights (Sexual Conduct) Act 1994 - Section 4 beim Australasian Legal Information Institute
  2. Tasmania Department of Justice: Relationships Act
  3. ABC Australia: SA Upper House passes bill for same-sex rights, 7. Dezember 2006
  4. Queer.de: Abgespeckte Homo-Ehe in Canberra, 21. Mai 2008
  5. Queer.de: Victoria führt Homo-Ehe ein
  6. News.com.au: Same-sex register for Victoria (Version vom 19. Oktober 2008 im Internet Archive), 25. April 2007
  7. 365gay: Australian State Moves Closer To Gay Partner Registry
  8. StarObserver:Register opens tomorrow
  9. The Sydney Morning Herald:Bligh asks ALP to support gay marriage
  10. Advocate: Australian Labor Party supports gay marriage, 5. Dezember 2011
  11. nzz.ch: Parlament lehnt Zulassung der Eheöffnung ab
  12. queer.de:Australische Hauptstadt will Ehe öffnen
  13. queer.de:Erste australische Region öffnet die Ehe
  14. Deutsche Welle:Eheöffnung in Australien vorerst erlaubt
  15. a b Vera Sprothen: Dollar in Pink, Handelsblatt.com, 1. März 2007
  16. Rainbow Online: Welt-Premiere: Priscilla - die Königin der Wüste als Musical auf der Bühne, 25. September 2006
  17. Der Spiegel: Oberstes Gericht kippt Homo-Ehe, 12. Dezember 2013