Hugh Davies

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Hugh Seymour Davies (* 23. April 1943 in Exmouth, England; † 1. Januar 2005 in London) war ein britischer Musiker und Komponist der Neuen und Improvisationsmusik. Er zählte zu den Pionieren der elektroakustischen Musik.

Leben und Wirken[Bearbeiten]

Bereits als Jugendlicher kaufte sich Davies Karlheinz Stockhausens „Gesang der Jünglinge“ als Platte und beschäftigte sich mit Stockhausens Tonsprache. Nach dem Besuch der Westminster School studierte er von 1961 bis 1964 Musik an der Universität Oxford Musikgeschichte, Harmonielehre und Kontrapunkt bei Frank Harrison und Edmund Rubbra. Anschließend arbeitete er für zwei Jahre in Köln als persönlicher Assistant von Karlheinz Stockhausen. Als Mitglied von dessen Musikensemble war er an der Aufnahme von „Mikrophonie I“ beteiligt und lernte dabei die von dem WDR-Tontechniker Jaap Spek und Stockhausen entwickelte Methode des Einsatzes von Kontaktmikrophonen kennen. Dann arbeitete er für die Groupe de Recherches Musicales des französischen Rundfunks und katalogisierte alle damaligen Aufnahmen der elektronischen Musik.[1] 1967 begann er damit, gefundene Gegenstände mit Hilfe von Kontaktmikroponen zu elektronisch verstärkten Musikinstrumenten umzufunktionieren; so entwickelte er das „Shozyg“, das aus verschiedenen verstärkten Objekten bestand, die in einem Band eines Lexikons installiert waren, der die Wörter von „Sho“ bis „Zyg“ umfasst. Im gleichen Jahr gründete Davies das Goldsmith's College Studio of Electronic Music an der University of London, dessen Leiter er bis 1986 war (dann war er dort bis 1999 als Berater tätig). Seit 1986 war er als Berater für elektronische Instrumente an der Musikabteilung des Gemeentelijk Museum von Den Haag tätig. Ab 1999 lehrte und forschte er an der Middlesex University.

Gemeinsam mit Derek Bailey, Evan Parker und dem Perkussionisten Jamie Muir gründete Davies 1968 die Music Improvisation Company, deren erste Platte Ende 1969 von ECM veröffentlicht wurde.[2] Auch arbeitete er mit dem Ensemble Gentle Fire zusammen, das elektronische Musik aufführte. Während der 1970er Jahre gehörte er auch der Artist Placement Group an. [3]

1982 gehörte Davies zu den Gründern der Confédération Internationale de la Musique Électroacoustique, deren Sekretär er bis 1986 war. Als Komponist schrieb Davies nicht nur Musik für konventionelle Instrumente, sondern beschäftigte sich hauptsächlich mit elektronischer Musik (Live und auf Tonband) und Werken für das zeitgenössische Musiktheater sowie mit Werken für von ihm selbst erfundene verstärkte Instrumente (die auch für Klangskulpturen und Installationen eingesetzt wurden.) Häufig trat er solo auf. Gelegentlich spielte er in einem Improvisationstrio, das er mit Roger Turner und mit John Russell hatte. Auch trat er im Duo mit Hans-Karsten Raecke und mit Max Eastley auf. Weiterhin kam es zur Zusammenarbeit mit Bailey, Fred Frith, dem London Improvisers Orchestra und sogar der Popband Talk Talk (Spirit of Eden, 1988). Er war an der Uraufführung von Jonathan Harveys Madonna of Winter and Spring beteiligt. Auf Phil Mintons und Veryan Westons Songs from a Prison Diary ist er als Sänger zu hören.

Ausgewählte Diskographie[Bearbeiten]

  • Performances 1969-77 (1969-1977, another timbre)
  • Shozyg: Music for Invented Instruments (1982, FMP/SAJ)
  • Interplay (1996/97, fmr) mit John Russell & Roger Turner bzw. Max Eastley, Hans-Karsten Raecke oder Hilary Jeffrey
  • Warming Up With the Iceman (2001, Grob)

Weblinks[Bearbeiten]

Nachweise[Bearbeiten]

  1. 1968 wurde dieser International Electronic Music Catalog von der MIT Press veröffentlicht.
  2. Seit längerem ist diese Platte nicht mehr im Programm des Labels. Vgl. auch Music Improvisation Company 1968-1971, Incus
  3. Tate Gallery Artist Placement Group