Hugenottenkirche (Erlangen)

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Hugenottenkirche und Hugenottenplatz in Erlangen, 2006

49.59627777777811.003555555556Koordinaten: 49° 35′ 47″ N, 11° 0′ 13″ O Die Hugenottenkirche ist das Kirchengebäude der evangelisch-reformierten Gemeinde in Erlangen. Sie wurde von 1686 bis 1693 im Zuge der Gestaltung der Erlanger Neustadt nach den Plänen von Johann Moritz Richter erbaut. Der Turm stammt aus den Jahren 1732–1736. Die Hugenottenkirche liegt in Erlangens Innenstadt am Hugenottenplatz, dem Erlanger Bahnhof gegenüber.

Geschichte[Bearbeiten]

Die „französisch-reformierte“ Hugenottenkirche ohne den später angebauten Turm, 1721

Ludwig XIV. erließ am 18. Oktober 1685 das Edikt von Fontainebleau und verwies damit calvinistische Geistliche des Landes. Gleichzeitig wurde die Ausübung des protestantischen Glaubens untersagt. Aus diesem Grund verließen die Hugenotten Frankreich in den folgenden Jahren. Der Markgraf Christian Ernst von Brandenburg-Bayreuth bot diesen Flüchtlingen an, eine neue Stadt für sie zu errichten, die Erlanger Neustadt. Die Planung dieser Stadt oblag Johann Moritz Richter, dem markgräflichen Oberbaumeister. Auf diese Einladung hin kamen etwa 1500 Hugenotten nach Erlangen, das bis dahin nur etwa 300 bis 500 Einwohner hatte.

Bald nach der Ankunft der ersten Flüchtlinge wurde am 14. Juli 1686 der Grundstein für die neue Kirche gelegt. Christian Ernst übernahm die Finanzierung und stellte Soldaten für die Bauarbeiten zur Verfügung. Da große Unsicherheit über die Zahl der zu erwartenden Neubürger bestand, wurde der Bauplan während der Arbeiten mehrmals geändert. Am 26. Februar 1693 wurde die Kirche schließlich eingeweiht.

Der Turm wurde erst 39 Jahre später errichtet. Die Finanzierung übernahm diesmal die Gemeinde selbst. Ein sogenanntes Kollektenpatent des Markgrafen erlaubte ihr, auch außerhalb des Markgrafentums Spenden für den Bau zu sammeln. Nach vier Jahren war der Turmbau 1736 abgeschlossen.

Bis 1822 wurden Gottesdienste in französischer Sprache gehalten, seitdem gab es nur noch deutschsprachige Gottesdienste.

Architektur[Bearbeiten]

Das Kirchengebäude hat einen rechteckigen Grundriss mit einem vorgesetzten Turm in der Mitte der Ostseite und ein hohes, abgesetztes Walmdach. Das Eingangsportal befindet sich in diesem Turm und wird von zwei ionischen Säulen begrenzt. Zwei Steintafeln darüber erinnern an die Fertigstellung der Kirche und des Turmes. Zum Grundstück gehört weiterhin ein Innenhof westlich der Kirche, der von einer Mauer umgeben ist. Den Abschluss zum Bahnhofplatz bildet eine Häuserzeile, die auch Gemeinderäume beherbergt.

Innenraum[Bearbeiten]

Der Innenraum der Hugenottenkirche wird durch zwölf Säulen gegliedert, die in einem Oval angeordnet sind und eine Empore tragen. Die Kanzel steht zentral, um die Bedeutung der Predigt im reformierten Gottesdienst zu unterstreichen. Vor der Kanzel befinden sich ein Abendmahlstisch und ein Taufbecken. Die Bänke der Gemeinde sind von drei Seiten auf die Kanzel ausgerichtet. Auf der Empore befinden sich die Orgel über dem Eingang und die markgräfliche Loge an der Südseite. Entsprechend der calvinistischen Tradition ist der Innenraum schlicht gestaltet.

Turm[Bearbeiten]

Die Viertelstundenglocke (Ton fis') aus dem Jahr 1702 hing bis zur Fertigstellung des Kirchturms über der Eingangstür der Kirche.

Die barocke Fassade des Kirchturms ist in drei Geschosse gegliedert. Darüber befindet sich eine zweistöckige Türmerwohnung, die gegenüber den anderen Geschossen leicht verjüngt ist. Dadurch ergibt sich eine umlaufende Galerie. Abgeschlossen wird der Turm von einer welschen Haube, die von einer Taube mit Ölzweig gekrönt ist. Die Turmuhr, die unterhalb der Galerie angebracht ist, hat die französischen Nationalfarben blau-weiß-rot. In der Glockenstube befinden sich die drei Glocken der Hugenottenkirche. Sie stammen aus den Jahren 1702, 1734 und 1938 und haben die Töne fis', h' und cis".

Orgel[Bearbeiten]

Die Orgel der Hugenottenkirche wurde von 1755 bis 1764 von Johann Nikolaus Ritter (1702–1782) gebaut. Die Finanzierung durch die Gemeinde wurde wesentlich durch den Kaufmann Abraham Merchand unterstützt. Die Orgal hat ein Manual, das durch eine Ventilkoppel an das Pedal gekoppelt ist. Die Orgel hat folgende Disposition:

Manualwerk C–

Prinzipal 8′
Bourdon 8′
Quintatön 8′
Octav 4′
(Fortsetzung)
Kleingedeckt 4′
Nassat I-II 3′ + 13/5
Quinta 3′
Superoctava 2′
(Fortsetzung)
Terz 13/5
Flageolet 1′
Mixtur IV
Trompete 8′
Pedal C–
Subbass 16′
Principalbass 8′
Posaunenbass 16′

Quellen[Bearbeiten]

  • Doo Won Cho/Marta Klajn-Prassol/Claudia Lämmlin/Bettina Trösch: Die Hugenottenkirche in Erlangen. Bauaufmaß und Bauforschung. In: Erlanger Bausteine zur fränkischen Heimatforschung 54/2012, S. 9-161.
  • Andreas Jakob: Die Hugenottenkirche in Erlangen. "Das eindringlichste Bauwerk reformierter Tradition in Bayern". (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Erlangen, Nr. 12). Wendelstein 2013, S. 11-261.
  • Friedrich Schmidt: Die Entstehung der Neustadt Erlangen und die Erbauung des markgräflichen Schlosses. Erlangen 1912.
  • Oliver V. Thomas und Björn Reimer: Die Hugenottenkirche in Erlangen, Der Turm der Hugenottenkirche in Erlangen und Die Orgel der Hugenottenkirche in Erlangen. Herausgegeben von der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Erlangen.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Reformierte Pfarrkirche (Erlangen) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien