Hornisgrinde

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Hornisgrinde
Die Hornisgrinde vom nordöstlich gelegenen Hohloh aus gesehen

Die Hornisgrinde vom nordöstlich gelegenen Hohloh aus gesehen

Höhe 1163 m ü. NHN
Lage Ortenaukreis, Baden-Württemberg, Deutschland
Gebirge Schwarzwald
Koordinaten 48° 36′ 25″ N, 8° 12′ 9″ O48.6069444444448.20251163Koordinaten: 48° 36′ 25″ N, 8° 12′ 9″ O
Hornisgrinde (Baden-Württemberg)
Hornisgrinde
Besonderheiten Höchster Berg im Nordschwarzwald

Die Hornisgrinde ist mit 1163 m ü. NHN[1] der höchste Berg des Nordschwarzwaldes. Sie ist ein langgestreckter Bergrücken mit einer Länge von rund zwei Kilometern und liegt ungefähr in Nord-Süd-Ausrichtung.

Name[Bearbeiten]

Der Name leitet sich vermutlich vom lateinischen mons grinto ab, was so viel wie sumpfiger Kopf (mons, montis (lat): der Berg) bedeutet und auf das Hochmoor hinweist. Eine andere Deutung des Namens ist aus den Begriffen Horn, miss und grind abgeleitet und bedeutet so viel wie kahler Bergrücken, der auf seiner Höhe ein Moor trägt.

Geographie[Bearbeiten]

Der Gipfelrücken der Hornisgrinde wird eingerahmt vom Muhrkopf (1003,4 m ü. NHN)[1] bei Unterstmatt im Norden und dem Mummelsee (1028,5 m ü. NHN) im Süden. Im Westen wird der Abhang in etwa 900 bis 1000 m Höhe durch die Schwarzwaldhochstraße (B 500) durchschnitten, im Osten fällt der Hang steil zum eiszeitlichen Kar Biberkessel mit dem verlandenden Blindsee ab. Der Gipfelrücken geht im Südwesten in den 1123 m ü. NHN[1] hohen Katzenkopf über, im Südosten fällt der Grat in Richtung Seibelseckle ab. Der Katzenkopf und der südöstliche Grat der Hornisgrinde bilden das Kar des Mummelsees.

Nach Westen fällt das Gelände vom Gipfel der Hornisgrinde bis ins Rheintal auf nur 8 km Entfernung über 1000 Höhenmeter ab.

Grinden und Hochmoor[Bearbeiten]

Hornisgrinde mit typischer Moorvegetation und verkrüppelten, kleinwüchsigen Nadelgehölzen

Die Grinden, baumlose Feuchtheiden auf der Hochfläche, entstanden nach der Rodung des Waldes und der anschließenden Nutzung als Weidefläche ab dem 15. Jahrhundert. Dagegen ist das bis zu fünf Meter starke Hochmoor im südöstlichen Bereich des Gipfelplateaus von Natur aus unbewaldet. Es wird angenommen, dass es mindestens 6.000 Jahre alt ist.[2]

Teile der Hochfläche mit dem Hochmoor und die Karwand zum Biberkessel wurden 1992 zum 95 ha großen Naturschutzgebiet Hornisgrinde–Biberkessel erklärt.

Klima[Bearbeiten]

HORNISGRINDE nieder.svg

Die Hornisgrinde gehört zu den niederschlagsreichsten Orten in Deutschland. Der durchschnittliche Jahresniederschlag beträgt 1931 l/m² (= mm). Über 99 % der Messstellen des Deutschen Wetterdienstes zeigen niedrigere Werte an. Der trockenste Monat ist der Februar; am meisten regnet es im Juni. Im niederschlagreichsten Monat fällt ca. 1,4-mal mehr Regen als im trockensten Monat. Die jahreszeitlichen Niederschlagschwankungen liegen im oberen Drittel. In über 81 % aller Orte schwankt der monatliche Niederschlag weniger.

Monatliche Durchschnittstemperaturen und Niederschläge für Hornisgrinde (1961–1990)
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Temperatur (°C) −2,6 -2,3 -0,3 3,0 7,4 10,6 12,9 12,5 10,1 6,6 1,0 -1,6 Ø 4,8
Niederschlag (mm) 164,0 138,7 159,8 149,2 180,2 190,4 165,2 153,3 139,7 145,2 167,3 177,7 Σ 1.930,7
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165,2
153,3
139,7
145,2
167,3
177,7
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Quelle: DWD [3]

Geschichte[Bearbeiten]

Dreifürstenstein[Bearbeiten]

Dreifürstenstein

Der Dreifürstenstein ist eine Buntsandsteinplatte, die sich am südöstlichen Rand der Hochfläche befindet. Er stammt aus dem Jahr 1722 und markierte die Grenze zwischen der Markgrafschaft Baden, dem Herzogtum Württemberg und dem Fürstbistum Straßburg. Heute stellt der Punkt die Gemarkungsgrenze zwischen den badischen Gemeinden Sasbach, Seebach und der württembergischen Gemeinde Baiersbronn dar. Mit einer Höhe von 1151 m ü. NN ist der Dreifürstenstein der höchste Punkt Württembergs.[4]

Militärische Nutzung[Bearbeiten]

Alter Hangar unter dem Aussichtsturm

Im Jahr 1938 wurde der gesamte südliche Bereich der Gipfelebene zum militärischen Sperrgebiet erklärt. Ab 1942 von der Deutschen Luftwaffe als Flugabwehrstellung genutzt, übernahmen 1945 die französischen Luftstreitkräfte den Standort. Diese betrieben auf der Hornisgrinde eine Abhörstation im Auftrag des französischen Auslandsgeheimdienstes SDECE bzw. DGSE. Später wurde der Standort parallel auch von der Bundeswehr und der Nato genutzt. Nachdem die Anlage 1994 außer Betrieb ging und dann mehrere Jahre lang brachlag, wurde das Sperrgebiet 1997 freigegeben. 1999 übernahmen die Anrainergemeinden das bisher bundeseigene Gelände. Einige der Gebäude und Masten sind bis heute erhalten, verfallen aber zusehends. In den 1960er Jahren existierte dort auch ein als Holzfachwerkkonstruktion ausgeführter Sendeturm.[5]

Tourismus[Bearbeiten]

Über den Bergrücken führt der Westweg, entlang des West- und Südabhangs verläuft die Schwarzwaldhochstraße mit einem großen Parkplatz am Mummelsee. Von dort führt ein Lehrpfad mit Schautafeln des Naturschutzzentrums Ruhestein über die Gipfelebene, der das Hochmoor mit einem Holzbohlenweg durchquert. Am Westhang der Hornisgrinde liegt das Weindorf Sasbachwalden, bekannt für sein Fachwerk und Blumenschmuck.

Aussichtsturm[Bearbeiten]

Hornisgrindeturm

Am südlichen Ende, oberhalb des Mummelsees, steht der 23 m hohe Hornisgrindeturm. Sein Bau 1910 geht auf die Initiative des Badischen Schwarzwaldvereins zurück. Als Baumaterial wurde in der Nähe anstehender Buntsandstein verwendet. Zusammen mit dem Mummelsee war der Turm seinerzeit eines der beliebtesten Ausflugsziele der Region. 1942 wurde er von der deutschen Luftwaffe beschlagnahmt. Nach dem Zweiten Weltkrieg nutzte ihn das französische Militär. Im Jahr 2000 hat die Waldgenossenschaft Seebach den Turm vom Bund zurück erworben und an die Gemeinde Seebach in Erbpacht übertragen. Am 29. Mai 2005 wurde der Turm wieder für die Allgemeinheit geöffnet. Er wurde von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg zum Denkmal des Monats Juni 2005“ ernannt. Bei relativ klarem Wetter hat man vom Turm eine Rundumsicht über zahlreiche Berge des Schwarzwaldes, die Vogesen, Teile des Pfälzerwaldes und der Schwäbischen Alb. Bei sehr guter Sicht sind im Süden einige Gipfel der Alpen erkennbar.

Signalturm[Bearbeiten]

Signalturm (kleiner Aussichtsturm) im Hochmoor

Am höchsten Punkt des Berges, inmitten der Gipfelebene, befindet sich ein weiterer Turm, der sieben Meter hohe,[6] um 1840 errichtete Signalturm. Dieser wurde 1892 durch Montage einer Treppe an der Außenseite in einen Aussichtsturm umgewandelt, war jedoch während der militärischen Nutzung des Gipfels unzugänglich. Im Jahr 2000 wurde das auch als Bismarckturm bezeichnete Bauwerk saniert und durch eine außen liegende, stählerne Wendeltreppe erneut zugänglich gemacht.

Wintersport[Bearbeiten]

Alpin[Bearbeiten]

Direkt an der Hornisgrinde befindet sich keine Liftanlage. Nördlich des Gipfels befindet sich jedoch der Skizirkus Unterstmatt, mit zwei Liften am Nordhang des Muhrkopfes und dem Skilift Ochsenstall. Im Süden ist der Skilift Seibelseckle benachbart.

Langlauf[Bearbeiten]

Um den Gipfel der Hornisgrinde herum führt eine 14 km lange Rundloipe, die sich aus den Teilstrecken Mummelseeloipe (6 km), Hundsrückenloipe (4,5 km) und der Verbindungsloipe Ochsenstall-Seibelseckle (3,5 km) zusammensetzt. Sie ist für klassische und Skating-Technik präpariert. Einstiegsmöglichkeiten befinden sich am Mummelsee, am Bergsattel Seibelseckle und am Bergsattel Unterstmatt.

Technische Bebauung[Bearbeiten]

Windkraftanlagen und SWR-Sendeturm auf der Hornisgrinde

Nördlich des Hochmoores befinden sich drei Windkraftanlagen, ein Sendeturm des Südwestrundfunks und ein Sendeturm der Deutschen Telekom. Am Dreifürstenstein stehen umzäunte Stahlgittermasten einer militärisch genutzten Anlage.

Windpark[Bearbeiten]

Aufgrund der hohen Durchschnittsgeschwindigkeit von 5,2 m/s im Jahresmittel wurde auf der Hornisgrinde Mitte der 1990er Jahre ein kommerzieller Windpark errichtet. 1994 wurden in privater Initiative zwei Windkraftanlagen zu je 110 kW Leistung erbaut, eine dritte mit 132 kW folgte 1996. Wie bei vielen anderen Windparks wird auch hier über den exponierten Standort kontrovers diskutiert.

Sendeanlagen[Bearbeiten]

Südwestrundfunk[Bearbeiten]

Hauptartikel: Sender Hornisgrinde

Nördlich des höchsten Punktes befindet sich ein 206 m hoher Sendeturm des Südwestrundfunks (SWR) in Stahlbetonbauweise, der von 1971 bis 1972 errichtet wurde. Der Turm ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Deutsche Telekom[Bearbeiten]

Funkübertragungsstelle Hornisgrinde der deutschen Telekom

Am nördlichen Ende des Gipfelplateaus befindet sich ein Sendeturm der Deutschen Telekom AG. Dieser beherbergt u. a. eine Relaisstation für Amateurfunk-Fernsehen. Bis 2005 wurde von diesem Turm auch das Programm des Deutschlandfunks ausgestrahlt, bevor der Sender zum höheren und damit weiter reichenden SWR-Turm verlagert wurde.

Geographische Koordinaten: 48° 36′ 52″ N, 8° 12′ 13″ O48.6145277777788.2036111111111. Auch dieser Turm ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Vodafone[Bearbeiten]

Am südlichen Ende des Gipfelplateaus befindet sich ein als freistehende Stahlfachwerkkonstruktion ausgeführter Sendeturm von Vodafone Deutschland, der im Jahr 2008 errichtet wurde. Dieser beherbergt eine GSM- und LTE-Basisstation und dient als Richtfunkknoten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Friedrich Wein: Der Westwall (3). Die Flugabwehrstellung Hornisgrinde (Ortenaukreis). In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 40. Jg. 2011, Heft 3, S. 168 f. (PDF)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hornisgrinde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. Hornisgrinde - Biberkessel, naturschutz.landbw.de, abgerufen am 24. August 2013
  3. DWD: Mittelwerte der Periode 1961 bis 1990
  4. Das ist doch der Gipfel! In: Gäubote. 7. September 2006.
  5. Christian Dubuisson: Hornisgrinde, un honorable correspondant. Archiviert vom Original am 19. August 2009, abgerufen am 24. August 2013.
  6. Karl Baedeker: Süddeutschland; Oberrhein, Baden, Württemberg, Bayern und die angrenzenden Teile von Österreich: Handbuch für Reisende, 1913, S. 67, Vorschau in der Google-Buchsuche