Hubertine Auclert

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Hubertine Auclert (1890)

Hubertine Auclert (vollständiger Name Marie-Anne-Hubertine Auclert; * 10. April 1848 in Saint-Priest-en-Murat im Département Allier in der Auvergne; † 4. August 1914 in Paris) war eine französische Sozialistin und Frauenrechtlerin. Sie war die erste Frauenrechtlerin, die sich 1882 selbst als féministe (Feministin) bezeichnete.[1]

Leben[Bearbeiten]

Hubertine Auclert wuchs als Kind wohlhabender Eltern in Zentralfrankreich auf. Mit dreizehn Jahren wurde sie Halbwaise. Ihre Mutter schickte sie in ein Klosterinternat, das sie nach acht Jahren verließ. Inspiriert von den Aktivistinnen der Pariser Commune wie Louise Michel und von der Sozialistin und feminististischen Pionierin Jeanne Deroin (1805–1894), die sie bewunderte, zog sie im Alter von 25 nach Paris, um an der wachsenden und nun legalen Frauenbewegung teilzunehmen. 40 Jahre lang bis zu ihrem Tod kämpfte sie für die Rechte der Frauen. Ein bescheidenes Erbe ihres Vaters ermöglichte ihr ein unabhängiges Leben.

Hubertine Auclert ist auf dem Friedhof Père-Lachaise in Paris begraben. Die Skulptur auf ihrem Grab trägt die Inschrift «Le Suffrage des Femmes» (Das Frauenwahlrecht).

Werk[Bearbeiten]

Hubertine Auclert (1910)

Hubertine Auclert gilt als eine der ersten Aktivistinnen der französischen Suffragettenbewegung. 1876 gründete sie den ersten Frauenstimmrechtsverein Frankreichs, die Société le Droit des Femmes, der 1883 in Société de Suffrage des Femmes umbenannt wurde, da dieser Name die fundamentalen Anliegen besser ausdrückte. Die Gruppe hatte das Motto „Keine Pflichten ohne Rechte, keine Rechte ohne Pflichten“.[2] 1881 gründete Auclert die Zeitung La Citoyenne.[3] Mit Artikeln sowie mit hunderten Petitionen und in öffentlichen Reden trat sie für die vollen Bürgerrechte von Frauen auf allen Gebieten ein, wie das Recht zu wählen, sich auszubilden, über eigenes Einkommen zu verfügen und sich scheiden zu lassen.

Vier Jahre, von 1888 bis 1892, lebte Hubertine Auclert in Algerien, wo sie sich für Mädchenschulen und die Abschaffung der Polygamie einsetzte. In ihrem Buch Les Femmes arabes en Algérie (1900) beschreibt sie die doppelte Unterdrückung algerischer Frauen durch die Traditionen und den Kolonialismus.[4]

Den Erfolg ihres Kampfes erlebte Hubertine Auclert nicht: Französinnen gestand man landesweit das Wahlrecht erst nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 zu, nachdem Frankreich sich im Sommer 1944 mit Hilfe der Alliierten von der deutschen Besatzung befreit hatte.

Schriften[Bearbeiten]

  • Les femmes arabes en Algerie. 1900. (Reprint: Editions L’Harmattan, 2009, ISBN 978-2-296-10756-4)
  • Le Nom de la femme. Société du Livre à l’auteur, Paris 1905.
  • Le Vote Des Femmes. 1908. (Reprint: Kessinger Publishing, 2010, ISBN 978-1-166-74460-1)

Literatur[Bearbeiten]

  • Steven C. Hause: Hubertine Auclert: The French Suffragette. Yale University Press, 1987, ISBN 0-300-03845-3.
  • Joan Wallach Scott: The Rights of the "The Social": Hubertine Auclert and the Third Republic. In: dies.: Only Paradoxes to Offer: French Feminists and the Rights of Man. Harvard University Press, 1997, ISBN 0-674-63931-6, S. 90ff.
  • Geneviève Fraisse: Hubertine Auclert: Pionnière du féminisme. Editions Bleu autour, 2007, ISBN 978-2-912019-62-2.
  • Charles Sowerwine: Sisters or Citizens? Women and Socialism in France since 1876. Cambridge University Press, 2009, ISBN 978-0-521-08990-6 (teilweise einsehbar bei Google Books)
  • Andrea Mansker: Sex, Honor and Citizenship in Early Third Republic France. Palgrave, 2011, ISBN 978-0-230-29403-5.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hubertine Auclert – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Biografie auf der Website des Centre Hubertine Auclert, Paris. (französisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christiane Streubel: Radikale Nationalistinnen. Agitation und Programmatik rechter Frauen in der Weimarer Republik. Campus Verlag, Frankfurt 2006, ISBN 3-593-38210-5, S. 63. (Reihe Geschichte und Geschlechter, Band 55)
  2. Charles Sowerwine: Sisters or Citizens? Women and Socialism in France since 1876. Cambridge University Press, 2009, ISBN 978-0-521-08990-6 , S. 23 f.
  3. Kirstin Olsen: Chronology of Women's History. Greenwood Publishing, 1994, ISBN 0-313-28803-8.
  4. Quelques mots sur Hubertine Auclert (1848 – 1914)