Horst Arnold (Justizopfer)
Horst Arnold (* 24. Mai 1959 in Aschbach, heute Ortsteil von Wald-Michelbach; † 29. Juni 2012 in Völklingen) war ein deutscher Lehrer und Opfer eines Justizirrtums. Sein Fall erregte bundesweite Aufmerksamkeit.
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Leben [Bearbeiten]
Horst Arnold stammte aus dem hessischen Aschbach im Odenwald.[1] Er machte sein Abitur am Überwald-Gymnasium in Wald-Michelbach, wo er später auch seine Referendarszeit als Lehrer verbrachte.[1] Er unterrichtete abwechselnd an der Eugen-Bachmann-Schule, einer Haupt- und Realschule in Wald-Michelbach, und am Überwald-Gymnasium, bevor er an die Georg-August-Zinn-Gesamtschule mit Oberstufe in Reichelsheim wechselte.[1] Dort war der Studienrat bis zu seiner Verhaftung vor allem als Lehrer für Biologie und Sport tätig, zuletzt auch als Fachbereichsleiter für Sport.[1]
Prozess, Haft und Wiederaufnahmeverfahren [Bearbeiten]
2001 wurde Arnold von seiner Kollegin Heidi K. der Vergewaltigung bezichtigt, die er in einem Vorbereitungsraum für Biologie in einer Pause begangen haben sollte. Arnold beteuerte seine Unschuld. Dennoch wurde er in Untersuchungshaft genommen und 2002 vom Landgericht Darmstadt zu fünf Jahren Haft verurteilt. Arnold musste die Haftstrafe bis zum letzten Tag absitzen, da er die Tat bestritt und sich deshalb auch weigerte, sich mit der ihm vorgeworfenen Tat in einer Therapiegruppe für Sexualstraftäter auseinanderzusetzen.[2] Erst nach seiner Haftentlassung fiel der für die Schule zuständigen Frauenbeauftragten auf, dass sich das vermeintliche Opfer in Widersprüche verstrickt hatte. Sie berichtete dies ihrem Bruder Hartmut Lierow,[3] einem Anwalt für Zivilrecht in Berlin.
Lierow stellte Nachforschungen an und recherchierte weitere Ungereimtheiten in der Biographie des vermeintlichen Opfers. Er fand heraus, dass Heidi K. bereits mehrfach damit aufgefallen war, Lebensumstände zu schildern, die nachweislich falsch waren. Ihre Darstellungen waren dabei so außergewöhnlich, dass sie auch in ihrem Umfeld nicht mehr ernstgenommen wurde. Mit diesen Erkenntnissen gelang Lierow 2008 ein Wiederaufnahmeverfahren am Landgericht Kassel. Die Verhandlung führte am 5. Juli 2011 zu einem Freispruch wegen erwiesener Unschuld.[4] In der Urteilsbegründung ließ das Gericht keinen Zweifel an Arnolds Unschuld und bezeichnete Heidi K. als Erfinderin „der aberwitzigsten Geschichten“. Der Vorsitzende Richter stellte fest, das Landgericht Darmstadt habe dem vermeintlichen Opfer geglaubt, obwohl ein „an sich kaum glaubhaftes Geschehen geschildert“ worden sei.[5] Selbst die Staatsanwaltschaft hatte zuvor auf Freispruch plädiert. Der Prozess fand bundesweite Aufmerksamkeit. Nach einem Revisionsantrag von Heidi K. bestätigte der Bundesgerichtshof im Februar 2012 das Urteil. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Heidi K. mit den falschen Anschuldigungen einen Konkurrenten um eine schulinterne Position beseitigen wollte.[2]
Freilassung und Tod [Bearbeiten]
Nach seiner Freilassung kämpfte Arnold weiter um seine Rehabilitation und um eine angemessene Haftentschädigung; bis zu seinem Tod wurde sie nicht ausgezahlt. Auch die Wiedereingliederung in den Beruf des Lehrers konnte er nicht erreichen. Er lebte bis zuletzt von Hartz IV und das Hessische Kultusministerium lehnte es ab, ihm bevorzugt zu einer Wiederanstellung zu verhelfen.
Am Morgen des 29. Juni 2012 wurde Arnold unweit seiner Wohnung in Völklingen auf offener Straße tot aufgefunden. Er hatte einen Herzinfarkt erlitten.
Arnolds Rechtsanwalt, Hartmut Lierow, sieht einen Zusammenhang zwischen Arnolds Leidensweg als Justizopfer und dem tödlichen Herzinfarkt. Letzterer sei nicht zuletzt auf Stress und Frustration im Zusammenhang mit den erfolglosen Auseinandersetzungen mit den Behörden zurückzuführen.[6]
Anklage gegen Heidi K. [Bearbeiten]
Am 10. Juli 2012 wurde bekannt, dass im Zusammenhang mit dem Fall Arnold gegen Heidi K. Anklage wegen Freiheitsberaubung in mittelbarer Täterschaft erhoben wird.[7] Die Anklageschrift wurde beim Landgericht Darmstadt eingereicht.[8] Heidi K. wurde bei um die Hälfte gekürzten Bezügen vom Schuldienst suspendiert.[9] Gegen die Gehaltskürzung legte sie Klage ein.[10]
Im April 2013 begann der Prozess. Die Staatsanwaltschaft erklärte, es sei Heidi K. darum gegangen „Horst Arnold unter Zuhilfenahme der Polizei und der Staatsanwaltschaft festnehmen zu lassen“, indem sie bei der Polizei und vor Gericht falsche Verdächtigungen gegen ihn erhoben habe, wobei feststehe „dass das Geschehen tatsächlich nicht stattgefunden hat“. K. wiederholte ihre Anschuldigungen gegen Arnold [11][4]
Weblinks [Bearbeiten]
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Commons: Horst Arnold – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien -
Wikinews: Artikel zu Horst Arnold – in den Nachrichten - Werner Mathes: Die Leiden des Horst Arnold. In: Stern, 12. Juli 2011.
- Unglaublicher Justizirrtum: Unschuldiger Lehrer stirbt ein Jahr nach seiner Freilassung. MDR: Brisant, 5. Juli 2012 – Mitschnitt auf YouTube (3:27 Min.)
- Unschuldig im Gefängnis: Wie ein Fehlurteil ein Leben zerstören kann. Das Erste: Beckmann, 6. Oktober 2011 – Vollständige Sendung auf Das Erste: Mediathek (1:11:07 Stunden) / Ausschnitte auf YouTube (34:15 Min.)
Quellen [Bearbeiten]
- Seite nicht mehr abrufbar, Suche im Webarchiv: Sein Herz hat das alles nicht mehr ertragen. In: Donaukurier, 3. Juli 2012.
- Wie konnte es zu diesem Fehlurteil kommen? In: FAZ, 25. Juli 2011.
- Das Ende eines Rufmords: Justizopfer Horst Arnold gestorben. In: Odenwald Geschichten, 1. Juli 2012.
- Unschuldiger Lehrer stirbt ein Jahr nach seiner Freilassung. MDR.de, 5. Juli 2012.
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ a b c d Bis zum Tod ausgegrenzt. In: Weinheimer Nachrichten – Odenwälder Zeitung. 4. Juli 2012, abgerufen am 18. Juli 2012.
- ↑ a b Werner Mathes: Fehlurteil wegen angeblicher Vergewaltigung. Das Leiden des Horst Arnold. In: Stern.de, 12. Juli 2011.
- ↑ Rechtsanwalt Hartmut Lierow: Staatsanwaltschaft Darmstadt verschleppt Ermittlungen. In: Odenwald Geschichten, 17. August 2011.
- ↑ a b David Klaubert: Das vermeintliche Opfer steht jetzt selbst vor Gericht, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. April 2013
- ↑ Joachim Baier: Frau erfand Vergewaltigung, ntv, 18. April 2013
- ↑ Silke Bigalke: Wie die deutsche Justiz ihre Opfer im Stich lässt. Die Folgen falscher Geständnisse. In: Süddeutsche Zeitung, 1. September 2012.
- ↑ Anklage gegen Detmolder Lehrerin erhoben. nw-news.de, 10. Juli 2012, abgerufen am 11. Juli 2012.
- ↑ Studienrätin Heidi K. angeklagt. In: Westfalen-Blatt, 10. Juli 2012, zuletzt abgerufen am 8. August 2012.
- ↑ Christian Althoff: Halbes Gehalt für Lehrerin Heidi K. In: Westfalen-Blatt, 11. Juli 2012, abgerufen am 8. August 2012.
- ↑ Lehrerin klagt gegen Gehaltskürzung In: Neue Westfälische, 31. Juli 2012, abgerufen am 27. Dezember 2012.
- ↑ Hans Holzhaider: Die Vergewaltigung, nur eine Geschichte, Süddeutsche Zeitung, 25. April 2013
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Arnold, Horst |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Lehrer und Justizopfer |
| GEBURTSDATUM | 24. Mai 1959 |
| GEBURTSORT | Aschbach (Wald-Michelbach), Wald-Michelbach |
| STERBEDATUM | 29. Juni 2012 |
| STERBEORT | Völklingen |