Housing First

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Housing First, auch „rapid re-housing“ genannt, ist ein relativ neuer Ansatz aus der US-amerikanischen Sozialpolitik beim Umgang mit Obdachlosigkeit und eine Alternative zum herkömmlichen System von Notunterkünften und vorübergehender Unterbringung. Seit einigen Jahren wird der Ansatz auch in Deutschland, Großbritannien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Portugal und Österreich umgesetzt.

Im Unterschied zu anderen Programmen müssen sich die Obdachlosen bei diesem Ansatz nicht durch verschiedene Ebenen der Unterbringungsformen für unabhängige und dauerhafte Wohnungen „qualifizieren“, sondern können direkt in eine „eigene“ Wohnung ziehen. Das zumeist bestehende Stufenmodell, in dem ein Umzug zwischen verschiedenen Wohnformen vorgesehen ist (beispielsweise von wohnungslos zum Nachtquartier zum Übergangswohnen und dann erst in die eigene Wohnung) bedeutet zwar, das auch hier am Ende die eigene Wohnung steht. Jedoch ist zumeist vorgesehen, dass mit dem Einzug in die eigene Wohnung auch die Unterstützung endet. Das ist bei Housing First anders: Die Unterstützung wird bedarfsgerecht in der eigenen Wohnung kontinuierlich angeboten. Zudem wird auch keine Abstinenz von Alkohol oder anderen Substanzen als Voraussetzung verlangt. Unterstützung und Programme können in Anspruch genommen werden, sind aber nicht verpflichtend. Der Ansatz basiert darauf, dass eine obdachlose Person oder Familie als erstes und wichtigstes eine stabile Unterkunft braucht und andere Angelegenheiten erst danach angegangen werden sollten. Die meisten anderen Programme arbeiten hingegen mit einem Modell der „Wohnfähigkeit“, was bedeutet, dass andere Probleme, die zur Wohnungslosigkeit geführt haben, zuerst behoben werden müssen.

Ergebnisse[Bearbeiten]

Nach ersten Studien verringerte sich die Zahl der Menschen, die auf der Straße leben, in Gebieten mit einem solchen Programm um 30 Prozent,[1] sodass sogar die Zahl der Notunterbringungen reduziert werden konnte.[2] Einer Studie zufolge waren 77 Prozent derjenigen, die das Programm begannen, auch noch zwei Jahre später darin.[3] Auch Untersuchungen in Europa kamen zu dem Ergebnis, „dass Wohnstabilität nach 24 Monaten selbst bei Personen mit Doppeldiagnosen und ohne Betreuungsverpflichtung höher ist und seltener Wohnungslosigkeit eintritt als bei Kontrollgruppen mit einer Abstinenzvoraussetzung“.[4] Dabei verbessert sich nicht nur der Gesundheitszustand der Programmteilnehmer,[5] auch der Alkoholkonsum und die Kriminalitätsrate sinken, während die Bereitschaft für Therapieangebote steigt.[6] Für die Gemeinden bedeutet dies auch eine signifikante Kostenreduktion durch Rückgang von Inhaftierungen, aber vor allem durch die sinkende Nutzung von Rettungsdiensten und anderen medizinischen Versorgungsleistungen. „Selbst wenn man die Ausgaben für die Unterkunft miteinbezieht, halbierten sich die Gesamtkosten.“[7]

Literatur[Bearbeiten]

Dokumentationen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. U.S. Reports Drop in Homeless Population. New York Times. 20. Juli 2008. Abgerufen am 16. April 2011.
  2. Homelessness On The Decline In Boston. WBUR Radio Boston. 29. September 2010. Abgerufen am 16. April 2011.
  3. Denver Housing First Collaborative. Cost Benefit Analysis and Program Outcomes Report.. Jennifer Perlman, John Parvensky. 11. Dezember 2006. Abgerufen am 16. April 2011.
  4. Housing First – Ein neuer Weg aus der Armut. Österreichische Gemeinde-Zeitung. 4. Dezember 2009. Abgerufen am 16. April 2011.
  5. Denver Housing First Collaborative. Cost Benefit Analysis and Program Outcomes Report.. Jennifer Perlman, John Parvensky. 11. Dezember 2006. Abgerufen am 16. April 2011.
  6. Alkoholismus: “Housing first” senkt Versorgungskosten. Deutsches Ärzteblatt. 1. April 2009. Abgerufen am 16. April 2011.
  7. Alkoholismus: “Housing first” senkt Versorgungskosten. Deutsches Ärzteblatt. 1. April 2009. Abgerufen am 16. April 2011.