Hotel Dajti

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Das hinter Bäumen versteckte, im Verfall begriffene Hotel am Hauptboulevard (2006)
Eingang zum geschlossenen Hotel (2009)

Das Hotel Dajti in Tirana galt lange Zeit als das beste Hotel Albaniens. Es befindet sich im Stadtzentrum direkt am Hauptboulevard und ist benannt nach Tiranas Hausberg Dajti. Das Anfang der 1940er Jahre vom italienischen Architekten Gherardo Bosio, Leiter des Zentralen Bau- und Urbanistikamts von Tirana, geplante Gebäude fällt durch die großzügige und von Eklektizismus faschistischer Architektur geprägter kubischer Architektur noch heute auf.[1][2][3] Teile der Einrichtung stammen vom berühmten italienischen Architekten und Designer Gio Ponti.[4][5] Bei der Eröffnung im April 1942 war Bosio bereits gestorben.[5] Das Hotel galt damals als eines der besten Häuser auf dem ganzen Balkan. Seit 2007 ist es als Kulturmonument denkmalgeschützt.[6]


Geschichte[Bearbeiten]

Erstellt wurde das Hotel im Rahmen einer Neugestaltung der albanischen Hauptstadt durch die Italiener unter der Leitung von Gherardo Bosio. Damals wurde – basierend auf der ursprünglichen Idee von Armando Brasini – Tiranas Prachts-Boulevard Bulevardi Dëshmorët e Kombit mit vielen Regierungsgebäuden errichtet.[1][2] Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gebäude während kurzer Zeit als Sitz der kommunistischen Regierung.[7] Lange Zeit war es das einzige Hotel für ausländische Gäste in Tirana. Ab den 1970er Jahren war das Hotel Dajti nur noch Staatsgästen und Geschäftsreisenden vorenthalten – Touristen mussten im Hotel Tirana übernachten. Das Hotel Dajti galt fortan als bestes Haus im Land.[8] Bekannt und auch regelmäßiger Schauplatz einzelner Szenen in literarischen Werken aus Albanien war die Hotel-Bar.

Auch nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems blieb das Hotel in Staatsbesitz. Mangels Investitionen und aufgrund neuer Konkurrenz ab 1995 verlor das Haus schnell an Bedeutung. Mehrere Versuche, das Hotel zu verkaufen, schlugen fehl.[9] 2002 wurde der Hotelbetrieb eingestellt. Das zerstörte Haus wurde ab und zu für Kunstausstellungen gebraucht.[10][11][12] 2010 kaufte die albanische Zentralbank Banka e Shqipërisë das Gebäude für € 30 Millionen. Die Bank will das Gebäude nutzen, während ihr Hauptsitz am Skanderbeg-Platz renoviert wird.[7]

Gebäudebeschreibung[Bearbeiten]

Im Erdgeschoss befand sich neben der Eingangshalle und der Bar ein großer Ballsaal. Auf der von der Straße abgewandten Seite liegt eine Terrasse und ein kleiner, ruhiger Garten. In den drei Obergeschossen befinden sich die rund 85 Gästezimmer – alle mit Balkonen. Die Obergeschosse sind bezüglich Struktur und Stil deutlich schlichter gehalten als das prunkvolle, Marmor-verkleidete Erdgeschoss, was mit den in den Kriegsjahren schwindenden Mitteln erklärt wird.[5]

„Während das überhöhte Sockelgeschoss mit seinen vertikalen Fensterbahnen und blockhaft wuchtigen, profilierten Travertinrahmungen noch ganz im Bann der Tradition [von faschistischer Architektur] steht, löst sich der zurückspringend aufgesetzte, dreigeschossige Obergeschossbereich in ein Raster aus vertikalen und horizontalen Scheiben auf. In die zurückspringende Wand sind die Terrassentüren rahmenlos eingeschnitten. Noch konventionell wirkt die Betonung des oberen Abschlusses in der leicht vorspringenden Dachscheibe.“

Sepp ruft aus der Provinz[3]

Nebst der zur Straße hingewandten Front hat das Gebäude auf der Rückseite einen L-förmig anschließenden Anbau. Insgesamt beträgt die Fläche des Hauses 2000 Quadratmeter.[5]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Artan Shkreli: 25 Jahre Stadtplanung in Tirana von 1916-1941. In: Adolph Stiller (Hrsg.): Tirana Planen Bauen Leben. Architektur im Ringturm XXII, Müry Salzmann Verlag, Wien 2010, ISBN 978-3-99014-030-7.
  2. a b  Besnik Aliaj, Keida Lulo und Genc Myftiu: Tirana - The Challenge of Urban Development. Tirana 2003, ISBN 99927-880-0-3.
  3. a b Tirana - Staatsarchitektur. In: Sepp Ruft 09. 30. Dezember 2009, abgerufen am 14. August 2010.
  4.  Katia Accossato: Tirana: von der Form zur Nicht-Form. In: Adolph Stiller (Hrsg.): Tirana Planen Bauen Leben. Architektur im Ringturm XXII, Müry Salzmann Verlag, Wien 2010, ISBN 978-3-99014-030-7.
  5. a b c d Ben Andoni, Artan Lame: Shembja e një idhulli. In: Revista Mapo. 11. Oktober 2009, abgerufen am 16. August 2010 (albanisch).
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatPolitecnico di Bari – Facoltà di Architecttura: Progettazione dell'architettura degli interni per la riqualificazione dell'hotel Dajti di Tirana. Abgerufen am 16. Mai 2010.
  7. a b Bloomberg Businessweek vom 13. Mai 2010: Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatTirana's Hotel Dajti sold to Bank of Albania. Abgerufen am 15. Mai 2010.
  8.  Heinz Gstrein: Albanien. Walter-Verlag, Olten 1989, ISBN 3-530-29602-3.
  9.  Gerd Höhler: Hotel für Hodschas Gäste wird verkauft. In: Frankfurter Rundschau. 11. April 2005.
  10. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatTirana International Contemporary Art Biannual. Abgerufen am 15. Mai 2010.
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatCafébabel.com: Tirana inszeniert Kunst und Kommerz. Abgerufen am 15. Mai 2010.
  12. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatWieder Leben im Hotel Dajti. Abgerufen am 15. Mai 2010.

41.32472222222219.819722222222Koordinaten: 41° 19′ 29″ N, 19° 49′ 11″ O