Hospital der Geister

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Seriendaten
Deutscher Titel (Hospital der) Geister
Originaltitel Riget
Produktionsland Dänemark
Originalsprache Dänisch
Jahr(e) 1994, 1997
Länge 44 Minuten
Episoden 11 in 2 Staffeln
Genre Drama, Horror
Idee Lars von Trier
Musik Joachim Holbek:
The Shiver
Erstausstrahlung 24. November 1994 (I)
1. November 1997 (II)
Deutschsprachige
Erstausstrahlung
11. April 1995 (I)
23. Mai 1998 (II)
Besetzung

Hospital der Geister (Alternativtitel: Geister) ist eine Miniserie des dänischen Regisseurs Lars von Trier für das dänische Fernsehen. Der dänische Originaltitel lautet Riget („Das Reich“), der englische Titel The Kingdom. Die Serie erschien in zwei Staffeln (Geister I, 1994; Geister II, 1997) mit insgesamt elf Episoden.

Lars von Trier wurde durch David Lynchs Twin Peaks zu der Serie inspiriert. Gemeinsam mit Niels Vørsel schrieb er in wenigen Wochen das Drehbuch. Regie führten Lars von Trier und Morten Arnfred. Cæcilia Holbek Trier fiel als eingeplante Regisseurin aufgrund ihrer Schwangerschaft aus.

Die deutschsprachige Erstausstrahlung erfolgte am 11. März 1995 auf arte. Es existieren diverse Schnittfassungen (s. u.).

Handlung[Bearbeiten]

Die Handlung der Serie findet größtenteils in der neurochirurgischen Abteilung des Reichskrankenhauses (kurz Riget) Kopenhagen statt. Sowohl das Personal als auch die Patienten sehen sich mit übernatürlichen Phänomenen konfrontiert. Die notorische Simulantin und Spiritistin Frau Drusse geht, zusammen mit ihrem Sohn Bulder, der als Pfleger in dem Krankenhaus arbeitet, den Vorkommnissen auf den Grund. Der schwedische Professor Stig Helmer, der einen abgrundtiefen Hass auf alles Dänische pflegt, führt einen Kleinkrieg gegen das dänische Gesundheitssystem und seine Arbeitskollegen, während ihn eine zunehmend konfliktgeladene Beziehung mit der Ärztin Rigmor Mortensen verbindet. Gleichzeitig muss Helmer einen Kunstfehler, durch den das Mädchen Mona dauerhaft geschädigt wurde, vertuschen. Prof. Moesgaard, der völlig überforderte Chefarzt der Abteilung, versucht durch die „Aktion Morgenluft“ das Arbeitsklima zu verbessern; er selbst sucht bei einem Psychotherapeuten Hilfe, um den eigenen Problemen auf den Grund zu gehen. Assistenzarzt Krogen, der sich im Keller des Krankenhauses häuslich niedergelassen hat und über seine Kontakte alles Erdenkliche beschaffen kann, wird von Helmer mit einem aus Haiti stammenden Voodoo-Gift getötet und später als Zombie wiederbelebt. Frau Drusse kommt einer Verschwörung von Satanisten auf die Spur, in deren Mittelpunkt die Wiedergeburt eines Arztes namens Åge Krüger steht, der einst seine uneheliche Tochter Mary im Krankenhaus getötet hatte. Der als Dämon zurückgekehrte Åge Krüger zeugt mit der Assistenzärztin Judith ein Kind: „Brüderchen“ entwickelt sich nach der Geburt binnen kürzester Frist zu einem riesenwüchsigen Monstrum. Den Verlockungen seines dämonischen Vaters, sein Leiden werde beendet, wenn er sich dem Bösen zuwendet, widersteht Brüderchen. Stattdessen bittet er seine Mutter, ihn sterben zu lassen, um in die Welt der guten Geister überwechseln zu können. Frau Drusse kann schließlich den Ausgangspunkt der teuflischen Umtriebe entlarven.

Hintergrund[Bearbeiten]

Die Fernsehproduktion wurde aufgrund des schwarzen Humors und hervorragender schauspielerischer Leistungen der Darsteller gelobt. Lars von Trier vereinigte Elemente von Horrorfilmen und Krankenhausserien. Trotz der Kameraführung im Dogma 95-Stil, welche nicht als massentauglich galt, war die Serie ein so großer Erfolg, dass eine weitere Staffel gedreht werden sollte, um bisher unbeantwortete Fragen aufzulösen.

Im Jahr 1997 wurde mit der ursprünglichen Besetzung die zweite Staffel gedreht, welche nahtlos an die erste anschloss, jedoch noch mehr Fragen offenließ als die erste. Lars von Trier schrieb ein Skript für die dritte Staffel, doch die Hauptdarsteller Ernst-Hugo Järegård und Kirsten Rolffes sowie drei weitere Darsteller verstarben vorher. Eine dritte Staffel wurde nie produziert.

Trivia[Bearbeiten]

Das schwedische Atomkraftwerk, das Helmer vom Dach des Krankenhauses mit dem Fernglas betrachtet (Helmer: „Mit Plutonium zwingen wir euch Dänen auf die Knie.“), ist das zwischen 1999 und 2005 stillgelegte Kernkraftwerk Barsebäck.

Frau Drusse vermutet die Teufelsanbeter im Ordenshaus der Dänischen Freimaurer, Blegdamsvej 23, nur 400 Meter vom Krankenhaus entfernt.

Schnittfassungen[Bearbeiten]

Die Urfassung von Geister hatte eine Laufzeit von 275 Minuten und lief 1994 auf den Filmfestspielen von Venedig. Für das Fernsehen wurden die vier Segmente der Kinofassung auf fünf Episoden zu je 52 Minuten verteilt. Szenen wurden umgestellt oder durch neue ersetzt, und einige Dialogszenen gerafft, sodass die TV-Fassung insgesamt ca. 15 Minuten kürzer ist. Diese Version wurde 1995 auf Arte ausgestrahlt (zwischen dem 11. März und dem 8. April) und kam 1996 in die Kinos. Diese Kinofassung wurde am 6. und 8. April 1996 auf West 3 gezeigt.

Von Geister II existiert neben der sechsteiligen TV-Fassung ebenfalls eine längere Alternativversion.

Als die Serie 2005 auf DVD erschien, griff man nicht auf die elfteilige TV-Fassung, sondern auf die längere Fassung in zweimal vier Teilen zurück. Teilweise fehlte in der deutschen Sprachfassung die deutsche Synchronisation; diese Teile wurden im Originalton mit Untertiteln präsentiert. Zudem waren in der ursprünglichen deutschen Sprachfassung in Episode 8 einige Teile enthalten, für die kein dänischer Originalton mehr existiert. Daher sind auch in der dänischen Sprachfassung einige Szenen in deutscher Synchronisation zu hören. Die Spieldauer der DVD-Fassung beträgt insgesamt ca. 580 Minuten.

2007 erschien eine überarbeitete DVD-Auflage, bei der die erste Staffel nunmehr komplett deutsch synchronisiert vorliegt. Wie sich herausstellte, hatte der WDR bei der Wiederholung von Geister I im Jahr 1996 (s.o.) einmalig die komplette Urfassung ausgestrahlt und die fehlenden Szenen mit den korrekten Sprechern synchronisieren lassen. So konnten die Lücken in der deutschen Tonspur der ersten Auflage alle aufgefüllt werden.

Episodenliste (TV-Version)[Bearbeiten]

Geister I[Bearbeiten]

  1. Die höllischen Heerscharen / The Unheavenly Host
  2. Dein Reich komme / Thy Kingdom Come
  3. Horcht und ihr werdet hören / Hark And Ye Shall Hear
  4. Ein fremder Körper / A Foreign Body
  5. Lebende Tote / The Living Dead

Geister II[Bearbeiten]

  1. Wiederkehr / Ricorso
  2. Zugvögel / Birds of Passage
  3. Gargantua
  4. Leicht wie Luft, schwer wie Blei / Light As Air, Heavy As Lead
  5. De Profundis
  6. Pandämonium / Pandemonium

Anm.: In dieser elfteiligen Fassung wurde die Serie ab 1995 mehrfach auf Arte und in den dritten Programmen der ARD gesendet.

Episodenliste (DVD-Version)[Bearbeiten]

Geister I[Bearbeiten]

  1. Den hvide flok (Die höllischen Heerscharen)
  2. Alliancen kalder (Dein Reich komme)
  3. Et fremmed legeme (Ein fremder Körper)
  4. De levende døde (Lebende Tote)

Geister II[Bearbeiten]

  1. Mors in Tabula
  2. Trækfuglene (Zugvögel)
  3. Gargantua
  4. Pandæmonium (Pandämonium)

Anm.: In dieser Version wurde die Serie in Deutschland erstmals 1996 ausgestrahlt. Sie basiert auf der Kinofassung, so wie sie Lars von Trier ursprünglich auf den Filmfestspielen von Venedig präsentierte. Die vier Teile dieser Fassung wurden dabei zu je zwei Teilen zusammengeschnitten. Im November und Dezember 2014 zeigte Arte diese Version.

Kingdom Hospital[Bearbeiten]

Der amerikanische Horrorautor Stephen King schrieb später eine dreizehnteilige Miniserie namens Kingdom Hospital, die auf Hospital der Geister basiert. Kings Geschichte enthält etliche der ursprünglichen Story-Elemente. Sie spielt zwar in einem amerikanischen Krankenhaus in Maine, die Charaktere behielten jedoch teilweise ihre ursprünglichen Namen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ove Christensen, Claus K. Kristiansen: Porten til Riget. In: Eva Jørholdt (Hg.): Ind i filmen. Kopenhagen: Medusa 1995, S. 286-309.
  • Glen Creeber: Surveying The Kingdom. Explorations of medicine, memory and modernity in Lars von Trier’s THE KINGDOM (1994). In: European Journal of Cultural Studies 5/4 (2002), S. 387-406.
  • Andreas Jacke, Sophie Wennerscheid: Der ›wahre Horror‹ und sein phantas(ma)tisches Anderes in Lars von Triers RIGET. In: Niels Penke (Hg.): Der skandinavische Horrorfilm. Kultur- und ästhetikgeschichtliche Perspektiven. Bielefeld: Transcript 2013, S. 101-128.
  • Andreas Jacke: Ghost Dance - Heim-Suchungen: Riget I u. II (1994/1997/Königreich/Hospital der Geister). In: Krisen-Rezeption oder was Sie schon immer über Lars von Trier wissen wollten, aber bisher Jacques Derrida nicht zu fragen wagten. Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2014, ISBN 978-3826055379, S. 129-150.

Weblinks[Bearbeiten]