Horst-Werner Nilges

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Horst-Werner Nilges, bekannt als Knöllchen-Horst (* um 1954) ist ein deutscher Frührentner, der durch seine privaten Anzeigen von Verkehrsverstößen bekannt geworden ist. Er lebt in Osterode am Harz.

Seit 2004 hat er über 30.000 Anzeigen aufgegeben (Stand 2012). Bundesweit bekannt wurde seine Anzeige gegen einen Einsatz-Rettungshubschrauber wegen Falschparkens in Herzberg am Harz. Nilges behauptete später, er habe den Hubschrauber nur „vermerkt“.[1]

Horst-Werner Nilges war Maschinenbautechniker[2] und Taxifahrer[3]. Nach seiner Frühverrentung begann er im Jahr 2004 im Landkreis Osterode, Verkehrsverstöße anzuzeigen. In einem lokalen Radiosender begründete er sein Wirken damit, dass er die Menschen zu mehr Gesetzestreue bringen wolle. Pro Werktag gibt er beim Landkreis Osterode etwa zehn bis fünfzehn Anzeigen auf. Nach Auskunft des Ersten Kreisrates Gero Geißlreiter werden viele davon nicht verfolgt, da entweder Bagatellen angezeigt würden oder Beweise fehlten. Im Dezember 2005 musste sich Nilges wegen mehrerer Falschanzeigen vor Gericht verantworten und wurde zu 15 Tagessätzen à 40 Euro verurteilt.[2] Die Sammlung der Daten in einer privaten Datei verstößt nach Auffassung der Staatsanwaltschaft Göttingen nicht gegen geltendes Recht, da er nur die von ihm selbst angezeigten Fälle dokumentiere. Auch in Duderstadt gab er Anzeigen auf.[4]

Horst-Werner Nilges kämpft auch für die Einhaltung geltenden Rechts durch Politiker und Verwaltungen. So reichte er beim Land Niedersachsen Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Stadt Osterode und die Polizei ein.[2] Die Gemeinde musste die Abwassergebühren senken. Den Landkreis Osterode zeigte er wegen Betrugs an. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft überarbeitete die Kreisverwaltung die Abfallgebührenordnung.[5]

Der Fernsehsender RTL berichtete 2011 in der Sendung „Die 10 verrücktesten Deutschen“ von einem Prozess, in dem Nilges zu zehn Euro Bußgeld wegen Geschwindigkeitsübertretung verurteilt worden war.[3][6]

2013 stellte das niedersächsische Oberverwaltungsgericht Lüneburg fest, Nilges gehe einer „denunziatorischen Tätigkeit“ nach und könne die Behörden nicht zwingen, die von ihm aufgezeichneten, angeblichen Ordnungswidrigkeiten zu verfolgen. Vorausgegangen war eine Klage von Nilges, nachdem der Landkreis sich zunehmend geweigert hatte, die von ihm gemeldeten Bagatellen zu verfolgen.[7] Ende 2014 rückte er erneut in den Fokus der Medien, als auch Anzeigen im Landkreis Göttingen aufgegeben wurden.[8][9] Duderstädter Geschäftsleute schrieben offene Briefe an die Stadt und verlangten, diesem „Unwesen“ Einhalt zu gebieten. Die Ordnungsämter teilten mit, dass die Anzeigen vom Kontaktbereichsbeamten vor Ort behandelt werden.[10]

Zitate[Bearbeiten]

„Ich sitze nicht am Stammtisch und palavere über Probleme. Ich sitze am Schreibtisch und bearbeite sie.“ – Nilges zu einem Journalisten des Stern[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Felix Helbig: Horst Nilges stellt klar. In: Frankfurter Rundschau. 17. November 2009
  2. a b c Der Pedant von Osterode. In: Die Zeit. 19. Dezember 2006
  3. a b „Die 10 verrücktesten Deutschen“ mit Sonja Zietlow, loomee-tv.de, 25. Juli 2011, abgerufen am 7. Januar 2012
  4. „Knöllchen-Horst“ jagt jetzt in größerem Umkreis. In: RP Online. 18. Oktober 2012
  5. a b Artur Fischer-Meny: Weiter so, Horst Nilges! In: Stern. 29. September 2008
  6. Claus Peter Müller: Hassfigur aus dem Harz – „Knöllchen-Horst“ muss zehn Euro zahlen. In: FAZ. 4. August 2010
  7. Gericht bescheinigt „Knöllchen-Horst“ Denunziantentum. In: Der Spiegel. abgerufen am 25. September 2013
  8. „Knöllchen-Horst“ auch in Göttingen unterwegs. In: Harz Kurier.
  9. „Knöllchen-Horst“ weitet sein Jagdgebiet aus. In: Harz Kurier.
  10. Angst vor Denunziant: „Knöllchen-Horst“ in Duderstadt angekommen. In: Thüringer Allgemeine. 11. Dezember 2014, abgerufen am 16. Dezember 2014

Weblinks[Bearbeiten]