Horst Seehofer

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Horst Seehofer (2012)

Horst Lorenz Seehofer (* 4. Juli 1949 in Ingolstadt) ist ein deutscher Politiker (CSU). Seit Oktober 2008 ist er Ministerpräsident des Freistaates Bayern und Vorsitzender der CSU.

Seehofer war von 1992 bis 1998 als Bundesminister für Gesundheit und von 2005 bis 2008 als Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Mitglied der Bundesregierung.

Am 1. November 2011 übernahm Seehofer als Nachfolger der Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Hannelore Kraft, turnusgemäß das Amt des Präsidenten des deutschen Bundesrates. Als solcher übernahm er am 17. Februar 2012 nach dem Rücktritt von Christian Wulff vorübergehend, bis zur Wahl des neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck am 18. März 2012, die Amtsgeschäfte des Staatsoberhauptes der Bundesrepublik Deutschland. Die Ratspräsidentschaft Bayerns endete mit dem 31. Oktober 2012.

Leben[Bearbeiten]

Herkunft und Ausbildung[Bearbeiten]

Seehofer und seine drei Geschwister wuchsen als Arbeiterkinder, der Vater war Lastwagenfahrer und Bauarbeiter, in konservativ-katholisch geprägten Familienverhältnissen in Ingolstadt auf. Von 1961 bis 1965 besuchte er bis zur mittleren Reife die Freiherr-von-Ickstatt-Knabenrealschule in Ingolstadt.[1] Anschließend absolvierte er eine zweijährige Beamtenausbildung zum Amtssekretär (Besoldungsgruppe A 6) in der Kommunalverwaltung von Ingolstadt. In seiner Freizeit spielte er Handball beim MTV Ingolstadt. Die Verwaltungsprüfung für den mittleren Dienst bestand Seehofer 1967 an der Bayerischen Verwaltungsschule in München. 1970 stieg er als Kommunalbeamter in den gehobenen Dienst als Amtsinspektor (Besoldungsgruppe A 9) auf.

Er war bis 1980 bei den Landratsämtern Ingolstadt und Eichstätt tätig. Von 1974 bis 1980 war er zudem Geschäftsführer des Planungsverbandes und des Rettungszweckverbandes der Planungsregion Ingolstadt. 1979 schloss er die Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie (als Jahrgangsbester) in München als Verwaltungs-Betriebswirt (VWA) ab.[2]

CSU-Politiker seit 1971[Bearbeiten]

Nach seinem Eintritt in die Junge Union 1969 trat er 1971 auch in die CSU ein. Von September 1994 bis zu seiner Wahl als Vorsitzender der CSU im Oktober 2008 war er stellvertretender Vorsitzender der CSU. Zudem ist er Vorsitzender der Arbeitnehmer-Union der CSU (CSA). Nach der Erklärung von Edmund Stoiber im Januar 2007, im September 2007 sowohl den Parteivorsitz als auch das Amt des Ministerpräsidenten abgeben zu wollen, gab Seehofer bekannt, für den Parteivorsitz kandidieren zu wollen.

In Umfragen vom Januar 2007 unter den bayerischen Wählern zu den von ihnen bevorzugten Stoiber-Nachfolgern lag Seehofer weit vorn, insbesondere nach dem Bekanntwerden von Geheimabsprachen zwischen Günther Beckstein und Erwin Huber, während Huber noch hinter Beckstein, Alois Glück, Gabriele Pauli und Joachim Herrmann zurückfiel.

Im gleichen Monat veröffentlichte BILD Informationen über eine langjährige[3] außereheliche Beziehung, in der Seehofer zum vierten Mal Vater wurde. BILD begründete die Enthüllung damit, Seehofer habe sein Privatleben stets „groß plakatiert, wer es politisch einsetzt, muss sich daran messen lassen.“ Vereinzelt unterstützten andere Journalisten diese Position.[4][5] Die gezielten Indiskretionen gegenüber BILD wurden von anderen Medien dem internen CSU-Machtkampf zugeschrieben.[6][7] Die Veröffentlichung auf dem Höhepunkt des CSU-Machtkampfes löste eine Welle der Solidarität aus.[8] Die Berichterstattung über die Affäre und das außereheliche Kind tangierten laut einer Forsa-Umfrage in Bayern im Juni 2007 den Ruf Seehofers. 53 Prozent der Befragten waren der Ansicht, sein Ansehen sei deswegen in den Monaten zuvor gesunken.[9] Parteifreunde forderten Seehofer im gleichen Monat öffentlich auf, vor der Wahl seine privaten Verhältnisse zu ordnen; Seehofer erklärte Anfang Juli 2007, dass er bei seiner Frau bleiben werde.[10] Die Klärung der privaten Verhältnisse sorgte für große Erleichterung in der CSU.[11]

Auf dem Parteitag der CSU in München am 29. September 2007 unterlag er mit 39,1 % seinem Konkurrenten um den Parteivorsitz, Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber, der 58,19 % der Delegiertenstimmen erhielt. Dritter Mitbewerber war die Fürther Landrätin Gabriele Pauli mit 2,5 % der Stimmen. Auf Vorschlag Hubers wurde Seehofer daraufhin mit 91,81 % als stellvertretender Parteivorsitzender wiedergewählt.

Nach dem Rücktritt von Erwin Huber als Folge des unerwartet schlechten Abschneidens der CSU bei der Landtagswahl 2008 wurde Seehofer am 25. Oktober 2008 auf einem Sonderparteitag von 90,3 % der Stimmen zum CSU-Vorsitzenden gewählt.[12] Trotz des wieder deutlich besseren Ergebnisses der CSU bei der Europawahl im Juni 2009 konnte Seehofer bei der erneuten Kandidatur zum Parteivorsitz am 18. Juli 2009 nur 88,1 % der Stimmen erreichen.[13] Am 8. Oktober 2011 wurde er mit 89,9 % der Stimmen erneut als Parteivorsitzender bestätigt.[14]

Bundestagsabgeordneter 1980 bis 2008[Bearbeiten]

Seehofer war von 1980 bis 2008 Mitglied des Deutschen Bundestages. Von 1983 bis zu seiner Berufung zum Staatssekretär 1989 fungierte er als sozialpolitischer Sprecher der CSU-Landesgruppe. Ab Oktober 1998 war er Stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für die Bereiche Europa, Landwirtschaft und Umwelt. Meinungsverschiedenheiten bezüglich der von ihm abgelehnten Gesundheitsprämie in der gesetzlichen Krankenversicherung führten dazu, dass er am 22. November 2004 als stellvertretender Fraktionsvorsitzender zurücktrat. Er blieb jedoch weiterhin einer der stellvertretenden CSU-Vorsitzenden und behielt sein Mandat als Abgeordneter des Deutschen Bundestages.

Seehofer ist stets als direkt gewählter Abgeordneter des Wahlkreises Ingolstadt in den Bundestag eingezogen. Bei der Bundestagswahl 2005 erreichte er 65,9 % der Erststimmen; dies war das zweitbeste Ergebnis bundesweit.

Nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten legte Seehofer sein Bundestagsmandat mit Wirkung zum 4. November 2008 nieder.[15]

Seehofer war in seiner ersten Legislaturperiode als Ministerpräsident kein Mitglied des Bayerischen Landtages. Bei der Landtagswahl am 15. September 2013 gewann Seehofer in dem neu geschaffenen Stimmkreis Neuburg-Schrobenhausen mit 61,5 Prozent der abgegebenen Erststimmen das Direktmandat.[16]

Ämter in Bundesministerien und Bundesregierung 1989 bis 2008[Bearbeiten]

Bei der Ernennung zum Staatssekretär 1989

Von 1989 bis 1992 war er Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung.

Am 6. Mai 1992 wurde er als Bundesminister für Gesundheit in die von Bundeskanzler Helmut Kohl geführte Bundesregierung berufen. Im Jahre 1993 kam es zu Kritik an Seehofer wegen der mangelnden Informationspolitik beim Problem HIV-verseuchter Blutpräparate. In diesem Zusammenhang veranlasste Seehofer 1993/1994 die Auflösung des Bundesgesundheitsamtes.[17] Als Gesundheitsminister kämpfte Seehofer während seiner gesamten Amtszeit gegen die Kostensteigerung im Gesundheitswesen und das Defizit der gesetzlichen Krankenversicherung. Das Gesundheitsstrukturgesetz aus dem Jahr 1993 zwang das Gesundheitswesen zu einem rigiden Sparkurs und führte schon nach einem Jahr zu einer Kostensenkung von etwa 5,5 Milliarden Euro. Das Beitragsentlastungsgesetz (1996) und die GKV-Neuordnungsgesetze (1997) waren weitere Reforminitiativen Seehofers.

Horst Seehofer in den späten 1990er Jahren

Nach der Bundestagswahl 1998 schied er am 26. Oktober 1998 aus der Regierung aus. Im Januar 2002 erkrankte Seehofer schwer, aufgrund einer lebensgefährlichen Myocarditis wurde er in ein Ingolstädter Krankenhaus eingeliefert. Seehofer erklärte hierzu später, dass er sich aufgrund seiner Arbeitsbelastung zu spät habe behandeln lassen.

In der Großen Koalition, welche sich nach der Bundestagswahl 2005 bildete, wurde Seehofer Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Er wurde am 22. November 2005 in die von Bundeskanzlerin Angela Merkel geführte Bundesregierung berufen. Nur wenige Tage später wurde er mit dem Gammelfleischskandal konfrontiert.

Er gab sein Amt als Bundesminister zum 27. Oktober 2008 auf, um als Bayerischer Ministerpräsident gewählt werden zu können.

Bayerischer Ministerpräsident seit 2008[Bearbeiten]

Nach dem schlechten Abschneiden der CSU bei der Landtagswahl in Bayern 2008 – die CSU verfehlte erstmals seit über vier Jahrzehnten die absolute Mehrheit – und den darauf folgenden Rückzug des bisherigen Ministerpräsidenten Günther Beckstein, wurde Seehofer von der Partei auch für dieses Amt nominiert. Er konnte sich dabei parteiintern gegen Georg Schmid, Thomas Goppel und Joachim Herrmann durchsetzen. Weite Teile der CSU haben dabei gefordert, mit Seehofer wieder Parteivorsitz und Ministerpräsidentenamt in eine Hand zu legen.[18][19] Am 27. Oktober 2008 wurde Seehofer schließlich vom Bayerischen Landtag zum Ministerpräsidenten des Freistaats Bayern gewählt. Von den 184 anwesenden Abgeordneten stimmten 104 für ihn, das waren vier Stimmen weniger als die Koalitionsparteien CSU und FDP auf sich vereinen.[20] Vom 1. November 2011 bis 1. November 2012 war Seehofer Bundesratspräsident und damit nach inoffizieller Rangfolge der vierthöchste Repräsentant der Bundesrepublik Deutschland.[21] Als solcher übernahm er am 17. Februar 2012 nach dem Rücktritt von Christian Wulff vorübergehend, bis zur Wahl des neuen Bundespräsidenten Joachim Gauck am 18. März 2012, die Amtsgeschäfte des Staatsoberhauptes der Bundesrepublik Deutschland.

Horst Seehofer bei der Unterzeichnung des Koalitionsvertrages der 18. Wahlperiode des Bundestages (2013).

Anfang Mai 2013 wurde Seehofer offiziell zum Spitzenkandidaten für die Bayerische Landtagswahl am 15. September 2013 gewählt,[22] bei der er für die CSU die absolute Mehrheit im Landtag zurückerobern konnte.[23] Am 8. Oktober 2013 wurde er mit 100 von 176 möglichen Stimmen erneut zum Ministerpräsidenten gewählt.[24] Nach der Bundestagswahl 2013 war Seehofer maßgeblich mitbeteiligt an der Ausarbeitung des Koalitionsvertrages der 18. Wahlperiode des Bundestages, der am 16. Dezember im Paul-Löbe-Haus von den Parteichefs, darunter Seehofer, den Fraktionsvorsitzenden und den Generalsekretären vor den versammelten Fraktionen der koalierenden Parteien CDU, SPD und CSU zur Bildung einer Großen Koalition feierlich unterschrieben wurde.

Weiteres Engagement[Bearbeiten]

Vom 23. April 2005 bis 22. November 2005 war er Vorsitzender des Sozialverband VdK Bayern und konnte 20.000 neue Mitglieder hinzugewinnen. Mit seiner Ernennung zum Bundesminister für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft musste Seehofer sein Amt niederlegen. Das Bundesministergesetz lässt eine derartige Doppelfunktion nicht zu.

Seehofer war bis zum 27. Oktober 2008 Mitglied im Verwaltungsrat der Landwirtschaftlichen Rentenbank.

Mitglied im Verwaltungsrat des ZDF [25] ist er seit 28. Oktober 2010 als Vertreter der Länder.

Familie[Bearbeiten]

Karin und Horst Seehofer bei der Eröffnung des 32. Filmfest München 2014

Seehofer ist seit 1985 zum zweiten Mal (erste Ehe von 1974 bis 1982) verheiratet und hat aus dieser Ehe mit der ausgebildeten Verwaltungsangestellten Karin Seehofer (* 1958) drei erwachsene Kinder (Ulrike, Andreas, Susanne);[26][27][28] aus einer außerehelichen Beziehung hat er eine 2007 geborene weitere Tochter.[26][29] Er ist römisch-katholischer Konfession und hat seinen Wohnsitz im Ingolstädter Stadtteil Gerolfing.

Politische Positionen[Bearbeiten]

Sozialpolitik[Bearbeiten]

Ministerpräsident Seehofer in Markt Schwaben, 2009

Über viele Jahre galt Seehofer als wichtiger Sozialpolitiker der Unionsfraktion. 2004 stellte er sich deutlich gegen die Ansichten der Parteimehrheit und trat als scharfer Kritiker des von CDU und CSU präsentierten Gesundheitskompromisses der Union auf.[30] Einige warfen ihm daraufhin das Festhalten an einer Art Umverteilungspolitik vor, die in Teilen eher einer sozialdemokratischen Linie entspreche. Als Verbandsfunktionär im Sozialverband VdK stand er in einigen Aspekten der Sozialpolitik deutlich gegen die Unionslinie. Seehofer lehnte im März 2005 (ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl 2005) die Hartz IV-Reform als wirkungslos ab.[31][32]

Integrationsdebatte[Bearbeiten]

In der Integrationsdebatte 2010 sprach sich Seehofer gegen eine Zuwanderung von außerhalb der EU aus, solange nicht alle Möglichkeiten zur Rekrutierung von Fachkräften aus der Europäischen Union ausgenutzt seien. Zuerst müsse versucht werden, die Arbeitslosen hier wieder einzustellen. Ein prognostizierter Fachkräftemangel könne „kein Freibrief für ungesteuerte Zuwanderung sein.“ Die bereits im Land befindlichen Ausländer sollten „qualifiziert und integriert“ werden. Deutschland könne, so Seehofer, nicht das Sozialamt für die ganze Welt sein.[33]

So sagte er am politischen Aschermittwoch der CSU im März 2011, sich „gegen die Zuwanderung in deutsche Sozialsysteme bis zur letzten Patrone wehren“ zu wollen.[34]

Im Dezember 2013 verteidigt Seehofer einen Vorschlag der Berliner Bundesgruppe der CSU zur Beschränkung von Sozialleistungen für bestimmte Gruppen von Immigranten unter dem Motto "Wer lügt der fliegt".[35][36][37]

Energieversorgung[Bearbeiten]

Kernkraft[Bearbeiten]

Seehofer erklärte im Juli 2010, er befürworte eine unbegrenzte Laufzeitverlängerung für die 17 deutschen Kernkraftwerke. Ausschließlich die Sicherheit des einzelnen Kernreaktors solle Richtschnur für zukünftige Laufzeiten sein. Zusätzliche Belastungen für Stromkonzerne lehnte er ausdrücklich ab.[38] Nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 folgte Seehofer der neuen Linie der Union und sprach sich für die sofortige Abschaltung der ältesten Kernkraftwerke und einen schnellstmöglichen Ausstieg aus der Kernenergie aus. Daraufhin wurde Bayerns ältestem Kernkraftwerk Isar 1 im Sommer 2011 die Betriebserlaubnis entzogen, zusammen mit sieben weiteren in anderen Bundesländern.

Erneuerbare Energien[Bearbeiten]

Anfang Juni 2013 traf Seehofer auf Initiative des Innenstaatssekretärs Gerhard Eck (CSU) die Vertreter unterfränkischer Bürgerinitiativen gegen Windkraft. Nach Medienberichten führten deren Befürchtungen einer „Verspargelung der Landschaft“ durch den Ausbau der Windenergie in Folge zu einer politischen Initiative Seehofers. Er erklärte: „Ich bin nicht bereit, als bayerischer Ministerpräsident in die Geschichte einzugehen, der für die Landschaftszerstörung unserer schönen Heimat verantwortlich war.“[39][40]

Mitte Juni 2013 verständigte sich das bayerische Kabinett auf Drängen Seehofers auf eine Bundesratsinitiative zur Windenergie. Diese sieht vor durch eine Änderung des Bundesbaugesetzes die Definition des Mindestabstandes zwischen Wohnsiedlungen und Windrädern zukünftig den einzelnen Ländern freizustellen. Seehofer beabsichtigt, diesen Mindestabstand deutlich zu vergrößern, um so Windkraftgegnern entgegenzukommen, die eine Zerstörung des Landschaftsbildes durch Windkraftanlagen befürchten.[39] "Während der Verstoß Seehofers innerparteilich sehr unterschiedlich aufgenommen wurde, stieß er seitens der Windkraftbranche, Experten und Umweltverbände auf entschiedene Ablehnung.[39][41] Angeführt wurden hierbei insbesondere die Auswirkungen auf den zukünftigen Ausbau der Windenergie und die sich aus dem Vorschlag ergebende Gefahr einer Erhöhung des Strompreises.[42]"

Außenpolitik[Bearbeiten]

Als erster bayerischer Ministerpräsident besuchte Seehofer im Dezember 2010 offiziell die Tschechische Republik. Die Beziehungen waren seit der Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg angespannt. Bayern nahm damals den Großteil der Sudetendeutschen auf. Der Freistaat und die CSU sehen sich daher als ihre Interessenvertreter.

Bei seinem Besuch in Israel erklärte er, Deutschland stehe an der Seite Israels, jedoch werde ein militärischer Angriff auf den Iran abgelehnt.[43]

Als US-Präsident Barack Obama einen Militäreinsatz im Bürgerkrieg in Syrien anordnete, zeigte Seehofer Verständnis. Er schloss allerdings die Beteiligung deutscher Soldaten aus.[44]

Europapolitik[Bearbeiten]

Seehofer will die Zahl der EU-Kommissare halbieren, da diese „irrwitzige Aktivitäten“ entfalteten.[45]

Netzpolitik[Bearbeiten]

In der netzpolitischen Debatte um Vorratsdatenspeicherung und Internetsperren sprach sich Seehofer gegen die Sperren, aber für die Vorratsdatenspeicherung aus. Internetsperren seien kein tauglicher Weg zur Bekämpfung der Kinderpornographie. Die Klärung schwerster Verbrechen sind laut Seehofer teilweise nur mit Hilfe von auf Vorrat gespeicherter Telekommunikationsdaten möglich. Um die Sicherheit der Bevölkerung zu wahren, sei die Vorratsdatenspeicherung wichtig.[46]

Seehofer sorgte 2013 für Streit in der Union, als er seine Meinung zur Vorratsdatenspeicherung änderte. Er „entdeckte Datenschutz und Bürgerrechte für seine Partei als Schwerpunkt“ und lobte die Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.[47]

AIDS-Kranke[Bearbeiten]

Seehofer geriet als Bundestagsabgeordneter in die Kritik, als er 1987 das Bundesseuchengesetz auf AIDS-Kranke anwenden wollte. Er forderte, Infizierte „in speziellen Heimen zu konzentrieren“.[48] Er begründete dies damit, dass die Pflege der Aids-Patienten in teuren Krankenhäusern auf Dauer gar nicht zu finanzieren sei.[49] Das in diesem Zusammenhang von Peter Gauweiler erarbeitete Gesetz wurde allgemein als unangemessen angesehen, sodass die Bundesratsinitiative Bayerns auf den Widerspruch aller anderen zehn Länder stieß und mit überwältigender Mehrheit abgelehnt wurde.[50]

Verkehrspolitik[Bearbeiten]

Im Gegensatz zur CDU befürwortet Seehofer eine PKW-Maut. Bei der Einführung sollen nur ausländische Autofahrer belastet werden. Bei inländischen soll zum Beispiel die Maut mit der Kraftfahrzeugsteuer verrechnet werden. Der Erlös soll für den Straßenbau eingesetzt werden. Der ADAC kritisiert die Haltung Seehofers deutlich.[51][52]

Steuerpolitik[Bearbeiten]

Seehofer lehnt Steuererhöhungen ab und nannte die Versuche seiner Parteigenossen, mit Steuererhöhungen auf die SPD zuzugehen, „unsäglich“ und „total überflüssig“.[53]

Kabinette[Bearbeiten]

Ehrungen und Auszeichnungen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Horst Seehofer – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Festschrift zum 40-jährigen Bestehen der Freiherr-von-Ickstatt-Schule, Staatliche Realschule für Knaben, Ingolstadt. 1958 - 1998.
  2. Ein Wall aus Witz, eine Mauer des Lächelns. Süddeutsche Zeitung. 17. Mai 2010. Abgerufen am 9. Februar 2013.
  3. Peter Fahrenholz: Der Dritte auf dem Tandem. In: Süddeutsche Zeitung, 17. Mai 2010, abgerufen am 16. August 2012.
  4. Claus Christian Malzahn: Sex als Waffe. In: Spiegel Online, 16. Januar 2007, abgerufen am 16. August 2012.
  5. Christian Mayer: „In Deutschland gibt es keine Stars“ In: Süddeutsche Zeitung, 19. Juni 2008, abgerufen am 16. August 2012 (Interview mit Patricia Riekel).
  6. Es wird gesudelt - In der Stoiber-Krise wird mit harten Bandagen gekämpft. Das bekam jetzt auch Horst Seehofer zu spüren. zeit.de, 16. Januar 2007, abgerufen am 16. August 2012
  7. Schlammschlacht gegen Seehofer. In: Süddeutsche Zeitung, 19. Mai 2010, abgerufen am 16. August 2012.
  8. Philipp Wittrock: Abschied von verstaubten Idealen. In: Spiegel Online, 17. Januar 2007, abgerufen am 16. August 2012.
  9. zitiert nach „Forsa“-Umfrage: Seehofers Stern sinkt zeit.de, 2007, abgerufen am 16. August 2012. Bei den CSU-Anhängern glauben dies 55 Prozent, bei den Anhängern der SPD 64 Prozent.
  10. Seehofer-Geliebte von Trennung „verletzt“ In: Die Welt, 31. Juli 2007, abgerufen am 16. August 2012.
  11. Politikeraffäre: Seehofer entscheidet sich für die Ehefrau, zeit.de, 9. Juli 2007, abgerufen am 16. August 2012
  12. CSU wählt Seehofer zum neuen Parteichef. Spiegel Online. 25. Oktober 2008. Abgerufen am 10. Oktober 2011.
  13. Seehofer zufrieden, Guttenberg beliebter als Söder. Süddeutsche Zeitung. 18. Juli 2009. Abgerufen am 20. Oktober 2011.
  14. Wiederwahl des CSU-Vorstands: Seehofer besteht die Machtprobe. Spiegel Online. 8. Oktober 2011. Abgerufen am 29. April 2013.
  15. siehe auch Liste der Mitglieder des Deutschen Bundestages (16. Wahlperiode)
  16. Landeswahlleiter Bayern: Landtagswahlergebnis 2013 Stimmkreis 124 Neuburg-Schrobenhausen
  17. Seehofer bleibt stur. Zeit Online. 28. Januar 1994. Abgerufen am 20. Oktober 2011.
  18. Goppel und Herrmann machen Weg frei für Seehofer. Spiegel Online. 7. Oktober 2008. Abgerufen am 20. Oktober 2011.
  19. Birgit Kruse: Chaotisch unsoziale Union. Süddeutsche Zeitung. 17. Mai 2010. Abgerufen am 20. Oktober 2011.
  20. Seehofer zum Ministerpräsidenten gewählt. Süddeutsche Zeitung. 17. Mai 2010. Abgerufen am 20. Oktober 2011.
  21. Bundesrat billigt neues Wahlrecht. Süddeutsche Zeitung. 14. Oktober 2011. Abgerufen am 2. November 2011.
  22. N-TV: Kein schöner Abend für Horst Seehofer: Hässliche Zwischentöne bei Krönungsmesse vom 3. Mai 2013 (abgerufen am 4. Mai 2013).
  23. ARD: Horst Seehofer erringt absolute Mehrheit, 15. September 2013
  24. Horst Seehofer bleibt Ministerpräsident - 100 Abgeordnete gaben dem CSU-Politiker ihre Stimme Bayerischer Landtag (abgerufen am 8. Oktober 2013).
  25. Die Mitglieder des Verwaltungsrats des ZDF
  26. a b Munzinger
  27. Reiseziele der bayerischen Politiker – Urlaub dahoam. In: Sueddeutsche Zeitung, 3. August 2012.
  28. Peter Issig: Horst Seehofer soll die CSU zu alter Stärke führen. In: Welt, 27. Oktober 2008.
  29. Seehofer ist wieder Vater geworden. Spiegel Online. 14. Juni 2007. Abgerufen am 2. November 2011.
  30. Gesundheitskompromiss gebilligt. Manager Magazin. 19. November 2004. Abgerufen am 3. November 2011.
  31. Wehner, Lenin, Poltergeist. Spiegel Online. 11. März 2005. Abgerufen am 3. November 2011.
  32. Seehofer schimpft Hartz IV großen „Murks“. Focus Online. 9. Februar 2011. Abgerufen am 3. November 2011.
  33. „Wir wollen nicht zum Welt-Sozialamt werden“. Süddeutsche Zeitung. 16. Oktober 2010. Abgerufen am 3. November 2011.
  34. Horst Seehofer. Wikiquote. Abgerufen am 7. Februar 2014.
  35. CSU plant Offensive gegen Armutsmigranten. Süddeutsche Zeitung. 28. Dezember 2014. Abgerufen am 7. Februar 2014.
  36. CSU steht allein da. Süddeutsche Zeitung. 30. Dezember 2013. Abgerufen am 7. Februar 2014.
  37. „Wer betrügt, der fliegt“. taz.de. 28. Dezember 2013. Abgerufen am 7. Februar 2014.
  38. Seehofer für unbegrenzte Laufzeitverlängerung. Spiegel Online. 31. Juli 2010. Abgerufen am 3. November 2011.
  39. a b c Windige Zeiten - Seehofers Anti-Windrad-Kurs ist in der CSU umstritten und wird auch von Umweltexperten hart kritisiert, in: Süddeutsche Zeitung, Nr. 140, S.R15, 20.Juni 2013.
  40. Viel Wind um Windräder - Streit um Seehofer-Äußerung zu Mindestabstandes br.de, 13. Juni 2013, abgerufen am 20. Juni 2013
  41. Bund Naturschutz gegen Windradbremse mittelbayerische.de, 18. Juni 2013, abgerufen am 20. Juni 2013
  42. In den Papierkorb - Widerstand in der CSU gegen Seehofers neueste Windkraft-Pläne sueddeutsche.de, 15. Juni 2013, abgerufen am 20. Juni 2013
  43. Grüß-Gott-Onkel Seehofer in diplomatischer Mission. Die Welt. 12. September 2012. Abgerufen am 17. September 2013.
  44. Reaktion auf Giftgaseinsatz: Seehofer zeigt Verständnis für mögliche Bombardierung. Spiegel Online. 1. September 2013. Abgerufen am 16. November 2013.
  45. Seehofer will Macht der EU beschneiden. Zeit Online. 6. November 2013. Abgerufen am 16. November 2013.
  46. Robert Roßmann, Mike Szymanski: "Internetsperren sind kein tauglicher Weg". Süddeutsche Zeitung. 7. Januar 2011. Abgerufen am 21. Februar 2012.
  47. Margarete van Ackeren: Unions-Schwestern streiten sich wegen Datenschutz. In: Focus vom 7. Juli 2013.
  48. vgl. z.B. „Wir haben dieses Land aufgeklärter gemacht“ - Vor 25 Jahren startete die Kampagne „Gib Aids keine Chance“-zu einer Zeit, da Politiker Infizierte einfach nur wegsperren wollten in: Süddeutsche Zeitung, Nr.167, S.11, 21./22. Juli 2012.
  49. Wollen wir den Aids-Staat? Bayerns Linie: Zwangstest, Berufsverbot, Ausweisung spiegel.de, 2. März 1987 (abgerufen am 21. Juli 2012)
  50. Keine Kur nach Gauweilers Rezepten, Die Zeit, Susanne Mayer: Keine Kur nach Gauweilers Rezepten?. Die Ländervertretung verwarf den bayerischen Maßnahmenkatalog mit überwältigender Mehrheit. (vom 2. Oktober 1987).
  51. Seehofer pocht auf Pkw-Maut für Ausländer. Die Welt. 15. Juli 2013. Abgerufen am 17. September 2013.
  52. Heimliche Steuererhöhung. ADAC. 2013. Abgerufen am 17. September 2013.
  53. Steuererhöhungen - nicht mit uns!. Spiegel Online. 29. September 2013. Abgerufen am 16. November 2013.
  54. Reise von Bundesminister Horst Seehofer in die Ukraine – eine Bilanz (PDF; 16 kB) Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Kiew. Juni/Juli 2008. Abgerufen am 3. November 2011.
  55. Seehofer ist jetzt ein chinesischer Professor. Abendzeitung. 29. April 2010. Abgerufen am 3. November 2011.
  56. Seehofer kürt auf Faschingsball neuen Kronprinzen. welt.de, abgerufen am 1. Februar 2014.