Homosexualität in Griechenland

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Dieser Artikel befasst sich mit der Situation im modernen griechischen Staat. Für Informationen über die Homosexualität im Griechenland der Antike siehe Homosexualität im antiken Griechenland.

Die Homosexualität wird in Griechenland zwar respektiert, gleichwohl gilt Griechenland als gesellschaftlich sich nur langsam liberalisierendes südosteuropäisches Land in Bezug auf LGBT-Themen.

Legalität[Bearbeiten]

Die einvernehmlich unter erwachsenen Männern gelebte Homosexualität wurde in Griechenland 1951 legalisiert, ist also straffrei. Nach Art. 347 des Griechischen StGB kann aber die „Unzucht“ zwischen Männern mit Gefängnis von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft werden. Um strafbar zu sein, muss die Handlung begangen werden:

  1. durch Missbrauch eines auf irgendeinen Dienst sich stützenden Abhängigkeitsverhältnisses oder
  2. von einem Manne durch Verführung eines anderen, der das 17. Lebensjahr noch nicht vollendet hat, oder
  3. aus Gewinnsucht[1]

Das Schutzalter für homosexuellen Verkehr ist dem des heterosexuellen nicht gleichgestellt (Artikel 347 des Strafgesetzbuches) und liegt bei 17 Jahren, während es für heterosexuelle Kontakte 15 Jahre beträgt.[2][3] Seit 2006 ist die männliche Prostitution legal.

Antidiskriminierungsgesetze[Bearbeiten]

Seit 2005 besteht ein Antidiskriminierungsgesetz, das eine Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung in den Bereichen Beschäftigung, Bildung, Eigentum, Gesundheitswesen, sowie Zugang zu Waren und Dienstleistungen verbietet.[4] Das Gesetz war die Umsetzung der Antidiskriminierungsvorschriften der Europäischen Union. 2004 versuchte der Griechische Nationale Rundfunkrat eine LGBT-Radiosendung zu beenden.[5]

Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften[Bearbeiten]

In Griechenland ist gegenwärtig weder eine gleichgeschlechtliche Ehe noch eine Eingetragene Partnerschaft gesetzlich zugelassen. Eine gesetzliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare staatlicherseits steht aus. Die sozialistische Partei PASOK befürwortet die Einführung einer Eingetragenen Partnerschaft. Im November 2013 wurde Griechenland vom Europäischen Gerichtshof verurteilt, weil die in Griechenland bestehende Eingetragene Partnerschaft nur für heterosexuelle Paare ausgestaltet ist.[6][7] Die griechische Regierung plant infolge des Urteils des Europäischen Gerichtshofes, die Lebenspartnerschaft in Griechenland auf gleichgeschlechtliche Paare zu erweitern.[8] Gesetzesentwürfe zur Einführung von Eingetragenen Partnerschaft scheiterten im November 2013[9] und im September 2014 [10] am Widerstand der mitregierenden, konservativen Partei Nea Dimokratia, die wegen des Drucks seitens der orthodoxen Kirche den Gesetzesentwürfen nicht zustimmte. Das Justizministerium kündigte an, eine gesetzliche Regelung zu einem späteren Zeitpunkt anzustreben.

Gesellschaftliche Situation[Bearbeiten]

Athen Gay Pride 2008

Während in der griechischen Antike die Homosexualität akzeptiert wurde, ist im christlich-orthodox geprägten modernen Staat die Haltung der Gesellschaft zurückhaltender. Insbesondere ist ein Stadt-Land-Gefälle in Griechenland zu beobachten. Eine gesellschaftliche Liberalisierung macht sich erst langsam bemerkbar. Eine LGBT-Community findet sich vorrangig in der Hauptstadt Athen (Stadtviertel Gazi) und in Thessaloniki. Die Inseln Mykonos und Lesbos (Eresos) gelten als Reiseziele homosexueller Menschen, wo sich eine LGBT-Community in den Sommermonaten findet. Ein CSD (Athens Pride) findet jährlich in Athen statt.[11] Eine Umfrage aus dem Jahre 2010 ergab, dass 63,9 % der Griechen eingetragene Partnerschaften für gleichgeschlechtliche Paare befürworten.[12]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Homosexualität in Griechenland – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • OLKE - LGBT Organisation in Athen
  • EOK - LGBT Organisation in Athen
  • NCHR - National Committee for Human Rights

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fitrakis Eft., Die Strafbarkeit der Homosexualität nach griechischem Recht, in: Essays in honour of P.Agallpoulou, Bd. 1, Ant. Sakkoulas Publishers, Athen - Komotini 2011, S. 541-554.
  2. Amnesty International: Greece: Continuing discrimination against homosexual men, 12. Oktober 2001 (Abgerufen am 27. Mai 2010)
  3. Fitrakis Eft., in: Paraskevopoulos N./ Fitrakis Eft., Sexualstraftaten. Art. 336–353 StGB (: Axiopoines Sexoualikes Praxeis, Arthra 336–353 PK), Athen - Thessaloniki 2011, S. 364 ff.
  4. ILGA Europe: Accessing Health: the Context and the Challenges for LGBT People in Central and Eastern Europe, 2006 (Abgerufen am 27. Mai 2010)
  5. ILGA: State Homophobia in Greece, 1. Februar 2005 (Abgerufen am 27. Mai 2010)
  6. queer.de:Niederlage für Österreich und Griechenland, Siege für Homo-Aktivisten in Straßburg
  7. Der Standard:Menschengerichtshof urteilt
  8. queer.de:Griechenland will Lebenspartnerschaft für Homo-Paare öffnen
  9. http://mobil.queer.de/mobil_detail.php?article_id=20539
  10. Queer.de:Griechenland: Keine "Ehe-Light" für Schwule und Lesben
  11. Sapphogr.net
  12. http://images.tanea.gr/assetservice/Image.ashx?c=15881978&r=0&p=0&t=0&q=100&v=1&s=1&w=800