Hormonspirale

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Hormonspirale mit korrekter Lage

Die Hormonspirale ist ein Gestagen abgebendes Intrauterinpessar (IUP), das in die Gebärmutter der Frau eingesetzt wird, um eine Empfängnis zu verhüten. In Abgrenzung von den hormonfreien Intrauterinpessaren (Spiralen) wird die hormonhaltige Spirale auch als Intrauterines System (IUS) bezeichnet.

Einsatzgebiete[Bearbeiten]

Die erste Hormonspirale ist in Deutschland seit 1996 zur Empfängnisverhütung und zur Behandlung starker Regelblutungen zugelassen.[1] Seit 2013 ist Europa ein weiteres kleineres System mit etwas geringerer Gestagenabgabe zugelassen, welches jedoch ausschließlich zur Kontrazeption zugelassen ist.[2][3] Eine Hormonspirale kann auch dem Schutz vor einem übermäßigen Aufbau der Gebärmutterschleimhaut während einer Östrogen-Ersatztherapie in den Wechseljahren dienen.[4]

Bekannt sind auch eine Reduktion von Menstruationsbeschwerden und ein möglicher Nutzen in der Behandlung der Endometriose.[5][6]

Funktionsweise[Bearbeiten]

Die Hormonspirale besteht aus einem etwa 3 cm langen T-förmigen Kunststoffkörper, der nach der Einlage in die Gebärmutter das Gestagen Levonorgestrel abgibt.

Die T-Form des Kunststoffkörpers ermöglicht eine Anpassung an die Form der Gebärmutter. Der Wirkstoff befindet sich in einem zylinderförmigen Reservoir am senkrechten Teil des Kunststoffkörpers und wird in konstanter, sehr kleiner Menge (20 bzw. 14 µg in 24 h) an den Körper abgegeben. Am unteren Ende des IUP befindet sich eine Öse, an der die Kontrollfäden befestigt sind, die die Patientin selber ertasten kann. Sowohl der Kunststoffkörper mit seiner speziellen T-Form als auch das Hormon Levonorgestrel verhindern eine Schwangerschaft, und zwar auf folgende Weise:

  • Der Schleim im Gebärmutterhals wird durch Levonorgestrel dickflüssig und damit undurchlässiger für die Spermien.
  • Die Beweglichkeit der Spermien, die den Gebärmutterhals dennoch passieren, wird gehemmt.
  • Durch lokale Einwirkung des IUP auf die Gebärmutterschleimhaut werden die Bedingungen für die Einnistung der befruchteten Eizelle erschwert.
  • Eireifung und Eisprung werden beeinflusst und bei einem Teil der Frauen unterdrückt.
  • Der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut wird verringert, infolgedessen auch der menstruelle Blutfluss.

Die Hormonspirale wird von einem Arzt eingelegt, die Kosten betragen etwa 280 bis 350 Euro.[7][8] Die Kosten werden für gesetzlich krankenversicherte Frauen in Deutschland nach § 24a SGB V bis zum vollendeten 20. Lebensjahr von der Krankenkasse und für sozialhilfeberechtigte Frauen nach § 49 SGB XII vom zuständigen Sozialhilfeträger übernommen. Wird die Hormonspirale ausschließlich zur Behandlung starker Regelblutungen verordnet, werden die Kosten in der Schweiz gegebenenfalls von der Krankenkasse übernommen, in Deutschland nicht.

Unerwünschte Wirkungen[Bearbeiten]

Mögliche Komplikationen der Hormonspirale sind Ausstoßungen (Expulsionen) in den ersten beiden Anwendungsmonaten (6–7 %), Verrutschen der Spirale (wodurch der Empfängnisschutz vermindert werden kann) und eine Verletzung der Gebärmutter, insbesondere beim Einsetzen der Hormonspirale. Das Verletzungsrisiko kann bei Einlage der Spirale nach der Geburt, bei stillenden Frauen und bei Lageanomalien der Gebärmutter erhöht sein. Weiterhin kann es zu Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, verstärktem Menstruationsschmerz, verringerter Libido, Spannungsgefühl in den Brüsten, Akne, Blutungsunregelmäßigkeiten, Gewichtszunahme, Wasseransammlungen im Gewebe, Verstimmungen und Depressionen kommen.[9][1][10]

Handelspräparate[Bearbeiten]

Mirena (D, A, CH), Jaydess (Europa), Skyla (USA); FibroPlant (Variante ohne T-förmigen Kunststoffrahmen)

Weblinks[Bearbeiten]

  • Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Hormonspirale

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Wissenschaftlicher Fachausschuss der Bundesärztekammer: Geänderte Risikoinformationen zu der Hormonspirale Mirena; Juni 2007
  2. Jaydess 13,5 mg intrauterines Wirkstofffreisetzungssystem
  3. Hans Concin: Aktuelles: Intrauterine Kontrazeption. Speculum - Zeitschrift für Gynäkologie und Geburtshilfe 2013; 31 (2)(Ausgabe für Österreich), 19-21, online
  4. Fachinformationen in der Schweizerischen Open Drug Database
  5. ESHRE Capri Workshop Group: Intrauterine devices and intrauterine systems; in: Hum Reprod Update, Mai–Juni 2008 14(3):197–208 PMID 18400840
  6. A. Anpalagan, G. Condous: Is there a role for use of levonorgestrel intrauterine system in women with chronic pelvic pain? J Minim Invasive Gynecol., November–Dezember 2008 15(6):663–666 PMID 18774757
  7. Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): Hormonspirale
  8. Frauenärzte im Netz: Weitere hormonelle Methoden: Hormonspirale
  9. Fachinformationen in der Schweizerischen Open Drug Database
  10. Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Wissenschaftlicher Fachausschuss der Bundesärztekammer: Risiken der Uterusperforation und Expulsion von Mirena®, einem Levonorgestrel-haltigen Intrauterinpessar; 2002
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