Horneburg

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Horneburg (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Horneburg
Horneburg
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Horneburg hervorgehoben
53.5094444444449.57512Koordinaten: 53° 31′ N, 9° 35′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Stade
Samtgemeinde: Horneburg
Höhe: 12 m ü. NHN
Fläche: 17,13 km²
Einwohner: 5743 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 335 Einwohner je km²
Postleitzahl: 21640
Vorwahl: 04163
Kfz-Kennzeichen: STD
Gemeindeschlüssel: 03 3 59 027
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Lange Straße 47–49
21640 Horneburg
Webpräsenz: www.horneburg.de
Bürgermeister: Hans-Jürgen Detje (CDU)
Lage der Gemeinde Horneburg im Landkreis Stade
Balje Krummendeich Freiburg/Elbe Oederquart Wischhafen Drochtersen Großenwörden Engelschoff Hammah Düdenbüttel Himmelpforten Burweg Kranenburg Estorf Oldendorf Heinbockel Stade Deinste Fredenbeck Kutenholz Jork Buxtehude Apensen Beckdorf Sauensiek Ahlerstedt Brest Bargstedt Harsefeld Nottensdorf Bliedersdorf Horneburg Dollern Agathenburg Landkreis Stade Niedersachsen Landkreis Cuxhaven Landkreis Rotenburg (Wümme) Landkreis Harburg Hamburg Schleswig-Holstein Schleswig-Holstein Grünendeich Mittelnkirchen Neuenkirchen Guderhandviertel Steinkirchen Hollern-TwielenflethKarte
Über dieses Bild

Horneburg (plattdeutsch Hornborg) ist ein niedersächsischer Flecken in der Samtgemeinde Horneburg im Landkreis Stade. Er liegt zwischen Buxtehude und Stade in den Elbmarschen (Altes Land) am Rande zur Geest.

Geschichte[Bearbeiten]

Der älteste Nachweis für eine Besiedlung des Horneburger Geestrandes am Urstromtal der Elbe kann noch heute auf einem archäologischen Lehrpfad durch einige Großsteingräber westlich von Gut Daudieck besichtigt werden. Die Gräber datieren in die Zeit um etwa 3500 v. Chr., wie Grabbeigaben auswiesen.

An der Kreuzung zweier mittelalterlicher Heer- und Handelswege mit einer Furt durch die Lühe entstanden Markt, Warenumschlag- und Wegezollstelle, Pferdewechselstationen und Ausspanne für Kaufleute, Händler, Pilger und Studenten, Hausierer und Bettler. Handwerker siedelten sich an und gewährleisteten mit ihrer Fachkenntnis und Arbeitsleistung die Fortsetzung der Reise, wenn die unbefestigten Fernverkehrswege Schuhwerk, Wagen und Karren, Zaumzeug und Fässer bei Unfällen oder durch Verschleiß beschädigt oder zerstört hatten. Im ausgehenden Mittelalter wurde Horneburg so durch den Erzbischof und Landesherrn zu einem Marktflecken privilegiert.

Der Hafen in Horneburg hatte bis zum Beginn des Eisenbahnbaus 1881 eine überragende Bedeutung für Horneburg und das Umland. Von ganz besonderer Bedeutung war der Fährverkehr über die Elbe nach Hamburg und Schleswig- Holstein. Schwedische Jordebücher und der Transport Jütländischer Rinderherden geben Auskunft über Fährverbindungen nach Wedel (Holstein). Händler kauften in Dänemark jährlich mehr als 20000 Stück Vieh auf, die im Horneburger Hafen landeten und auf dem so genannten Ochsenweg bis in die Niederlande getrieben wurden.

Die Geschichte des heutigen Fleckens Horneburg ist bis ins 19. Jahrhundert mit der der Burgmänner auf der Burg Horneburg eng verflochten. Zunächst werden um 1200 zwei Ritterfamilien in Urkunden als Zeugen genannt, nämlich die von Borch auf der Stader Geest und die Schulte von der Lühe im Alten Land. Sie sind, gemeinsam mit anderen Adelsfamilien der Umgebung, Burgmänner auf der 1255 erbauten Horneburg. Im Schutze der Horneburg entstand die gleichnamige Ortschaft. 1311 wurde die Horneburg im Zuge der Gefangennahme Heinrich von Borchs, des Isern Hinnerk, belagert und erobert. Während einer Fehde mit dem Bistum Verden und den Herzögen von Braunschweig-Lüneburg wurde die Horneburg 1426 erneut belagert. Diese Belagerung musste allerdings erfolglos abgebrochen werden. Um 1500 löste sich die Wohngemeinschaft der Burg auf, und die adeligen Familien bauten sich Gutshäuser außerhalb des Burggeländes. Der schwedische Generalleutnant Hans Christoph von Königsmarck ließ die Burg 1645 abreißen.

Das Niedersächsische Landesarchiv ist im Besitz einer Handschrift Stammbuch Caspar Schulte, Burgmann zu Horneburg, für die Zeit von 1607 bis 1771; Urheber war Caspar von Schulte zu Horneburg und Kuhmühlen (siehe auch: Caspar Detlev von Schulte).[2]

In der Zeit des Nationalsozialismus befand sich in Horneburg ein Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme. Es wurde im Oktober 1944 eingerichtet. Etwa 300 jüdische Frauen und Mädchen leisteten Zwangsarbeit in den Valvo-Röhrenwerken, die ihren Betrieb im Juni 1943 aus Hamburg nach Horneburg verlegt hatten. Hinzu kamen Niederländerinnen aus dem Konzentrationslager Ravensbrück. Ende März 1945 erfolgte der Abtransport ins Konzentrationslager Bergen-Belsen, das den meisten den Tod brachte. Im Jahre 2000 besuchten zwei Überlebende Horneburg; diese Geste der Versöhnung wurde von der Bevölkerung mit großer Dankbarkeit aufgenommen.[3]

Der Zweite Weltkrieg endete für Horneburg in den letzten Apriltagen 1945. Nach stundenlangem heftigen Beschuss durch britische Panzer wurde der Ort übergeben. Vorher hatten deutsche Wehrmachtangehörige noch zwei Straßenbrücken und die Eisenbahnbrücke über die Aue gesprengt.


Politik[Bearbeiten]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Seit 2001 ist Hans-Jürgen Detje (CDU) Bürgermeister im Flecken Horneburg. Die vorherigen Bürgermeister waren:

Name Partei Amtszeit
Hans-Jürgen Detje CDU 2001 - heute
Klaus Graß SPD 1996 - 2001
Wilfried Böhn CDU 1991 - 1996
Hans-Heinrich Dankers SPD 1986 - 1991
Ernst-Georg zum Felde CDU 1981 - 1986
Hans-Heinrich Dankers SPD 1964 - 1981

Gemeinderat[Bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2011
Wahlbeteiligung: 49,22 %[4]
 %
50
40
30
20
10
0
44,16
20,34
19,03
16,4

Der Gemeinderat, der am 11. September 2011 gewählt wurde, setzt sich wie folgt zusammen:

(Stand: Kommunalwahl vom 11. September 2011)

Das Horneburger Wahlbündnis Aktiver, Unabhängiger Einwohnerinnen und Einwohner (AUE) hat im Gemeinderat eine gemeinsame Gruppe mit der CDU gebildet.

Fraktionen und Gruppen im Rat:

CDU/AUE - 11 Sitze - Gruppensprecher : Raimund Franken, stv. Gruppensprecher : Carsten Dittmer

SPD - 3 Sitze - Fraktionsvorsitzende : Hannelore Kathenbach, stv. Fraktionsvorsitzender : Claus Reichow

Grüne - 3 Sitze - Fraktionsvorsitzender : Peter Dankers, stv. Fraktionsvorsitzende : Stella Harnisch-Scheuermann


Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: Das Wappen der Gemeinde zeigt einen Schild mit einer roten Burg auf goldenem Grund mit schwarzem Fuß; im schwarzen Fuß ein mit dem Mundstück nach rechts weisendes goldenes Horn.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Isern Hinnerk
Liebfrauenkirche
  • Die Burg Horneburg war eine spätmittelalterliche stiftsbremische Wasserburg von um 1255, die auf Teilen des Klosters Harsefeld gebaut wurde. Sie ist nicht erhalten, aber der Burggraben ist noch erkennbar.
  • Die Bronzeplastik Isern Hinnerk von Frijo Müller-Belecke am Burgmannshof stellt Heinrich von Borch da, der als Burgmann zu Horneburg am Anfang des 14. Jahrhunderts als Ministerialer des Erzbischofs von Bremen lebte. Um den Ritter entstanden viele Sagen. Das Denkmal zeigt, wie Kiebitze sein Versteck im Moor an seine Häscher verrieten.
  • Die Liebfrauenkirche, gestiftet durch die Horneburger Burgmänner, wurde 1396 erstmals erwähnt. Die im Dreißigjährigen Krieg zerstörte Kirche wurde 1632 wieder aufgebaut und ab 1670 mehrfach umgebaut und nach Süden erweitert. 1729 wurde sie auf den alten Grundmauern im Stil des Barocks erneuert. Sie erhielt 1739 einen neuen Westturm. Die Orgel und ihr Prospekt von 1755 wurden 2000 restauriert und um ein zweites Manual erweitert.
  • Das Schloss auf dem Schlosspark, ein Gutshaus der Familie von Düring auf dem Vorburggelände, war 1840 ein siebenachsiges niedersächsisches Hallenhaus. 1886 erfolgte der Umbau zu einem zweigeschossigen Herrenhaus im Tudorstil des Historismus. Südlich steht der angebaute, dreigeschossige Backsteinturm. Umgeben wird das Schloss durch den englischen Landschaftspark, dessen Gesamtbild durch Schrebergärten beeinträchtigt wird.
  • Das zweigeschossige Alte Zollhaus auf der Vorburg erinnert an das Privileg der Burgmänner, Wege- und Brückenzölle zu erheben. Das Fachwerkhaus war seit 1779 Werkstatt, später Sparkasse und ist heute ein Wohnhaus. Ein gusseisernes Ladenfenster mit Rankenbögen ist erhalten.
  • Der eingeschossige Burgmannshof von 1509/10 der Familie Schulte von der Lühe auf der Vorburg war das erste Gutshaus, das die Erweiterung des Fleckens nach Westen bewirkte.
  • Das zweigeschossige Rathaus mit Rundbogenfenstern beherbergte seit 1615 die Horneburger Posthalterei mit Ausspann. 1862 wurde es umgestaltet und verputzt. Die frühere Apotheke auf der Geestseite hat eine vorgelagerte zweiarmige Freitreppe.
  • Das Handwerksmuseum war der von Düring'sche Pferdestall, ein eingeschossiger Backsteinbau mit schiefergedecktem Satteldach und Eisenfenstern.
  • Das Haus Dankers am Marschdamm ist giebelständige Fachwerkhaus von um 1900.
  • Die im 14. oder 15. Jahrhundert erbaute Gertrudenkapelle stand außerhalb des alten Ortskerns am heutigen Vordamm. Am Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde sie abgerissen. Ihr Grundriss ist nach archäologischen Grabungen von 1988 durch Feldsteine in der Mitte des Alten Friedhofes sichtbar.
  • Der Lühepegel am Ende des Marschdamms ist ein technisches Denkmal von 1910.
  • Die ehemalige Sierkesche Wassermühle (Au-Mühle) des Gutes Düring von 1877 an der alten Aue ist zum Wohnhaus umgebaut worden. Sie war die einzige Gezeitenmühle in Deutschland (53° 30′ 37″ N, 9° 35′ 20″ O53.5103959.588752). Sie nutzte den Tidenhub der Unterelbe als Antrieb.
  • Die Horneburger Vogelsammlung (nähe Bahnhof) mit rund 380 Vogelpräparate ist das Lebenswerk des Hobbypräparators Johannes Heinßen (1903-2002).
  • Horneburger Herbstmarkt, oder Horneburger Pferdemarkt, jeden 2. Freitag im Oktober. Begünstigt durch die sich kreuzenden Handelswege, erhielt Horneburg Marktrecht, von dem sich ab 1766 bis heute der Pferdemarkt erhalten hat.

Wirtschaft, Verkehr und Infrastruktur[Bearbeiten]

Wirtschaft

Der Horneburger Hafen soll ausgebaut werden.

Verkehr

Horneburg verfügt über einen Haltepunkt der metronom-Züge Hamburg–Cuxhaven sowie der S-Bahn Hamburg auf der Niederelbebahn. Er liegt im Gebiet des Hamburger Verkehrsverbunds.

Linie Verlauf
Hamburg S3.svg Pinneberg – Thesdorf – Halstenbek – Krupunder – Elbgaustraße – Eidelstedt – Stellingen – Langenfelde – Diebsteich – Altona – Königstraße – Reeperbahn – Landungsbrücken – Stadthausbrücke – Jungfernstieg – Hauptbahnhof – Hammerbrook (City Süd) – Veddel (BallinStadt) – Wilhelmsburg – Harburg – Harburg Rathaus – Heimfeld – Neuwiedenthal – Neugraben – Fischbek – Neu Wulmstorf – Buxtehude – Neukloster – Horneburg – Dollern – Agathenburg – Stade

Südlich des Ortes verläuft die Bundesstraße 73, nördlich die Bundesautobahn 26. Die Straßen verbindet Horneburg mit Hamburg und Stade.

Infrastruktur

Siehe bei Samtgemeinde Horneburg

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

In Horneburg geboren sind

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Horneburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Fortgeschriebene Einwohnerzahlen zum 31. Dezember 2012 (Hilfe dazu)
  2. Kulturerbe Niedersachsen: Stammbuch Caspar Schulte, Burgmann zu Horneburg des Caspar von Schulte zu Horneburg und Kuhmühlen für 1607 - 1771, „STAST Dep. 10 Hs. Nr. 88“
  3. Jürgen Bohmbach: Das KZ-Außenlager in Horneburg In: Heike Schlichting, Jürgen Bohmbach: Alltag und Verfolgung – Der Landkreis Stade in der Zeit des Nationalsozialismus, Veröffentlichungen aus dem Stadtarchiv Stade Band 23, Stade 2003, ISBN 3-9806197-7-X, S. 51-52
  4. http://www.horneburg.de/tl_files/theme_horneburg/pdf/wahlen/Horneburg.pdf