Hugo Boss

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Dieser Artikel behandelt die Marke Hugo Boss. Für den gleichnamigen Gründer der Marke siehe Hugo Ferdinand Boss.
Hugo Boss
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Rechtsform Aktiengesellschaft
ISIN DE000A1PHFF7
Gründung 1924
Sitz Metzingen

Leitung

Mitarbeiter 12.496 (2013)[1]
Umsatz 2,43 Mrd. EUR (2013)[2]
Branche Textilindustrie
Website group.hugoboss.com

Die Hugo Boss AG ist ein börsennotierter Bekleidungshersteller mit Sitz in Metzingen in Baden-Württemberg. Boss oder Hugo Boss ist gleichzeitig eine der bekanntesten deutschen Modemarken.

Geschichte[Bearbeiten]

Anzeige in der Alb-Neckar-Zeitung, 1933
Boss-Filiale auf der 5th Avenue in New York, 2008

1924 wurde das Unternehmen von Hugo Ferdinand Boss (1885–1948) als Hersteller von Berufskleidung in Metzingen gegründet.[3]

In den 1930er Jahren bestand die Unternehmensleitung aus bekennenden Nationalsozialisten und erhielt Aufträge zur Lieferung von Uniformen an SA, SS, Wehrmacht und HJ. Das Unternehmen, das aus ca. 300 Mitarbeitern bestand, beschäftigte während des Zweiten Weltkriegs Zwangsarbeiter aus West- und Osteuropa.[4] Im Entnazifizierungsverfahren wurde Hugo Ferdinand Boss zunächst als „Belasteter“, dann als „Mitläufer“ eingestuft.[5] Die gelegentlich auftauchende Behauptung, Hugo Boss habe für den Entwurf der SS und Partei-Uniformen verantwortlich gezeichnet, ist falsch. Für diese waren die Organisationen selbst zuständig.[6] Im Juni 2000 trat die Hugo Boss AG der Stiftungsinitiative der Deutschen Wirtschaft zur Entschädigung der Zwangsarbeiter bei. Eine erste, vom Unternehmen in Auftrag gegebene und finanzierte Studie über die Situation im Dritten Reich wurde nicht, eine zweite, ebenfalls unternehmensseitig finanzierte Studie wurde veröffentlicht.[7][8]

Als Hugo Ferdinand 1948 starb, übernahm sein Schwiegersohn Eugen Holy die Firmenleitung. Erst in dieser Zeit begann das Unternehmen Herren-Anzüge herzustellen. 1967 übernahmen die Söhne von Eugen Holy, die Brüder Uwe und Jochen Holy, den Betrieb. 1975 wurde der österreichische Designer Werner Baldessarini eingestellt, der schließlich zum Chefdesigner aufstieg.[9] In den 1970ern begann auch der Fabrikverkauf von Hugo Boss in Metzingen, woraus sich im Laufe der Jahre eine ganze Outlet-Stadt entwickelte.[10] Am 19. Dezember 1985 ging das Unternehmen zunächst mit Vorzugsaktien an die Börse.

1991 wurde die italienische Marzotto-Gruppe Mehrheitsaktionär. Die Holy-Brüder verließen das Unternehmen 1993. Vorstandsvorsitzender wurde Peter Littmann, der 1993 die Jugendlinie Hugo und 1994 die nach dem Chef-Designer benannte Premium-Linie Baldessarini einführte. 1997 wurde erstmals in der Firmengeschichte für die Marke Hugo Damenmode von Hugo Boss entworfen. Nach Meinungsverschiedenheiten zwischen Littmann und der Marzotto-Gruppe wurde 1998 Werner Baldessarini zum Vorstandsvorsitzenden berufen, der u.a. mit Boss Orange als Nachfolgekollektion für die eingestellte Boss Sport Linie in die Sportswear-Sparte vorstieß. 2000 führte das Unternehmen unter der Marke Boss Woman eine in Mailand unter der deutschen Designerin Grit Seymour produzierte Hauptkollektion für Damenmode ein, die allerdings anfangs hohe Verluste einfuhr und erst 2002 nach einer Neupositionierung mit einem Design-Team am Standort Metzingen langsam erfolgreich wurde.[11][12] 2002 verließ Baldessarini das Unternehmen und der Boss-Manager Bruno Sälzer (ab 1995 Vertriebsvorstand) übernahm den Posten des Vorstandssprechers. Sälzer erschuf den Lifestyle-Konzern Hugo Boss, rettete die Damenlinie Boss Woman und trieb die internationale Expansion voran. 2005 trennte Marzotto seine Bekleidungs- und Modeaktivitäten in die Valentino Fashion Group ab, die damit bis Ende 2009 Hauptaktionärin von Hugo Boss wurde.

2007 wurde Valentino vom Finanzinvestor Permira für 3,5 Mrd. Euro übernommen, der seitdem maßgeblichen Einfluss auf das Unternehmen Hugo Boss ausübt.[13] Sälzer schied im Februar 2008, unter anderem wegen Meinungsverschiedenheiten über die Geschäftspolitik und über eine Sonderdividende zugunsten von Permira in Höhe von 345 Mio. Euro, aus dem Unternehmen aus.[14][15] Mitte 2008 wurde der ehemalige Louis Vuitton- und Christian Dior-Manager Claus-Dietrich Lahrs zum Vorstandsvorsitzenden bestellt.[16][17] Ende 2009 wurde Hugo Boss aus der Valentino Fashion Group herausgelöst; fortan wird der Anteil von Permira über die Red & Black Holding gehalten.[18] Seit einem Aktienverkauf im November 2011 hält die Red & Black Holding an Hugo Boss 66 % des gesamten Aktienkapitals und 89 % der Stimmrechte.[19] Im April 2010 waren Mitglieder der Familie Marzotto in den Aufsichtsrat bestellt worden, was Verkaufsgerüchte aufkommen ließ, die Permira aber dementierte.[20][21]

Im Januar 1999 ging Hugo Boss mit ihrem Internetauftritt erstmals online.[22] 2009 startete das Unternehmen den Versandhandel über einen Online-Shop auf der eigenen Website. Ende 2011 betrieb das Unternehmen weltweit 622 eigene Hugo Boss Geschäfte.

Marken[Bearbeiten]

Herren-Bekleidung[Bearbeiten]

Unter der Dachmarke Hugo Boss firmieren die beiden Marken Boss (Kernmarke) und Hugo (jugendliche Mode, 1993 für Herren lanciert).

Hugo Boss Herren-Marken
  • Boss Black (Business-, Abend- und Freizeitbekleidung)
  • Boss Selection (Herrenkollektion ab 2004, 2009 um Boss Selection Tailored Line erweitert, 2012 in Boss Black integriert)
  • Boss Orange (Freizeitmode ab 2004, lanciert 1998 als Boss Sport, ab 2000 als Boss Orange Label)
  • Boss Green (Sport- bzw. Golfbekleidung für Herren ab 2004, lanciert 1998 als Boss Golf, ab 2000 als Boss Green Label)
  • Hugo (jugendliche Modekollektion)

Die Marke Baldessarini wurde im September 2006 an Werner Baldessarini verkauft. Baldessarini verkaufte sie direkt anschließend an den zweitgrößten europäischen Herrenmodekonzern Ahlers in Herford. Im Boss-Portfolio wurde die Marke Baldessarini durch die bereits 2004 lancierte Kollektion Boss Selection ersetzt. Boss Selection wurde Mitte 2012 in die Hauptlinie Boss Black integriert und als eigenständige Kollektion aufgegeben.[23]

Damen-Bekleidung[Bearbeiten]

Im Geschäftsjahr 2011 machte die Damenmodesparte 11 % des Jahresumsatzes von Hugo Boss aus. Boss-Damenmode wird unter den folgenden Marken angeboten:

Hugo Boss Damen-Marken
  • Boss Black / Boss Woman (seit 2000; 2003 neu ausgerichtet)[24]
  • Boss Orange (seit 2006)
  • Boss Green (seit Ende 2010) [25]
  • Hugo (seit 1997)[26]

Kinder-Bekleidung[Bearbeiten]

Zudem gibt es seit 2008 eine Kollektion für Kinderbekleidung der Marke Boss Orange und seit 2009 eine in Lizenz gefertigte Boss Kidswear Kollektion für Jungen und Mädchen.

Heimbedarf[Bearbeiten]

2012 wurde die Boss Home Kollektion mit Bettwäsche, Frottierwaren und anderen Artikeln für den Heimbedarf lanciert.

Boss Fragrances[Bearbeiten]

Procter & Gamble vertreibt unter dem Namen Boss und Hugo bzw. Hugo Boss Parfüms, Cremes und Duschgels. P&G hat hierzu eine Markenlizenz von Hugo Boss erworben.

Designer bei Hugo Boss[Bearbeiten]

Ehemaliger Hugo-Designer Bruno Pieters, 2008

Die Designer der einzelnen Modekollektionen werden bei Hugo Boss 'Produktmanager' genannt.

  • Boss Black: Kevin Lobo (2009–2014), Ingo Wilts (2005–2009), Lothar Reiff (1977–2005)
  • Baldessarini: Werner Baldessarini (1994–2002)
  • Boss Selection: Kevin Lobo (2009–2012), Ingo Wilts (2004–2009)
  • Boss Woman: Eyan Allen (2011-), Karin Busnel (2008–, Head Designer), Graeme Black (2009–, Creative Consultant), Marta Szymendera, Ingo Wilts (2005–2009), Lothar Reiff (2002–2005), Natalie Acatrini (2002–2005), Caterina Salvador (2001–2002), Kathrin Hüsgen (1999–2006), Grit Seymour (1999–2001)
  • Boss Orange: Bernd Keller (HAKA, 2012-), Eyan Allen (2008–2011, Senior Vice President), Andrea Cannelloni (2005–2008), Ilka Bennewitz (2005–2009)
  • Boss Green: José Janga (2007–)
  • Hugo: Jan Loewen (2008–, Senior Vice President), Susan Blommen (2010–, Senior Head Designer), Bruno Pieters (Artdirektor 2007–2010), Eyan Allen (2007 Kreativdirektor), Volker Kächele (1993–2006)
Claus Dietrich Lahrs, CEO seit 2008

Anteilseigner[Bearbeiten]

Stammaktien
Anteilseigner
39,00 % Red & Black Holding (Permira)[27]
2,00 % Eigene Aktien
59,00 % Streubesitz

Bis einschließlich 15. Juni 2012 war das Grundkapital in auf den Inhaber lautende Stamm- und Vorzugsaktien eingeteilt. Am 15. Juni 2012 nach Börsenschluss wurden die Vorzugsaktien in Stammaktien umgewandelt und alle Aktien auf Namensaktien umgestellt. Das Grundkapital der Gesellschaft besteht seither aus 70.400.000 nennwertlosen Namensstammaktien.

Stand: September 2014

Marketing[Bearbeiten]

Die Hugo Boss AG fördert seit 1996 alle zwei Jahre als Kultur-Sponsor den von der Solomon R. Guggenheim Foundation verliehenen Hugo Boss Prize und unterstützt internationale zeitgenössische Ausstellungen. Ebenso besteht seit längerem eine intensive Zusammenarbeit mit den Salzburger Festspielen. So stattet Boss seit 1999 jedes Jahr diverse Aufführungen aus.

Im Segment Sport-Sponsoring ist Hugo Boss in den Bereichen Formel 1 (McLaren Racing, seit 1972),[28] DTM (Mercedes-AMG, seit 2006), Golf, Tennis (Davis Cup, seit 1987),[29] Fußball (Sponsor von Mario Gómez, seit 2009) sowie Segeln (seit 2003) tätig. Die Sponsoring-Aktivitäten des Unternehmens begannen 1972 mit der Unterstützung des Rennfahrers Jochen Mass und des Rennstalls McLaren.[30] Im Golfsport fungiert Hugo Boss sowohl als Ausstatter von Spielern (bspw. zum Stand 2012 Martin Kaymer, Ben Crane, Henrik Stenson, Max Kramer und weitere) als auch als Sponsor von Golf-Turnieren (BMW PGA Championship, BMW International Open, Hong Kong Open). 2003 wurde das Hugo-Boss-Segelteam mit einer eigenen Yacht um den Skipper Alex Thomson ins Leben gerufen.[31]

Kritik[Bearbeiten]

Im Juni 2014 wurde bekannt, dass Hugo Boss seine Mitarbeiter in der Türkei und Kroatien im Durchschnitt weit unter den eigenen "Sozialstandards" bezahlen lässt. Nur 308 bis 440 Euro zahlt die Luxusmarke seinen Angestellten in den beiden Ländern durchschnittlich, damit liegt der Lohn, je nach Auszahlung, zwischen 562 und 694 Euro unter dem türkischen Existenzminimum von 1002 Euro. Der Konzern reagierte bisher nicht auf den Fragebogen von der Kampagne für Saubere Kleidung, welches die Missstände recherchiert hatte. Die Hugo Boss AG hat zudem dafür gesorgt, dass der Name "Hugo Boss" aus einer Pressemitteilung getilgt wurde. Auf Anfrage war die Hugo Boss AG ebenfalls für keine Stellungnahme erreichbar.[32]

Bildergalerie[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Roman Köster: Hugo Boss, 1924-1945. Die Geschichte einer Kleiderfabrik zwischen Weimarer Republik und „Drittem Reich“. C.H.Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-61992-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hugo Boss AG – Geschäftsbericht 2013: Mitarbeiter
  2. Hugo Boss AG – Geschäftsbericht 2013: Konzernumsatz und Ertragslage
  3. Wall Street Online: Profil der Hugo Boss Aktie (abgerufen: 22. März 2012)
  4. Die Welt: Hugo Boss im Dritten Reich (23. September 2011)
  5. Zwangsarbeit in Metzingen: Die Firma Hugo Boss (abgerufen: 9. Mai 2010)
  6. Roman Köster: Hugo Boss, 1924–1945. Die Geschichte einer Kleiderfabrik zwischen Weimarer Republik und „Drittem Reich“. München 2011. Seite 41.
  7. Süddeutsche Zeitung: Studien über Hugo Boss in der NS-Zeit Mode mit brauner Vergangenheit (20. September 2011)
  8. Hugo Boss: Unternehmensstudie 1924 – 1945 (abgerufen: 22. März 2012)
  9. Mode.net: Werner Baldessarini (zuletzt abgerufen: 16. Mai 2010)
  10. Deutsche Zentrale für Tourismus: Metzingen: Boss Outlet Stores (zuletzt abgerufen: 16. Mai 2010)
  11. Focus: Hugo, Bruno, Boss (14. Mai 2007)
  12. FAZ: Vom Verschwinden der Star-Designer (7. Februar 2005)
  13. Manager-Magazin: Boss in Not (2. November 2009)
  14. FAZ: Permira bekommt von Hugo Boss großzügige Dividende (13. März 2008)
  15. Süddeutsche Zeitung: Permira boxt Dividende durch (13. März 2008)
  16. Textilwirtschaft: Neuer Hugo Boss Chef Lahrs: Kein Strategiewechsel (16. Mai 2008)
  17. Claus-Dietrich Lahrs, in: Internationales Biographisches Archiv 33/2009 vom 11. August 2009, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  18. Textilwirtschaft: Valentino Fashion Group gliedert Hugo Boss aus (28. Dezember 2009)
  19. Stuttgarter Zeitung: Permira verkauft Boss-Aktien (14. November 2011)
  20. Textilwirtschaft: Gerüchte über Hugo Boss-Verkauf zurückgewiesen (16. April 2010)
  21. Süddeutsche Zeitung: Spekulation um Hugo Boss (16. April 2010)
  22. Textilwirtschaft: Hugo Boss ist online (28. Januar 1999)
  23. Modekonzern strafft Markenstruktur und stärkt seine Kernmarke, morgenpost.de, 12. Juli 2012
  24. Textilwirtschaft: Boss Woman: die Premiere (23. März 2000)
  25. Textilwirtschaft: Boss Green startet mit Womenswear (18. November 2009)
  26. Textilwirtschaft: Hugo für die Damen 10. April 1997
  27. Hugo Boss AG: Aktionärsstruktur
  28. Handelsblatt: Hugo Boss bei Sponsoring-Effizienz vorn, 13. Juli 2011
  29. Sponsors: Hugo Boss, Davis Cup, abgerufen am 30. Juni 2012
  30. Styleranking Hugo Boss: Wir übersetzen Sportthemen in die Kollektion, 20. Mai 2011
  31. Living Fine: „Hugo Boss“ sticht in See, Frühjahr 2012
  32. Spiegel-Artikel vom 15. Juni 2014, abgerufen am selben Tag