Hubert Lanz

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Hubert Lanz (* 22. Mai 1896 in Entringen, † 12. August 1982 in München) war General der Gebirgstruppe in der Wehrmacht und verurteilter Kriegsverbrecher.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Leben

Vom 25. Oktober 1940 bis zum 17. Dezember 1942 war Lanz als Nachfolger von Ludwig Kübler Befehlshaber der 1. Gebirgs-Division (Division „Edelweiß“).

Lanz führte seit Ende Januar 1943 die Armeeabteilung im Raum Charkow. Lanz hatte am 26. Januar 1943 in einer nächtlichen Lagebesprechung in der Wolfsschanze von Hitler den Auftrag erhalten, Raum und Stadt Charkow gegen jeden Angriff zu halten. Anstatt seine beiden SS-Divisionen zu opfern, befahl SS-General Paul Hausser seinem Korps, nach Südwesten auszubrechen – ohne sich um die Durchhaltebefehle Hitlers zu kümmern. Haussers direkter Vorgesetzter, General Hubert Lanz, funkte im Februar 1943 an SS-General Hausser: „Charkow ist unter allen Umständen zu verteidigen!“ Hausser ignorierte auch diesen Befehl. An seiner Stelle entließ Hitler keinen anderen als Lanz – eben den General, der bis zuletzt darauf bestanden hatte, dass der Führerbefehl zu befolgen sei.

Ab dem 20. August 1943 war Lanz Befehlshaber des XXII. Gebirgs-Armeekorps.

Am 8. Mai 1945 kam Lanz in amerikanische Gefangenschaft; 1947 wurde er im Südost-Generale-Prozess wegen des Massakers auf Kefalonia und wegen Geiselmorden auf dem Balkan zu zwölf Jahren Haft verurteilt, jedoch bereits 1951 wieder entlassen. Er war nach dem Krieg Mitglied der FDP und dort als Berater für militär- und sicherheitspolitische Fragen tätig. 1952 wurde er Ehrenvorsitzender des Kameradenkreises der Gebirgstruppe und Vorsitzender im Traditionsverband der 1. Gebirgsdivision.

[Bearbeiten] Kriegsverbrechen

Der Autor Hermann Frank Meyer beschreibt in seinem Buch[1] die Geschichte der Gebirgsjäger unter der Führung von Lanz und widerlegt dabei Legenden, die nach 1945 zur Rechtfertigung Lanz‘ entstanden waren[2].

[Bearbeiten] Massaker von Lemberg

In den ersten Stunden des 30. Juni 1941 besetzen Einheiten der 1. Gebirgsdivision die Stadt Lemberg. Wenige Stunden später ist Lemberg zum Schauplatz wüster Ausschreitungen geworden. Das Kriegstagebuch des 49. Armeekorps notiert: „Unter der Bevölkerung herrscht über die Schandtaten der Bolschewisten rasende Erbitterung, die sich gegenüber den in der Stadt lebenden Juden, die mit den Bolschewisten zusammengearbeitet haben, Luft macht.“ (Quelle: Kriegstagebuch des 49. Armeekorps) Und ein Offizier der Stadtkommandantur schreibt über den ersten Tag der Besetzung an seine Frau: „Juden werden erschlagen - leichte Pogromstimmung [,] so unter den Ukrainern.“ Doch ganz so spontan, als Akt ukrainischen Volkszorns, wie es diese Zeugnisse nahe legen, hatten sich die Ereignisse nicht entwickelt. Gegen Mittag, nach einer Inspektionsfahrt des Kommandeurs der 1. Gebirgsdivision General Hubert Lanz, waren in den Straßen Plakate und Flugblätter der deutschen Besatzer erschienen. Da stand zu lesen, wer für die Morde verantwortlich war: die „jüdischen Bolschewiken“. [3][4]

[Bearbeiten] Massaker von Kefallonia

Auf Kefalonia und auf Korfu kämpfte die Wehrmacht im September 1943 die Division Acqui der italienischen Armee nieder, die sich nach dem Waffenstillstand zwischen Italien und den Alliierten nicht von den Deutschen hatte entwaffnen lassen. Es lagen Befehle des Oberkommandos der Wehrmacht vom 18. und am 23. September 1943 vor, die besagten, dass „wegen des gemeinen und verräterischen Verhaltens“ der Italiener keine Gefangenen gemacht werden sollten. Für die Kriegsverbrechen von Kefalonia tragen der General der Gebirgstruppe Lanz und Generaloberst Löhr die truppendienstliche Verantwortung: Jeder aufgegriffene italienische Soldat wurde sofort nach seiner Gefangennahme niedergeschossen. [5][4] Die Offiziere sollten „in würdiger Form“ umgebracht werden, so die Weisung des Gebirgsjäger-Generals Lanz. Alle Offiziere der Division wurden einige Tage später erschossen. Insgesamt wurden mindestens 5.170 Italiener auf der Insel getötet.[6] Daran waren nicht nur Gebirgsjäger, sondern auch Angehörige der 104. Jäger-Division und der Festungs-Grenadierbataillone 909 und 810 beteiligt.[7][8].

[Bearbeiten] Erschießungen auf Korfu

Auch auf der Nachbarinsel Korfu entwaffneten Teile der 1. Gebirgsdivision die dort stehenden italienischen Einheiten von etwa 8.000 Mann unter Oberst Luigi Lusignani. Am 24. September 1943 landeten deutsche Truppen auf der Insel, am nächsten Tag nahmen sie Oberst Lusignani gefangen. Dieser befahl seinen Männern nach kurzen Verhandlungen, die Waffen niederzulegen. Von den 280 auf der Insel befindlichen italienischen Offiziere wurden 28 sofort nach ihrer Gefangennahme nieder gemacht, am Tag darauf auf Befehl von General Lanz auch die restlichen Offiziere erschossen. Die Leichen der Offiziere wurden auf General Lanz’ Befehl "mit dem Schiff auf das Meer hinausgefahren und beschwert an mehreren Stellen versenkt".[9]

[Bearbeiten] Auszeichnungen

  • L'Ordre de Vytantas le Grand V. Klasse (Litauischer Orden) (8. September 1933)
  • Spange zum Eisernen Kreuz II. (22. Mai 1940) und I. Klasse (8. Juli 1940)
  • Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub und Schwertern
    • Ritterkreuz 1. Oktober 1940 (als Oberst im Generalstab und Chef des Generalstabes des XVIII. Armee-Korps)
    • Eichenlaub 23. Dezember 1942 (als Generalleutnant und Kommandeur der 1. Gebirgs-Division)

[Bearbeiten] Literatur

  • Charles B. Burdick: Hubert Lanz. General der Gebirgstruppe 1896-1982, (= Soldatenschicksale des zwanzigsten Jahrhunderts als Geschichtsquelle, Bd. 9), Osnabrück, 1988, ISBN 3-7648-1736-4
  • Roland Kaltenegger, Die deutsche Gebirgstruppe 1935-1945, München, 1989
  • Hubert Lanz, Gebirgsjäger. Die 1. Gebirgs-Division 1935 - 1945, Bad Nauheim, 1954
  • Hermann Frank Meyer: Blutiges Edelweiß. Die 1. Gebirgs-Division im Zweiten Weltkrieg, Verlag Ch. Links, Berlin 2008, ISBN 3861534479
  • Hermann Frank Meyer: Kommeno. Erzählende Rekonstruktion eines Wehrmachtsverbrechens in Griechenland, Romiosini Verlag, Köln 1999, ISBN 392988934X
  • Gerd R. Ueberschär (Hg.) Hitlers militärische Elite. Von den Anfängen des Regimes bis Kriegsbeginn, Bd. I, Primus Verlag, Darmstadt 1998, ISBN 3896780832
  • Gerhard Schreiber: Die italienischen Militärinternierten im deutschen Machtbereich 1943 bis 1945. Verraten - Verachtet - Vergessen, (= Beiträge zur Militärgeschichte, Bd. 28), München, 1990, ISBN 3-486-55391-7
  • Gerhard Schreiber: Deutsche Kriegsverbrechen in Italien : Täter - Opfer - Strafverfolgung, Verlag Ch. Beck, München 1996, ISBN 3-406-39268-7
  • Marlen von Xylander: Die deutsche Besatzungsherrschaft auf Kreta 1941 – 1945 (= Einzelschriften zur Militärgeschichte, Band 32), Freiburg 1989, ISBN 3-7930-0192-X
  • Mark Mazower: Inside Hitler‘s Greece. Yale University Press, New Haven and London 2001, S.190-200.

[Bearbeiten] Quellen

  1. Hermann Frank Meyer: Blutiges Edelweiß. Die 1. Gebirgsdivision im Zweiten Weltkrieg, 2008
  2. http://www.tagesspiegel.de/dritte-seite/archiv/26.09.2002/233372.asp
  3. Hannes Heer, Einübung in den Holocaust: Lemberg Juni/Juli 1941; in: ZfG 5/2001
  4. a b Hannes Heer: Blutige Ouvertüre. Lemberg, 30. Juni 1941: Mit dem Einmarsch der Wehrmachttruppen beginnt der Judenmord DIE ZEIT Nr. 26/2001; S. 90
  5. Gerhard Schreiber, Die italienischen Militärinternierten im deutschen Machtbereich 1943 bis 1945. Verraten - Verachtet - Vergessen, München 1990 (= Beiträge zur Militärgeschichte, Bd. 28), S. 156ff.
  6. Lexikon der Wehrmacht, Kriegsverbrechen der 1. Gebirgs-Division auf dem Balkan [1]
  7. http://www.gegen-vergessen.de/gegenvergessen/blutigespuren_112003.html
  8. http://www.tagesspiegel.de/zeitung/Die-Dritte-Seite;art705,2226280
  9. Lexikon der Wehrmacht, Kriegsverbrechen der 1. Gebirgs-Division auf dem Balkan [2]

[Bearbeiten] Weblinks

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