Honigfresser

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Honigfresser
Tui (Prosthemadera novaeseelandiae)

Tui (Prosthemadera novaeseelandiae)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeri)
Familie: Honigfresser
Wissenschaftlicher Name
Meliphagidae
Vigors, 1825

Die Honigfresser (Meliphagidae) bilden eine artenreiche Familie in der Ordnung der Sperlingsvögel (Passeriformes). Je nach Autor umfasst die Familie 172 bis 182 Arten in 42 Gattungen. Charakteristisch bei den meisten Arten dieser Singvogelfamilie ist der lange nach vorne gebogene Schnabel, der hervorragend zur Nahrungsaufnahme von Pollen und Honig dient.

Merkmale[Bearbeiten]

Die Körpergröße und Schnabelform der verschiedenen Arten der Honigfresser können sehr unterschiedlich sein. Auch die Gefiederfarbe hat ein breites Spektrum. Sie verfügen über eine lange Zunge, die an ihre Ernährungsweise angepasst ist. Die Zunge kann weit hervorgestreckt werden und ist an der Spitze gespalten und mit zahlreichen Fransen bestückt. Ähnlich einem Pinsel wird damit der Nektar aufgefangen. Die Aufnahme des Nektars wird durch die an der Zungenbasis eingerollte Zunge erleichtert.

Die Gesänge werden meist zur Revierabgrenzung eingesetzt und können sehr eindrucksvoll sein, wie bei den Honigschmeckern (Melithreptus). Der Tui, wegen seiner weißen Federn am Hals auch Priestervogel genannt, hat die Fähigkeit, nicht nur Gesänge verschiedener Arten von Singvögeln nachzuahmen, er kann auch Stimmen anderer Tiere imitieren.

Ernährung[Bearbeiten]

Sie ernähren sich wie die Nektarvögel von Pollen und Nektar und übernehmen dabei bei manchen Pflanzen die Rolle des Pollenüberträgers. Auch Insekten, Beeren und Früchte stehen auf dem Speiseplan.

Fortpflanzung[Bearbeiten]

Die Nester mit ein bis zwei Eiern sind meist napfförmig, die nach oben offen oder geschlossen sind und einen seitlichen Eingang besitzen. Sie werden auf Bäume und Sträucher angelegt. Für den Nestbau verwenden sie Gras, Rinde, Pflanzenfasern oder auch Moos, Farne, Blätter und Zweige.

Verbreitung[Bearbeiten]

Honigfresser sind in Australien, Neuguinea, einigen der Kleinen Sundainseln, Neuseeland und auf vielen Inseln im Südpazifik in vielen unterschiedlichen Lebensräumen verbreitet und bewohnen meist Bäume.

Bestand und Gefährdung[Bearbeiten]

Der Chatham-Glockenhonigfresser (Anthornis melanocephala), der zeitweise als Unterart des Maori-Glockenhonigfressers (Anthornis melanura) betrachtet wurde, wurde zuletzt 1906 gesichtet. Mehrere von BirdLife International als gefährdet gelistete Arten haben ein sehr kleines Verbreitungsgebiet und sind durch Lebensraumverlust bedroht. Hierzu zählen der Malleeschwatzvogel, der Warzenhonigfresser, der Maohonigfresser, der Rotgesichthonigfresser und der Morotailederkopf. Vom australischen Büschelohrhonigfresser (Lichenostomus melanops cassidix), einer Unterart des Gelbstirnhonigfressers (Lichenostomus melanops), zählte man im Jahre 2000 weniger als 100 Individuen, darunter 37 Brutpaare.

Änderungen in der Systematik[Bearbeiten]

In den letzten Jahren hat es mehrere taxonomische Änderungen innerhalb der Familie der Honigfresser gegeben. Ursprünglich zählte der neuseeländische Gelbbandhonigfresser oder Hihi (Notiomystis cincta) zu dieser Familie. Genetische Analysen ergaben jedoch eine nähere Verwandtschaft zu den Lappenvögeln, so dass er 2007 in die eigenständige Familie Notiomystidae gestellt wurde. Für fünf ausgestorbene Taxa – den Schmalfederhonigfresser (Chaetoptila angustipluma) und alle vier Arten der Krausschwänze (Moho) – wurde 2008 die neue Familie Mohoidae geschaffen, da diese Vögel nicht, wie irrtümlich angenommen, von australischen Honigfressern abstammen, sondern von neuweltlichen Verwandten der Seidenschwänze, die vor über 17 Millionen Jahren die Hawaii-Inseln erreichten. Zwei Brillenvogelarten – der Goldbrillenvogel (Cleptornis marchei) und der Bonin-Brillenvogel (Apalopteron familiare) – wurden früher ebenfalls als Vertreter der Honigfresser angesehen.[1][2] Der MacGregor-Honigfresser (Macgregoria pulchra) wurde ursprünglich als Paradiesvogel betrachtet. Aufgrund von Molekularuntersuchungen, die auf Ähnlichkeiten mit den Honigfressern der Gattung Melipotes schließen lassen, wurde er im Jahre 2000 in die Familie der Honigfresser transferiert. Die afrikanischen Proteavögel (Promeropidae), die wahlweise als Unterfamilie der Nektarvögel oder der Honigfresser galten, werden seit 2005 als eigenständige Familie betrachtet. Auch die taxonomische Stellung der Trugschmätzer war lange Zeit unklar. Sie wurden wahlweise als Vertreter der Drosseln oder als eigene Familie Ephthianuridae klassifiziert. Nach derzeitiger Forschermeinung gehören die beiden Gattungen der Trugschmätzer nun zu den Honigfressern.

Gattungen und Arten[Bearbeiten]

Rotlappen-Honigfresser (Anthochaera carunculata)
Zimtflügel-Honigfresser (Anthochaera chrysoptera)
Glockenhonigfresser (Anthornis melanura)
Blauohr-Honigfresser (Entomyzon cyanotis)
Dreistreifen-Honigfresser (Lichenostomus chrysops)
Purpurzügel-Honigfresser (Lichenostomus cratitius)
Schwarzkehl-Honigfresser (Lichenostomus leucotis)
Braunhonigfresser (Lichmera indistincta)
Gelbstirn-Schwatzvogel (Manorina flavigula)
Glocken-Schwatzvogel (Manorina melanophrys)
Lärmlederkopf (Philemon corniculatus)
Weißaugen-Honigfresser (Phylidonyris novaehollandiae)
Weißohr-Honigfresser (Phylidonyris nigra)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. J. Del Hoyo, A. Elliot und D. Christie (Hrsg.): Handbook of the Birds of the World. Volume 13: Penduline-tits to Shrikes. Lynx Edicions, 2008, ISBN 978-84-96553-45-3
  2. Robert C. Fleischer, Helen F. James, Storrs L. Olson (2008): Convergent Evolution of Hawaiian and Australo-Pacific Honeyeaters from Distant Songbird Ancestors. Current Biology, Volume 18

Literatur[Bearbeiten]

  • Herausgeber: Forshaw, Joseph: Enzyklopädie der Vögel, 1999 - ISBN 3-8289-1557-4
  • J. del Hoyo, A. Elliott& D.A. Christie (Hrsg.) (2008): Handbook of the Birds of the World. Vol. 13. Penduline-Tits to Shrikes. Lynx Edicions, Barcelona, ISBN 978-84-96553-45-3

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Honigfresser – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien