Hugendubel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Hugendubel (Begriffsklärung) aufgeführt.
Buchhandlung Heinrich Hugendubel
Logo
Rechtsform GmbH & Co. KG
Gründung 1893
Sitz München, Deutschland
Leitung Stefan Höllermann
Thomas Nitz
Torsten Brunn
Nina Hugendubel
Maximilian Hugendubel
Stephanie Lange
Mitarbeiter 1100
Umsatz 302 Mio. Euro (Stand: März 2011)[1]
Branche Buchhandel
Website hugendubel.de
Stammhaus der Buchhandlung Hugendubel am Salvatorplatz in München (seit 2012 geschlossen)

Die Buchhandlung Heinrich Hugendubel GmbH & Co. KG wurde 1893 von Heinrich Karl Gustav Hugendubel in München gegründet.

Geschichte[Bearbeiten]

Familie[Bearbeiten]

Die Wurzeln der Familie liegen in Eichstätt. Ein Heinrich Hugendubel eröffnete dort 1869 die erste Buchhandlung. Diese wurde aber, so erzählt es zumindest die Familiengeschichte, wegen Schwierigkeiten mit dem dortigen Bischof bald wieder geschlossen.

Heinrich Karl Gustav Hugendubel kaufte 1893 eine bereits bestehende Buchhandlung am Salvatorplatz in München und legte damit den Grundstein für das Familienunternehmen. 1916 übernahm sein Sohn Heinrich Hugendubel die Leitung, dem 1934 wiederum der Sohn Paul Hugendubel nachfolgte. Nach dessen Tod 1943 führte seine Ehefrau Anneliese Hugendubel das Geschäft weiter. 1964 trat beider Sohn, Heinrich Hugendubel, in die Geschäftsleitung des Familienunternehmens ein. Unter ihm begann im selben Jahr der Ausbau des Filialnetzes.

Heinrich Hugendubel leitete das Unternehmen bis zu seinem Tod im Jahre 2005 als geschäftsführender Gesellschafter mit den weiteren Geschäftsführern Ekkehard Lux, Thomas Nitz, Torsten Brunn, Nina Hugendubel und Maximilian Hugendubel.

Im Januar 2011 kam das Unternehmen in die Schlagzeilen, weil dem Konzern im firmeneigenen Gewerkschaftsblog Zensur vorgeworfen wurde. Durch die Kooperation mit dem Weltbild-Verlag der katholischen Kirche kam es im Onlineshop von Hugendubel kurzzeitig zur Anwendung eines „Filters“, der zahlreiche schwul-lesbische, kirchenkritische, esoterische und kommunistische Artikel herausfilterte. Nach einhellig kritischem Medienecho wurde der Filter entfernt und entsprechende Titel wieder gelistet.[2]

Unternehmen[Bearbeiten]

„Leseinseln“ der Filiale am Münchner Marienplatz im Weihnachtsgeschäft

Zur Buchhandlung Hugendubel gehörte ein kleiner Verlag, der sich in den 1930ern auf Unterhaltungsliteratur ausrichtete. In die größere Wachstumsphase trat das Unternehmen 1964 mit dem Aufbau eines Filialnetzes in München ein. Den geschäftlichen Durchbruch brachte dabei die Filiale am Marienplatz 1979 mit dem innovativen Design, das Elemente klassischer Warenhäuser mit Elementen moderner Stadtbüchereien mischt: Vom Treppenhaus ragen, von allen Seiten aus sichtbar, Plattformen mit bequemen Sitzgarnituren in den Raum, die es Kunden gestatten, sich mit Büchern zum Lesen zurückzuziehen, während das Haus ansonsten sich auf Besucher ausrichtet, die sich frei in der Buchhandlung bewegen. Ladentheken sind aufgelöst zugunsten von Informationsständen, an denen man mit dem Verkaufskräften Recherchen vornehmen kann. Auf Tischen liegt Ware zum Zugreifen in großen Stapeln aus. Es gelang dem Unternehmen mit dem neuen Konzept, die konfrontative Situation aufzubrechen, in der der Kunde ein Beratungsgespräch eingehen muss. Die Zusammenarbeit mit Großverlagen, denen man Bücher in entschieden größeren Partien abkauft, erlaubte Umsatzsteigerungen und letztlich den Schritt in einen Buchhandel, der Bücher als Massenware absetzt. Häuser im neuen Design baute Hugendubel, in Meidung einer direkten Konfrontation mit dem Hamburger Rivalen Thalia, primär in Süddeutschland.

Das Unternehmen erweiterte in den 1980er-Jahren sein Verlagsgeschäft durch den Erwerb des Diederichs Verlags und durch die Ausrichtung des Hugendubel Hausverlags auf Esoterik und Lebensratgeber.

Seit 2006 trieb Hugendubel die Weiterentwicklung des elektronischen Warenwirtschaftssystems bookhit® für seine Bedürfnisse voran, das zuvor bei 350 Filialen von Weltbild plus, Buchhandlung Weltbild!, Jokers und Wohlthat'sche eingesetzt wurde.

Am 17. August 2006 gab das Unternehmen die Bildung der Firmengruppe DBH Buch Handels GmbH & Co. KG bekannt. Unter dem Dach dieser neuen Finanzholding wurde zum 1. Januar 2007 das Filialgeschäft der damals rechtlich weiterhin selbstständig bleibenden Buchhandelsunternehmen Habel, Hugendubel, Weiland, Weltbild sowie der Wohlthatschen vereinigt.

Die ehemals zum Heinrich Hugendubel Verlag gehörenden Imprints Diederichs, Irisiana, Kailash und Ariston wurden im Frühjahr 2008 an die Verlagsgruppe Random House verkauft. Sie sind somit nicht mehr Teil der Buchhandlung Heinrich Hugendubel GmbH & Co. KG.

2008 erwarb das Unternehmen 50 % der Anteile der Donaukurier-Buchhandelstochter Ganghofer GmbH.

Im Juni 2009 wurde ein Restrukturierungsprogramm bekannt. Es sieht vor, in Deutschland 179 von etwa 1500 Stellen abzubauen, das Sortiment zu überarbeiten und den Bereich Service neu zu organisieren.[3][4][5] Zum Januar 2011 wurden die verbliebenen Filialen von Buch Habel in Hugendubel umfirmiert.[6] Die Filiale in der Nürnberger Innenstadt wurde 2011 geschlossen. Die größte Filiale Berlins auf dem Kurfürstendamm wurde am 3. März 2012 geschlossen.

Im April 2012 wurde bekannt, dass die DBH Weiland komplett übernommen habe und die Weiland-, HERON- und Deuerlich-Geschäfte zum November 2012 in Hugendubel umbenannt würden. Die Weiland-Zentrale in Lübeck werde in die Hugendubel-Zentrale nach München eingegliedert. Geschäftsführer Henning Hamkens scheide zum Ende 2012 aus dem Unternehmen aus.[7] Seit Mai 2012 werden die beiden letzten Filialen von Schmorl und von Seefeld in Hannover unter dem eigenen Firmennamen weitergeführt.[8][9] Die Filialen waren bereits 2007 in den Besitz von Hugendubel übergegangen.

Im Jahr 2012 schloss auch das Stammhaus am Salvatorplatz, in dem zuletzt englische Bücher sowie das Antiquariat beheimatet waren.[10][11]

Anfang 2014 wurde in Folge der Insolvenz der Weltbildgruppe die Beziehung der beiden Unternehmen unter dem Dach der Finanzholding DBH Buch Handels GmbH weitgehend aufgelöst. Weltbild zog rund 220 Filialen aus der gemeinsamen Holding heraus, in dieser verbleiben 77 Filialen in 48 Städten, die unter dem Namen Hugendubel weitergeführt werden. Die bisher unter dem Namen Weltbild geführten Buchhandlungen in Karstadt-Kaufhäusern werden künftig als Hugendubel-Filialen laufen. Auch die Holding bleibt bei Hugendubel, somit können rund 2000 der 3000 Arbeitsplätze in der Holding erhalten bleiben.[12]

Bis Anfang 2016 muss das Unternehmen seine Filiale am Münchner Marienplatz schließen, weil der Mietvertrag nicht verlängert wurde. Nach der Schließung des Stammhauses galt diese Filiale, die 1978 als erstes Buchkaufhaus in Deutschland errichtet wurde, als Kern des Unternehmens. Die Filiale hatte als erste deutsche Buchhandlung mehr als 2000 m² Verkaufsfläche und zeichnete sich durch Leseinseln auf den Halbgeschossen aus, in denen Bücher ausführlich angelesen oder verglichen werden konnten.[13]

Unternehmensdaten[Bearbeiten]

Buch Habel in Darmstadt, heute Hugendubel

Im Jahr 2007 wurde ein Umsatz von 245 Millionen Euro erzielt. Innerhalb Deutschlands existieren derzeit 36 eigene Filialen. Neben einem Internetshop besitzt das Unternehmen Beteiligungen an den folgenden Firmen:

  • Buchhandelskette Weltbild: 50 Prozent (die anderen 50 Prozent hält der DBH-Partner Verlagsgruppe Weltbild). Die Läden firmieren teilweise noch unter den Namen Weltbild plus, Weltbild best und Buchhandlung Weltbild!, in Österreich unter A&M plus sowie A&M!. Alle Filialen sollen jedoch bis Ende 2009 einheitlich unter einem neuen roten Logo „Weltbild“ auftreten.
  • Orell Füssli Buchhandlungs AG, Zürich: 49 Prozent (via Hugendubel Holding AG, Zürich)
  • Schmorl & von Seefeld Medienhandelsgesellschaft mbH: 100 Prozent (seit Ende 2007)

Ab Juli 2008 kamen Verkaufsflächen in einigen von insgesamt 38 Karstadt-Filialen dazu (sogenanntes Shop-im-Shop-System). Dieses Geschäft kam durch das Scheitern der Zusammenarbeit zwischen Thalia und Karstadt zustande. Die neuen Verkaufsflächen wurden innerhalb der DBH Warenhaus aufgeteilt. In ausgewählten größeren Karstadt-Häusern erfolgt der Buchverkauf unter dem Namen Hugendubel (u. a. im Berliner KaDeWe und im Karstadt am Berliner Hermannplatz), ansonsten unter dem Namen Weltbild. Seit 2013 werden von der Hugendubel Fachinformationen GmbH als Tochterunternehmen spezielle Angebote für Groß- und Geschäftskunden angeboten.

Quellen[Bearbeiten]

Eingang Hugendubel am Karlsplatz in München
  1. Hugendubel in Zahlen. Abgerufen am 9. Januar 2013.
  2. Bastian Reinert: Hugendubel: Ausgefiltert. In: Frankfurter Rundschau. 25. Januar 2011.
  3. Stellenabbau: Erste Kündigungen bei Hugendubel und Buch Habel stehen bevor. In: Börsenblatt. 27. Juli 2009
  4. Hugendubel und Buch Habel: Betriebsräte fordern weitere Fakten. In: Börsenblatt. 17. Juli 2009
  5. Hugendubel und Buch Habel: 285 Arbeitsplätze fallen weg. In: Börsenblatt. 9. Juni 2009.
  6. Buch Habel wird zu Hugendubel. Abgerufen am 3. Januar 2011.
  7. Buchhandlung Weiland von Hugendubel geschluckt, Artikel der Lübecker Nachrichten vom 19. April 2012 (Version vom 22. April 2012 im Internet Archive)
  8. Aus Schmorl & von Seefeld wird Hugendubel. Abgerufen am 31. Mai 2012.
  9. Aus Schmorl wird Hugendubel. Abgerufen am 31. Mai 2012.
  10. Chronik der Buchhandlung Hugendubel. Abgerufen am 5. Mai 2013.
  11. Michael Tibudd: Hugendubel schließt Stammhaus - Das Ende der Keimzelle. Süddeutsche Zeitung, 14. März 2011, abgerufen am 5. Mai 2013.
  12. Süddeutsche Zeitung: Hugendubel rettet sich aus dem Insolvenzstrudel, 21. Februar 2014
  13. Süddeutsche Zeitung: Aus für Hugendubel am Marienplatz , 26. März 2014

Literatur[Bearbeiten]

  • Reinhard Wittmann: Hundert Jahre Buchkultur in München. Hugendubel, München 1993, ISBN 3-88034-740-9.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hugendubel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien