Hrimthurse

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Hrimthursen (isländisch: Hrímþursar) sind die Frost-, Reif- oder Eisriesen der germanischen Mythologie. Ihr Stammvater ist Wafthrudnir, ein Sohn Ymirs. Andere Erzählungen benennen Thrudgelmir (þrudgelmir) als Ahnen der Reifriesen, der aus dem Aneinanderreiben der Füße Ymirs entstanden ist. Sein Sohn ist Bergelmir. Thrudgelmir ist ein hässliches, gletscherähnliches Wesen mit sechs Häuptern.[1]

Etymologie Hrimthurse[Bearbeiten]

Altnordisch und isländisch bedeutet hrím auf deutsch "Reif". Da der Begriff im Deutschen ambig zu dem Adjektiv "reif" (voll entwickelt, geeignet) ist, wird der Ausdruck durch die verwandten Nomen "Frost" oder "Eis" semantisch aufgehellt. Daher existieren im Deutschen die Begriffe Reif-, Frost- und Eisthurse/Eisriese.

Das Nomen Thurse ist verwandt mit isländisch þursur, mittelenglisch thurse, thursse, thyrce, thurs, thirs, altenglisch þyrs (“Riese, Dämon, Zauberer”). Zugrunde liegt proto-germanisch *þurisaz, *þursaz, *þursiz (“Riese, Name der þ-Rune”), von der proto-indoeuropäischen Wurzel *tur-, *twer- (“rotieren, drehen, wirbeln, bewegen”).[2] Die Semantik des Begriffes weist auf die elementaren Urgewalten hin.

Genese der Reifriesen[Bearbeiten]

Als die Götter sich mit den Riesen treffen, um zu beratschlagen, entsteht ein Streit. Odin und seine Brüder Vili und Ve töten Ymir und zerhacken ihn in Stücke. In seinem endlosen Strom von Blut ertrinken alle Abkömmlinge Ymirs mit Ausnahme Bergelmirs und seiner Frau. Dieser schwimmt durch die blutigen Wogen und zieht seine Frau an ihren Haaren hinterher, bis es ihm gelingt, an einer Riesenmühle an Land zu kriechen, wo beide ausgestreckt und nach Luft ringend überleben und so das Geschlecht der Reifriesen retten und sich fortpflanzen.[3]

Aussehen, Charakter, Lebenswelt[Bearbeiten]

Das aus dem Aneinanderreiben der Füße Ymirs entstandene Riesengeschlecht ist von robuster Kraft und dämonischer Natur. Der Wuchs ist übergroß, aber von menschlicher Gestalt. Die Reifriesinnen sind von übernatürlich schönem Antlitz, weshalb viele von ihnen sich mit den Asen vermählen. Die männlichen Riesen dagegen sind oftmals von großer Hässlichkeit. Sie repräsentieren ähnlich wie die Titanen in der griechischen Mythologie die Urgewalten der Natur. Sie sind Personifizierungen der toten, rohen Materie und Geschöpfe des Chaos, weshalb sie außerhalb der Welt der Menschen und Götter leben. Die Reifriesen leben in einem Teil Utgards, nämlich in Jötun(n)heim, der Riesenwelt. Als Wesen, die vor der Geburt der Götter lebten, besitzen sie zwar eine unergründlich tiefe Urweisheit, sind aber ohne Verständnis wie Kinder und aus diesem Grund gutmütig sowie leicht zu betören. Sie können aber auch ihre physische Stärke durch grausame und gewalttätige Handlungen zeigen.[4] Die Reifriesen sind Todfeinde der Götter und liegen mit ihnen im Gegensatz zu den einfachen Thursen fast immer im Streit. Vor allem mit Thor kämpfen sie meist um ihr Leben. Odin dagegen sucht sie manchmal auf und fragt um Rat.[5] Bekannte Hrimthursen sind Hymir (der Vater von Tyr) sowie Gymir aus Jötunheim (der Vater von Gerda, der Frau von Freyr). Oft werden die Riesen von den Göttern durch eine List betrogen. Viele von ihnen sterben durch Mjöllnir, dem Hammer Thors.[6]

Die Mauern Asgards[Bearbeiten]

Ein namentlich nicht erwähnter Hrimthurse soll der Erbauer der Mauern von Asgard sein. Für die Fertigstellung der Baumaßnahmen forderte er Freya zur Frau sowie Sonne und Mond als Geschenk von den Asen. Diese aber, listig und dem Betrug zugeneigt, stellten die Bedingung, den Bau in sechs Monaten zu bewerkstelligen. Als es schien, dass der Riese dies schaffen könne, ent(ver)führte Loki, in Gestalt einer Stute, Svadilfari, das Pferd des Riesen, das ihm bei seiner Arbeit half. Aus dieser Verbindung entstand der achtbeinige Hengst Sleipnir, den Loki Odin zum Geschenk machte. Durch diese List Lokis wurde die Arbeit nicht termingerecht abgeschlossen, und die Asen verweigerten dem Riesenbaumeister den zugesagten Lohn. Wütend über diese List der Götter, gab er sich als Hrimthurse zu erkennen und wurde sogleich von Thor mit seinem Hammer (Mjöllnir) erschlagen.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Brian Branston: Gudar och Hjältar i Nordisk Mytologi.Bokförlaget Legenda AB, Stockholm 1985, S.20, ISBN 915820047-9
  2. http://www.heinrich-tischner.de/22-sp/2wo/wort/idg/german/thurs.htm
  3. Brian Branston: Gudar och Hjältar i Nordisk Mytologi.Bokförlaget Legenda AB, Stockholm 1985, S.20, ISBN 915820047-9
  4. Paul Herrmann: Nordische Mythologie.Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin 4. Auflage 2002, S. 99
  5. Paul Herrmann: Nordische Mythologie.Aufbau Taschenbuch Verlag, Berlin 4. Auflage 2002, S. 100
  6. Herbert Gottschalk. Lexikon der Mythologie. Wilhelm Heyne Verlag, München 1993,S. 397-398, ISBN 3-453-06530-1
  7. Herbert Gottschalk. Lexikon der Mythologie. Wilhelm Heyne Verlag, München 1993,S. 397-398,ISBN 3-453-06530-1