Horace Greeley

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Horace Greeley in späteren Jahren
Redaktionsstab der New York Tribune, etwa 1850. Sitzend von links: George M. Snow, Bayard Taylor, Horace Greeley, George Ripley, stehend von links: William Henry Fry, Charles Anderson Dana, Henry J. Raymond

Horace Greeley (* 3. Februar 1811 in Amherst (New Hampshire); † 29. November 1872 in Pleasantville (New York), war ein US-amerikanischer Zeitungsverleger, Politiker und Gegner der Sklaverei.

Inhaltsverzeichnis

Leben [Bearbeiten]

Nach dem Schulbesuch ging Horace Greeley von 1826 bis 1830 bei einem Drucker in Poultney (Vermont) in die Lehre. Ab 1831 übte er diesen Beruf zunächst in Erie und später in New York City aus. Er gab ab dem 1. Januar 1833 die „Morning Post“ heraus, die jedoch schon bald wieder eingestellt wurde; von 1834 bis 1841 verlegte er dann den „New Yorker“. Außerdem war er im Jahr 1840 als Redakteur der „Log Cabin“ tätig.

1841 gründete Greeley die New York Daily Tribune, die mit ihrer seriösen Berichterstattung neue Maßstäbe im amerikanischen Journalismus setzte. Sie galt als führendes Blatt der Whig Party, die dank ihrer starken Stellung in New York die Wahl des demokratischen Präsidentschaftskandidaten 1848 verhinderte. Zu den engsten Mitarbeitern Greeleys gehörten Charles Anderson Dana und Henry J. Raymond, der nach seinem Ausscheiden die New York Times gründete (1851). Greeley war auch als Politiker aktiv und wurde für die Whigs 1848 ins US-Repräsentantenhaus gewählt. Nach der Vereinigung der Whig Party mit der Free Soil Party und anderen oppositionellen Kräften 1854 zur Republikanischen Partei[1] vertrat die Tribune nun auch deren Grundsätze.

Als einer der führenden Abolitionisten trat Greeley vor und während des Bürgerkrieges für die Abschaffung der Sklaverei im Süden der Vereinigten Staaten ein. Er war ein kritischer Unterstützer der Politik Abraham Lincolns, griff den Präsidenten aber mehrfach publizistisch wegen des in seinen Augen zu zögerlichen Vorgehens in der Sklavenfrage an.

Im August 1862 schrieb Greeley einen Brief an Lincoln, in dem er sich von Lincolns Politik zur Sklaverei, die am Anfang des Bürgerkrieges keine Befreiung vorsah, enttäuscht zeigte. Er versuchte Lincoln mit dem Argument zu überzeugen, dass die Schwarzen als Pfadfinder, Kundschafter und Spione entscheidend für den Krieg gegen die Südstaaten sein könnten.[2] Aus einem offenen Antwortbrief, den Lincoln am 22. August 1862 an Greeley in dessen Eigenschaft als Herausgeber der Tribune schrieb, stammen die bis heute viel zitierten Sätze zu den Kriegszielen des Präsidenten[2]:

„Mein oberstes Ziel in diesem Krieg ist es, die Union zu retten; es ist nicht, die Sklaverei zu retten oder zu zerstören. Könnte ich die Union retten, ohne auch nur einen Sklaven zu befreien, so würde ich es tun; könnte ich sie retten, indem ich alle Sklaven befreite, so würde ich es tun; und könnte ich die Union retten, indem ich einige Sklaven befreite und andere nicht, so würde ich auch das tun. Alles, was ich in Bezug auf die Sklaverei und die Schwarzen tue, geschieht, weil ich glaube, dass es hilft, die Union zu retten.“

1872 kandidierte Greeley selbst für die Präsidentschaft. Er trat als Kandidat der Demokraten und einer Abspaltung der Republikaner, der Liberal Republican Party, gegen den amtierenden republikanischen Präsidenten Ulysses S. Grant an, nachdem er sich mit dem radikalen Flügel der Partei über die Frage der Reconstruction entzweit hatte; sein Running Mate als Anwärter auf die Vizepräsidentschaft war B. Gratz Brown. Die Demokratische Partei nominierte ihn, da ihre führenden Mitglieder fürchteten, ein eigener Kandidat würde die Gegnerschaft von Präsident Grant spalten, womit das Ziel, diesen abzulösen, nicht erreicht werden könnte. Die Delegierten der Democratic National Convention in Baltimore schlossen sich dieser Ansicht an und gaben ihm 686 von 724 Stimmen, waren insgesamt aber wenig begeistert, Greeley zu nominieren, der ihre Partei in den Jahren zuvor publizistisch stets hart attackiert hatte.

Greeley erhielt 44 % der Wählerstimmen (Grant: 56 %), doch starb er schon vor dem Zusammentreten des Wahlmännerkollegiums, so dass er lediglich drei ungültige Stimmen erhielt, während sich „seine“ Wahlmänner auf vier andere Politiker der Demokraten verteilten. Rechnerisch hätte er ein Ergebnis von 66 von 352 erwarten können; er hätte also sicher verloren. Greeley wäre aufgrund seines Todes dennoch nicht Präsident geworden, hätte er die Wahl gewonnen.

Wirkung [Bearbeiten]

Der noch heute berühmte Slogan Go West, Young Man!, der zur Besiedelung des amerikanischen Westens aufrief, wird gemeinhin Horace Greeley zugeschrieben, so z. B. im Vorspann des Marx-Brothers-Films Go West (dort zitiert mit dem Jahr 1851).

Greeley taucht als Comic-Figur in dem Lucky-Luke-Band 45 Der Daily Star und im Die-blauen-Boys-Band 28 Aufruhr in New York auf. Im Western Der Mann, der Liberty Valance erschoß, beruft sich der von James Stewart gespielte Anwalt Ransom Stoddard auf Greeley und dessen auffordernden Ratschlag „Go West, Young Man!“, den ihm dieser persönlich erteilt habe.

Die Eltern des späteren deutschen Reichsbankpräsidenten Hjalmar Schacht (1877–1970), gaben ihrem Sohn die Namen „Horace Greeley“ als ersten und zweiten Vornamen.

Werke [Bearbeiten]

  • Epes Sargent: The life and public services of Henry Clay, down to 1848. Edited and completed at Mr. Clay's death, by Horace Greeley. Derby & Miller, Auburn 1853
  • The American Conflict. O. D. Case, Hartford 1864 Volume 1 Digitalisat[3]
  • Recollections of a Busy Life. Including Remininiscences of American Politics an Politians, from Opening of the Missouri Contest to the Downfall of Slavery. J. B. Ford, New York 1868
  • Essays designed to elucidate the science of political economy. Fields, Osgood, Boston 1870

Literatur [Bearbeiten]

  • James Parton: The life of Horace Greeley, editor of the New York Tribune. Derby and Miller 1868 Digitalisat
  • Francis Nicoll Zabriskie: Horace Greeley, the Editor. New York 1890
  • William Alexander Linn: Horace Greeley, Founder and Editor of the New York Tribune. New York 1903
  • Charles Sotheran: Horace Greely and other pioneers of American socialism. New York 1915
  • Don C. Seitz: Horace Greely. Founder of the New York Tribune. Indianapolis 1926
  • Joseph Simon Myers: The Genius of Horace Greely. Ohio State University press, Columbus 1929
  • Alexander Subkow: Horace Greeley und die ‚New-York Tribune‘ 1841-1872. In: Marx-Engels-Jahrbuch 11. Berlin 1987, S. 383-314
  • Greely, Horace. In: Udo Sautter: Lexikon der amerikanischen Geschichte. Beck, München 1997 ISBN 3-406-39294-6, S. 156
  • Robert Chadwell Williams: Horace Greeley. Champion of American Freedom. NYU Press, Ne York 2006

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Horace Greeley – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Horace Greeley – Zitate (Englisch)
 Wikisource: Horace Greeley – Quellen und Volltexte (englisch)

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Brockhaus Enzyklopädie. F. A. Brockhaus, Mannheim 1988, Bd. 7, S. 616
  2. a b Howard Zinn: A People’s History of the United States, Harper Perennial, 2005, S. 190-191 ISBN 0-06-083865-5
  3. Der grosse Conflikt in Amerika. Die Geschichte der grossen Rebellion in den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika nach ihren Ursachen, Fortschritten und Resultaten. O. D. Case, Hartford 1865.