Huferkrankungen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Am Huf des Pferdes können zahlreiche Erkrankungen auftreten.

Strahlfäule[Bearbeiten]

ein durch Fäulnis völlig zerstörter Hufstrahl

Hauptartikel: Strahlfäule

Die Strahlfäule ist eine bakterielle Erkrankung des Strahls, hervorgerufen durch mangelnde Huf- und Stallpflege. Beim Hufe auskratzen fällt ein fauliger, beißender Geruch auf.

Hufabszess[Bearbeiten]

Eine eitrige Entzündung der Huflederhaut wird als Hufabszess bezeichnet. Die befallenen Pferde zeigen meist eine hochgradige Lahmheit und eine höhere Temperatur an dem befallenen Huf. Die Behandlung erfolgt durch ein punktuelles Einschneiden in den Huf so dass der Eiter abfließen kann. Häufig wird der Huf zuvor dadurch, dass er getränkt wird, angeweicht, um so ein „Durchbrechen“ des Abszesses zu erreichen. Anschließend wird ein Hufverband mit Ethacridin (oder einem ähnlichen Wirkstoff) angelegt um die entstandene Wunde antiseptisch zu behandeln. Sobald sich eine zarte Haut gebildet hat, kann die Wunde mit Heilerde abgedeckt werden.

Hufgeschwür/Hornmazeration[Bearbeiten]

Ein Hufgeschwür ist eine Entzündung im Huf. Es hat nicht wie beim Menschen etwas mit Krebs zu tun. Ein eingetretener Stein kann schon die Ursache für ein solches Geschwür sein. Entgegen den Meinungen vieler wandert dieser nicht in den gesunden Hufteil, sondern übt Druck auf den Huf aus. Wenn die Huflederhaut durch einen Druck überreizt wird, kann es zu eitrigen Entzündungen kommen – einem Hufgeschwür. Ein Schmerzsignal tritt dann auf, wenn das innerhalb der Hornkapsel eingeschlossene Mazerationsprodukt einen Druck auf die benachbarten Lederhautabschnitte ausübt. Hufgeschwüre können sich zu Hufabszessen entwickeln, wenn eine septische Entzündung der eröffneten Hufbereiche hinzukommt. Starke Lahmheiten sind die Folge. Hufgeschwüre haben nahezu immer ihre Ursache in einer unphysiologischen Belastungssituation.

Bis Tierarzt oder Hufschmied eintreffen, kann bereits etwas Vorarbeit mit einem Rivanol-Aufguss geleistet werden. Ein solcher Aufguss kann auch dazu führen, dass sich das Hufgeschwür eröffnet. Da der Druck nachlässt sobald der Eiter abfließen kann, lassen die Schmerzen nach. Hufgeschwüre behandelt meistens der Hufschmied. Dieser schneidet den Huf so weit ein, bis er zum Geschwür vorstößt, so kann das Geschwür aus dem Loch herauseitern. Manchmal muss der Eiter auch oben aus dem Kronrand heraus. Dies erreicht man mit Zugsalbe oder Leinsamen. Außerdem sollte der Huf drei- bis viermal täglich mit Schmierseife und Wasser ausgespült werden, damit der Huf leichter aufbricht.

Hufrehe[Bearbeiten]

Hauptartikel: Hufrehe

Die Hufrehe ist eine Entzündung der Huflederhaut, zumeist ausgelöst durch Stoffwechselprobleme, die im Extremfall zur Ablösung der gesamten Hufkapsel – dem so genannten Ausschuhen – führen kann.

Bei Hufrehe werden verschiedene Rehebeschläge verwendet oder alternative Therapien diverser Hufpflegeschulen durchgeführt.

Hufrollenentzündung[Bearbeiten]

Hauptartikel: Podotrochlose

Die Hufrollenentzündung entsteht meist durch Überlastung der Vorhand. Da sie den Knochen des Strahlbeins angreift ist sie irreversibel und führt in der Regel zur Unreitbarkeit des betroffenen Pferdes.

Die Hufpflegeschule nach Straßer sieht eine häufige Ursache für eine Hufrollenentzündung in dem vernachlässigten Kürzen der Eckstreben sowie untergeschobenen Trachten, die zu einem Zwanghuf führen. Die Eckstreben werden hierdurch von unten in den Huf und gegen den Hufrollenmechanismus gedrückt, welches zur Lahmheit des Pferdes und zur Auslösung eines entzündlichen Prozesses an der Hufrolle führt. Der anatomisch korrekte Ausschnitt des Hufes, insbesondere das „Ausgraben“ der Eckstreben, sowie die Weitung des Zwanghufes durch Wiederherstellen des Hufmechanismus können nach Straßer zur Beseitigung der Lahmheit und der Hufrollenentzündung führen.

Hufverletzungen[Bearbeiten]

Der Ballentritt ist eine Verletzung des Ballens, die sich das Pferd selbst zufügt, wenn es zu weit ausgreifend mit den Hinterhufen in die Ballen der Vorderhufe tritt oder ein anderes Pferd ihm auf die Ballen der hinteren Gliedmaße tritt. Als Kronentritt bezeichnet man entsprechend eine durch die Vorderhufe verursachte Trittverletzung an den Hinterbeinen im Bereich der Krone.

Platthuf/Flachhuf[Bearbeiten]

Platthuf oder Flachhuf bezeichnet eine Hufform, bei welcher die Sohle kein ausgeprägtes Gewölbe hat, und dessen Zehenwand sowie teilweise die Seitenwände eine flache Neigung haben und zuweilen nicht gerade verlaufen, sondern wie ein Grammophontrichter gegen den Boden aufgeweitet sind. Ursache kann u. a. eine Entzündung (Rehe) sein, wodurch sich die Hufwand teilweise vom Hufbein gelöst hat bzw. der Hufbeinträger sich stark verbreitert hat und das Hufbein sich gesenkt hat. Eine Therapie ist langwierig, aber fast immer möglich.

Steingallen[Bearbeiten]

Hauptartikel: Steingalle

Steingallen (Nageltritt, blaue Mäler) entstehen durch Quetschung und Entzündung der Huflederhaut besonders an den Vorderhufen von Pferden.

Untergeschobene Trachten[Bearbeiten]

Hufprothese zur orthopädischen Korrektur.

Hauptartikel: Untergeschobene Trachten

Unter untergeschobenen Trachten versteht man eine Verformung der hinteren Bereiche der Hornkapsel, bei der sich die Hornröhrchen der Hufwand flach legen und unter den Huf schieben.

Untergeschobene Trachten entstehen entweder durch eine zu lange Hufzehe oder bei zu starkem Hornabrieb im hinteren Bereich des Hufes durch das Tragen von Eisen. Ein Pferd mit untergeschobenen Trachten bekommt beim Auffußen starken Druck auf die Hufzehe, weshalb es vermehrt die Ferse belastet, wodurch die Zehe keinen Abrieb mehr erhält und immer weiter nach vorne wächst. Eine huforthopädische Korrektur der untergeschobenen Trachten ist deshalb auf jeden Fall notwendig.

Zwanghuf[Bearbeiten]

Hauptartikel: Zwanghuf

Unter einem Zwanghuf versteht man eine Deformation der Hornkapsel in der Art, dass der Tragrand im Bereich der Trachten so steil steht und die Trachten so eng sind, dass der Strahl eingeengt wird. Im Extremfall gehen die Trachtenendkanten nach unten nicht auseinander, sondern sind parallel oder gehen sogar zusammen. Die Folge ist, dass der Huf sich beim Auffußen nicht weitet, sondern verengt, was Schmerzen verursacht und zur Lahmheit führen kann.

Es wird im Detail unter Kronenzwanghuf, Tragerandzwanghuf, Trachtenzwanghuf, Sohlenzwanghuf unterschieden.

Gesundheitshinweis Bitte den Hinweis zu Gesundheitsthemen beachten!