Hugo Höllenreiner

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Hugo Adolf Höllenreiner (* 15. September 1933 in München) ist ein Zeitzeuge für die Verfolgung der Sinti während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.

Leben[Bearbeiten]

Höllenreiners Eltern wählten den zweiten Vornamen ihres Sohnes, um ihn damit vor der ab 1933 aufziehenden Bedrohung durch die Nationalsozialisten zu schützen. Er wuchs in München im Stadtteil Giesing in der Deisenhofener Straße[1] auf. Sein Vater besaß dort ein Haus und betrieb eine Pferdehandlung. Er wurde mit der Familie am 8. März 1943 verhaftet[1] und am 16. März 1943[2] in das Zigeunerlager Auschwitz deportiert, wo Josef Mengele ihn und seinen Bruder mit brutalen medizinischen Experimenten quälte. Über die Lager Ravensbrück und Mauthausen kam Höllenreiner nach Bergen-Belsen. Er, seine fünf Geschwister und beide Eltern überlebten die Verfolgung der Sinti im Dritten Reich. 36 Familienmitglieder wurden getötet.[1]

Nach Kriegsende wohnte die Familie wieder in Giesing, später in Waldtrudering und dann in Ingolstadt. Der 12- bis 13-jährige Höllenreiner begann einen Handel mit Bürsten und trug damit wesentlich zum Familieneinkommen bei.[1]

Seit den späten 1990er Jahren berichtete Höllenreiner in zahlreichen Vorträgen als Zeitzeuge über seine Erlebnisse.

Auszeichnung[Bearbeiten]

Am 2. Mai 2013 erhielt er den Austrian Holocaust Memorial Award im Jüdischen Museum in München. Charlotte Knobloch, die Vorsitzende der Israelischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, hielt die Laudatio und überreichte den Preis.[3]

Darstellung in Literatur, Film und Musik[Bearbeiten]

In einer Reihe von Interviews erzählte Höllenreiner auch der Autorin Anja Tuckermann von seinem Schicksal während des Nationalsozialismus. Diese erhielt für Ihr Buch „Denk nicht, wir bleiben hier!“ Die Lebensgeschichte des Sinto Hugo Höllenreiner im Jahr 2006 den Deutschen Jugendliteraturpreis. Das Buch war zudem für den Geschwister-Scholl-Preis 2006 nominiert und ist auf der Kinder- und Jugendbuchliste Sommer 2008 von Radio Bremen und dem Saarländischen Rundfunk. Eine scharf negative Kritik zu Tuckermanns Verarbeitung der Lebensgeschichte leistet Wilhelm Solms in der Zeitschrift Antiziganismusforschung. Insbesondere wirft er ihr Grenzverschiebungen, Grenzverletzungen und eine zu geringe Beachtung der Reflektionsleistung Höllenreiners vor.[4]

Über Höllenreiners Schicksal wurde 2007 der Dokumentarfilm Angelus Mortis gedreht.

Adrian Coriolan Gaspar führte ab 2008 eigene Interviews mit Höllenreiner und setzte dessen Erinnerungen musikalisch in seinem ersten Orchesterwerk Symphonia Romani - Bari Duk um, einem Oratorium für Solo Bass, gemischten Chor und Orchester.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Anja Tuckermann: „Denk nicht, wir bleiben hier!“ Die Lebensgeschichte des Sinto Hugo Höllenreiner. Hanser, München 2005, ISBN 3-446-20648-5, S. 301.
  •  Elena Geus: Reden gegen das Vergessen In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 21. Januar 2006, ISSN 0174-4909, S. 34. [1]
  •  Frederik Obermaier: Jeden Tag den Tod vor Augen In: Donaukurier. 15. April 2006.
  •  Matthias Bahr, Peter Poth (Hrsg.): Hugo Höllenreiner Das Zeugnis eines überlebenden Sinto und seine Perspektiven für eine bildungssensible Erinnerungskultur. 1 Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2014, ISBN 9783170236684, S. 278.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d  Bernd Kastner: Das Leben, die Leiden In: Süddeutsche Zeitung. 20. April 2013, ISSN 0174-4917, S. R8.
  2. Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau in Zusammenarbeit mit dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma Heidelberg: Gedenkbuch: Die Sinti und Roma im Konzentrationslager Auschwitz Birkenau. Saur, München/London/New York/Paris 1993, ISBN 3-598-11162-2. (Dreisprachig: Polnisch, Englisch, Deutsch) Hauptbuch Männer S. 104
  3. Presseaussendung des Vereins Österreichischer Auslandsdienst Zugriff am 21. Juni 3013
  4. www.antiziganismus.de (PDF; 5,5 MB) aufgerufen am 7. Mai 2013