Horussöhne

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Horussöhne in Hieroglyphen
Four sons of Horus.svg
Die Horussöhne (von links) Amset, Duamutef, Hapi, Kebechsenuef
Kanopenkasten des Tutanchamun; die rechte Spalte der Inschrift ist die zur Göttin Neith, die linke zur Göttin Isis

Die vier Horussöhne (auch Horuskinder) Amset, Hapi, Duamutef und Kebechsenuef sind Kinder des Gottes „Horus des Älteren“ (Haroeris) und der Göttin Isis[1]. Sie sind vorwiegend Schutzgötter der Kanopen und stammen aus Buto. Als Sterngötter sind sie den vier Himmelsrichtungen zugeordnet, und so befinden sich zur Zeit des Mittleren Reiches ihre Namen beispielsweise an den vier Ecken der Särge.[2]

Darstellung der Horussöhne[Bearbeiten]

Bis zur 18. Dynastie hatten die Horussöhne in ihrer Funktion als Wächter über die Eingeweide des Verstorbenen Menschengestalt. Beispielhaft zeigt sich dies an den Deckeln der Kanopen und der kleinen Eingeweidesärge aus dem Grab (KV 62) des Tutanchamun oder der in KV55 gefundenen vier Kanopen. Erst ab der 19. Dynastie stellte jeder Kanopendeckel den Kopf des entsprechenden Horussohnes dar:

Horussohn Darstellung
Amset Mensch
Hapi Affe (Pavian)
Duamutef Schakal (Wolf)
Kebechsenuef Vogel (Falke)

Allerdings ist die Zuweisung der Tierköpfe von Schakal und Falke sowohl für Duamutef als auch Kebechsenuef nicht ganz eindeutig. In der Literatur gibt es hier unterschiedliche Darstellungen, die in beiden Fällen einmal für Duamtef den Schakal oder den Falken und für Kebechsenuef den Falken oder Schakal nennen.

Bedeutung als Schutzgötter der Kanopen[Bearbeiten]

Kanopenkrüge aus dem Grab des Iti 19. Dynastie, um 1200 v. Chr. Kalkstein, Ägyptisches Museum Berlin

Im Alten Reich gab es ursprünglich nur zwei Schutzgötter der Kanopen: Amset und Hapi, erst später wurden die beiden weiteren Schutzgötter Duamutef und Kebechsenuef hinzugefügt und alle vier als „Söhne des Horus“ bezeichnet. Die Pyramidentexte stellen die vier Horussöhne als eine Art Führer für die Jenseitsreise des Toten dar: Sie nehmen an der Wiederbelebung teil, tragen ihn zu Grab, vollziehen die Mundöffnung und beteiligen sich an den Stundenwachen.

Jedoch besteht ihre Aufgabe vorwiegend darin, den Leichnam vor Hunger und Durst und die davon betroffenen Organe, die Eingeweide, zu schützen, wobei Herz und Nieren nicht zu diesen Organen gehören. Die bei der Mumifizierung im Alten Ägypten entnommenen Eingeweide wurden in Binden gewickelt und getrennt nach Leber, Lunge, Magen und Unterleibsorgane in vier Kanopen, mitunter auch in Miniatursärgen, beigesetzt (siehe Tutanchamun). Jede Kanope unterstand dem Schutz eines Horussohnes. Seit dem Neuen Reich gibt es folgende Zuordnungen der Horussöhne als Beschützer der Organe:

Horussohn zugeordnetes Organ
Amset Leber
Hapi Lunge
Duamutef Magen
Kebechsenuef Unterleib (Gedärme)

In den dazugehörigen Kanopeninschriften werden die vier Horussöhne nicht nur angerufen, sie sind zudem mit den vier Schutzgöttinnen Isis, Nephthys, Neith und Selket verbunden: Je eine der vier Schutzgöttinnen beschützt einen Horussohn, der wiederum das ihm zugeordnete Organ bewacht. Die Schutzgöttinnen der jeweiligen Horussöhne waren[3]:

Horussohn Schutzgöttin
Amset Isis
Hapi Nephthys
Duamutef Neith
Kebechsenuef Selket

Deutlich zeigt dies z. B. folgender Textauszug[4] einer Kanopeninschrift des Kanopenkastens Tutanchamuns:

„Worte zu sprechen durch Nephthys:
Meine beiden Arme umfassen
den, der darin ist (welcher in mir ist)
ich wähle (bereite) den Schutz
für (den) Hapi, der darin ist,
des Osiris (und) König Tutanchamun,
des Herrschers von Theben,
des Gerechtfertigten.“

Bedeutung in der ägyptischen Mythologie[Bearbeiten]

Als Söhne von Horus dem Älteren sind die vier Horussöhne Sonnengötter und gehören zu den Schöpfungslegenden und werden in diesem Zusammenhang dargestellt, wie sie aus der Lotosblume geboren werden.

Die Vignette des Totenbuchkapitels 125 beispielsweise zeigt die vier Horussöhne in menschlicher Gestalt auf einer Lotosblume stehend, was als symbolischer Hinweis darauf zu betrachten ist, dass durch sie der Tote aus dem Lotos neu geboren wird.

Obwohl den vier Horussöhnen vorwiegend die Aufgabe zukommt, die mumifizierten Organe des Toten zu schützen, besteht auch zu anderen Göttern eine nahe Verbindung. So rettete beispielsweise der Gott Sobek die vier Horussöhne auf Befehl des Re aus dem Wasser, sie bekämpfen für Re Apophis und wurden auch für Söhne des Geb oder des Atum und der Nut gehalten. Von ihnen heißt es weiter, dass sie „Bestechlichkeit“ nicht kannten, weswegen sie im Osiris-Zyklus von Anubis mit der Mumifizierung, der Mundöffnung und der Bestattung beauftragt wurden: Zuerst für Osiris selbst und dann auch für die Menschen. In der Unterwelt stehen sie auf einer geöffneten Lotosblüte vor dem Thron des Osiris in der Halle des Gerichts.[1][2][5]

Religiöse Texte nennen Horus, Amset und Hapi als „Seelen von Buto“ und Horus, Duamutef und Kebechsenuef als „Seelen von Hierakonpolis“, wobei beide Gruppen im königlichen Ritual Trägerdienste leisten.[3]

Zudem bestimmte Horus sie zu Wächtern der vier Himmelsrichtungen, in die sie als Krönungsboten entsandt wurden[1]:

Horussohn Himmelsrichtung
Amset Süden
Hapi Norden
Duamutef Osten
Kebechsenuef Westen

Literatur[Bearbeiten]

  • Mary Barnett: Götter und Mythen des alten Ägypten. Gondrom, Bindlach 1998, ISBN 3-8112-1646-5.
  • Hans Bonnet: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte. 3. unveränderte Auflage. Nikol, Hamburg 2000, ISBN 3-937872-08-6.
  • Rolf Felde: Ägyptische Gottheiten. 2. erweiterte und verbesserte Auflage. R. Felde Eigenverlag, Wiesbaden 1995.
  • Lucia Gahlin: Ägypten. Götter, Mythen, Religionen. Ein faszinierender Führer durch Mythologie und Religion des Alten Ägypten zu den großartigen Tempeln, Grabmälern und Schätzen der ersten Hochkultur der Menschheit. Edition XXL, Fränkisch-Crumbach 2005, ISBN 3-89736-312-7.
  • Veronica Ions: Die Götter und Mythen Ägyptens (= Die großen Religionen der Welt – Götter, Mythen und Legenden). Neuer Kaiser Verlag – Buch und Welt, Klagenfurt 1988.
  • Manfred Lurker: Lexikon der Götter und Symbole der alten Ägypter. Sonderausgabe, 1. Auflage. Scherz, Bern / München / Wien 1998, ISBN 3-502-16430-4.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Horussöhne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Rolf Felde: Ägyptische Gottheiten. Wiesbaden 1995, S. 2,16,18,31.
  2. a b Manfred Lurker: Lexikon der Götter und Symbole der alten Ägypter. S.104
  3. a b Rolf Felde: Ägyptische Gottheiten. Wiesbaden 1995, S. 27.
  4. Übersetzung von Benutzer:Sat Ra
  5. Veronica Ions: Die Götter und Mythen Ägyptens. S. 114