Homosexualität in der Vatikanstadt

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Geografische Lage der Vatikanstadt

Die gesetzlichen Regelungen zur Homosexualität in der Vatikanstadt orientieren sich am italienischen Strafrecht in der Fassung von 1929, also zum Gründungszeitpunkt des souveränen Staates Vatikanstadt.

Rechtslage[Bearbeiten]

Im Gesetz über Rechtsquellen[1] (Legge sulle fonti del diritto)[2] vom 1. Oktober 2008 (in Kraft seit 1. Januar 2009) wird als erste Rechtsquelle und Bezugspunkt für die Auslegung das Kanonische Recht festgelegt. Weitere Hauptquellen sind die vom Vatikanstaat erlassenen Gesetze, Dekrete, Reglemente und internationalen Abkommen (Art. 1). Braucht man Regelungen für Bereiche, welche in den bisherigen Rechtsquellen keine Beachtung finden, so greift man subsidiär auf italienische Gesetze und Rechtserlasse zurück.

In der Vatikanstadt gibt es keine Strafgesetze gegen homosexuelle Handlungen, keine gesetzliche Regelung gegen Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und keine rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften oder gleichgeschlechtlicher Ehen.[3] Dies ist auf die besondere Zusammensetzung der Bevölkerung der Vatikanstadt zurückzuführen, die sich von der gewachsenen Bevölkerung anderer Staaten unterscheidet und in der Mehrzahl aus erwachsenen, zölibatär lebenden Menschen besteht. Das Schutzalter in der Vatikanstadt liegt bei 18 Jahren, für verheiratete Jugendliche gibt es Ausnahmen.

Ausländische Diplomaten, die beim Heiligen Stuhl akkreditiert werden sollen und in gleichgeschlechtlicher Partnerschaft leben,[4] werden ebenso wie Geschiedene[5] zurückgewiesen.

Lehre der katholischen Kirche[Bearbeiten]

Die Lehre der römisch-katholischen Kirche betrachtet homosexuelle Handlungen als schwere Sünde an. Sie seien „in sich nicht in Ordnung“, stellten einen „Verstoß gegen das natürliche Gesetz“ dar und seien keinesfalls zu billigen.[6][7]

Homosexuelle Menschen werden aufgefordert, keusch zu leben und als Christen „Schwierigkeiten, die ihnen aus ihrer Veranlagung erwachsen können, mit dem Kreuzesopfer des Herrn zu vereinen.“ Homosexuellen Menschen sei mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen.[6][7]

Gesellschaftliche Situation und gegenwärtige Ereignisse[Bearbeiten]

Am 13. Januar 1998 zündete sich der schwule italienische Schriftsteller Alfredo Ormando auf dem Petersplatz an, um gegen die Haltung der römisch-katholischen Kirche gegenüber Homosexualität zu protestieren. Einige Tage später verstarb er an seinen Brandverletzungen.

In der Vatikanstadt gibt es keine Einrichtungen, die homosexuelle Menschen als Zielklientel haben.

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nr. LXXI Gesetz über die Rechtsquellen (deutsche Übersetzung) vom 1. Oktober 2008 in Auswahl von Gesetzen des Vatikanstaates. Deutsche Übersetzung der italienischen Originaltexte, vaticanstate.va
  2. Nr. LXXI Legge sulle fonti del diritto, vatican.va
  3. Rechtskomitee Lambda: Rechtsvergleich, Stand: 29. August 2005
  4. pinknews.co.uk: Vatican blocks appointment of gay diplomat, 2. Oktober 2008
  5. Wikinews: Vatican accepts Juan Pablo Cafiero as Argentine Ambassador, 28. September 2008 (englisch)
  6. a b Vatikan: Katechismus der Katholischen Kirche 2357-2359, Stand: 11. Oktober 1992
  7. a b Kongregation für die katholische Erziehung: Instruktion über Kriterien zur Berufungsklärung von Personen mit homosexuellen Tendenzen im Hinblick auf ihre Zulassung für das Priesterseminar und zu den Heiligen Weihen (Memento vom 17. April 2009 im Internet Archive), 4. November 2005, auf HuK.org