Homosexualität in Frankreich

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Geografische Lage von Frankreich

Frankreich gilt als liberaler Staat in Europa und in der Welt, wenn es um das Thema Homosexualität geht. Die Trennung von Religion und Staat wird in der Bevölkerung und in der Regierung großgeschrieben. Seit Februar 2013 ist die Ehe auch für homosexuelle Partner zugänglich. Die zivilen Solidaritätspakte (PACS) in Frankreich sind der traditionellen Ehe in den meisten Rechten und Pflichten faktisch gleichgestellt.

Legalität[Bearbeiten]

Homosexualität wurde 1791 legalisiert und 1810 im Code pénal impérial beibehalten. Das Schutzalter wurde unter dem Vichy-Regime auf 21 Jahre für homosexuelle Beziehungen angehoben, während es bei heterosexuellen Beziehungen bei 13 Jahren blieb (1945 auf 15 Jahre angehoben). 1974 wurde das Schutzalter für homosexuelle Beziehungen auf 18 Jahre gesenkt; 1982 wurde es einheitlich auf 15 Jahre festgesetzt.

Antidiskriminierungsgesetze[Bearbeiten]

Diskriminierungen aufgrund der sexuellen Identität sind seit 1985 im französischen Arbeitsrecht und im Zivilrecht (Code civil) verboten. Homosexuelle Menschen können in der französischen Armee dienen.

Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften[Bearbeiten]

PACS (Pacte civil de solidarité) (Ziviler Solidaritätspakt), ein familienrechtliches Institut der Eingetragenen Partnerschaft, wurde 1999 von der Regierung Jospin in Frankreich für gleichgeschlechtliche und verschiedengeschlechtliche unverheiratete Paare gesetzlich zugelassen.[1] Paare, die eine PACS eingehen, erhalten die meisten Rechte und Pflichten einer Ehe. Das französische Verfassungsgericht entschied, dass die Stiefkindadoption leiblicher Kinder durch gleichgeschlechtliche Paare erlaubt ist. Jedoch war es ihnen innerhalb der ersten drei Jahre des Eingehens einer PACS verwehrt, Anträge auf Steuererklärungsrückerstattungen zu stellen. Seit 2005 ist das Stellen einer Steuererklärungsrückerstattung PACS-Paaren sofort nach Eingehen einer PACS erlaubt. Die Ehe hingegen wurde homosexuellen Paaren in Frankreich erst 2013 gesetzlich geöffnet. 2011 brachte erstmals die (damals oppositionelle) Parti socialiste (PS) einen Gesetzentwurf zur Gleichgeschlechtlichen Ehe in die Nationalversammlung ein.[2] Der Gesetzentwurf wurde von den Konservativen in der Nationalversammlung im Juni 2011 abgelehnt.[3] Im Mai 2012 gewann der PS-Kandidat François Hollande die Präsidentschaftswahl; kurz darauf gewann die Linke auch die Parlamentswahlen.

Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen[Bearbeiten]

Im Juli 2012 kündigte die französische Regierung für 2013 an, die Ehe für gleichgeschlechtlich Paare zu öffnen.[4][5] Am 29. Januar 2013 wurde der Gesetzentwurf im Französischen Parlament in Erster Lesung beraten.[6] und am 2. Februar 2013 in der Nationalversammlung in erster Lesung[7] sowie am 12. Februar 2013 in zweiter Lesung einschließlich eines gemeinschaftlichen Adoptionsrechtes angenommen.[8] Ebenso befürwortete der Senat von Frankreich am 9. April 2013 die Eheöffnung in Frankreich.[9] Am 23. April 2013 stimmte die Nationalversammlung über das Gesetz ab und nahm es mit 331 zu 225 Stimmen an.[10][11] Im Verlauf einer zunächst friedlichen Demonstration gegen den Beschluss kam es in Paris zu gewalttätigen Protesten, bei denen Polizisten tätlich angegriffen wurden. Nach Angaben des Innenministers Manuel Valls gehörten die festgenommenen Randalierer rechtsextremen Gruppen an.[12] Die Oppositionspartei UMP legte Beschwerde gegen das Gesetz vor dem Conseil constitutionnel (Verfassungsrat) ein.[10], die am 17. Mai 2013 vom Gericht abgelehnt wurde. Präsident Francois Hollande unterzeichnete das Gesetz zur Eheöffnung umgehend.[13] Am 29. Mai 2013 heiratete das erste gleichgeschlechtliche Paar in Montpellier.[14]

Gesellschaftliche Situation[Bearbeiten]

Gay Pride 2005

Es gibt in der Bevölkerung eine starke Minderheit, welche gegen die Ehe homosexueller Paare ist. So demonstrierten im März 2013 1,4 Millionen in Paris gegen einen solchen Gesetzentwurf. 1997 bewerteten 55 Prozent der Franzosen Homosexualität als „akzeptablen Lebensstil“.[15] Eine Eurobarometer-Umfrage in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union vom Dezember 2006 zeigte, dass 62 Prozent der Franzosen eine Eheöffnung unterstützen, während 37 Prozent diese ablehnen.[16] 55 Prozent glauben, dass homosexuelle Paare Eltern sein dürfen, während 44 Prozent meinen, dass sie kein Recht zur Adoption haben sollten.[17]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Homosexualität in Frankreich – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Lionel Jospin war Mitglied der PS; Jacques Chirac (zu dieser Zeit Staatspräsident) war Gaullist (UMP). Von 1997 bis 2002 bestand in Frankreich eine (die dritte) Cohabitation.
  2. Têtu: Mariage des homos: la «plaisanterie» homophobe d'une députée, 25. Mai 2011
  3. Zeit: Frankreichs Parlament lehnt Homo-Ehe ab, 15. Juni 2011
  4. Die Welt: Frankreich führt 2013 Ehe- und Adoptionsrecht für Homosexuelle ein
  5. diestandard.at: Ehe- und Adoptionsrecht für Homosexuelle kommt, 4. Juli 2012
  6. tetu.com:Mariage pour tous: le débat débute (enfin!) à l'Assemblée nationale
  7. queer.de:Frankreich: Parlament stimmt für Ehe-Öffnung
  8. zeit.de:Frankreichs Nationalversammlung stimmt für Homo-Ehe, 12. Februar 2013
  9. www.queer.de:Frankreich:Senat stimmt für Eheöffnung
  10. a b spiegel.de: Parlament beschließt ..
  11. spiegel.de
  12. Randale bei Protesten gegen Homo-Ehe, Süddeutsche Zeitung, 24. April 2013
  13. queer.de:Frankreich: Verfassungsrat erlaubt Ehe-Öffnung
  14. spiegel.de: Erste Homo-Ehe in Frankreich: Vincents und Brunos große Revolution
  15. Embassy of France in the United States: The PACS - A civil solidarity pact (Version vom 16. März 2008 im Internet Archive)
  16. Eurobarometer-Umfrage (Version vom 17. Juni 2011 im Internet Archive) (PDF-Dokument)
  17. 365gay.com: French Public Endorse Gay Marriage (Version vom 8. Januar 2007 im Internet Archive)