Hu Jintao

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Hu Jintao (2011)

Hú Jǐntāo (chinesisch 胡錦濤 / 胡锦涛, W.-G. Hu Chin-t'ao; * 21. Dezember 1942 in Jiangyan, bezirksfreie Stadt Taizhou) ist ein Politiker der Volksrepublik China. Von 2003 bis 2013 war er Staatspräsident der Volksrepublik China. Von 2002 bis 2012 war er Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas und als Vorsitzender der Zentralen Militärkommission der Oberbefehlshaber der Volksbefreiungsarmee und somit Paramount Leader (Führer von Partei, Staat und Armee) der Volksrepublik China. Im März 2013 wurde er von Xi Jinping als Staatspräsident abgelöst.[1]

Herkunft, Aufstieg in der Partei[Bearbeiten]

Hu Jintao wurde 1942 in Jiangyan (Provinz Jiangsu) geboren. Sein Geburtshaus liegt heute unmittelbar hinter dem Hochhaus der Industrie- und Handelsbank von Taizhou. Sein Vater war Teehändler, der später während der Kulturrevolution denunziert wurde. Da seine Mutter starb als Hu sieben Jahre alt war, wurde er anschließend von einer Tante erzogen. 1959 mit 18 Jahren verließ er Jiangyan und studierte bis 1965 an der Tsinghua-Universität in Peking. Während dieser Zeit trat er 1964 in die Kommunistische Partei Chinas ein. An der Universität lernte er auch seine Frau Liu Yongqing kennen, mit der er zwei Kinder hat. Nach dem Abschluss seines Ingenieurstudiums für Wasserbau arbeitete er ab 1968 in einer Wohnungsbaubrigade in der Provinz Gansu. Von 1969 bis 1974 arbeitete er als Ingenieur für das sinohydrische Ingenieursbüro Nummer 4. 1974 wurde er, ebenfalls in Gansu, Sekretär der Kommission für Investbau. Im nächsten Jahr wurde er dort Vizeseniorchef. In dieser Zeit traf er seinen künftigen Förderer Song Ping, den ersten Sekretär des Komitees der kommunistischen Partei Gansus.

Sein politischer Aufstieg begann in den 1980er Jahren. So besuchte er 1981 die Zentrale Parteischule in Beijing (Peking). Hier knüpfte er Kontakte zu Deng Nan, der Tochter Deng Xiaopings, und Hu Deping, dem Sohn Hu Yaobangs. 1982 wurde Hu Sekretär des Kommunistischen Jugendverbandes Gansus. Im selben Jahr noch wurde er Sekretär des Zentralkomitees des Kommunistischen Jugendverbandes in Beijing. 1983 wurde er Vorsitzender des Verbandes. Zu dieser Zeit begleitete er Hu Yaobang, den Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas, auf Reisen durch das Land.

Parteisekretär in Guizhou und Tibet[Bearbeiten]

1985 wurde Hu Parteisekretär der Provinz Guizhou. Die dort 1987 ausbrechenden Studentenproteste behandelte er mit Vorsicht. 1988 übernahm er das Amt des Parteisekretärs von Tibet und war dort 1989 für die gewaltsame Niederschlagung von Protesten und die Verhängung des Kriegsrechts verantwortlich.

Mitglied des Politbüros[Bearbeiten]

Dem Ständigen Ausschuss des Politbüros gehört Hu seit 1992 an. Die Leitung der Parteischule des Zentralkomitees hatte er ab 1993 als deren Präsident inne. Ebenso arbeitete er im Sekretariat des Politbüros, das mit dessen Tagespolitik beschäftigt war, wie auch im Medienbereich, wo er insbesondere für die Darstellung des Präsidenten in der Öffentlichkeit zuständig war. Als die Mitglieder der sogenannten zweiten Führungsgeneration der Kommunistischen Partei, so z. B. Deng Xiaoping, die Machtübergabe an die darauf folgende Generation vorbereiteten, wurde auch über den übernächsten Machtwechsel beratschlagt. So wurde Hu schon 1992 von Deng, auf Vorschlag Song Pings, als zukünftiger Parteichef ausersehen. Nicht zuletzt dank der Förderung durch Hu Yaobang führte die politische Karriere Hu Jintaos auch tatsächlich bis in die höchsten Ämter der Volksrepublik.

1998 wurde Hu Vizepräsident der Volksrepublik China. Da der damalige Staatspräsident Jiang Zemin wollte, dass Hu eine aktivere Rolle in der Außenpolitik übernahm, äußerte sich Hu 1999 oft in Bezug auf das US-Bombardement der chinesischen Botschaft in Belgrad.

Präsidentschaft[Bearbeiten]

Hú Jǐntāo zu Besuch beim damaligen US-Präsident George W. Bush

Am 15. November 2002 wurde Hu Jintao zum neuen Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Volksrepublik China gewählt.[2] Im März 2003 wählte ihn der Nationale Volkskongress zum Staatspräsidenten und ab November 2004 übernahm er das Oberkommando der Volksbefreiungsarmee. Durch die Nachfolge in diesen drei Ämtern wurde Hu Jintao zum neuen Paramount Leader (Führer von Partei, Staat und Armee) der Volksrepublik China und gilt eher als „Hardliner“ denn als Reformer.

Erstmals seit zehn Jahren besuchte mit Hu Jintao Ende 2006 ein chinesischer Präsident das Nachbarland Indien.

In seiner programmatischen Rede zum Auftakt des 17. Parteikongresses der Kommunistischen Partei am 14. Oktober 2007 kündigte Hu Jintao eine gerechtere Verteilung des Wohlstands und mehr Umweltschutz an. Er räumte ein, dass das chinesische Wirtschaftswachstum „mit unmäßig hohen Kosten“ erzielt werde und die Umwelt stark belaste. Wörtlich sagte er den 2200 Delegierten: „Wir werden ein System errichten, das zum Energiesparen und zur Reduzierung von Abgasen verpflichtet.“ Er bekräftigte die zentrale Führungsrolle der Kommunistischen Partei und bekannte sich zum Einparteiensystem. Innerhalb dieses politischen Rahmens stellte er moderate Reformen in Aussicht.[3]

Am 15. März 2008 wurde Hu vom 11. Nationalen Volkskongress mit 99,7 % der Stimmen in seinem Amt als Staatspräsident bestätigt[4], wie üblich gab es keine Gegenkandidaten.[5]

Hu Jintao wurde 2010 vom Forbes Magazine zum mächtigsten Menschen der Welt erklärt und löste damit US-Präsident Barack Obama ab, der 2009 diesen Titel zugesprochen bekam.[6][7][8] Ein Jahr darauf wurde er allerdings in der Forbes-Liste nur noch auf Platz drei der mächtigsten Persönlichkeiten gesetzt, wobei US-Präsident Obama erneut den ersten Platz einnahm und der russische Präsident Wladimir Putin auf Rang zwei kam.[9]

Am 14. November 2012 erklärte Hu Jintao auf dem Parteitag der KPCh seinen Rücktritt vom Parteivorsitz. Er wurde auch nicht mehr in das Zentralkomitee der Partei gewählt.[10] Auch den Vorsitz der Zentralen Militärkommission legte er per sofort nieder. Am 14. März 2013 wurde Xi Jinping als sein Nachfolger vom Nationalen Volkskongress zum neuen Staatspräsidenten gewählt.

Privates[Bearbeiten]

Hu Jintao ist verheiratet und hat zwei Kinder. Im Januar 2014 wurde aufgrund von Recherchen des Centers for Public Integrity ("Offshore-Leaks") bekannt, dass die Familie des ehemaligen Staatspräsidenten über seinen Neffen Hu Yishi Gelder durch die Gründung von Offshore-Briefkastengesellschaften ins Ausland verlagert hat.[11][12][13][14]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hu Jintao – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikinews: Hu Jintao – in den Nachrichten

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Volkskongress: Xi Jinping ist neuer Präsident Chinas bei Spiegel Online, 14. März 2013 (abgerufen am 14. März 2013).
  2. Beijing Rundschau vom 27. September 2009: 60 Jahre Volksrepublik China - 2000–2008. Abgerufen am 13. November 2011.
  3. n-tv: Parteitag in Peking - China will sauberer werden, 15. Oktober 2007
  4. Tages-Anzeiger: Hu und Xi an der Spitze Chinas vom 15. März 2008.
  5. Kabinettsreform verabschiedet: Chinas Präsident bleibt im Amt. n-tv.de
  6. Obama nicht mehr der mächtigste Mensch der Welt: Krone.at: Obama nicht mehr der mächtigste Mensch der Welt. Letzter Abruf: 5. November 2010
  7. Hu ist mächtigster Mensch der Welt: Wiener Zeitung: Hu ist mächtigster Mensch der Welt. abgerufen am 5. November 2013
  8. Obama verliert Status als mächtigster Mann der Welt: Welt Online: Obama verliert Status als mächtigster Mann der Welt. Letzter Abruf: 5. November 2010
  9. Forbes-Liste 2011 Powerful people
  10. Hu Jintao macht den Weg frei für den Nachfolger, BaZ online, 14. November 2012
  11. Heikle Deals von Chinas Machtelite, Tagesschau.de, 21. Januar 2014.
  12. Leaked Records Reveal Offshore Holdings of China’s Elite, icij.org, 21. Januar 2014.
  13. Steueroasen: Chinas Mächtige schafften angeblich Vermögen in die Karibik, Süddeutsche Zeitung, 21. Januar 2014.
  14. China's princelings storing riches in Caribbean offshore haven, The Guardian, 21. Januar 2014.
Vorgänger Amt Nachfolger
Jiang Zemin Generalsekretär der Kommunistischen Partei Chinas
2002–2012
Xi Jinping
Jiang Zemin Staatspräsident der Volksrepublik China
2003–2013
Xi Jinping