Hui-Chinesen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Hui (chinesisch 回族Pinyin Huízú) sind eine der 56 Nationalitäten Chinas, die offiziell als eigenständige Völker anerkannt worden sind. Die Hui sind in ihrer Kultur und viele auch in ihrem Aussehen den Han-Chinesen ähnlich, mit der Ausnahme, dass sie Muslime sind und deshalb einige religiös geprägte Sitten und Bräuche haben. Beim Zensus im Jahre 2010 wurden 10.595.946 Angehörige der Hui-Nationalität gezählt. Die ca. 20.000 Hui in Hongkong und ca. 100 in Macau wurden dabei nicht mitgezählt. Die ca. 52.000 Hui auf Taiwan werden von der Regierung der Republik China nicht als Nationalität anerkannt, sondern als Han-Chinesen islamischen Glaubens betrachtet.

Besondere Kennzeichen[Bearbeiten]

Hui-Chinese mit der typischen Kopfbedeckung

Zu den Hui zählen auch diverse kleinere muslimische Ethnien, die keinem der anderen großen islamischen Völker Chinas (Uiguren, Kasachen, Kirgisen, Dongxiang, Salar, Usbeken, Tataren, Tadschiken und Bonan) zugeordnet werden konnten, aber zu klein oder zu kompliziert waren, um sie als eigene Nationalitäten anzuerkennen. Eine Besonderheit der Hui ist, dass sie zwar über ganz China verstreut, örtlich aber konzentriert in „Hui-Stadtvierteln“ oder „Hui-Dörfern“, meistens im Umkreis der Moschee leben. Die jeweiligen lokalen Gruppen der Hui unterscheiden sich oftmals erheblich voneinander, insbesondere hinsichtlich ihrer Herkunft und Geschichte. So gibt es im Norden der Stadt Dezhou (Nordwest-Shandong) ein kleines Dorf namens Beiying, in dem 710 Hui (1990) leben, die überwiegend Nachfahren zweier Söhne (Andulu und Wenhala) eines Königs der Ureinwohner von den Sulu-Inseln (heutige Philippinen) sind. Der Sulu-König war im Jahre Yongle 15 (1417) mit einer 340-köpfigen Delegation auf Staatsbesuch am Hof der Ming-Dynastie gewesen und auf dem Heimweg in Dezhou verstorben. Seine beiden jüngeren Söhne blieben am Grab zurück, traten mit drei örtlichen Hui-Familien Xia, Ma und Chen in Heiratsbeziehungen und begründeten die Familien An und Wen. Im Jahre Yongzheng 9 (1731) bekam ihre inzwischen auf 193 Personen angewachsene Nachkommenschaft vom Qing-Kaiser die chinesische Staatsbürgerschaft verliehen.

Sprache[Bearbeiten]

Buch in Xiao'erjing

Die Hui sprechen überwiegend Chinesisch im jeweiligen örtlichen Dialekt und/oder Sprachen der örtlichen ethnischen Minderheiten. Im religiösen Bereich gibt es einen umfangreichen Wortschatz arabischen, persischen und türkischen Ursprungs. Der Nordwestchinesische Dialekt, den die Hui in Shaanxi, Gansu und Ningxia, Xinjiang und z.T. auch in Qinghai sprechen, wird in Kirgisistan, Kasachstan, Usbekistan und Tadschikistan Dunganisch (東干語) genannt. Dort leben über 100.000 Hui unter der Bezeichnung Dunganen.

In Lhasa und einigen anderen Orten Tibets, im Autonomen Bezirk Dêqên der Tibeter in der Provinz Yunnan sowie in den Gemeinden Dehenglong und Ashinu im Autonomen Kreis Hualong der Hui, Provinz Qinghai, leben insgesamt knapp 15.000 Hui, die Tibetisch (藏語) sprechen.

Einige tausend Hui, die sich selbst Tuomao (托茂人) nennen, leben im Autonomen Bezirk Haibei der Tibeter sowie im Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang. Sie sprechen Oirat-Mongolisch. Die etwa 4.500 Utsat-Hui in Sanya an der Südspitze von Hainan sind Nachfahren von Cham-Einwanderern, die Ende des 12. oder Anfang des 13. Jahrhunderts aus Vietnam nach China kamen. Sie sprechen Tsat (回輝語), eine austronesische Sprache, die zu den Sundischen Sprachen der Westlichen Malayo-Polynesischen Sprachfamilie zählt. Im Autonomen Bezirk Xishuangbanna der Dai leben knapp 600 Hui, die Paxi-Dai (帕西傣) genannt werden. Sie sprechen Dai, eine südwestliche Tai-Sprache. Weitere knapp 6.000 Hui im Kreis Eryuan, Autonomer Bezirk Dali der Bai sprechen Bai, eine sinotibetische Sprache.

Islam[Bearbeiten]

Hui-Chinesen beim Gebet in einer Moschee

Die chinesische Bezeichnung für Islam ist entweder „die Religion der Hui“ (回教 Huí jiào) oder die Transkription Yisilan [= Islam]-Religion (伊斯蘭教 Yīsīlán jiào).

Unter den Hui Nordchinas gibt es starke Einflüsse der zentralasiatischen Sufi-Schulen (Tariqas) wie Kubrawiyya, Qadiriyya, Naqschbandiyya (Chufiyya und Jahriyya) etc. meistens des Hanafi Madhhab, während unter den südöstlichen Gemeinschaften das Schafii Madhhab häufiger ist. Vor der Ihwani-Bewegung, der chinesischen Variante der Salafiyya-Bewegung, fusionierten die nördlichen Hui gern taoistisches Gedankengut und Kampfsport-Praktiken mit der Sufi-Philosophie.

Südöstliche Hui haben eine lange Tradition der Fusion von konfuzianistischen Lehren mit der Schari'a und dem Koran. Die Beiträge der Muslime des chinesischen Südostens zum konfuzianistischen Beamtentum sind bis in die Tang-Dynastie belegt.

Bei den Hui dienen auch Frauen als ahong (Imame oder muslimische religiöse Führer). Sie arbeiten als spirituelle Führer für Frauen () in ihrer Gemeinde. Einige dieser nü ahong dienen in Moscheen, die völlig getrennt von Moscheen für Männer sind, meistens aber werden von den Frauen Zimmer benutzt, die Teil der Moscheen für Männer sind. Einige nü ahong leben in der Moschee oder in mit ihnen verbundenen muslimischen Schulen. Teilweise erhalten sie auch ein Gehalt, nur ein kleiner Teil arbeitet ehrenamtlich. Die Anthropologin Maria Jaschok schätzt, dass es etwa siebenmal so viele Gebetsräume und Moscheen für Männer wie für Frauen gibt. Unterschiedliche Definitionen von „Frauenmoschee“ und das Fehlen von statistischen Daten macht eine genaue Aussage zur Anzahl aber unmöglich.

Zusätzlich zum Vorsitz in der nü si (Frauen-Moschee), hat eine nü ahong auch die Aufgabe, rituelle und moralische Orientierung zu bieten, an Eheschließungen und Beerdigungen teilzunehmen, die Predigt zu halten, politische und soziale Konflikte zu lösen und zu beraten. Zudem dient sie als Erzieherin. Es gibt viele Schulen für Hui-Frauen und -Mädchen, die von den Moscheen betrieben und von Hui finanziert werden.[1]

Ethnogenese[Bearbeiten]

Hui-Chinesen nach dem Gebet

Die Hui-Chinesen haben verschiedene Ursprünge. Einige an der Südostküste stammen von arabischen Händlern ab, die seit dem 9. Jahrhundert in China siedelten und sich mit der Zeit an die einheimische Bevölkerung anpassten, sich mit ihr vermischten und letzten Endes nur die andere Religion beibehielten. Für die den nordchinesischen Dialekt sprechenden Hui von Yunnan und in Nordchina gibt es eine andere Erklärung der Abstammung: Ihre Vorfahren waren mongolische, turkische und andere zentralasiatische Siedler, welche während der Yuan-Dynastie die Elite bildeten. Dokumente belegen, dass ein Großteil der nomadischen oder militärischen Gruppen eigentlich nestorianische Christen waren und während des Sinisierungsdrucks der Ming- und Qing-Dynastien zum Islam übertraten.

Dies erklärt das Ethnonym „Hui“, welches eine große Ähnlichkeit mit der Bezeichnung „Uiguren“ hat, obwohl die Bedeutung unterschiedlich ist. Das Wort „Hui“ wurde zumindest seit der Qing-Dynastie als Oberbegriff für chinesischsprachige Muslime und teilweise für Muslime im Allgemeinen benutzt. So konnte zum Beispiel ein Chinese der Qing-Zeit einen Uiguren als „Chantou“ beschreiben, der die „Hui“-Religion ausübte. Es wurde benutzt wie das Wort „Qingzhen“ im Südosten Chinas.

Bis in die frühmodernen Zeiten wurden die nordchinesischen Hui-Dörfer noch als „Blaukappen-Huihui“, „Schwarzkappen-Huihui“ und „Weißkappen-Huihui“ bezeichnet, um sie hinsichtlich ihres möglicherweise christlichen, jüdischen oder islamischen Ursprungs zu unterscheiden, obwohl schon damals die Hui Nordchinas im großen und ganzen islamisch waren.

Die zentralasiatischen Turkvölker und die Tadschiken bezeichnen die Hui-Chinesen als „Dunganen“. In Thailand werden chinesische Muslime „Chin Ho“ genannt, in Birma und in Yunnan „Panthay“. Es gibt einige chinesische Muslime oder zum Islam übergetretene Chinesen in Malaysia. Diese werden offiziell als Teil des „Bumiputri“, der dominierenden Malaiien gezählt. In der Gesellschaft werden sie jedoch als Teil der chinesischen Minderheit gesehen.

Verbreitung der Hui-Chinesen auf Provinzebene nach den Daten des Zensus 2010 (Stichtag 1. November 2010)[Bearbeiten]

Gebiet Zahl Anteil
Volksrepublik China 10.595.946 100,00 %
Ningxia 02.173.820 020,52 %
Gansu 01.258.641 011,88 %
Xinjiang 00 983.015 009,28 %
Henan 00 957.964 009,04 %
Qinghai 00 834.298 007,87 %
Yunnan 00 698.265 006,59 %
Hebei 00 570.170 005,38 %
Shandong 00 535.679 005,06 %
Anhui 00 328.062 003,10 %
Peking 00 249.223 002,35 %
Liaoning 00 245.798 002,32 %
Innere Mongolei 00 221.483 002,09 %
Guizhou 00 184.788 001,74 %
Tianjin 00 177.734 001,68 %
Shaanxi 00 138.716 001,31 %
Jiangsu 00 130.757 001,23 %
Jilin 00 118.799 001,12 %
Fujian 00 115.978 001,09 %
Sichuan 00 104.544 000,99 %
Heilongjiang 00 101.749 000,96 %
Hunan 000 94.705 000,89 %
Shanghai 000 78.163 000,74 %
Hubei 000 67.185 000,63 %
Shanxi 000 59.709 000,56 %
Guangdong 000 45.073 000,43 %
Zhejiang 000 38.192 000,36 %
Guangxi 000 32.319 000,31 %
Tibet 000 12.630 000,12 %
Hainan 000 10.670 000,10 %
VBA 0000 9.859 000,09 %
Chongqing 0000 9.056 000,09 %
Jiangxi 0000 8.902 000,08 %

Berühmte Hui[Bearbeiten]

Hui Liangyu
Flagge des bis 1949 autonomen "Sultanats" der Xibei San Ma

Drei als Ma-Clique (Xibei San Ma) bekannte Hui-Warlords beherrschten vor allem im Bündnis mit den Kuomintang 1912–1949 den Großteil der chinesischen Provinzen Ningxia, Gansu und Qinghai.

Quellen[Bearbeiten]

  1. http://www.saudiaramcoworld.com/issue/200804/china.s.nu.ahong.htm Anne Miller Darling

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hui-Chinesen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien