Hugo Herrmann (Musiker)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Hugo Herrmann (* 19. April 1896 in Ravensburg; † 7. September 1967 in Stuttgart) war ein deutscher Komponist, Organist und Chorleiter.

Leben[Bearbeiten]

Herrmann stammte aus einer Lehrerfamilie und hatte zunächst selbst das Ziel, Volksschullehrer zu werden. Seine erste Stelle fand er in Reichenbach am Heuberg. Im Ersten Weltkrieg wurde er im Alter von knapp 22 Jahren schwer verwundet. Nach dem Krieg kam er in den Schuldienst nach Balingen. Aber schon bald kam Herrmann nach Ludwigsburg und nutzte die Nähe zu Stuttgart, um am dortigen Konservatorium Musik zu studieren. Seine nächste Station führte ihn an die Hochschule für Musik Berlin, wo er Klavier, Orgel, Komposition und Dirigieren studierte. Zu seinen Lehrern zählten hier Walther Gmeindl und Franz Schreker. Seinen Lebensunterhalt verdiente Herrmann als Pianist und Organist, schon bald entstanden seine ersten Kompositionen. Im Jahr 1923 unternahm er eine Konzertreise in die Vereinigten Staaten und Herrmann beschloss, als Konzertmusiker, Organist und Kirchenchorleiter in Detroit, USA zu bleiben. Erst zwei Jahre später kehrte er nach Deutschland zurück. Er bekam Kontakt zu Paul Hindemith, einer damals zentralen Figur unter den deutschen Komponisten. In den Jahren 1925 bis 1935 verfasste er über 90 Kompositionen in den verschiedensten Besetzungen. 1926 erhielt er durch Vermittlung von Hindemith den Auftrag für eine Komposition für die Tage Neuer Musik in Donaueschingen. Hierfür entstand das Akkordeonwerk „Sieben Neue Spielmusiken“, welches den musikalischen Grundstein der Neuen Musik für das Akkordeon legen sollte. Im Jahr 1930 entstand im Auftrag des Stadttheaters Wiesbaden seine Oper „Vasantasena“, für die er einen Staatspreis erhielt, nach dem 1928 erhaltenen Schubert-Preis seine zweite wichtige Auszeichnung.

Karriere im Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Ab dem Jahr 1933 bekannte er sich in der Komposition von Männerchören zum „Neuen Deutschland“ und ließ ein Arrangement des Horst-Wessel-Lieds (NSDAP-Hymne: „Die Fahne Hoch“) für Akkordeon im Hohner-Verlag erscheinen. 1939 folgte der Eintritt in die NSDAP, Herrmann wurde Gauchorleiter „Gau Schwaben des Deutschen Sängerbundes“.[1] Von 1935 bis 1963 war Herrmann Leiter der Trossinger Harmonika-Fachschule (später Städtische Musikschule Trossingen, heute Hohner-Konservatorium).[1]

"Herrmanns Verhältnis zur NSDAP bedarf allerdings einiger Differenzierung, da sein kompositorisches Werk auch der Diffamierung durch die nationalsozialistische Presse ausgesetzt war, bis hin zu der Kennzeichnung als "entartet", wogegen sich Herrmann vehement und mit Erfolg wehrte."[2]

Werke[Bearbeiten]

  • Sieben neue Spielmusiken, 1927
  • Schwäbische Dorfmusiken, 1933
  • Jahrmarktsmusik, 1935
  • Drei kleine Feiermusiken, 1936
  • Musikalische Bewegungsspiele, 1936
  • Rondoletto, 1937
  • Phantasie, 1938
  • Romantische Nachtmusik, 1938
  • Frühlingssonatine, 1940
  • Konzert für Akkordeon und Streich- oder Harmonika-Orchester, 1941
  • Liedvariation über "All mein Gedanken", 1941
  • Pastorale und Rondo, 1941
  • Toccata, 1941
  • Kleines Konzert für Akkordeon, 1943
  • Stimmungen, 1943
  • Feierklangspiel für eine Handharmonikaspielergruppe mit anderen Instrumenten ad. lib., 1943[3]
  • Weihnachtspastorale für eine Handharmonikaspielergruppe mit anderen Instrumenten ad. lib., 1944[4]
  • Häusliche Musik,1944
  • Feiermusik II für Orchester, Solooboe, Solocello und Concertino, 1944[5]
  • Pastorale Francaise für Akkordeon-Orchester und Schlagzug, 1945
  • Konzert-Etüden, 1946
  • Bolero concertante, 1947
  • Neun Tanzmusiken im Zeitstil, 1947
  • Der tönende Spielzeugkasten, 1947
  • Gemütliche Hausmusik, 1948
  • Concertino für Chromonika und Klavier, 1948
  • Romantische Nachtmusik, 1950 (Neufassung von 1938)
  • Altes und Neues zu zweien, 1950
  • Passacaglia, 1951
  • Ouvertüre Alla Zingarese, 1954
  • Allegro Moderato, 1957
  • Vivace, 1957

Nachwirkung[Bearbeiten]

Von Hugo Herrmann stammt die erste Komposition eines Solowerkes für Akkordeon. Er rief unter anderem die Pfullinger Kammermusik-Feste 1930-1933 sowie das Fest der Mannheimer Neuen Chormusik ins Leben. Nach Hugo Herrmann sind die Chorleiter-Seminare des Schwäbischen Sängerbundes, die Hugo-Herrmann-Seminare, benannt.

In der Ravensburger Weststadt ist im Wohngebiet Huberesch eine Straße nach Herrmann benannt.[6] Im Reutlinger Stadtteil Burgholz ist ebenfalls eine Straße nach ihm benannt.

Ehrungen[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2007, , ISBN 978-3-10-039326-5, S. 236.
  2. "Musiktheorie", Festschrift für Heinrich Deppert zum 65. Geburtstag (Tutzing 2000, ISBN 3 7952 1005 4), Seite 163 ff
  3. Autograph Sächsisches Staatsarchiv Leipzig.
  4. Autograph Sächsisches Staatsarchiv Leipzig.
  5. Autograph Sächsisches Staatsarchiv Leipzig.
  6. siehe auch Liste der Straßennamen in Ravensburg