Howard Carpendale

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Howard Victor Carpendale (* 14. Januar 1946 in Durban, Südafrika) ist ein südafrikanischer Schlagersänger und Komponist. Seine größten Single-Hits hatte er in den deutschsprachigen Ländern in den 1970er und 1980er Jahren. Mit Alben ist er seit den 1980er Jahren weitgehend durchgängig erfolgreich. Im Laufe seiner Karriere konnten von ihm über 25 Millionen Tonträger verkauft werden.

Leben[Bearbeiten]

Allgemein[Bearbeiten]

Nach einigen erfolglosen Versuchen in seiner Heimat als Beat-Sänger und Elvis-Imitator siedelte Carpendale 1966 nach Europa über. Seine erste Station war Großbritannien, wo er verschiedene Jobs annahm, unter anderem als Sänger in einer Beat-Band.

Die für ihn als Südafrikaner benötigte Aufenthaltserlaubnis beschaffte ihm Meta Rogall aus Ostfriesland, bei der er erstmals in Deutschland auftrat. Dies verschaffte ihm die Möglichkeit, weiter durch Lokale zu tingeln.[1]

Bei einem Gastspiel in Deutschland sprach Carpendale in Köln bei der Plattenfirma Electrola vor und bekam kurz darauf einen Vertrag. Seine erste Platte Lebenslänglich verkaufte sich etwa 60.000mal. Während seiner Zeit in Köln spielte Carpendale u. a. in der Rugby-Bundesliga beim ASV Köln.

1969 hatte er mit einer deutschen Coverversion des Beatles-Songs Obladi Oblada seinen ersten Hit in Deutschland. Ein Jahr später belegte er mit Das schöne Mädchen von Seite Eins den ersten Platz beim Deutschen Schlager-Wettbewerb 1970.

Der weitere Erfolg blieb jedoch zunächst aus, seine weiteren Platten verkauften sich nur schlecht und die Plattenfirma war kurz davor, den Vertrag mit ihm zu kündigen. Carpendale begann, seine Lieder selbst zu komponieren und zu produzieren. Ab 1974 kamen seine Eigenkompositionen wie Da nahm er seine Gitarre und Du fängst den Wind niemals ein auf den Markt, die kommerziell erfolgreich wurden. Zusammen mit seinem damaligen Gitarristen Joachim Horn schrieb er deutsche Texte zu bekannten ausländischen Liedern wie Los hombres no deben llorar/Love me like a stranger (Fremde oder Freunde), Lulelalelula (Deine Spuren im Sand), Sitting On The Dock Of The Bay (Armer alter reicher Mann), Ti amo oder Living Next Door To Alice (Tür an Tür mit Alice). Auch an der Titelmelodie der TV-Kinderserie Meister Eder und sein Pumuckl war er beteiligt. Zudem war er regelmäßig in den Fernseh- Musiksendungen ZDF-Hitparade und disco[2] zu sehen.

Zwischenzeitlicher Abschied von der Bühne[Bearbeiten]

Am 13. Dezember 2003 trat Carpendale zu seinem letzten Konzert in der Kölnarena auf und vollzog damit seinen bereits im Verlauf des Jahres angekündigten Rücktritt vom Showgeschäft. Der bis dato erfolgreiche Carpendale entschied sich, keine Konzerte mehr zu geben und keine Platten mehr zu veröffentlichen[3]. Nach eigenen Aussagen wollte er sich neuen Herausforderungen stellen, z. B. der Schauspielerei. Bereits 2001 spielte er in der US-Serie Dark Realm eine Hauptrolle.

Im Sommer 2005 veröffentlichte seine erste Plattenfirma EMI Electrola seine kompletten LP von 1969 bis 1990 als Doppel-CD.

2004 wurde Carpendale mit dem Echo für sein Lebenswerk geehrt.

Comeback[Bearbeiten]

Am 18. September 2007 erklärte Carpendale in der Johannes B. Kerner-Show, dass er ab April 2008 wieder zehn Konzerte in Deutschland geben werde. In Deutschland erschien am 2. November 2007 sein komplett neu eingespieltes Album 20 Uhr 10. Der Titel ist eine Anspielung darauf, dass Carpendale sich früher um diese Zeit im Allgemeinen immer auf der Bühne aufhielt und sein Konzert begann. Das Album platzierte sich schon in der ersten Woche auf Platz 4 der Mediacontrol-Charts.

Im Dezember 2012 gab Howard Carpendale offiziell bekannt, sich von seinem langjährigen Manager Dieter Weidenfeld (einvernehmlich) getrennt zu haben.[4]

Familie und Sonstiges[Bearbeiten]

Carpendale war 1963 südafrikanischer Jugendmeister im Kugelstoßen. In den 1970er Jahren betätigte er sich in Deutschland als Formel-3-Fahrer.

Howard Carpendale lebte in erster Ehe von 1976 bis 1984 mit Claudia, die Scheidung erfolgte aber erst im Herbst/Winter 2005. Die beiden haben einen gemeinsamen Sohn, Wayne (* 1977). Seit 1983 lebt Carpendale mit der Amerikanerin Donnice Pierce zusammen. Aus dieser Beziehung stammt der Sohn Cass (* 1988).[5]

1999 hatte Carpendale einen kurzen Auftritt am Schluss des Videoclips zu Le Smou von den Fantastischen 4. Selbstironisch spielt Carpendale hier Smudo, wie er sich selbst wahrnimmt, nachdem er nach einem Ausbruch und einigen Eskapaden in Freiheit wieder in die geschlossene Anstalt zurückgebracht und von seinen „Fans“ gefeiert wird.

Carpendale gab im Februar 2003 bekannt, dass er an Multipler Sklerose erkrankt ist.[6]

Diskografie[Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Howard Carpendale/Diskografie

Studioalben[Bearbeiten]

Jahr Titel Chartpositionen Anmerkungen
DeutschlandDeutschland OsterreichÖsterreich SchweizSchweiz
1969 Ich geb mir selbst ’ne Party Erstveröffentlichung: 1969
1970 Nr.1 Erstveröffentlichung: 1970
1972 Eine Schwäche für die Liebe Erstveröffentlichung: 1972
1974 Du fängst den Wind niemals ein Erstveröffentlichung: 1974
1975 … und ich warte auf ein Zeichen Erstveröffentlichung: 1975
1976 Fremde oder Freunde Erstveröffentlichung: 1976
1976 Howard Carpendale ’77 Erstveröffentlichung: 1976
1977 Jede Farbe ist schön Erstveröffentlichung: 1977
1977 Nimm den nächsten Zug Erstveröffentlichung: 1977
1978 … dann geh doch Erstveröffentlichung: 1978
1978 Und so gehen wir unsere Wege Erstveröffentlichung: 1978
1979 Mein Weg zu dir 3
(28 Wo.)
13
(8 Wo.)
Erstveröffentlichung: 25. November 1979
Verkäufe: + 250.000
1980 Eine Stunde für dich 3
(22 Wo.)
Erstveröffentlichung: 6. Oktober 1980
Verkäufe: + 250.000
1981 Such mich in meinen Liedern 4
(19 Wo.)
Erstveröffentlichung: 2. November 1981
Verkäufe: + 250.000
1982 Bilder meines Lebens 9
(10 Wo.)
Erstveröffentlichung: 4. Oktober 1982
1984 Hello Again 3
(25 Wo.)
20
(4 Wo.)
7
(16 Wo.)
Erstveröffentlichung: 13. Februar 1984
Verkäufe: + 250.000
1984 Howard Carpendale ’84 8
(13 Wo.)
Erstveröffentlichung: 5. November 1984
Verkäufe: + 250.000
1985 Mittendrin 6
(20 Wo.)
23
(4 Wo.)
Erstveröffentlichung: 26. August 1985
Verkäufe: + 250.000
1987 Carpendale 2
(21 Wo.)
Erstveröffentlichung: 7. September 1987
Verkäufe: + 250.000
1989 Carpendale ’90 7
(16 Wo.)
Erstveröffentlichung: 2. Oktober 1989
1991 Ganz nah 8
(25 Wo.)
Erstveröffentlichung: 11. Februar 1991
1992 Mit viel, viel Herz 19
(17 Wo.)
36
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: 4. Mai 1992
1992 Welthits zum Träumen 46
(9 Wo.)
Erstveröffentlichung: 30. November 1992
1994 Ich bin da! 7
(14 Wo.)
Erstveröffentlichung: 18. April 1994
1995 Howard Carpendale ’95 26
(11 Wo.)
Erstveröffentlichung: 3. April 1995
1996 Kein Typ für eine Nacht 45
(13 Wo.)
Erstveröffentlichung: 4. März 1996
1998 Lust auf mehr … 13
(7 Wo.)
Erstveröffentlichung: 26. Oktober 1998
2001 Alles OK 9
(14 Wo.)
55
(3 Wo.)
Erstveröffentlichung: 5. Februar 2001
2003 Der richtige Moment 14
(10 Wo.)
36
(5 Wo.)
Erstveröffentlichung: 13. April 2003
2007 20 Uhr 10 4
(29 Wo.)
19
(7 Wo.)
46
(4 Wo.)
Erstveröffentlichung: 2. November 2007
Verkäufe: + 210.000
2009 Stark 2
(16 Wo.)
16
(5 Wo.)
80
(1 Wo.)
Erstveröffentlichung: 25. September 2009
Verkäufe: + 100.000
2011 Das alles bin ich 5
(12 Wo.)
12
(4 Wo.)
58
(2 Wo.)
Erstveröffentlichung: 25. Februar 2011
Verkäufe: + 100.000
2013 Viel zu lang gewartet 9
(… Wo.)
12
(… Wo.)
39
(… Wo.)
Erstveröffentlichung: 25. Oktober 2013

Filmografie[Bearbeiten]

  • 1970: Musik, Musik – da wackelt die Penne
  • 1984: Niemand weint für immer
  • 1992: Wiedersehen in Kanada (Fernsehfilm)
  • 1994: Matchball (Fernsehserie)
  • 2012: Lebe dein Leben (Fernsehfilm)

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • Echo
    • 1993: in der Kategorie „Schlager/Volksmusik Künstler National/International“
    • 1996: in der Kategorie „Schlager/Volksmusik Künstler National/International“
    • 2004: in der Kategorie „Lebenswerk“
  • Goldene Europa
    • 1978, 1987
  • Goldene Stimmgabel
    • 1981, 1984, 1986, 1987
  • Live Entertainment Award
    • 2009: in der Kategorie „Hallen- und Arena-Tournee des Jahres“ (“20 Uhr 10″-Tour 2008)
  • Löwe von Radio Luxemburg
    • 1974: „Silber“ (Du fängst den Wind niemals ein)

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Werner Jürgens: Komm, wir geh’n zu Meta. 3. Aufl. 2009. SKN Verlag, Norden 2000, ISBN 978-3-928327-44-2
  2. Disco (TV series)#Full Disco Playlist in der englischsprachigen Wikipedia
  3. Torsten Hampel: Das Ende vom Lied. In: Der Tagesspiegel vom 12. Dezember 2003
  4. Howard Carpendale hat ein neues Management-Team News auf SchlagerPlanet.com
  5. Howard Carpendale: Wenn Du mich finden willst. Kempen 1999, ISBN 3-8238-0768-4.
  6. stern.de