Hugo Claus

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Hugo Claus (1961)

Hugo Maurice Julien Claus (* 5. April 1929 in Brügge; † 19. März 2008 in Antwerpen) war ein belgischer Schriftsteller. Er trat auch als Maler, Dramatiker, Journalist, Lyriker, Librettist, Drehbuchautor, Übersetzer sowie als Film- und Fernsehregisseur hervor und gilt als der bedeutendste belgische Nachkriegsschriftsteller in niederländischer Sprache. Sein bekanntestes Werk ist der Bildungsroman Het verdriet van België (deutsch: Der Kummer von Flandern bzw. Der Kummer von Belgien).

Sein Tod führte zu einer erneuten öffentlichen Diskussion über die in Belgien legalisierte Sterbehilfe, da der an Alzheimer erkrankte Claus den Zeitpunkt seines Todes selbst bestimmt hatte.[1]

Leben[Bearbeiten]

Claus war der älteste Sohn einer flämischen Druckerfamilie. Von 1933 bis 1939 lebte er in einem katholischen Internat in Aalbeke. Anschließend besuchte er weiterführende Schulen, zunächst in Kortrijk, dann in Deinze. 1946 verließ Claus sein Elternhaus und belegte Kurse an der Genter Kunstakademie. 1949 wurde er zum Wehrdienst eingezogen und war u.a. bei der Zeitschrift Soldatenpost beschäftigt. Nach dem Wehrdienst begann seine schriftstellerische Karriere.

Claus heiratete 1955 zum ersten Mal, aus der Ehe ging 1963 der Sohn Thomas hervor. Von 1974 bis 1978 lebte er in Paris in zweiter Ehe mit der Schauspielerin Sylvia Kristel. 1975 wurde Sohn Arthur geboren.[2] In dritter Ehe war Claus mit Veerle Claus-De Wit verheiratet.

Im Alter litt Claus an der Alzheimer-Krankheit. Im März 2008 machte er von der in Belgien legalisierten Sterbehilfe Gebrauch. Er starb in einem Antwerper Krankenhaus im Beisein seiner Frau und einer guten Freundin.[1]

Werk[Bearbeiten]

Seinen ersten Erfolg konnte er 1950 mit dem Buch Die Metsiers feiern, das in Deutschland 1951 veröffentlicht wurde. Zu der Zeit ging er nach Paris, um sich als Maler zu versuchen. Anschließend veröffentlichte er mehrere Romane und lebte zeitweise in Italien, den USA und Mexiko. Im Jahr 1965 drehte er den Film Die Feinde, zu dem er auch den Roman und das Drehbuch geschrieben hatte. In den 1970ern produzierte er eine Fernsehsendung über Rubens.

1983 erschien sein heute bekanntestes Werk: Het verdriet van België. Das Buch ist ein Bildungs- und Familienroman und spielt in der Zeit des Zweiten Weltkriegs in Flandern. Ein Schwerpunktthema ist die flämische Kollaboration während der deutschen Besatzung. Das Werk lehnt sich an Claus’ eigene Lebensgeschichte an. Eine deutsche Übersetzung erschien erstmals 1986 als Der Kummer von Flandern (Übersetzer: Johannes Piron). 1994 verfilmte Claude Goretta den Roman als dreiteiligen Fernsehfilm, der 1995 auch in Deutschland ausgestrahlt wurde.[3] 2008 erschien eine Neuübersetzung von Waltraud Hüsmert unter dem Titel Der Kummer von Belgien.

Claus verfasste über hundert literarische Werke, u.a. Gedichte, Erzählungen, Romane, Stücke, Libretti und Drehbücher. Sein Werk wurde mit mehr als vierzig Preisen geehrt. Seit seiner ersten Nominierung für den Literaturnobelpreis im Jahre 1992 galt er mehrfach als Anwärter für diese Auszeichnung.[4]

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

2001 wurde Claus mit dem Preis der Stadt Münster für Europäische Poesie ausgezeichnet und 2003 mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung (Hauptpreis).

Werke (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Die Reise nach England 1954
  • Die Verwunderung 1962
  • Deedee betreffend 1963
  • Freitag 1969
  • Das Jahr des Krebses 1972
  • Der Kummer von Flandern, Originaltitel: Het verdriet van België 1983, Neuübersetzung 2008: Der Kummer von Belgien
  • Das Sakrament (Roman; dt.1989)
  • Der Schwertfisch (Roman; dt. 1992)
  • Jakobs Verlangen (Roman; dt. 1993)
  • Die Leute nebenan. Aus dem Niederländischen übersetzt von Barbara Antkowiak, Alano, Aachen 1993, ISBN 3-89399-187-5.
  • Die Spuren. Ausgewählte Gedichte (dt. 1994)
  • Belladonna (Roman; dt. 1996)
  • Das Stillschweigen (Roman; dt.1998)
  • Gedichte (dt. 2000)
  • Unvollendete Vergangenheit (Roman; dt. 2001)
  • Der Schlafwandler. Drei Geschichten (dt. 2002)

Drehbücher[Bearbeiten]

  • 1958: Das Dorf am Fluß (Dorp aan de rivier)
  • 1960: Das Messer (Het mes)
  • 1966: Feuer auf der Haut (De dans van de reiger)
  • 1967: Wechsel auf das Glück (Jeudi on chantera comme dimanche)
  • 1972: C.A.T.S.
  • 1975: Pallieter
  • 1981: Menuett (Menuet)
  • 1984: Der Löwe von Flandern (De leeuw van Vlaanderen) – auch Regie
  • 1987: Diary of a Mad Old Man
  • 1987: Mascara
  • 1989: Das Sakrament (Het sacrament)
  • 1994: Der Kummer von Flandern (Le chagrin des Belges)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hugo Claus – Weitere Bilder

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Belgischer Rundfunk: Presseschau vom 20. März 2008. Abgerufen am 23. August 2009.
  2. evene.fr: Hugo Claus. Abgerufen am 23. August 2009.
  3. fernsehserien.de: Der Kummer von Flandern. Abgerufen am 23. August 2009.
  4. Spiegel Online: Hugo Claus ist tot. 19. März 2008. Abgerufen am 23. August 2009.