Hugo Jury

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Hugo Jury (* 13. Juli 1887 in Mährisch Rothmühl, Bezirk Zwittau, Mähren, Österreich-Ungarn; † 8. Mai 1945 in Zwettl) war ein österreichischer Arzt und nationalsozialistischer Politiker.

Leben[Bearbeiten]

Jury war der Sohn eines Oberlehrers. Er schloss seine Schullaufbahn mit der Matura ab und nahm 1905 ein Studium der Medizin in Prag auf.[1] Nachdem er 1908 als Einjährig-Freiwilliger gedient hat, promovierte Hugo Jury nach seinem Studium am 31. Oktober 1911 zum Dr. med. an der Karl-Ferdinands-Universität Prag. Während seines Medizinstudiums wurde er 1905 Mitglied der Burschenschaft Ghibellinia zu Prag. Am 29. November 1908 wurde er während einer sog. „Graben-Schlacht“, d.h. einer Auseinandersetzung zwischen deutsch-nationalen und tschechisch-nationalen Studenten auf dem Prager Altstadt-Boulevard „Am Graben“, mit mehreren Messerstichen verletzt.

Er war von 15. Jänner 1913 bis 15. Jänner 1919 als Gemeindearzt in Frankenfels tätig.[2] Während des Ersten Weltkrieges war er Arzt der k.u.k. Armee.[1] Am 7. Juli 1918 wurde er für sein Wirken in der Gemeinde und seine Spenden an die Ortsarmen, etc. Ehrenbürger von Frankenfels.[3] Nach Kriegsende war er als Chef des Kriegsgefangenen-Offizierslagers in Puchenstuben, Wienerbruck und Mitterbach eingesetzt. Danach war er ab 15. Jänner 1919 Facharzt für Tuberkulose in St. Pölten.

Im Februar 1932 trat er in die NSDAP ein (Mitgliedsnr. 410.338). In St. Pölten war er Fraktionsführer seiner Partei im Gemeinderat und Ortsgruppenleiter.[4] Nachdem die österreichische NSDAP in der Zeit des Austrofaschismus verboten worden war, war er weiterhin im Untergrund für die NSDAP tätig, wofür er einige Male inhaftiert wurde, auch im Anhaltelager Wöllersdorf.

Von 1936 bis 1938 war er stellvertretender Landesleiter der illegalen NSDAP.[5] Ab 26. Februar 1938 erfolgte seine Ernennung zum Staatsrat. Ab dem 11. März 1938, während des Anschlusses von Österreich an das Deutsche Reich, war er kurzzeitig Minister für soziale Verwaltung der Regierung Seyß-Inquart. Am 12. März 1938 wurde er im Rang eines SS-Sturmbannführers in die SS übernommen (SS-Nr. 292.777), wo er im Juni 1943 bis zum SS-Obergruppenführer aufstieg. Er wurde nach der Ergänzungswahl im April 1938 Abgeordneter des nationalsozialistischen Reichstages. Im Mai 1938 wurde er Gauleiter des Reichsgaues Niederdonau, ab 1940 zusätzlich Reichsstatthalter und ab 1942 auch Reichsverteidigungskommissar für dieses Gebiet.[4]

Nach einer Aussage von Gottfried von Einem hatte Jury eine Affäre mit Elisabeth Schwarzkopf.[6] Zu Kriegsende beging er in Zwettl Suizid.

Literatur[Bearbeiten]

  • Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I Politiker, Teilband 3: I–L. Heidelberg 1999, S. 44–45.
  • Wolfgang Graf: Österreichische SS-Generäle. Himmlers verlässliche Vasallen, Hermagoras-Verlag, Klagenfurt/ Ljubljana/ Wien 2012, ISBN 978-3-7086-0578-4.
  • Jury Hugo. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 3. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1965, S. 157 f. (Direktlinks auf S. 157, S. 158).
  • Hugo Jury, Internationales Biographisches Archiv 32/1947 vom 28. Juli 1947, im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  • Christian Wiesler: Erwin Herbert Rainalter, der Schriftsteller und Dr. Hugo Jury, der Arzt, Diplomarbeit, Universität Wien, 2009.
  • Bernhard Gamsjäger und Ernst Langthaler: Das Frankenfelser Buch, Frankenfels 1997

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Wolfgang Graf: Österreichische SS-Generäle. Himmlers verlässliche Vasallen, Klagenfurt/ Ljubljana/ Wien 2012, S. 137
  2. Bernhard Gamsjäger und Ernst Langthaler (Hrsg.): Das Frankenfelser Buch. Frankenfels 1997, Seite 378
  3. Bernhard Gamsjäger und Ernst Langthaler (Hrsg.): Das Frankenfelser Buch. Frankenfels 1997, Seite 264
  4. a b Wolfgang Graf: Österreichische SS-Generäle. Himmlers verlässliche Vasallen, Klagenfurt/ Ljubljana/ Wien 2012, S. 138
  5. Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Fischer Taschenbuch Verlag, Zweite aktualisierte Auflage, Frankfurt am Main 2005, S. 293.
  6. Michael H. Kater (siehe DNB) in der englischen Tageszeitung The Guardian 24. August 2006 Triumph of the wilful