Hosenlatz

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Lederhose mit Hosenlatz

Der Hosenlatz ist die in Teilen des deutschen Sprachgebietes gebräuchliche Bezeichnung[1] für die Öffnung an der Vorderseite der Hose, die üblicherweise mit Knöpfen oder einem Reißverschluss geschlossen wird. Die Bezeichnung kommt daher, dass diese Öffnung an Männerhosen früher eine sichtbare Klappe in Form eines Latzes war. Diese Form gibt es heute nur noch bei Lederhosen und Zunfthosen. Bei der Latzhose bezieht sich der Begriff Latz dagegen auf das Oberteil der Hose wie bei einer Latzschürze und hat mit dem Hosenlatz in der Bedeutung als Hosenschlitz, fachsprachlich „Eingriff“, nichts zu tun.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Hosen der Germanen wurden aus mehreren Stoffteilen zusammengenäht und hatten im Schritt einen Zwickel, aber keine Öffnung. Sie wurden im Bund durch einen Gürtel zusammengehalten. Im Mittelalter wurde zunächst unter dem Übergewand die Brouche getragen, eine Art Unterhose ohne Vorderöffnung, dazu angeknöpfte Beinlinge. Diese Beinlinge wurden etwa im 14. Jahrhundert zu einer Art Strumpfhose, die zum Wams getragen wurde. Diese eng anliegende Hose hatte erstmals einen Hosenlatz, vermutlich aus praktischen Gründen. Im 15. Jahrhundert wurde dieser immer größer und dekorativer gestaltet. Das führte zu einschränkenden Regeln innerhalb der mittelalterlichen Kleiderordnungen, zum Beispiel in Nürnberg um 1480: „Nachdem unter etlichen Mannspersonen eine unzüchtige und schändliche Gewohnheit entstanden ist, nämlich dass sie ihre Lätze an den Hosen ohne Not vergrößern lassen und dieselben bei Tänzen und andernorts vor ehrbaren Frauen und Jungfrauen ohne Scham bloß und unbedeckt tragen, was (...) unziemlich ist, hat der Rat beschlossen (...), daß fürderhin ein jedes Mannsbild (...) seinen Latz an den Hosen nicht bloß, unbedeckt oder sichtbar tragen darf.“[2]

Doch im 16. Jahrhundert setzte sich die Tracht der Landsknechte durch, mit kurzen weiten Hosen und deutlich betontem Hosenlatz, der zudem noch ausgestopft wurde in Form einer so genannten Schamkapsel, um das Geschlechtsteil zu betonen und den Blick darauf zu lenken. Der Adel übernahm diese Mode, die auch vom Bürgertum nachgeahmt wurde. Die bevorzugte Hosenform zu dieser Zeit war die gepolsterte kurze Heerpauke. Nach 1600 verschwand die Schamkapsel allmählich, mäßig weite Pluderhosen kamen auf. Erstmals wurde der Hosenschlitz mit dekorativen Zierknöpfen versehen. Zur Zeit des Rokoko trug der Adel eng anliegende Kniehosen mit geknöpftem Hosenschlitz. Um 1750 trat dann in Frankreich der breite Hosenlatz an die Stelle des Schlitzes, eine auffällige Klappe, die am Bund mit zwei Knöpfen geschlossen wurde. Betont wurde sie von Höflingen oft noch durch das Tragen von klingenden Berlocken am Hosenbund.

Nach 1800 wurde die Herrenmode allmählich sachlicher und schlichter, mit dem Ende der Dandy-Mode verschwanden auffällige Dekorationselemente fast völlig. Der vordere Hosenverschluss war nun rein funktionell und wird seit der Mitte des 19. Jahrhunderts mit einer Stoffleiste verdeckt.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Duden online: Synonyme für „Schlitz“
  2. Gundula Wolter: Die Verpackung des männlichen Geschlechts. Eine illustrierte Kulturgeschichte der Hose, Marburg 1988, S. 38

Literatur[Bearbeiten]

  • Gundula Wolter: Die Verpackung des männlichen Geschlechts. Eine illustrierte Kulturgeschichte der Hose. Jonas, Marburg 1988, ISBN 3-922561-77-2 (Taschenbuchausgabe: Aufbau, Berlin 2001, ISBN 3-7466-8060-3)