Hugo Lindemann

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Hugo Lindemann

Hugo Lindemann (* 9. August 1867 in Jaguerao (Brasilien); † 19. Februar 1949 in Bensheim) war ein deutscher Hochschullehrer und sozialdemokratischer Politiker. Er publizierte auch unter dem Pseudonym C.Hugo.

Leben[Bearbeiten]

Lindemann war Sohn des wohlhabenden Emigranten Rudolf Lindemann. Er besuchte in Ludwigsburg das Lyzeum und anschließend das Gymnasium in Hannover. In den Jahren 1884 bis 1889 studierte Lindemann in Göttingen, Bonn, München und Kiel Philosophie und klassische Philologie. Im Jahr 1889 promovierte er zum Dr. phil. in Kiel. Seit 1890 lebte Lindemann als freier Autor bevor er zwischen 1892 und 1896 zu einem Studienaufenthalt mit dem Schwerpunkt Nationalökonomie nach England ging. Teilweise in diese Zeit fällt seine Mitarbeit am Handbuch des Socialismus. Anschließend betätigte er sich wieder als wissenschaftlicher Autor. Lindemann war vor allem spezialisiert auf Kommunalpolitik, die kommunalen Wirtschaftsbetriebe und die Stadttechnik. Er war langjähriger Herausgeber des Kommunalen Jahrbuchs (1908 bis 1932), des Handwörterbuchs der Kommunalwissenschaften (1918 bis 1927) sowie der Kölner sozialpolitischen Vierteljahrsschrift (1920 bis 1930). Im Jahr 1916 habilitierte Lindemann und wurde Dozent für Kommunalwissenschaft an der Technischen Hochschule Stuttgart. Seit Oktober 1919 bis September 1933 war Lindemann neben Leopold von Wiese und Theodor Brauer Direktor an dem von Oberbürgermeister Konrad Adenauer maßgeblich initiierten Institut für sozialwissenschaftliche Forschungen und von 1920 bis 1933 auch ordentlicher Professor an der Universität Köln.

Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit betätigte sich Lindemann auch politisch in der SPD vor allem auch im kommunalpolitischen Bereich. So war er zwischen 1900 und 1909 Mitglied im Gemeinderat in Degerloch (bei Stuttgart). Von 1908 bis 1919 war er Mitglied des Bürgerausschusses bzw. Gemeinderat in Stuttgart. Er kandidierte 1911 gegen den Kandidaten der Konservativen und Nationalliberalen Karl Lautenschlager für das Amt des Stuttgarter Oberbürgermeisters. Lindemann erhielt 12.278 Stimmen und lag damit nur knapp hinter Karl Lautenschlager, der auf 13.154 Stimmen kam. Dies war bis in die Gegenwart das beste Ergebnis eines Sozialdemokraten bei Wahl eines Oberbürgermeisters in Stuttgart. Außerdem war Lindemann von 1903 bis 1907 Mitglied des Reichstags und vertrat dort den Wahlkreis Württemberg 10 (Gmünd, Göppingen, Welzheim, Schorndorf). In der Hauptwahl stimmte ein Teil der Sozialdemokraten für den Kandidaten der Zentrumspartei, damit dieser in die Stichwahl gelangt. Die Taktik ging auf: In der Stichwahl siegte Lindemann mit Unterstützung der Liberalen gegen den Zentrumskandidaten.[1] Von 1906 bis 1918 war er auch Mitglied der Zweiten Kammer des Landtags sowie 1919 bis 1920 der Verfassunggebenden Landesversammlung von Württemberg.

Während der Novemberrevolution wurde Lindemann Minister für wirtschaftliche Demobilisation in Württemberg, sowie in rascher Folger Arbeits- und Innenminister (bis Oktober 1919). Anschließend konzentrierte er sich auf seine wissenschaftliche und universitäre Laufbahn und war nur zwischen 1928 und 1933 Stadtverordneter in Köln.

Hugo Lindemann war mit Anna Lindemann geborene Fehn verheiratet, die in der Kölner Frauenbewegung aktiv war. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Lindemann gehörte der evangelischen Kirche an.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Reibel, Carl-Wilhelm: Handbuch der Reichstagswahlen 1890-1918. Bündnisse, Ergebnisse, Kandidaten. Zweiter Halbband. Düsseldorf: Droste Verlag, 2007, S. 1236-1239 (Handbücher zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien. Bd. 15)

Werke[Bearbeiten]

  • Handbuch des Sozialismus 1894
  • Kommunale Arbeiterpolitik 1905
  • Die deutsche Städteverwaltung
  • Das kommunale Wahlrecht gemeinsam mit Paul Hirsch Buchhandlung Vorwärts, Berlin 1905.
  • Steuern und Gebühren
  • Die städtische Regie 1907
  • Über Begriff und Bedeutung der Kommunalwissenschaft

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Heinz Schröder: Sozialdemokratische Parlamentarier in den deutschen Reichs- und Landtagen 1867–1933. Biographien, Chronik und Wahldokumentation. Ein Handbuch. Düsseldorf 1995, ISBN 3-7700-5192-0, S. 590
  •  Frank Raberg: Biographisches Handbuch der württembergischen Landtagsabgeordneten 1815–1933. Im Auftrag der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Kohlhammer, Stuttgart 2001, ISBN 3-17-016604-2, S. 506.
  • Walther Herrmann: Lindemann, Hugo. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 14, Duncker & Humblot, Berlin 1985, ISBN 3-428-00195-8, S. 586 f. (Digitalisat).
  • Biographisches Lexikon des Sozialismus Band I Verlag J.H.W. Dietz Nachf. GmbH Hannover S.198-200

Weblinks[Bearbeiten]